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SWR4 Abendgedanken

„Wissen Sie, was das Schlimmste ist?", hat mich ein älterer Herr gefragt. „Wenn man umsteigt aus dem Berufsleben in den Ruhestand. Vorher war man jemand, im Beruf, man hatte seine Position und Anerkennung. Und dann plötzlich ist man ein Niemand. Das tut weh. Ich habe lange gebraucht, ehe ich das überwunden habe."
Ich kenne viele, die das nachempfinden können. Und manch einer, der vor diesem Wechsel steht, hat Angst vor genau dieser Zukunft. Was kann man da tun?
Vielleicht könnte man sich damit helfen, dass man überlegt: Was ist das Alter denn eigentlich? Einer hat einmal geantwortet: „Das Alter ist nicht der letzte Akt einer Tragödie, dann fällt der Vorhang und die Lichter gehen aus. Sondern das Alter ist so etwas wie die letzten Takte einer Ouvertüre. Da fängt es erst richtig an! Der Vorhang öffnet sich, die Lichter gehen an, und das Entscheidende beginnt."
Das Entscheidende könnte sein: mehr Zeit für sich und andere, für die Familie, für die Enkelkinder, für das Hobby, für Reisen. Das ist doch eine schöne Aussicht! Und Anerkennung und Liebe können einem die Enkelkinder reichlich geben - wenn man welche hat. Oder die Vereinskameraden. Oder die Mitsänger im Gesangverein.
Kann auch der Glaube eine Hilfe sein beim Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand?
Eine mögliche Antwort steht in der Bibel: „Die Frucht des Glaubens ist Geduld." (Gal.5,22)
Ich verstehe diesen Satz so: Der Glaube macht aus mir hoffentlich einen geduldigen Menschen. Und Geduld braucht es, um sich in einer neuen Situation zurechtzufinden. Am Anfang ist noch vieles ungewohnt und ungeübt. Das braucht Zeit. Aber ich erlebe oft: Wer mit Geduld an die Sache herangeht, der wird es gut schaffen.
Wenn Sie jetzt in einer solchen Lebensphase sind, vom Berufsleben in den Ruhestand, dann wünsche ich Ihnen Geduld bei diesem Übergang. Ich wünsche Ihnen aber auch den Mut, einzuwandern in dieses fremde Land. Sie können darauf vertrauen: Gott wird sie auch dort führen und bewahren.

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