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SWR4 Abendgedanken

„Kind, wie konntest du uns das antun?" Diesen Satz hat sicherlich schon mal die eine oder andere besorgte Mutter oder besorgter Vater los gelassen: „Wie konntest du uns das antun, einfach bei einem Freund zu übernachten ohne uns vorher Bescheid zu geben. Wir konnten vor Angst die ganze Nacht nicht schlafen. Wie konntest du uns das antun, mitten im Gewimmel der Großstadt einen anderen Weg zu gehen, wir haben dich gesucht, konnten dich nicht finden und hatten nur Angst, dir sei was zugestoßen." Angst ums Kind, dieses Gefühl kennen wohl alle Mütter und Väter. Auch Maria, der Mutter Jesu ist dies nicht fremd. Die Familie macht eine Pilgerreise von Nazareth nach Jerusalem. Auf dem Rückweg stellen die Eltern fest, dass ihr 12jähriger Sohn Jesus nicht bei der Gruppe ist. Er sich irgendwie abgesetzt hat. Sie gehen zurück nach Jerusalem, suchen ihn drei Tage und finden ihn endlich. Er sitzt im Tempel und unterhält sich mit den Lehrern dort. Und da spricht Maria genau diesen Satz: „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht."

Heute endet der Monat Mai, in der katholischen Kirche traditionell der Monat, in dem man besonders an Maria denkt. Maria war eine Frau, die es nicht gerade leicht hatte mit ihrem Sohn Jesus. Die Geschichte mit dem 12jährigen im Tempel war ja erst der Anfang. Mit dem erwachsenen Jesus hatte sie noch viel stärkere Konflikte. Von einem berichtet der Evangelist Markus: Maria möchte nicht, dass Jesus durch die Lande zieht, predigt und sich dabei mit den Schriftgelehrten anlegt. Sie will ihn nach Hause holen, aber er kanzelt sie mit den Worten: „Wer ist schon meine Mutter?" in aller Öffentlichkeit ab. (Mk 3,20-21) Eine harte Abfuhr, die sie da von ihrem Sohn bekommt. Und am Ende muss sie miterleben, wie ihr Sohn am Kreuz hingerichtet wird. Sie hat vieles durchgemacht, diese Maria. Vielleicht wenden sich deshalb viele Menschen mit ihren Sorgen und Nöten an sie, nicht nur im Monat Mai.

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