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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„In jenen Tagen (...) wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.“ (Mk 13,24-27)
Das sind die Worte Jesu aus dem heutigen Sonntagsevangelium nach Markus. Sie klingen wie eine Drehbuchvorlage für einen Hollywood-Film über den Weltuntergang.
Und in der Tat: die Bilder, die Jesus verwendet, sind dramatisch. Der Kosmos stürzt in sich zusammen, eine spektakuläre Rettergestalt erscheint und sorgt für ein Happy-End, zumindest für die Guten, die „Auserwählten“.
Vom Ende der Welt ist auch heute immer mal wieder die Rede. Meist aber nicht im Zusammenhang mit der Religion. Längst sind wir Menschen in der Lage, unsere Erde zu ruinieren, entweder durch die Vernichtungskraft der atomaren Waffen oder durch die wachsende Umweltzerstörung, Stichwort: Klimakatastrophe.
Aber das wäre dann ja nicht das Ende des Kosmos, sondern „nur“ der Tod für unseren blauen Planeten.
In seiner Rede von der Endzeit geht es dem Mann aus Nazareth aber um das Kommen des Reiches Gottes.
Das jedoch, so glauben Christen, hat bereits mit dem irdischen Jesus begonnen. Durch seinen Tod und seine Auferstehung ist die Wende zum Guten eingeleitet. Da, wo Menschen sich dem Geist Jesu öffnen, wo sie dessen Botschaft zum Maßstab ihres Handelns machen, da ist Gottes Reich „im Kommen“.
Noch aber ist die Welt nicht frei von Hass und Gewalt, Krankheit, Leid und Tod.
Deshalb warten die Gläubigen auf die Vollendung des Reiches Gottes. Sie kann nur von Gott ausgehen.
Als Gott die Welt erschuf, entstanden auch Raum und Zeit. Deshalb wird sich die Schöpfung auch mit der Zeit vollenden und nicht in ihr. Von daher sind die biblischen Bilder vom Ende Ausdruck der Überzeugung, dass die Welt zeitlich und vergänglich ist. Aber das, worin sie gründet und was sie erhält, das ist ewig, das ist Gott selbst.
Deshalb hatten die frühen Christen auch keine Angst vor dem Ende. Sie erwarteten ungeduldig die Wiederkunft des Menschensohns. Eindrucksvoll überliefert der Apostel Paulus den dringlichen Gebetsruf der ersten Gemeinden: „Marána tha – Unser Herr, komm !“

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