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28JUN2026
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Ich stöbere manchmal gerne auf Wühltischen, wo kleine Schmuckstücke oder Accessoires angeboten werden. Oft suche ich lange, bis ich das Richtige gefunden habe. Es soll ganz ohne Kratzer und Fehler sein, eben einfach schön!

 

Aber was ist eigentlich „schön“? Werbeclips gaukeln mir oft vor, was gesellschaftlich angeblich gerade schön und angesagt ist: junge Gesichter, durchtrainierte Körper, stylische Kücheneinrichtungen… Wenn ich am Wühltisch nach dem perfekten Stück suche, dann habe ich anscheinend solche Schönheitsideale im Hinterkopf.

Eine liebe Bekannte hat mir dagegen neulich erzählt, dass sie es ganz anders macht. Sie sucht extra nach dem Teil, das einen kleinen Fehler oder eine winzige Unregelmäßigkeit hat. Etwas, das es unverwechselbar und besonders macht. Toller Gedanke eigentlich!

 

Die japanische Technik des Kintsugi setzt genau an dieser Stelle an: Kintsugi ist eine bestimmte Art, zerbrochene Keramikgegenstände zu reparieren. Die Scherben werden kunstvoll wieder zusammengeklebt. Dabei werden die geklebten Stellen nicht kaschiert. Im Gegenteil: Die Risse werden vergoldet und dadurch strahlend sichtbar. Wenn man sich diese reparierten Sachen anschaut, kann man richtig sehen, wie unvollkommene und zerbrochene Stellen einem Gegenstand eine neue unnachahmliche Schönheit verleihen.

 

Und was macht Schönheit bei uns Menschen eigentlich aus? Ich erinnere mich an eine Fotoausstellung, die ich einmal gesehen habe: viele, viele Portraits, und ausschließlich Gesichter alter Menschen. Jede Runzel, jedes Fältchen war da zu sehen. Und das gewollt – ohne Anti-Aging-Creme oder sonstiges Makeup. Diese Ausstellung hat nicht dem Schönheitsideal heutiger Werbung entsprochen. Aus den Gesichtern der Ausstellung hat eine ganz andere Art von Schönheit geleuchtet, eine tiefe, innere Schönheit. Udo Jürgens hat mal getextet: “Und willst du alles hören, was aus meiner Seele spricht, dann brauchst du nicht zu fragen, schau in mein Gesicht.” Gesichter alter Menschen sind nicht auf den ersten Blick schön, sondern spiegeln eine Seele wider, die ein langes Leben durchlebt und in vielem auch durchlitten hat.

 

Jeder Schmerz, jede Verletzlichkeit, alles, womit mich das Leben enttäuscht hat, wo ich durch Krisen gehe, schreibt sich in mein Gesicht ein. Natürlich auch das, was mich freut, worauf ich hoffe, worüber ich lache, … Aber es ist und bleibt alles da in einem ungeschminkten Gesicht, auch das, was wir am liebsten verstecken.

 

Im japanischen Kintsugi werden Risse zerbrochener Gefäße nicht versteckt, sondern vergoldet, sodass sie auf ganz neue Weise schön werden. So kann ich auch in meinem Leben den Blick einmal bewusst auf das lenken, was mich verletzlich macht, wo ich Niederlagen und Krisen erlebt habe. Und mir Zeit nehmen, liebevoll damit zu arbeiten. Als junge Erwachsene hatte ich eine tiefe Krise. Damals hat mir jemand empfohlen, mal mit einer Therapeutin darauf zu schauen. Das habe ich weit von mir geschoben. Ich habe lieber vor anderen versteckt, was mir das Leben so schwer macht. Irgendwann viel später hat mich das wieder eingeholt, und ich habe dann doch therapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Ganz im Geheimen, niemand durfte davon wissen.

 

Inzwischen sehe ich das anders: Ich habe gemerkt, wie sehr mir das, was ich in der Krise erfahren habe, und die innere Arbeit damit geholfen hat. Nicht nur, dass es mir besser geht, sondern auch meine Arbeit als Seelsorgerin hat ganz viel gewonnen an Tiefe und Erfahrung, die wiederum anderen Menschen zugutekommen. Ich verstecke mich nicht mehr damit. Denn meine verletzten Stellen haben mich zu der gemacht, die ich heute bin. Und so sehe ich manchmal gerade den Schmerz anderer Menschen aus ihnen herausleuchten, ähnlich wie die goldverzierten Risse in den japanischen Gefäßen.

 

Innere Größe, die aus Verletzungen entsteht, begegnet mir auch in der Bibel. Jesus Christus wird nicht als ein unverletzlicher Superheld dargestellt. Er weicht dem Schmerz dieser Welt nicht aus, lässt sich verletzen und sogar ans Kreuz nageln. Und findet so in ein neues Leben. Als er auferstanden ist und seinen Jüngern wiederbegegnet, ist er ganz neu und verändert, aber seine Wunden sind noch sichtbar, sie leuchten auffällig aus ihm heraus. In den biblischen Geschichten wendet sich Jesus immer wieder bewusst den Menschen zu, die krank sind, die leiden oder ausgeschlossen werden. Und er steckt sie mit seiner Gesundheit und seiner inneren Schönheit an, sodass sie am Ende gesünder und gereifter sind als vorher. „Du, Gott, bist unsere Schönheit und Stärke“, heißt es in einem Psalm.

 

So will ich meinen Schmerz und meine Verletzlichkeit nicht verstecken, sondern Zeit investieren und sie Gott hinhalten, dass sie heilen dürfen. Sodass meine größten Schwächen mit der Zeit zu meinen größten Stärken werden können. – Und ich glaube, wenn ich das nächste Mal an einem Wühltisch stehe, suche ich mir bewusst das Teil mit dem schönsten Fehler aus…

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21JUN2026
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„HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.“
Ist das nicht schön? Ein wunderschöner Text; aus einem alten Gebet der Bibel– aus Psalm 36.

Ehrlich gesagt: im ersten Moment denke ich bei dem Psalm gar nicht so sehr ans Beten. Ich muss eher an eine Fahrt durch die Berge denken, die ich vor ein paar Jahren gemacht habe. Oder an meinen letzten Spaziergang übers freie Feld: an frische Luft, an einen weiten Himmel und weiße, luftige Wolken.

„Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist…“ – da geht der Kopf doch fast unwillkürlich nach oben. Ich kann aufatmen, mich aufrichten und mich strecken, denn da ist genug Platz über mir.

Allerdings: so sehr ich mich auch strecke – an den Himmel ran komme ich trotzdem nicht. Ich reiche nicht ran an die Güte Gottes und auch nicht an seine Gerechtigkeit. Denn ich bin und bleibe ein Mensch – mit den Fehlern, die ich mache. Und mit meiner Eigenliebe: wenn ich mir selbst mal wieder wichtiger bin als die anderen. Ich habe andere verletzt. Und sei es nur, weil ich meinen Mund nicht halten konnte und mein Gegenüber ungerecht beurteilt und klein gemacht habe. Das schlimmste daran: Ich kann’s nicht wieder gut machen oder meine Worte zurückholen. Und manches lastet mir deshalb bis heute auf der Seele.

In einem anderen Psalm, in Psalm 103, geht es ebenfalls um Himmel und Erde und um die riesige Entfernung zwischen mir kleinem Menschenkind und der himmelhohen Gnade Gottes. Er ist heute in den evangelischen Gottesdiensten zu hören, und da heißt es:

So hoch der Himmel über der Erde ist,
lässt Gott seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
So fern der Morgen ist vom Abend,
lässt er unsre Übertretungen von uns sein. (Psalm 103, 11+12)

Und auf einmal – wenn ich so bete – ist es plötzlich gar nicht mehr schlimm, dass ich an den Himmel nicht heranreiche und an Gottes Gerechtigkeit. Denn zu der gehört eben auch Gottes Gnade.

Auch sie ist so weit, wie der Himmel. Größer als alles, was ich erreichen kann. Und gibt mir neu die Freiheit, mich aufzurichten, wenn mich meine Fehler und die folgen davon runterziehen und niederdrücken.

So fern der Morgen ist vom Abend, lässt Gott unsere Übertretungen von uns sein – heißt es in Psalm 103. Das heißt aber nicht, dass Gott das Unrecht einfach vergisst, dass ich anrichte. Egoismus oder böse Worte kehrt er nicht unter den Teppich nach dem Motto: Schwamm drüber. Das will ich schließlich auch nicht. Und meine Fehler tun mir leid. Gott vergibt, damit mich diese Last nicht niederdrückt und lähmt. Damit ich weiterleben kann – und es im besten Falle besser mache das nächste Mal.

Mir ist dieser Gedanke sehr wichtig, weil es schon oft zu Missverständnissen geführt hat, wenn in der Kirche von Gnade und Vergebung die Rede ist. Gnade bedeutet nicht „Schwamm drüber – vergessen wir‘s. Nein – von Anfang an und schon bei den Propheten der Bibel wie Micha oder Amos gehört das zusammen: Die eigenen Fehler erkennen – und trotzdem nicht an ihnen zu scheitern. Ich denke sogar, dass dass Gottes Versprechen hilft, mir meine eigenen Fehler einzugestehen. Und keine Ausflüchte zu suchen, wenn ich ungerecht bin, verletzend oder selbstsüchtig. Kein: „Die Umstände sind schuld.“ - „Der andere hat aber angefangen. „ oder „Alle anderen machen das doch auch.“ 

Als ob die Umstände irgendetwas besser machen würden. Und nur weil andere sich schlecht verhalten, muss ich das schließlich nicht nachmachen. Nein, ich sollte mir eingestehen: An Gottes Gerechtigkeit reiche ich nun mal nicht heran. Und bin und bleibe ein Mensch mit Fehlern und schlechten Seiten. Ich bin aber auch Gottes Kind – dem Gott seine Gnade schenkt – damit ich aufatmen und weiterleben kann. Und Gottes Gnade, die ist so weit die Wolken gehen.

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14JUN2026
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Da ist das schicke Kleid, das angeblich fair und umweltschonend produziert worden ist. Und dann stellt sich raus, dass es in Fernost unter miesen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde. Da ist der Fußballtrainer, der seine Mannschaft ganz klar erstklassig sieht, und am Ende der Saison gegen den Abstieg kämpft. Der Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist manchmal ganz schön breit. Ein Vorwurf, der auch den Religionsgemeinschaften immer wieder gemacht wird. Wasser predigen und Wein trinken, heißt es dann. Oder von Liebe und Güte schwadronieren und hinter den Kulissen ganz und gar nicht liebevoll mit Menschen umgehen. Zumindest für meine Kirche kann ich sagen: Ja, kommt leider vor. Die Regel ist das gewiss nicht. Zum Glück! Aber es passiert. In dem Bibeltext, der heute in den katholischen Kirchen gelesen wird, scheint so ein Graben zwischen Anspruch und Wirklichkeit sogar schon in der Bibel auf. Da wird nämlich erzählt, wie Jesus seine Jünger losschickt. Mit klarem Auftrag. Sie sollen Kranke heilen, sollen Menschen die frohe Botschaft bringen, sogar Tote aufwecken. Und im Evangelium, das Lukas aufgeschrieben hat, wird dieser Auftrag sogar noch zugespitzt (Lk 9,1-6). Wenn sie zu den Leuten gehen, so heißt es da, dann sollen sie nichts mitnehmen. Keinen Wanderstab, kein Brot, kein Geld, kein zweites Hemd zum Wechseln. Kurz: Wer den Menschen die frohe Botschaft bringen will, der soll das als mittelloser Wanderprediger tun. Als einer also, der von Ort zu Ort zieht und darauf angewiesen ist, dass die Leute gastfreundlich zu ihm sind. Dass sie ihn verpflegen und in ihre Häuser aufnehmen.

Nun ist ziemlich offensichtlich, dass es anders gekommen ist. Im Lauf der Jahrhunderte ist aus einer Truppe von Wanderpredigern eine weltweite Kirche geworden. Mit großem Verwaltungsapparat. Mit Gebäuden und Grundstücken. Mit vielen Tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die natürlich nicht an Haustüren betteln oder um einen Schlafplatz bitten müssen. Die vielmehr einen festen Wohnsitz haben und, zumindest hier bei uns, auch nach Tarif bezahlt werden. Ein offener Kontrast also zu dem Auftrag, den Jesus seinen Jüngern damals gegeben hatte. Aber ist das wirklich auch ein Beispiel dafür, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht mehr zusammenpassen?

Es gibt Menschen, die legen die Bibel wortwörtlich aus. Für die ist zum Beispiel das ganze Universum in sechs Tagen entstanden. Genau so steht‘s ja in der Bibel und die ist schließlich Gottes Wort und deshalb nicht zu hinterfragen. Wer das so sehen will, der muss allerdings mit den Widersprüchen leben, die sich daraus ergeben. Mit Erkenntnissen der Wissenschaft etwa, die zu ganz anderen Schlüssen kommt.

Wenn nun erzählt wird, wie Jesus seine Jünger aussendet - nämlich als mittellose Wanderprediger - dann hatte das allerdings einen tieferen Sinn. Und die Zuhörer damals haben es verstanden. Viele glaubten nämlich, dass das Ende der Zeit bevorsteht. Und wer dann so umherzieht, ungebunden, ohne Besitz, der macht klar: Das Materielle ist sinnlos geworden. Wenn Gottes Herrschaft erstmal da ist, dann braucht man das alles nicht mehr. Konzentriert euch deshalb auf das, was wirklich wichtig ist – für euch und eure Seele.

Im Rückblick wissen wir: Darauf zu hoffen, dass Gottes Reich quasi vor der Tür steht, war ein bisschen zu optimistisch. Auch würde heute kaum noch jemand verstehen, was ein mittelloser Wanderprediger zu bedeuten hat. Deswegen muss man unterscheiden. Zwischen dem, was Jesus wichtig war, was ihm zutiefst am Herzen lag. Und manchen Anweisungen von damals, die heute aber irgendwie nicht mehr in die Zeit passen.

Das Himmelreich ist nahe. Das wollte Jesus den Menschen unbedingt nahebringen. Dafür hat er gebrannt. Nur, wie lässt sich heute noch erzählen vom Himmelreich? Schließlich sollen seine Jüngerinnen und Jünger die Botschaft ja weitertragen. Bis heute. Vielleicht geht es am besten ganz praktisch. Etwa, wenn Menschen Zeit und Mühen auf sich nehmen und sich freiwillig für andere engagieren. Wenn Traurige getröstet werden. Wenn Menschen, die völlig verzweifelt sind, wieder hoffen können. Wenn Leute sich dafür stark machen, dass die Schöpfung nicht ruiniert wird. Wenn Hass und Hetzerei ins Leere laufen und nicht mehr verfangen. Manchmal lässt sich dann ahnen, dass es wirklich existiert und da ist. Ein kleines Stückchen Himmel auf Erden.

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07JUN2026
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Auf einem meiner Spazierwege komme ich regelmäßig an einem alten Haus vorbei. Es liegt etwas versteckt in einem großen Garten. Der ist mindestens so verwildert und zugewachsen wie das Haus; trotzdem erkennt man seine ehemalige Schönheit: Den Erker an der Sonnenseite, Türmchen und Giebel, eine stattliche Treppe, die zu einer großzügigen Veranda führt. Das Haus ist mein ganz persönliches Dornröschenschloss. Gerne verfalle ich bei seinem Anblick ins Träumen: wer hat hier wohl einmal gewohnt und was für ein Leben hat sich in diesen vier Wänden abgespielt? Aber auch: Wie könnte ich es wachküssen und was würde ich draus machen, wenn es meins wäre?

Wenn ich nicht zum Träumen aufgelegt bin, bewegen mich freilich ganz andere Gedanken. Dann muss ich feststellen, dass das Haus eines von viel zu vielen ist, die leer stehen, obwohl sie helfen könnten, die Wohnungsnot bei uns zu verringern. Eineinhalb Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland. Und das liegt leider auch am Leerstand bereits vorhandener Immobilien. Mein zugewachsenes Märchenschloss zum Beispiel: Vielleicht können die Besitzer die Sanierung nicht bezahlen. Vielleicht können sich die Erben nicht einigen, was damit passieren soll. Vielleicht wollen sie es durchaus verkaufen, finden aber in einem Ort ohne Bahnanschluss niemanden, der es will. Leerstand hat viele Gründe; und es gibt kein Patentrezept, um ihm effektiv beizukommen. (Einige Städte haben es mit Regeln und Vorschriften versucht: Wohnungen dürfen höchstens ein halbes Jahr lang leerstehen. Dann müssen sie wieder vermietet oder verkauft werden. Viele Städte bieten auch Anreize: Beratung und Fördermittel, um den Besitzern zu helfen. Allerdings funktionieren diese Maßnahmen bisher nicht im großen Stil. Und Wohnungen und Häuser bleiben weiterhin unbewohnt.)

Ob ein biblisches Modell hier konkret Abhilfe schaffen könnte? In der Apostelgeschichte ist nachzulesen, wie die ersten christlichen Gemeinden ihr Zusammenleben geregelt haben. Da geht es auch ums Wohnen. Und da steht zum Beispiel: „Keiner betrachtete etwas von seinem Besitz als sein persönliches Eigentum. Vielmehr gehörte alles, was sie hatten, ihnen allen gemeinsam. Wer Grundstücke oder Häuser besaß, verkaufte diese und stellte den Erlös zur Verfügung.“

Das hört sich nicht nur so an, es heißt in der Bibelwissenschaft tatsächlich auch „urchristlicher Kommunismus“: Alle haben alles gemeinsam. Häuslesbesitzer trennen sich von ihren Immobilien und stellen den Erlös der Gemeinschaft zur Verfügung. Keiner ist reich, aber jeder hat genug. Ideale Zustände? Zu schön, um wahr zu sein? Ja, gewiss. Und die Bibelforscher sind sich deshalb auch einig, dass es auch in der Zeit vor 2000 Jahren nicht so perfekt zugegangen ist wie der Text es nahelegen will. Schon das nächste Kapitel der Apostelgeschichte berichtet von ganz realen Schwierigkeiten, die zeigen: Offensichtlich wollten die Leute auch damals nicht einfach alles mit anderen teilen. Aber was soll dann ein Bericht von geradezu paradiesischen Zuständen? Ich verstehe ihn heute als Einladung, eben mal nicht auf die Schwierigkeiten zu schauen. Das tue ich sowieso viel zu oft. Wenn ich mir aber vorstelle, wie es auch sein könnte, entstehen gute Ideen.

Und da komme ich wieder auf mein Dornröschenschloss zurück. Wenn ich meiner Fantasie freien Lauf lasse, dann stelle ich mir vor, dass sein Besitzer es für einen symbolischen Betrag X an eine Gruppe junger Familien verkauft. Die machen sich an die Arbeit. Mit viel Eigenleistung wollen sie dem alten Gemäuer wieder Leben beibringen. Ich träume davon, dass es nur kleine bürokratische Hürden gibt und die Bauvorschriften einfach umzusetzen sind. Und auch wenn ein paar wieder abspringen, wollen die anderen nicht aufgeben. Haben vielleicht sogar neue Ideen:  Kommen ins Gespräch mit Vertretern der Kommune. Finden einen Investor. Das Projekt verändert sich. Nun sollen Wohneinheiten für Menschen unterschiedlichen Alters oder auch mit unterschiedlichem Betreuungsbedarf entstehen. Und irgendwann wird aus diesem Traum an einem Ort Wirklichkeit. Wenn verschiedene Leute an unterschiedlichen Orten viele kleine Schritte tun, kann sich das Gesicht der Welt verändern.  

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31MAI2026
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Anfang Mai habe ich einen Anruf bekommen wegen einer Trauung. Der Bräutigam sagte zu mir, dass seine Braut das mit der Kirche wichtig fände. So mit Gottes Segen und vor Gott irgendwie. Er sei da ja sehr progressiv und deswegen von der Kirche distanziert. Aber seine zukünftige Ehefrau würde halt doch auf diesen Segen wertlegen.

Diesen Segen… Bei solchen Formulierungen muss ich immer ein bisschen schmunzeln. Gibt’s so was überhaupt? Der junge Mann scheint da so seine Zweifel zu haben. Nimmt aber trotzdem den Wunsch seiner künftigen Ehefrau ernst – und vielleicht macht sie ihn auch neugierig; auf Segen. Für mich zeigt das immer: Man wünscht sich Segen. Aber genau sagen, was Segen ist, kann man nur ganz schwer.

Was steckt dahinter? Meine Erfahrung nach etlichen Trauungen: Segen soll zum Gelingen einer Ehe beitragen. Und er scheint noch stärker zu vermitteln und zu besiegeln als das Standesamt: l„Jetzt sind wir wirklich verheiratet!“

Und trotzdem – trotz des Segens scheitern Ehen manchmal auch.

Und ich kenne natürlich auch Paare, bei denen es nicht gehalten hat:  und für die war das richtig traurig, bitter, betrüblich. Diese Erfahrungen begleiten mich immer bei einer Hochzeit. Und ich weiß: Ich kann zwar den Segen sprechen, aber nicht garantieren.

Tauchen wir inhaltlich mal ein: Bei uns Evangelischen endet jeder Gottesdienst immer mit dem gleichen Segen: „Der Herr segne Dich und behüte Dich. Er lasse sein Angesicht über Dir leuchten und sei Dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden.“ Da steckt eigentlich alles drin. Segen bedeutet: Gott ist bei Dir. Mit seiner Nähe ist eine besondere Atmosphäre verbunden: Licht, Friede, Wohlbefinden, Wärme.

Der Wunsch nach solchen Segen ist uralt. Und in früheren Zeiten war er ja auch noch viel anschaulicher im Gottesdienst präsent: Wir wissen aus archäologischen Grabungsergebnissen: In den Tempeln standen vor 3000 Jahren große Statuen der Götter. Häufig vergoldet mit Edelsteinen als Augen. Feuer brannten und spiegelten sich in den polierten Statuen. Besondere Gerüche wie zum Beispiel von Weihrauch lagen in der Luft. Wer damals in den Tempel gegangen ist, für den war körperlich spürbar, was das heißt: Angesehen zu werden von einer Gottheit!

Funkelnde Augen leuchteten einen im Fackelschein an; in einem Raum ohne Makel; Umgeben von Wohlgeruch gegen den Gestank der Straßen. So war Segen eine Erfahrung, für einen kurzen Moment Mitbewohner in Gottes Wohnzimmer zu sein. Ich stelle mir vor, dass die Menschen damals sehr beschwingt und vital aus dem Tempel zurück in den Alltag gegangen sind.

Aber auch in dem Wissen, dass sich der Moment aus Gold, Wärme und Wohlgeruch mit jedem Tag Abstand verwischen wird. Bis das Glitzern von Gottes Augen nur eine ungefähre Erinnerung bleibt und der Weihrauchgeruch nur noch ein Spurenelement im Riechnerv zwischen Nase und Gehirn.

Jetzt haben wir ja diese antiken Götterstatuen nicht mehr. Ich halte auch das für richtig: Weil Gottes Segen sich ganz frei davon entfalten kann. Ganz ohne Kräuter und blitzende Augen ist Gottes Segen da – wie eine Art weiter Raum, in dem Gott zwei Menschen umgibt, vitalisiert, ermutigt und wärmt.

So versuche ich, einem Brautpaar den Segen näher zu bringen. Und dann erzähle ich von einem Kinderlied. Der Text geht so: Ich hüll Dich golden ein. Von Gott sollst Du gesegnet sein. Von Herzen freu ich mich, Gott freut sich über Dich!

Einander golden einhüllen finde ich stark. Das erinnert einerseits an den Zauber der antiken Statuen. Andererseits hallt alles mit, was wir mit Gold verbinden: Kostbarkeit, Schönheit, Glanz. Und es geht um Gottes Freude über jeden einzelnen von uns. Und bei Freude taucht sie wieder auf: Die Lebendigkeit; die Vitalität.

„Wie klingt das jetzt für Sie?“, frage ich die Brautpaare. Segen als Zeichen für Lebendigkeit? Weniger als Schutz oder als Garantie. Sondern als Zuspruch: für offene Herzen, gute Gespräche, zärtliche Hände; als Zuspruch zu dem Wunsch, dass ein Paar lebendig bleibt.

Aber in dem Wissen, dass es kein Selbstläufer ist, dass immer alles gut geht. Und deshalb als auch Motivation, einander golden einzuhüllen. In dem Wissen, dass das dann aber immer noch kein Selbstläufer ist.

Ja, fragen Sie jetzt vielleicht, aber wenn der Segen nie eine Garantie ist – was taugt er dann?

Ich glaube, dass der Segen immer jeden Einzelnen erreicht. Während einer Trauung, aber auch in einer Trennung. Und er sagt seit 3000 Jahren: Ich sehe Dich mit leuchtenden Augen an. Ich gebe Dir Frieden. Ich hüll Dich golden ein.

Gold für Herz und Sinn in jeder Lebenslage. Herzgold. Das ist Segen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und eine goldene Woche.

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17MAI2026
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„Das kalte Herz“ – ich weiß noch genau, wie unheimlich mir dieses Märchen als Kind  gewesen ist. Wenn die Stimme von der Märchenschallplatte erzählt hat, wie der arme Kohlenmunk-Peter sein warmes, lebendiges Herz hergibt und sich dafür von einem bösen Waldgeist einen Stein in die Brust setzten lässt: das hat bei mir richtig Beklemmungen ausgelöst – und tut es bis heute: Ein warmes, lebendiges Herz gegen einen kalten Stein – und – gegen Geld, viel Geld, Erfolg und Ansehen. Manchmal denke ich, bei mir hat sich das so festgesetzt, dass ich bis heute ein gewisses Misstrauen habe gegen Leute, die wirklich erfolgreich sind. Und klar: um erfolgreich zu sein, muss man ja auch wirklich zielstrebig sein und seine Gefühle unter Kontrolle haben – um ganz nüchtern Entscheidungen zu treffen, manchmal sicher auch harte. Aber hat man deshalb gleich ein hartes Herz, kalt wie Stein?

Außer Beklemmung löst die Vorstellung inzwischen aber auch Neid bei mir aus.  Neid. Ja wirklich. Ich bin ein bisschen neidisch, wenn ich sehe, wie manche Menschen eher ihr Leben unter Kontrolle haben und eher kühl und rational über ihr Leben entscheiden. Wie viele andere auch möchte ich glauben, dass man das lernen kann. Und lese deshalb im Netz oder irgendwelchen Zeitschriften  Ratschläge wie: „So bleiben Sie zuversichtlich.“ Oder „So treten sie souverän vor ihren Kollegen auf.“ Oder „Mit dieser Ernährung werden sie garantiert 100 Jahre alt“ und „Mit dieser Geldanlage starten Sie sorgenlos in die Rente“.

Kontrolle – Rezepte gegen zu viel planlose Spontanität – quasi als eine Art Schutzhülle für mein lebendiges, weiches Herz und meine Seele. Weil ich sonst in den vielen Herausforderungen und Fragen unserer Zeit untergehen könnte.

Aber – kann das gehen? Ein Leben nach Rezept und Anleitung? Um cool die Kontrolle zu behalten? Ist das nicht doch auch gefährlich und könnte aus der Schutzhülle rund um mein Herz am Ende ein Panzer werden? Mein Herz hart werden – und am Ende tatsächlich kalt?

Wenn es mir zuviel wird – besonders abends, wenn ich alleine bin und ins Grübeln komme, kann mir das tatsächlich passieren: Dass ich finster werde, pessimistisch und auch meine Mitmenschen anfange, nach Schema F zu beurteilen. Als ich das gemerkt habe, ist mir auch das Märchen vom „Kalten Herz“ wieder eingefallen. Ich habe es – nach so vielen Jahre – noch einmal nachgelesen.

Tatsächlich tauscht der Kohlenmunk-Peter sein Herz nicht einfach nur gegen Geld ein. Er gibt es auch her, weil ihm seine Gefühle zu viel werden. Er kann mit dem Stein in der Brust zwar nicht mehr lieben – er muss aber auch nicht mehr leiden, traurig sein oder mit anderen mitfühlen. Er ist also nicht einfach nur gierig nach Geld. Sondern er möchte einfach auch etwas Ordung und etwas Orientierung für sein Leben. Weil das Leben nun mal kompliziert ist.

Ich kann das so gut nachvollziehen, wie wahrscheinlich die meisten Menschen. Wie schon in früheren Zeiten und auch zu biblischen Zeiten, als der Prophet Jeremia gelebt hat. Das Leben damals war extrem unübersichtlich. Die Menschen haben versucht, cool zu bleiben und sich an Gottes Geboten und Regeln zu orientieren.

Ich stelle mir vor, dass sie dabei aber auch langsam hart geworden sind. Ihr lebendiges Herz und ihre Seele eingeschlossen haben und sich am Ende hinter Gottes Geboten nur noch versteckt haben. Sie mechanisch befolgt haben.

Aber so  ist Gottes Bund mit seinem Volk nie gedacht gewesen. Gott wollte mit seinen Geboten das Herz der Menschen ja erreichen. Stattdessen schotten sie sich jetzt damit ab.

Im Jeremia-Buch wird erzählt, dass Gott deshalb einen Neustart unternimmt. Er schließt einen neuen Bund mit seinem Volk und verspricht: „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (Jeremia 31, 33b)

Gottes Regeln sollen ein Teil werden vom lebendigen und warmen Herzen der Menschen. Sie können aufhören, krampfhaft alles kontrollieren zu wollen und dürfen wieder weich werden. Und obwohl da Risiko bleibt, verletzt zu werden, lohnt es sich. Ist Gott mit dabei – ins Herz geschrieben.

Loslassen, wieder weich werden – mit weniger Kontrolle und angelernten Lebensregeln – aber dafür mit dem Vertrauen, dass ich mich von Gottes Regeln leiten lassen kann. Das gelingt mir hoffentlich wieder aufs neue.

Im Märchen, übrigens, da bekommt der Kohlenmunk-Peter sein lebendiges, weiches Herz zurück. Durch die Liebe seiner Frau. Und ab da meistern sie gemeinsam die Herausforderungen des Lebens.

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10MAI2026
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Gut ein Jahr ist das Konklave jetzt her. Dieses alte Ritual, bei dem so viele Kardinäle für eine Zeit lang in die Sixtinische Kapelle im Vatikan eingeschlossen werden, um einen neuen Papst zu wählen. Es heißt zwar Papst“wahl“, aber ich bin mir gar nicht sicher, ob „Wahl“ das richtige Wort ist. Zumindest nicht in unserem heutigen demokratischen Sinn. Denn die katholische Kirche versteht diese „Wahl“ ja als Wirken des Heiligen Geistes. Egal, wie man es nennt oder sieht: Vergangenes Jahr wurde dabei Papst Leo gewählt. Irgendwie ist es ein bisschen verrückt, wenn ich mich zurückerinnere, wie die Medien von dieser Wahl berichtet haben. Wie Menschen Stunden und Tage lang auf einen kleinen Schornstein starren. In der Hoffnung, dass weißer Rauch aufsteigt. Verbunden mit all der Neugierde, wer da wohl auf den Balkon tritt und dem Reiz, in diesen Moment dabei zu sein.

Ich war selbst einmal während einer Papstwahl in Rom. Das ist schon zwanzig Jahre her. Ich habe damals in Rom studiert, als Johannes Paul II. gestorben ist und der ganze Trubel losging: Die Menschenmassen, die den aufgebahrten Papst noch einmal sehen wollten. Die Beerdigung auf dem Petersplatz, die auf alle großen Plätze in Rom  übertragen wurde und dann die vielen Stunden, die auch ich auf dem Petersplatz verbracht habe. Um ja nicht zu verpassen, wenn weißer Rauch aufsteigt und verkündet wird „Habemus Papam“, „Wir haben einen neuen Papst“.

 

An eine Szene aus diesen Tagen erinnere ich mich noch sehr genau: Es war kurz bevor die Kardinäle in die Sixtina gingen. Ich war mit einem Freund beim letzten Gottesdienst im Petersdom vor dem Konklave. Wir saßen ganz vorne im Chorraum. Joseph Ratzinger feierte den Gottesdienst. Und vier oder fünf Mal wurde er während seiner Predigt vom Zuspruch und Klatschen der Tausenden Menschen im Petersdom unterbrochen. Am Ende des Gottesdienstes ging er vom Altar die steilen Stufen hinunter. Mein Freund neben mir beugt sich in diesem Moment zu mir rüber und sagt: „Sie ihn dir an. Der wird unser neuer Papst.“ Das hört eine deutsche Ordensfrau vor uns, dreht sich erschrocken um und sagt: „Ich hoffe, der Heilige Geist hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden.“

Tja, Joseph Ratzinger wurde dann gewählt und gab sich den Namen Benedikt XVI.. Die Sache mit dem Heiligen Geist scheint also nicht so einfach zu sein.

 

Ich spreche heute in den SWR4-Sonntagsgedanken über das Konklave und den Heiligen Geist und wie unberechenbar der ist.

In zwei Wochen ist Pfingsten. Das Fest des Heiligen Geistes. Da wird erzählt, wie die Jünger 50 Tage nach der Auferstehung Jesu zusammensitzen und vom Heiligen Geist erfüllt werden. Viele Menschen beten deshalb vor Pfingsten um ihn. Und auch die biblischen Texte in diesen Tagen und Wochen erzählen immer wieder von diesem Geist. Mal, wenn es um die Beauftragung der Jünger Jesu geht oder, wenn er sagt, dass er eines Tages nicht mehr da sein wird und dann diesen Geist schicken wird. Als Beistand. Also quasi als Helfer. Aber das alles bleibt doch immer sehr vage und unkonkret.

Wenn ich den Heiligen Geist beschreiben sollte, dann denke ich an die Begegnung mit einem Mönch. Ich war für ein paar Tage in einem Kloster. Um abzuschalten, ein wenig Ruhe zu haben und zu beten. Jeden Tag hatte ich ein Gespräch mit diesem Mönch. Und bei unserem ersten Gespräch hat er mich zu Beginn gefragt: „Macht es Ihnen etwas aus, wenn wir zuerst um den Heiligen Geist beten?“. Natürlich nicht, hab ich gesagt und dann hat er ein kleines Blatt zur Hand genommen, auf dem ein sehr alter Heilig Geist Hymnus zu lesen war. Das Blatt lag von da an jeden Tag auf dem kleinen Beistelltisch zwischen uns und wir haben jedes Mal mit diesem Gebet begonnen. Einmal hat er es vorgebetet und einmal ich. Immer abwechselnd. Manchmal schmunzelte er mich schon an und fragte: „Wer ist heute dran?“

Ich mochte das sehr. Bevor wir zu reden begonnen haben, haben wir um ein gutes Gespräch gebetet, dass wir respektvoll miteinander umgehen und die richtigen Worte finden. Wir haben um ein „geistvolles“ Gespräch gebetet, dass Gott uns durch seinen Heiligen Geist darin begleite.

Und in diesem Sinne verstehe ich den Heiligen Geist. Als Beistand und Helfer. Und genauso, wie wir zu zweit um ihn gebetet haben, verstehe ich es auch bei den Kardinälen im Konklave. Der Heilige Geist wählt ja nicht in dem Sinne, dass er einen eigenen Stimmzettel abgibt. Aber vielleicht schenkt er manchmal ein wenig Ruhe und Besonnenheit. Und das ist, wenn man sich entscheiden muss, ja nie ein Fehler.

Vielleicht mögen sie das auch mal selbst ausprobieren. Wenn sie ein schwieriges Gespräch mit jemandem vor sich haben oder eine Entscheidung treffen müssen. Denn ich denke nicht, dass der Heilige Geist auf Kardinäle und Klöster festgelegt ist.  

In diesem Sinne: Einen gesegneten Sonntag mit viel Heiligem Geist.

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03MAI2026
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Singen macht glücklich, behauptet der Autor Stefan Moster in seinem Buch „Vom Glück, im Chor zu singen“. Das gilt nicht erst, seit es Männergesangvereine gibt. Am Sonntag Kantate beleuchtet der Predigttext die geistlichen Wurzeln des Singens. Sie liegen im Gebet, in der Anrufung Gottes, wie eine biblische Szene aus dem zweiten Buch der Chronik belegt.

Mit großem Vergnügen habe ich gerade das Buch „Vom Glück, im Chor zu singen“ gelesen. Als langjährige Chorsängerin kann ich dem Glück, das da auf 200 Seiten beschrieben wird, nur aus vollem Herzen zustimmen.

Außerdem gelingt es dem Autor Stefan Moster vieles, was sich rund ums Chorsingen abspielt, ganz lebensnah zu schildern. Zum Beispiel diese Szene vom runden Geburtstag seines Großvaters, mit der das Buch beginnt. Er schreibt: „Zu diesem Anlass hatten sich beide Chöre, denen mein Großvater angehörte, eingefunden, um ihm ein Ständchen zu bringen, der Männergesangverein Heiterkeit und der Männergesangverein Einigkeit. Die Männer setzten andächtige Mienen auf, dann gab mein Onkel mit beiden Händen den Einsatz, und die Stimmen, die eben noch in mundartlichem Tonfall geplaudert und gelacht hatten, schraubten sich zu etwas Kostbarem, Feierlichem in die Höhe. Wo das Alltägliche war, herrschte nunmehr das Erhabene, in dessen Dienst Menschen, die gerade noch über banale Dinge gesprochen hatten, ihre Stimmen stellten: „O wie schön ist deine Welt, Vater, wenn sie golden strahlet!“

Als Pfarrerin habe ich viele ähnliche Auftritte selbst miterlebt, wenn sich bei einem Jubilar oder einer Jubilarin ein Chor oder eine Handvoll Leute zu einem Geburtstagsständchen eingefunden hat. Und oft hat der Gesang das bewirkt, was all die mündlich oder schriftlich übermittelten Glückwünsche bis dahin nicht geschafft hatten: Ich sah dann Tränen in den Augenwinkeln glitzern, ein tiefes Bewegt-Sein, Rührung, eine Ergriffenheit von Herz und Seele. Oder noch einmal mit Stefan Moster: „Wo das Alltägliche war, herrschte nunmehr das Erhabene, in dessen Dienst Menschen, die gerade noch über banale Dinge gesprochen hatten, ihre Stimmen stellten.“

Ja, Singen kann Festtagen einen besonderen Glanz verleihen und allererst zu dem machen, was sie dann in der Erinnerung werden: unvergessliche Momente, eindrückliche Augenblicke. Und das gilt nicht nur für runde Geburtstage von Großvätern, sondern auch für große staatstragende Ereignisse. Kein Festakt ohne Musik!

So war das schon in biblischen Zeiten, zum Beispiel bei der Einweihung des neuen Tempels in Jerusalem, wie sie im heutigen Predigttext aus dem zweiten Buch der Chronik beschrieben wird. Da hat der König Salomo in seiner Hauptstadt einen Tempel bauen lassen, und nun ist er mit feierlichen Prozessionen eingeweiht worden. Der biblische Autor berichtet: „Alle Sänger waren in feines Leinen gekleidet.“ Wie in einem Konzertprogramm führt er die Solisten namentlich auf:  „Asaf, Heman und Jedutun“, im Chor ihre Söhne und Ihre Brüder – quasi ein biblischer Männergesangverein. „Mit Zimbeln, Harfen und Leiern standen sie östlich vom Altar. Bei ihnen waren 120 Priester, die Trompeten bliesen.“ Sein Eindruck: „Die Trompeter und Sänger musizierten mit einer Stimme. Sie lobten und dankten dem Herrn. Sie vereinten Trompeten, Zimbeln und alle Instrumente zu einem Lobgesang für den Herrn: „Ja, er ist gut; für immer bleibt seine Güte bestehen!“

Ich stelle mir vor, dass die versammelte Festgemeinde im Vorhof des Tempels zu Jerusalem dasselbe empfunden haben muss, wie die Gäste im Garten des Großvaters von Stefan Moster: Wo bisher das Alltägliche regiert hat, herrschte nun das Erhabene. Ich glaube: Singen macht nicht nur glücklich; es bringt uns auch „näher, mein Gott, zu dir“.

Heute ist der Sonntag Kantate. Er fordert Menschen zum Singen auf. Kantete: Singt! Auch die, die immer von sich behaupten, sie könnten gar nicht singen. Nachweislich sind das aber noch nicht einmal zwei Prozent.

Dass Singen glücklich macht, ist vielfach erwiesen: Beim Singen schüttet das Gehirn ganz viele Glückshormone aus. Man fühlt sich nach ein paar Liedern einfach gut. Ich zum Beispiel bin nach jeder abendlichen Chorprobe so wach und voller Energie, dass ich Bäume ausreißen könnte. Das bewusste Atmen beim Singen sorgt für eine gute Durchblutung. Davon profitieren Herz und Hirn und alle anderen Organe. Wer singt, tut etwas für sein Wohlbefinden und stärkt sein Immunsystem.

Ich könnte es noch endlos fortsetzen, das Lob des Singens. Ein letzter Gedanke ist mir wichtig. Und auch den finde ich bei Stefan Moser in seinem Buch „Vom Glück im Chor zu singen“, wenn er schreibt: „Erstaunlich, wie schnell man beim Gebet landet, wenn man sich Gedanken über den Gebrauch der Stimme macht.“ Oder auch nicht erstaunlich, denke ich, denn wahrscheinlich ist das Gebet, das Gotteslob, die Anrufung Gottes, die Wurzel allen Gesangs. Und dieser göttliche Funke steckt noch in jedem Lied.

Noch einmal zurück in Großvaters Garten. Zum Männergesangverein und seinem Lied „O wie schön ist deine Welt, Vater, wenn sie golden strahlet“. Dazu schreib Stefan Moster: „Schuberts Lied war ein Gebet, das auch Weltlichen offenstand. Und als der Chor es sang, konnte man glauben, dass es aus dem Mund der ganzen Menschheit kam.“

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26APR2026
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… mit Christian Hartung, guten Morgen – und: frohe Ostern!

Keine Sorge, ich habe mich nicht im Datum geirrt. Und hier wird auch nicht aus Versehen eine Sendung vom Ostersonntag wiederholt. Aber: Ostern – das geht bis Himmelfahrt. So lange dauert die Osterzeit.

Und vielleicht ist heute, am 3. Sonntag nach Ostern, der Abstand gerade groß genug. Um sich zu fragen, ob Ostern noch nachwirkt – und ob sich mein Blick darauf verändert hat. Ob ich’s im Alltag spüre, immer noch staune. Ob ich die Freude noch so richtig genießen kann.  

Es ist erst ein paar Wochen her, da haben vier Astronauten den Mond umrundet. Dabei haben sie sich weiter von der Erde entfernt, als jemals jemand vor ihnen. Ich weiß nicht, ob der Abstand ihnen geholfen hat, besser zu erfassen, was das eigentlich ist: Leben. Wie das funktioniert. Warum es das im ganzen weiten Universum ausgerechnet hier gibt. Auf so einem unwichtigen kleinen Planeten.

Der Abstand hat ihnen aber geholfen, darüber besser zu staunen. Und sich richtig darüber zu freuen. „Es ist eine besondere Sache, ein Mensch zu sein und auf dem Planeten Erde zu sein“, sagte der Astronaut Reid Wiseman. Auf seine Kollegin Christina Koch hat die Erde wie ein „Rettungsboot im Universum“ gewirkt. Und der deutsche Astronaut Alexander Gerst, der vielleicht in 2 Jahren den Mond betreten wird, sagt, dass man aus dem Weltall plötzlich die Dinge auf der Erde in einem ganz anderen Licht sieht: „Ich kann einfach im Wald joggen, und selbst der Nieselregen bei drei Grad im November macht plötzlich Spaß.“

Wir haben heute einen Abstand von drei Wochen zu Ostern. Der heutige Sonntag hat einen besonderen Namen: Jubilate. Das kommt von einem Psalm, einem alten Gebet aus der Bibel: „Jauchzet Gott, alle Lande!“ In der viele Jahrhunderte alten lateinischen Übersetzung heißt das: „Jubilate Deo omnis terra!“

Jubilate! Jubelt, jauchzet Gott! Das sollte die Stimmung heute sein.

Aber ist sie das noch? Oder ist sie bereits wieder überdeckt? Von traurigen Nachrichten aus der Familie vielleicht? Oder von den schlimmen Nachrichten aus aller Welt?

Wenn ich den 66. Psalm in der Bibel weiter lese, dann ist aber genau davon dort reichlich die Rede. „Du hast auf unseren Rücken eine Last gelegt“, heißt es da einmal. Und dennoch: „Jauchzet Gott, alle Lande! Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern!“

In den Psalmgebeten wird oft erst alles Schreckliche aufgezählt. Und dann kommt der befreite Jubel. Weil Gott eingegriffen hat. Das ist wie Karfreitag und Ostern. Das Schreckliche wird durch den befreiten Jubel gesehen.

Das Schreckliche lähmt nicht mehr. Direkt danach, wenn das Schlimme gerade vorbei ist, dann sitzt es einem doch noch in den Gliedern. Die Ostergeschichten in der Bibel erzählen von Angst, Schrecken, Zweifel, Unglauben. Erst langsam macht sich da Freude breit. Das dauert.

Und natürlich weiß auch die Bibel, dass die Schrecken immer noch in der Welt sind. Angst, Gewalt, Leid und Tod: das ist alles noch da. Doch die Freude, der Jubel: die sind jetzt auch da. Nicht als Durchhalteparole. Ich muss nicht wegschauen von allem Übel, um mich so freuen zu können. Aber ich darf mich freuen, weil etwas gut geworden ist, mitten in all dem Schlechten.

Mich beeindruckt, wie schön Astronauten die Erde beschreiben, wenn sie aus dem Weltraum auf sie schauen. Aus diesem Abstand sehen sie, wie wunderbar unsere Erde ist. Aber auch, wie zerbrechlich und bedroht sie ist.

Und das ist eigentlich genau der Blick, den auch die Bibel auf die Erde und auf das Leben hat. Auf Gottes Schöpfung. Gott hat alles gemacht, alles gut geordnet. Eins fügt sich ins andere. Und Gott hat das alles in den Händen.

Diese Erfahrung bleibt, durch alle Schrecken und Schmerzen hindurch. Selten sind so heftige Klagen aufgeschrieben worden wie in der Bibel. Aber auch selten so ein Jubel.

Ich gehe durch diese zerbrechliche, bedrohte Welt. Drei Wochen nach Ostern bin ich wieder mittendrin. Ich atme – und manchmal stockt mir der Atem. Doch ich sehe das Schwere auch aus dem Abstand von Ostern her. Und verstehe diesen Jubel, diese Freude. Eigentlich ist das eine Vorfreude. Ich freue mich jetzt schon, weil ich fest darauf vertraue, dass das Leben stärker ist und weiter reicht als der Tod. Es braucht starke Nerven für so einen Jubel. Von selbst versteht der sich nicht. Aber von Ostern her versteht er sich. Darum juble ich heute. Mitten in all dem Unglück und Unheil dieser Welt vertraue ich auf Gott.

Einen gesegneten Sonntag Jubilate wünscht Ihnen Christian Hartung aus Kirchberg im Hunsrück von der evangelischen Kirche!

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19APR2026
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Der Glanz von Ostern ist verblasst. Jedenfalls kommt es mir so vor. Ich denke dabei weniger an die glänzenden Eier, die wir mit den Kindern gesucht haben. Ich meine das, was wir an Ostern feiern: dass Jesus auferstanden ist. In der Osternacht war das so richtig anschaulich: die Osterkerze wurde in die dunkle Kirche getragen. Ihr Licht wurde weitergegeben und hat den Raum erhellt. Seine enorme Kraft war spürbar. „Kraft“ heißt auf Griechisch „dýnamis“. Die Dynamik der Auferstehung konnte man richtig sehen! Und wir haben gesungen: „Halleluja, Jesus lebt.“
Mittlerweile sind diese Töne verklungen; meine kleine Osterkerze ist runtergebrannt und der Alltag ist zurück. Ich frage mich, ob das alles war. Diese Dynamik der Auferstehung muss doch auch nach Ostern noch spürbar sein!

Ich glaube, das ist auch so. Nur muss man genau hinschauen. Mir hilft dabei, was ich von den Jüngern am See von Tiberias höre. Nachdem Jesus auferstanden ist, kehren Petrus und sechs andere nach Galiläa zurück und tun, was sie früher getan haben: sie fischen im See. Aber sie haben keinen Erfolg. Da kommt ein Mann vorbei und fordert sie auf, ihr Netz noch einmal auszuwerfen – dieses Mal auf der anderen, der rechten Seite des Bootes. Die Jünger tun das und fangen so einiges! Da erkennen sie in dem Mann Jesus. Sie kehren ans Ufer zurück, sitzen mit ihm zusammen und essen gemeinsam.

Für mich stecken in dieser Geschichte drei Hinweise, was Auferstehung im Alltag heißen kann: Bleib optimistisch. Rechne mit Jesus. Und Lebe erlöst. Ich will das gerne etwas erklären:

Die Jünger fangen zunächst nichts. Das ist ziemlich ätzend. Sie könnten aufgeben und nach Hause gehen. Das tun sie aber nicht: sie werfen die Netze erneut aus – auf der rechten Seite. Diese Seite steht in der Antike für das Positive. Der Mann fordert die Jünger also dazu auf, positiv zu bleiben und nicht aufzugeben. Jesus ist auferstanden und hat das Unmögliche möglich gemacht. Ich höre da für mich heraus: Sei auch du optimistisch. Bleib dran, versuch das, was unmöglich zu sein scheint oder nicht gelingt, einfach noch einmal. Sieh die Dinge positiv: die kleinen und auch die ganz großen. Wenn der Apfelkuchen runterfällt – ja, dann essen wir ihn halt als Crumble. Durch eine Prüfung zu fallen, ist doof, aber ich kann sie wiederholen. Und wenn meine Liebe nicht erwidert wird – vielleicht kommt die ganz große ja erst noch.

Auf diese Art österlich-optimistisch zu sein, heißt für mich nicht, Dinge schönzureden; manches fordert mich heraus, enttäuscht mich und hinterlässt Narben auf meiner Seele. Es geht mir um die Grundhaltung dahinter: Bleib nicht im Dunkeln stehen. Schau auf das, was dein Leben hell macht. Wenn dir das Leben Zitronen gibt – dann mach Limonade draus.

In meinen Sonntagsgedanken habe ich überlegt, wie sich Ostern auf meinen Alltag auswirken kann. Hinweise dazu habe ich bei den Jüngern gefunden. Nach Ostern sind sie zurück am See von Tiberias. Gerade haben sie erfolglos versucht, Fische zu fangen, als sie jemand anspricht.

Der Mann fordert die Jünger auf, ihr Netz noch einmal auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen. „Rechts“ steht in der Antike auch für „das Richtige“. Er bringt die Jünger also dazu, nicht nur optimistisch zu sein und neu anzusetzen. Er hilft ihnen auch dabei, das Richtige zu tun. Petrus ist Fischer und weiß eigentlich, was er tut. Und doch hilft ihm der Hinweis eines Außenstehenden. Er führt zum vollen Erfolg. Es heißt, die Jünger fangen 153 Fische; 100 Prozent, denn damals waren genau 153 Fischarten im See von Tiberias bekannt.

Österlich zu leben, kann also bedeuten, im Alltag mit Jesus zu rechnen. Es gibt immer wieder Situationen wie bei den Jüngern, in denen mir jemand zur Seite steht und hilft, die nächsten Schritte zu gehen oder das Richtige zu tun. Jemand der mir seinen Blick von außen zur Verfügung stellt. Oft erkenne ich erst im Rückblick, wer mir da zum Christus geworden ist. Ich habe das selber schon erlebt: vor vielen Jahren hat mir jemand deutlich gespiegelt, was ich gut kann – das hat mich zu meinem Beruf geführt. Und es gibt viele andere Beispiele: der Freund, der mich aus einem Tief holt und auf andere Gedanken bringt; meine Frau, die mich ermutigt, gegen eine Krankheit anzukämpfen und nicht aufzugeben. Oder Kollegen, die sich zusammenschließen, um etwas gegen das Mobbing in der Firma zu tun.

Um zu spüren, dass Jesus für mich da ist, braucht es aber nicht immer andere Menschen: Freunde von mir nutzen dafür ihre Hochzeitskerze. Sie entzünden sie immer dann, wenn Worte am Ende sind, wenn sie Redebedarf haben, sich aber keiner traut, auf den anderen zuzugehen. Es ist das stille Zeichen: wir dürfen nicht schweigen; wir müssen reden. Bei der Hochzeit haben sie diese Kerze an der Osterkerze angezündet. Sie erinnert sie an Jesus, den Dritten im Bund ihrer Ehe. Sie verleiht ihm die Stimme, die sagt: „Tu das Richtige, gerade wenn es mal schwierig wird.“

Die Jünger am See von Tiberias sitzen am Ende mit Jesus zusammen, essen, trinken und feiern miteinander. Auch das ist für mich ein Hinweis, wie sich die Auferstehung auswirken kann: Wenn Jesus alles Dunkel hell macht, gibt mir das Hoffnung und Grund, mich zu freuen! Sicher klingt bei diesem Essen auch das letzte Abendmahl durch: die Jünger denken an die Zeit mit Jesus zurück und vergewissern sich, was er ihnen bedeutet. Aber wenn sie zusammen essen, heißt das eben auch: sie genießen das Leben. Und das darf auch ich. Ich höre da heraus: Lebe erlöst. Feier das Leben. Sei fröhlich und freu dich an den Dingen, die dir geschenkt sind!

Optimistisch sein; sich getragen wissen und leichter leben. Die Osternacht mag vorbei sein und meine Osterkerze erloschen. Aber ich bin überzeugt: Die Auferstehung wirkt weiter. Sie entfaltet ihre Kraft erst so richtig im Alltag.

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