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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Es gibt da einen Bockwurst-Verkäufer in New York mit einer etwas tragischen Geschichte. Sie spielt mitten in diesen Zeiten des wirtschaftlichen Auf und Ab. Sie fordert mich heraus, frohen Mutes weiter zu machen, auch wenn die großen Wirtschaftsweisen wieder einmal alles rabenschwarz sehen. Warum nicht einfach einmal auf das gute Bauchgefühl mit einem guten Schuss Gottvertrauen hören.
Dieser Würstchenverkäufer in New York also macht die besten Bockwürstchen in seinem Viertel. Die Leute kommen gerne zu ihm und das Geschäft läuft gut. Er stellt Plakate auf, ordert bald größere Mengen an Würsten und Brötchen. Das Geschäft brummt.
So gut er als Bockwurst-Verkäufer auch ist, so ungern beschäftigt er sich mit dem, was um ihn herum passiert. Er liest keine Zeitung, er hat den Tag über kein Radio laufen und schaut auch kaum Fernsehen. Er lebt eben für seine Würstchen.
Doch nun stellt sich die Frage, ob er nicht eine zweite Wurstkarre anschaffen soll. Der Bockwurst-Verkäufer zögert „Mein Sohn hat doch an der Universität Wirtschaft studiert", fällt ihm ein, „der wird es wissen."
Noch am selben Abend greift er zum Telefonhörer und ruft ihn an. „Bist Du wahnsinnig", meint der Sohn, „uns geht es wirtschaftlich doch schlecht, die Wirtschaft ist mitten in einer Rezession, wer weiß, wie das endet. Und da willst Du eine zweite Wurstkarre anschaffen. Mach das bloß nicht."
Der Würstchenverkäufer denkt sich: Das ist mein Sohn, der hat studiert, der muss es wissen. Also kauft er keinen neuen Wurstkarren. Warum soll er dann aber noch Plakate aufstellen? Bald bestellt er kleinere Mengen - man kann ja nie wissen. Vor lauter Angst vor einer Rezession verliert er mehr und mehr die Freude an seinem Beruf. Die Leute spüren das und bleiben weg. Nach einigen Monaten ist er pleite und muss seine Würstchenbude zumachen. Hat sein Sohn doch recht gehabt?
Manchmal habe ich den Eindruck, vielen geht es heute ähnlich wie dem Würstchenverkäufer. Sie wissen nicht, was sie tun sollen, verlassen sich auf Experten und sind am Ende enttäuscht. Was sollen wir tun in diesen unsicheren Zeiten? Martin Luther hätte dem Würstchenverkäufer einen anderen Rat gegeben. Luthers Motto war nämlich: „Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen".

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