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SWR3 Worte

Friedrich Schorlemmer, einer der Pfarrer, die die Wende in der DDR vorangebracht haben, meint:

Jeder Mensch, der nach sich selbst fragt, kommt zu Fragen, die er letztendlich nicht beantworten kann:
Wo war ich vor meiner Geburt? Hat es mich da überhaupt schon gegeben? Wo werde ich nach meinem Tod sein? Werde ich dann noch in irgendeiner Form existieren? …
Wer den Dingen auf den Grund zu kommen sucht, wird das als glückhaft erfahren. Große Kunst ist einer der vielen Versuche, den Dingen auf den Grund zu kommen, der unergründlichen Wahrheit eine Form zu geben.
Wir aber schlittern immer wieder in eine Amüsement-Kultur, die die Menschen systematisch davon abhält, sich selbst zum Gegenstand zu werden. Mit der „Entgötterung ins Seichte“, wo nichts mehr erhaben, ehrfurchtsvoll, stauenswert ist, geht auch eine Entmenschlichung einher, weil Menschsein immer auch heißt, nach seinem Menschsein zu fragen.

Friedrich Schorlemmer. In: Friedrich Schorlemmer/ Meinhard Schmidt-Degenhard: Selig sind die Verlierer. Zürich (Pendo-Verlag) 1996, S. 83.
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