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SWR4 Abendgedanken

Es war für mich als Kind immer ein ganz besonderer Augenblick, auf den ich seit Wochen gewartet habe. Die Vorfreude stieg am letzten Schultag von Stunde zu Stunde, im Unterricht wurde nur noch gespielt und dann... Das Klingelzeichen! Wir sind aufgesprungen und dann nichts wie weg. Herrlich, der Weg nach Hause in die großen Ferien!
Weder Kinder noch Erwachsene, niemand kann Tag ein Tag aus volle Leistung bringen und wer keine Ferien hat wie die Kinder, der nimmt sich meistens Urlaub. Urlaub, das hat ganz viel mit erlauben zu tun: früher am Hof der Fürsten und Könige, mussten die Untertanen ihren Herrn fragen, wenn sie sich vom Hof entfernen wollten. War der Herr einverstanden, dann durften sie gehen, jetzt hatten sie Urlaub und ihre Pflicht ruhte.
Das ist heute nicht anders. Im Urlaub dürfen wir uns entfernen und auf Abstand gehen, zum Büro oder dem Betrieb, wo wir arbeiten, samt Computer, Terminen, den Kollegen und dem Chef. Was uns sonst nahe ist, ist uns jetzt fern. Das fängt für viele bei den Kleidern an: wer in Urlaub fährt lässt die Arbeitsklamotten zu Hause und kramt sein lockeres Urlaubshemd hervor.
Im-Urlaub-sein heißt: ich kann mir etwas erlauben. Als Kind wurde mir das immer schnell klar, wenn wir mit der Familie verreist waren. Wenn es darum ging, ob wir etwas durften oder nicht, sagte mein Vater meistens: „Komm, was soll´s, wir sind in Urlaub!" Das hat sich mir eingeprägt, denn hinter diesem Spruch stand meist ein großzügiges Ja. Bei der Eisdiele gab es dann ein extra großes Eis und „Was soll´s, wir sind im Urlaub!" bedeutete auch, dass wir länger aufbleiben durften. Ich erinnere mich an die Riesenrutsche oder das Trampolinspringen - eine ganze Stunde lang. „Was soll´s, wir sind in Urlaub!" - das war Großzügigkeit.
Ich finde das nach wie vor ein tolle Überschrift für den Urlaub: großzügig sein. Bei der Eisportion, beim Ausschlafen, bei der Zeiteinteilung. Wenn ich dann noch mit mir und anderen etwas großzügiger bin und bei der ein oder anderen Macke denke: „Komm, was soll´s, wir sind im Urlaub, dann steht einem gelungenen Urlaub nichts mehr im Weg. 
Ich wünsche Ihnen einen guten Abend - und hoffentlich einen schönen Urlaub.

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