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SWR2 Wort zum Tag

Manchmal kann man nur durch Schmerz zur Freude kommen. Das erleben Frauen elementar bei der Geburt. Es ist eine schmerzhafte Angelegenheit, ein Kind zur Welt zu bringen. Die Männer ahnen jedenfalls, wie hart das ist, wenn sie bei der Geburt ihres Kindes dabei sind und die Hand ihrer Frau halten können. Aber dann, wenn das Kind da ist und in die Arme der Mutter gelegt wird, legt sich Freude über den Schmerz, wie groß der auch war. Glück, Freude über das Wunder eines neuen Lebens beherrschen alles. - Auch in anderen Lebenssituationen geht dem Glück, der Freude der Schmerz voraus, und die Freude muss durch ihn hindurch. Eine Krankheit kann schwere Schmerzen verursachen; die Heilung und Genesung empfindet man dann dankbar und froh als wiedergeschenktes Leben. Ein Konflikt kann einem hart zusetzen; wenn Versöhnung möglich wird, vertieft sich in der Regel die Beziehung und man freut sich neu an einander.
Auch im Glauben kann es so sein: Man muss manchmal durch Dürrezonen, um erst danach in Regionen zu kommen, in denen durch neues Vertrauen Freude wieder einkehren kann. Die Ursache kann ein unverstandenes Leid sein, das an Gott zweifeln lässt. Oder ein Unrecht, das einen anderen Mensche schwer verletzt hat und das unbereinigt bleibt. Oder der Sog in ein Leben, in dem der Glaube in den Hintergrund tritt, in dem man mit dem Beruf, mit Aufgaben in der Familie, mit Alltagsproblemen ganz ausgefüllt ist. Aber immer wieder ist es der Schmerz, der in Dürrezonen führt. In ihnen scheint sich Gott zu verbergen. Man kann nicht mehr beten. Man zweifelt. Man ist nahe am Verzweifeln und verliert den Halt im Glauben.
Diese Situation sagt Jesus seinen Jüngern voraus, als er Abschied nimmt von ihnen. Sie fassen es nicht. Sie können noch nicht nachvollziehen, dass sie loslassen und ratlos und traurig werden müssen. Sie können noch nicht verstehen, dass Jesus diesen Weg bis an dieses Ende gehen muss, um dort sein zu können, wo Menschen leiden und schuldig werden, um seine Liebe auch in die Abgründe des Lebens zu bringen. In dieser Situation erinnert Jesus an das, was eine Frau bei der Geburt erleidet - und was sie dann glücklich macht. Es ist ähnlich,  wenn man versteht, was das Leiden Jesu bedeutet, wenn der Auferstandene einem in seinem Geist und seinen Worten begegnet und tröstlich nahe ist. Dann wird immer wieder Freude aufkommen - trotz allem, was das Leben immer wieder schwer macht, durch den Schmerz hindurch.

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