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SWR2 Wort zum Tag

„Ich liebe den, der du an dem Tage sein wirst, an dem du Du bist.“ Welch ein verständlicher Wunsch, was für eine Sehnsucht. Madeleine Delbrel, die beispielhafte Christin, drückt damit eine Lebensaufgabe aus, der sich wohl niemand entziehen kann. Wir sind noch nicht die, die wir sein könnten und sein sollten: Ich bin noch nicht, wir werden erst. Das bedeutet Schmerz und Lust zugleich. Liebend sind wir daran interessiert, dass Menschen sich entfalten und wirklich sie selbst werden können. „Ich warte darauf, was du dann tun wirst, du, der du dann Du bist“, heißt es weiter in diesem Text von Madeleine Delbrel. „Du weißt, dass ich dich liebe, damit du selbst dich findest,...“ Der Schmetterling, der in uns noch verpuppt ist, soll fliegen lernen und sich in seiner ganzen Schönheit zeigen.

Das ist ein  typisch adventlicher Gedanke und Wunsch.. Das Bild Gottes, das wir sind, soll und will sich entfalten – wie bei Jesus. In seinem Leben ist Gottes wahres Gesicht zu erkennen. Entsprechend ist in jedem Liebeswunsch, dass du Du wirst, eine Bitte an Gott selbst im Spiel. „Leg mein Gesicht frei, mach mich schön./ Wer mich entlarvt hat, wird mich finden. / Ich hab Gesichter, mehr als zwei, / Augen, die tasten vor im Blinden, / Herzen aus Angst, die vor Angst vergehen. / Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.“ Treffend sind diese Verse von Huub Oosterhuis. „Leg mein Gesicht frei, mach mich schön. / Wer sich entlarvt sieht, wird gefunden, /und wird ganz neu sich ganz verstehen,/ wird leben, offen, unumwunden / und nirgends hin verloren gehen./ Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.“

So geschieht die weihnachtliche Geburt. So erkennen wir in Jesus von Nazaret, wie Menschwerdung geht, wie Gott im Menschen zur Welt kommt. „Wir heißen  Kinder Gottes und wir sind es, aber was wir sein werden, ist noch nicht  heraus.“ (1 Joh 3,2)  Christlich Mensch werden ist, auf der Spur Jesu, eine unendliche, eine adventliche Geschichte.

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