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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Was kostet eigentlich ein Mensch? Ich meine so insgesamt: Knochen, Muskeln, Leib und Seele. Wie hoch ist der Warenwert des Menschen? Eine zu schrille Frage? Den Wert eines Menschen ausrechnen? Darf man das überhaupt?
Es wird ja schon längst gemacht: Zum Beispiel im staatlichen Gesundheitswesen in England. Da entscheidet ein Institut, dass es umgerechnet maximal 35.000 Euro kosten darf, das Leben eines Menschen um statistisch ein Jahr zu verlängern.
Ich hab mich jetzt mal mit meinem Freund unterhalten. Der ist Mathematiker und von Beruf Versicherungskalkulator. Das war interessant. Er rechnet aus, wie viele Jahre ein Mensch statistisch leben darf, damit sich zum Beispiel eine Lebensversicherung auch für die Versicherungsgesellschaft rechnet. Wie lange leben Lehrer eigentlich, Bankangestellte, Zahnärzte und Berufskraftfahrer? Mein Freund schmunzelt und meint: „Reine Mathematik!" Ich hebe meine Augenbrauen und denke: Nun ja, das Menschenleben aus Sicht eines Mathematikers...
Täglich wird ja längst irgendwo der Wert des Menschen beziffert. Nach Zugunglücken oder Flugzeugabstürzen erhalten die Angehörigen ja ganz konkrete Entschädigungen.
Klar, den meisten Menschen erscheint die Frage, wie viel ein Mensch wert ist als unethisch. Und in Umfragen sagen die meisten, das Leben sei nicht in Geld auszudrücken und es wäre ihnen unendlich viel wert.
Ich kann nur sagen: Ein Menschenleben ist mit Gold nicht zu bezahlen. Klar brauchen wir Mathematiker, die unsere Versicherungen nicht zur Kaffeesatzleserei werden lassen. Aber der wahre Wert eines Menschen ist unermesslich. Drum habe ich meinem Freund gesagt: Der wahre Wert des Menschen ist nämlich der: Gott hat sein Auge darauf. Auf jeden Menschen. Auf jeden von uns. Kein Haar fällt vom Kopf, ohne dass Gott davon weiß. Steht so in der Bibel.
Gott ist wohl kein Mathematiker. Und Gott sei Dank, er ist auch nicht berechnend oder nachtragend, er braucht keine Lebensleistung von uns und hat keine Kalkulation im Kopf. Wir dürfen uns bei ihm sicher fühlen. Und geliebt. Er ist bei uns am Morgen und am Abend und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Darauf ist Verlass. 
Mein Freund, der Mathematiker sagt mir dann noch: „Übrigens, der Versuch, den Wert eines Menschen mathematisch genau zu bestimmen, geht fast immer schief." „Der Mensch, einfach zu kompliziert", sagt er. Gut so, denke ich.

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