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SWR2 Wort zum Tag

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Wenn ich diese alten Worte des Vaterunsers spreche, dann nehme ich eine Beziehung auf, dann rede ich zu einem Du. Das Gebet, das Jesus zu beten gelehrt hat, richtet den Blick auf Gott: Vater unser. Das klingt vertrauensvoll. Und es bringt mir Gott näher. Das sagt die Anrede Vater. Wenn ich Gott als Vater anrede, hole ich ihn aus weiter Ferne und sehe ihn mir gegenüber.
Und das erste, was ich zu ihm sage, ist: Geheiligt werde dein Name.
Wie kann ich den Namen Gottes heiligen? Heilig ist etwas, was mir ganz wichtig ist, das ich bewahren will, was unantastbar ist. So ist es auch mit Gottes Namen. Wenn ich Gott heilige, dann ist für mich jedes Leben etwas Besonderes, das ich nicht antasten oder verletzen darf, wo ich Schönes bewahre und mit dem, was einem Menschen wichtig und wesentlich ist, sorgfältig umgehe. In einer solchen Welt ist Gottes Name heilig.
Die Jüdin Etty Hillesum hat ein ergreifendes Zeugnis ihres Gottvertrauens angesichts des bevorstehenden Todes hinterlassen, das zeigt, wie Gottes Name geheiligt wird. Sie wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Tagebuch ist 1983 in Deutschland unter dem Titel „Das denkende Herz der Baracke" veröffentlicht worden.
Darin schreibt sie: Es sind schlimme Zeiten, mein Gott. Ich verspreche dir etwas, Gott: ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen  Tag hängen. Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt. Es wird mir immer deutlicher, dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst. Es ist das einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. Und vielleicht können wir mithelfen, dich in den gequälten Herzen der anderen Menschen auferstehen zu lassen.
Über die Zeiten und in veränderten Lebenssituationen lese ich in diesen Worten: Gottes Name wird nicht mit Worten geheiligt, sondern durch die Lebenspraxis jedes einzelnen Menschen. Wie ich lebe, leugne oder heilige ich den Namen Gottes. Deshalb möchte ich so leben können, wie es Kurt Marti in seinem Vaterunser umschreibt:  
dein name werde geheiligt
dein name möge kein hauptwort bleiben
dein name werde in jeder zeit konjugierbar
dein name werde tätigkeitswort

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