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SWR2 Wort zum Tag

Die Osterbotschaft in den vier Evangelien

 Alle vier Evangelien erzählen Ostergeschichten, und sie tun es verwirrend vielfältig. Jeder Evangelist hat beim Erzählen ein besonderes Anliegen und hat die besondere Situation der Gemeinden vor Augen, an die er die österliche Botschaft richtet.
Markus betont, was sich am leeren geöffneten Grab Jesu ereignet: das Erschrecken der Frauen, die hin gegangen waren, um den Leichnam Jesu zu salben, so wie es damals Sitte war. Sie hören dort die Stimme des Unbekannten: „Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier, er geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen". Matthäus erzählt darüber hinaus, wie die Jünger in Galiläa dem Auferstandenen begegnet sind und er ihnen versicherte: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende". Mit diesem Versprechen beendet Matthäus sein Osterevangelium. Lukas wiederum erzählt, wie sich dieses „ich bin bei euch" für zwei der Jünger Jesu bewahrheitet hat. Sie waren am Abend des Ostertages auf dem Weg nach Emmaus,  noch gefangen in ihrer Angst und Trauer, blind vor Enttäuschung. Dann aber haben sie den Auferstandenen erkannt, in einem Fremden, der ihren Weg mitging, der ihnen den Sinn der Heiligen Schriften erschloss, das Brot brach und es mit ihnen teilte. Der Evangelist Johannes schließlich erzählt, wie Maria von Magdala den Auferstandenen erkennt, als er sie bei ihrem Namen ruft. Johannes erzählt auch die Geschichte mit Thomas, der sich schwer tut, zu glauben, was er nicht mit eigenen Augen sehen kann. Und er erzählt, wie der Auferstandene den Jüngern am See Tiberias begegnet. Warum sind die Evangelien so vielfältig? Weil sie aus dem Bemühen hervorgegangen sind, Worte und Bilder für das zu finden, wofür es keine anderen Ausdrucksmöglichkeiten gibt. Die Autoren wollen uns nicht für die einzelnen Worte und Bilder gewinnen, mit denen sie vom Tod und von der Auferstehung erzählen, sondern sie wollen unser Herz und unseren Verstand für das aufschließen, was sich durch Tod und Auferstehung Jesu Christi in ihrem Leben ereignet hat. Sie bezeugen: dass Gott die Quelle des Lebens ist, schöpferische, Leben schaffende Kraft, und dass Gott auch uns heute überraschen kann. Er weitet unseren Lebenshorizont und hält ihn offen, über den Tod hinaus.

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