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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Es soll uns gut gehen als Verbraucher. Deshalb gibt es Verbraucherberatung und Verbraucherschutz, Verbrauchertipps und sogar ein Verbraucherministerium. Kein Wunder: Verbraucher halten die Wirtschaft am Laufen und sind die größte Interessengruppe, die man sich vorstellen kann. Denn Verbraucher sind wir alle.
Und trotzdem finde ich die ungebrochene Begeisterung für den Verbraucher merkwürdig. Denn der teils hemmungslose Verbrauch beschert uns einige unserer größten Probleme:CO2 in der Atmosphäre, fragwürdige Tierhaltung, abgeholzte Landschaften im Regenwald. Können wir uns wirklich so naiv und unbeschwert von Wirtschaft und Werbung als Verbraucher feiern lassen?
Die Bibel hat eine andere Sicht. Nach der Erschaffung von Himmel und Erde, so erzählt sie, macht Gott den Menschen zum Gärtner in seinem Paradiesgarten. Und der Mensch darf alles nutzen, aber zugleich ist er verantwortlich für das Gedeihen des Gartens. Und dem Menschen geht es gut, es fehlt ihm an nichts, so lange er die Grundlagen nicht gefährdet, auf denen die Früchte entstehen. Der paradiesische Mensch war ein Nutzer, kein Verbraucher.
Nutzer und Verbraucher sind zwei unterschiedliche Konzepte. Beim Verbraucher steht die Welt als Material und deren Verwertung im Mittelpunkt. Woher das Material kommt, wohin die ausgepresste Materie geht, ist vorerst nicht im Blick. Der Nutzer dagegen schaut auch auf die Grundlagen, auf das Woher und Wohin. Der kahle Apfelbaum im Winter ist für den Verbraucher schlimmstenfalls nur Brennholz, der Nutzer sieht daran die Äpfel des kommenden Jahres und wird sich hüten, den Baum zu fällen. Die Bibel sieht die Welt von Anfang an nie nur als Material, sondern immer als von Gott anvertrautes Gut. Das dürfen und sollen wirnutzen, aber nicht verbrauchen.

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