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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Misstrauensvotum gegen den lieben Gott", schrieb vor etwa 100 Jahren Karl Kraus, ein österreichischer Schriftsteller (1874-1936).
Traue ich Gott eigentlich etwas zu in meinem Leben? Oder bin ich auch eher misstrauisch, ängstlich und sichere mich lieber gut ab. Das ist ja eine heikle Frage.
Vor kurzem sagt mir ein Freund: „Ich verlasse mich nur auf mich selbst." Klingt zunächst gut und stark. Klingt aber auch ein bisschen nach: Ich traue keinem, außer mir selbst.
Die Bibel wirbt immer mit diesem Vertrauen: „Ein feste Burg ist unser Gott." Steht im evangelischen Gesangbuch. Gottvertrauen ist etwas, was einen schützen kann, wenn man belagert ist von äußeren Feinden oder von Ängsten.
Ich glaube, wir dürfen Gott vertrauen: Die Welt wird nicht untergehen, die Finanzkrise werden wir überwinden und die Kirchen werden weiter bestehen, auch wenn uns manche Blitze treffen: Denn wir werden immer kleiner, immer ärmer und immer älter. Das sagt eine Studie der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die alten Menschen werden zahlreicher, aber das Geld nicht mehr so reichlich vorhanden sein. Auch werden wir weniger Menschen in den Kirchen sein. Das ändert aber nichts an dem Vertrauen, das die Menschen in ihren Glauben setzen.
Auch die Erwartungen an uns Christen werden eher zunehmen. Zum Beispiel von der Wissenschaft, von der Medizin, die immer mehr nach der christlichen Ethik fragt, ob wir all das tun dürfen, was wir medizinisch können.
Eine feste Burg ist unser Gott. Ich glaube, wir Menschen dürfen Gott viel mehr zutrauen.  Ich muss heute nicht alles alleine machen. Gott begleitet und behütet mich, ist neben mir, über mir, bei mir.
Mir haben Worte geholfen, die ich vor kurzem in einem Gottesdienst hörte: Quäle dich heute nicht, sondern lebe, sei gelassen und lass mal Gott machen. Traue deinem Gott was zu. Habe keine Angst, sondern schöpfe aus dem, der um dich herum ist, der dich heute umrandet, dich behütet und durch den Tag leitet. Lass Dich von Gott begleiten und vertraue auf ihn, er wird's schon machen.

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