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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Martin ist 12. Ein ehemaliger Straßenjunge. Jeden Morgen um vier war er schon auf dem Fischmarkt. Kisten schleppen. Eine schwere Arbeit. Und obendrein schlecht bezahlt. Eigentlich hatte Martin keine Perspektive, dieser Armut zu entkommen.
Doch dann war er dem Johann begegnet. Der Streetworker hatte ihn einfach mitgenommen. In sein so genanntes„Rettungshaus". Und genauso fühlte sich Martin auch: mit Leib und Seele gerettet. Der Junge hatte nun ein Zuhause. Endlich.
Martin denkt an den dunklen Fischmarkt zurück, als er die große, warme Stube betritt. An jedem Abend im Advent versammeln sich alle Kinder. Auf der großen Tafel mitten im Raum steht ein riesiger Kranz. Gut 2 Meter Durchmesser hat das Teil. 4 große weiße Kerzen sind auf dem Kranz befestigt. Und 19 kleine rote. Jeden Tag zündet ein anderes Kind mit leuchtenden Augen eine Kerze an. Und dann erzählt Johann eine Geschichte.
Heute darf Martin die Kerze anzünden. Und er blickt auf die leuchtenden Kerzen an diesem riesigen Adventskranz. Ja, so ist es, denkt Martin. Für mich ist das Leben hell geworden.
171 Jahre ist das her, was ich grad erzählt habe. Das Rettungshaus mit seinen Kindern, das hat es wirklich gegeben. Und auch den Streetworker, der die Kinder von der Straße geholt hat. Johann Hinrich Wichern. So heißt er mit ganzem Namen. Er gilt als der Erfinder vom Adventskranz. Bei Hamburg gründete er sein Rettungshaus. 1839.
Sein Haus war das übrigens erste Waisenhaus, in dem Erzieher und Kinder in einer richtigen Wohngemeinschaft zusammenlebten. Familienprinzip. So nannte man das. Und der erste Adventskranz war ein Symbol dafür.
Eigentlich kein Wunder, dass dieser Kranz, Wicherns Erfindung, bis heute so beliebt ist. Und nicht nur in den Familien. Denn jede Kerze gibt uns mit ihrem Licht eine Vorstellung davon, dass es sogar im Dunkeln hell werden kann. Und sie gibt uns eine Ahnung davon, dass Gottes Liebe tatsächlich in die dunkelsten Ecken unseres Lebens hineinleuchtet und sie hell machen kann.

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