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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Flüchtlinge ? - na ja, wenn es sein muss - irgendwo wird schon Platz sein. Aber bitte nicht bei uns! Jedenfalls nicht in unserer Straße. Entsetzt lese ich, dass Mitbürger gegen Flüchtlingsunterkünfte protestieren. Nicht nur in Berlin-Hellersdorf, sondern in kultivierten Stadtteilen. Ich schäme mich, so etwas zu lesen! Sie sind gegen die Flüchtlinge, weil sie um ihre Sicherheit fürchten, sagen sie. Flüchtlinge könnten „herumlungern", vielleicht auf dumme Gedanken kommen. Und was genauso schlimm wäre: die Wohngegend könnte deshalb ihren Wert verlieren.

Die Furcht vor Flüchtlingen in der Nachbarschaft ist verständlich, aber nicht berechtigt! Natürlich weiß niemand, wie Menschen aus fremden Ländern sich in der Fremde zurechtfinden. Sie sind traumatisiert durch die Flucht. Sie haben sehr viel verloren. Und es ist ein Riesenproblem, dass Flüchtlinge in Deutschland erst einmal lange Zeit nicht arbeiten dürfen. Aber aus anderen Stadtteilen weiß man schon lange: In den Flüchtlingsunterkünften gibt es nicht mehr Probleme als bei anderen Menschen auch. Im Gegenteil. Zu den Flüchtlingen kommen Helfer, auch Nachbarn engagieren sich, manchmal gibt es lebendigen Austausch, sogar Hausaufgabenhilfe, Deutschkurse, gemeinsame Feste, gegenseitige Einladungen. Die Flüchtlinge sind froh, ihr Leben gerettet zu haben. Zur Zeit kommen besonders viele aus Syrien, aus Krieg und brutaler Gewalt. Sie fliehen vor dem Tod. Wollen einfach nur überleben. Sie wollen in Frieden leben, wie wir Deutschen seit dem zweiten Weltkrieg in Frieden leben können. Und deshalb integrieren sie sich schnell.

Ja, natürlich. Menschen aus fremden Gegenden sind uns fremd - und diese Fremdheit muss erst einmal überwunden werden. Mir hilft es, wenn ich dann mal andersherum denke und mich frage: Wie würde es mir gehen, wenn ich nur mit Mühe mein eigenes Leben gerettet hätte...und als Flüchtling in einem fremden Land ankäme? Ich wäre froh, wenn ich dort einfach nur willkommen wäre.

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