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SWR1 Begegnungen

Was früher Uli Hoeneß für den FC Bayern war, ist Stefan Wink für 13 tausend Sportler in der Diözese Mainz. Stefan Wink ist Sportmanager - Geschäftsführer des Katholischen Sportverbandes DJK in der Diözese Mainz.  Der gelernte Pädagoge unterstützt die Vereine vor Ort, plant für das Bundessportfest 2014 in Mainz und organisiert Sommerfreizeiten. Aber warum braucht  man einen katholischen Sportverband? Was machen die anders als ein großer Fußballverein zum Beispiel? Darüber hat sich  Andrea Emmel von der Katholischen Kirche mit ihm unterhalten.

Teil 1. Warum ein Katholischer Sportverband

Stefan Wink kommt gerade vom Fußball-Spielen. Regelmäßig trifft er sich mit Kollegen in der Mittagspause zum Sport. Als Ausgleich zum Bürojob. Früher hat er selbst Leistungssport gemacht, Leichtathletik, aber leider haben ihn Verletzungen zum Aufhören gezwungen. Sport ist trotzdem sein Leben geblieben, denn jetzt arbeitet er als Geschäftsführer beim Katholischen Sportverband DJK in der Diözese Mainz. Wer in einen DJK-Sportverein eintritt, zum Beispiel in Mainz, Nieder-Olm oder Bingen, der muss nicht katholisch getauft sein, aber er oder sie sollte schon etwas mit den christlichen Werten anfangen können, sagt Stefan Wink:

Wir haben drei Säulen; für uns geht's klar um Sport, wir wollen auch gewinnen, wenn wir im Sportwettbewerb antreten, dann gibt's die Säule des christlichen Glaubens der ganz wichtig ist, und es gibt die Säule der Gemeinschaft;  wir betreiben Sport um der Menschen willen und nicht um des Sportes willen. 

Kampf ja, aber nicht „Gewinnen-Wollen" um jeden Preis. Der DJK-Sportverband positioniert sich eindeutig gegen Doping im Sport, und wirbt für absolute Fairness. Schon den allerkleinsten Sportler wird das in ganz konkreten Situationen von ihren Trainern vermittelt:

 also in der Frage zum Beispiel, wie ich mich in ner unfairen Situation im Spiel verhalte, oder ob ich zum Beispiel zugebe, dass ich den Ball noch berührt habe, obwohl er ins Aus gegangen ist und dann sage, auch wenn´s mir im Spiel ein Nachteil ist, (....,) ich steh als Mensch hier und ich hab meine Grundüberzeugung und die hört auch im Sport nicht auf, sondern die trag ich hier auch weiter, auch wenn's ein Nachteil für mich ist. Und Werte und Fairness sind im DJK Sportverband ganz, ganz wichtig. 

Dazu gehört auch, dass der DJK-Sportverband sich ganz gezielt für Schwache einsetzt. Gerade im Sportbereich, in dem normalerweise nur Höchstleistung zählt. Es gibt zum Beispiel Sportmöglichkeiten für Behinderte, und gezielte Programme, um übergewichtige Kinder wieder fit zu machen und damit besser zu integrieren.  Stefan Wink betont immer wieder: es geht um den ganzen Menschen, also um Leib und Seele. Bei der DJK gibt's nicht nur Siegerehrungen und Sportfeste, sondern auch gemeinsame Gottesdienste. Und jeder Verein hat einen geistlichen Beirat. Sportler brauchen nicht nur einen Physiotherapeuten, sondern auch jemand, der sich um das Seelenleben kümmert:

 das ist ja auch bei Olympia so, beispielsweise entsendet die Katholische Kirche (zu Olympia) einen Olympiapfarrer, der genau dafür da ist, um eben auch für das seelsorgerische Gespräch für die Sportler da zu sein sowohl nach dem Sieg als auch nach der Niederlage, denn beides kann einen ja durchaus emotional hoch beanspruchen.

 Stefan Wink liebt seinen Beruf, denn er kann die Bereiche miteinander vereinen, die ihm wichtig sind: Sport, mit Menschen arbeiten und der Glaube. Bleibt noch die Frage nach dem komischen Namen: DJK heißt eigentlich „Deutsche-Jugend-Kraft". Klingt fast wie ein Nazi-Titel. Nein, Nein widerspricht Stefan Wink, die DJK Vereine sind schon viel älter, kommen aus der Jugendbewegung der neunzehn zwanziger in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts Jahre. Die Nazis haben die katholischen Sportvereine verboten:

 Zahlreiche DJK Mitglieder wurden damals in KZ´s ermordet oder direkt hingerichtet und viele Vereine wurden nach dem Krieg wieder gegründet.

Teil 2. Warum katholische Sportler in den Ferien segeln

Stefan Wink ist zwar Geschäftsführer eines katholischen Sportverbandes, aber er ist deshalb nicht dauernd auf dem Tennisplatz, oder beim Joggen im Wald. Meistens sitzt er im Büro oder ist unterwegs zu den Sportvereinen. Aber in den Sommerferien, da würde ich schon gerne mit ihm tauschen. Denn jedes Jahr geht Stefan Wink segeln, mit verschiedenen Gruppen aus den DJK Sportvereinen. So paradox es klingt, auf dem engen Schiff können Menschen ihrer Seele Freiraum geben:

Segeln hat für mich ne ganz eigene Spiritualität, es ist die Enge, auf der ich mich mit anderen Menschen zusammen befinde, im direkten Gegensatz zu der Weite, die das Schiff auf dem Meer hat, es ist das Ablegen vom Alltag, im dem Moment, wo ich ablege vom Steg bin ich draußen, bin ich weg, ist das Handy aus, hab ich kein Laptop hab ich kein Netz, ich bin nicht erreichbar, ich bin tatsächlich einfach weg, auf mich gestellt, und bin mit dieser Gruppe eben dann in diesem großen Ozean unterwegs und werde zurückgeworfen auf mich, auf diese Gruppe und kann mich dadurch auch wieder ganz anders diesem Erlebnis hingeben.

Ich spüre: Stefan Wink ist überzeugt vom Konzept seiner Sportverbandes. Die Vereine sollen nicht nur die sportlichen Höchstleistungen im Blick haben, sondern den ganzen Mensch. Klingt allerdings auch ein bisschen exklusiv. Ist diese Segelfreizeit nur was für ganz fromme Katholiken? Wird auf dem Schiff jeden Morgen und jeden Abend gebetet? Ja, auf dem Schiff wird auch gebetet, erklärt Stefan Wink, aber in einer ganz lockeren Art und Weise

Wir fangen jetzt nicht an, die Bibel durch zu arbeiten, sondern bieten den Menschen Gedankenimpulse an, die sie jetzt in dieser freien Woche, die sie haben, wo sie endlich mal rauskommen aus diesem Alltag, aus dieser Mühle, aus dem Arbeiten, aus anderen Zusammenhängen, in denen sie drinstecken, die sie mitnehmen können, dann anschließend wieder in ihren Alltag rüber.

Da taucht er wieder auf, der Grundgedanke der DJK, für den ganzen Menschen da zu sein, für seinen Leib und auch für die Seele, beim Sport, bei der Freizeit und auch im Alltag. Alle, die bei der Segelfreizeit mitfahren, egal ob Jugendliche, Studenten, oder Familien, sie wollen ihrer Seele etwas Gutes tun und Gleichgesinnte treffen. Sie wollen sich körperlich auspowern und über ihren Glauben nachdenken:

 Ich hab noch nie erlebt, dass jemand sagte - Nee, lass ma du, von Gott hab ich grade Urlaub, bei uns fahr´n die Leute mit, die sagen: ich nehm´ Gott mit in den Urlaub, auf meine ganz eigene Art und Weise, ganz unaufdringlich, aber er ist dabei.

Stefan Wink glaubt an einen lebensfreundlichen Gott, der es gut mit den Menschen meint. Für ihn sind die Segelfreizeiten zwar Arbeit, aber auch Urlaub vom Alltag:

Ich genieße die Freiheit auf dem Schiff. Wenn ich da sitze nach draußen schaue, auch aus meinem Büro weg bin, weg vom Alltag, dann zu spüren was Leben bedeutet, was Freiheit bedeutet, diese wunderschöne Natur zu erleben, das gibt mir sehr viel Kraft.

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