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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ob es wohl möglich ist, einen Wolkenkratzer auf einem winzigen Grundstück zu bauen? So einen richtig hohen? Und ganz oben, auf der Spitze - ein Kraftwerk. Dann würde sich niemand über die Abgase beschweren. Es bräuchte dann nur noch Versorgungsleitungen bis zum Boden - naja und flexibel müsste er auch sein. Sonst hält er dem Wind nicht stand. Stattdessen sollte er sich vom Wind hin und her wiegen lassen. Ob sich wohl ein Architekt finden würde, der solch einen Wolkenkratzer bauen könnte - doch wahrscheinlich würden selbst die Stararchitekten dankend ablehnen - unmöglich.
Und doch gibt es solche Wolkenkratzer. OK, es sind vielleicht keine wirklichen Wolkenkratzer - nach unseren Maßstäben. Aber haben sie sich einmal einen Getreidehalm genauer angesehen? Auf einer kleinen Grundfläche wächst er imposant nach oben. Dort sitzt das Kraftwerk, das die Körner reifen lässt, verbunden mit dem Ackerboden. So kommt es an Wasser und Nährstoffe. Und der Halm wiegt sich im Wind und hält ihm so stand. Einfach nur genial.
Gerade in diesen Herbstwochen fallen mir solche Wunder der Natur wieder auf: Die wunderbaren Farben der Blätter und die vielen Früchte, die wir in den letzten Wochen ernten konnten - besonders die vollen Weintrauben, die die Winzer nun in ihren Kellern weiterverarbeiten. In diesem Jahr soll es ja mal wieder ein ganz besonderer Jahrgang werden. Doch alle Kellerkunst würde nichts nützen, wenn am Weinstock nicht die Trauben reifen könnten - auch so ein Wunderbauwerk.
Die Natur, Gottes Schöpfung ist doch etwas komplexer, etwas wunderbarer, als es auf den ersten Blick aussieht. Und wer sich die Zeit nimmt, einen zweiten Blick zu versuchen, wird aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Ein Grund für mich, nicht nur das Machbare in der Natur zu suchen, sondern ihr als Schöpfung Gottes mit Respekt zu begegnen. Ein Grund für mich sorgsam mit der Natur umzugehen, da es eben nicht so leicht ist, sie zu reparieren oder gar ganz neu zu schaffen.
So genieße ich die letzten Herbsttage in diesem Jahr und bin Gott dankbar. Was hat er doch alles für wunderbare Dinge geschaffen. Imposant ragen sie empor und liefern uns dazu noch Nahrung und Freude - ich habe meinen Stararchitekten auf jeden Fall schon gefunden.

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