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Rémi Denoix

Von Rémi Denoix, Tübingen, Katholische Kirche

"Gepriesen sei der Herr"

Dienstag, 07. August 2012     [Druckversion]

Gott zu loben ist kein Privileg der Christen. Gott zu preisen ist auch nicht Juden und Muslimen vorbehalten. Der Kapuzinerpater Anton Rotzetter hat das biblische Benediktus, das „Gepriesen sei der Herr" weitergeschrieben und ihm sozusagen globale Züge gegeben:
„Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels
Er führt durch unwegsames Gelände / Er befreit aus Knechtschaft und Unterdrückung / Er verheißt eine neue Welt
Gepriesen sei der Herr, der Gott Mohammeds
Er ist groß und erhaben / Er ist unbegreiflich und unnahbar / Er ist groß in seinen Propheten
Gepriesen sei der Herr, der Gott Buddhas
Er wohnt in der Tiefe der Welt / Er lebt in jedem Menschen / Er ist die Fülle des Schweigens
Gepriesen sei der Herr, der Gott Afrikas
Er ist das Leben in den Bäumen / Er ist die Kraft in Vater und Mutter / Er ist die Seele der Welt
Gepriesen sei der Herr, der Gott Jesu Christi
Er verströmt sich in Liebe / Er gibt sich hin in Güte / Er überwindet den Tod"

Anton Rozetter macht mit diesen verschiedenen Anrufungen deutlich, welche Vielfalt uns in den verschiedenen Kulturen begegnet. Es existieren noch weit mehr Religionen. Allen ist gemeinsam, dass eine schöpferische Kraft, eine alles übersteigende Macht am Werk ist. Warum hat sich Gott den Menschen in so verschiedener Weise offenbart? Ist der Blickwinkel einer Religion allein zu eindimensional? Kann es sein, dass eine Religion allein nicht die ganzen Facetten Gottes erfasst? Sind die möglichen Erscheinungsformen göttlicher Zuwendung so vielfältig wie die Geschichte der Menschen?
Gott dafür zu loben, dass er da ist, gehört offensichtlich zum Wesen von Menschen, egal welcher Religion. Und das verbindet sie auch, der Glaube an etwas, das unseren Horizont übersteigt. Der Glaube, dass wir mit ihm sprechen können.
Für mich ist Gott zu loben und zu preisen eine schöne Form, meine Dankbarkeit auszudrücken. Meine Dankbarkeit dafür, dass ich sein darf. Ohne dass ich dafür eine Vorleistung erbringen musste, habe dass ich das Geschenk des Lebens bekommen.

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