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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Nein,“ hat mir ein junger Vater gesagt. „Ich finde das nicht nötig“. Er findet nicht nötig, sein Kind taufen zu lassen. „Ich glaube“, sagt er, „Gott liebt unser Kind auch so, ohne diese Prozedur in der Kirche.“

Und ich meine, er hat Recht. Gott braucht keine Formalitäten, auch keine Rituale. Gott liebt die Kinder. Alle Kinder. Als Jesus gesagt hat: „Lasst die Kinder zu mir kommen… ihnen gehört die Welt Gottes“, da waren die Kinder nicht getauft.

Für Gott ist die Taufe eines Kindes also vermutlich nicht nötig. Aber vielleicht ja für das Kind? Damit es später weiß, mit welchem Wasser es gewaschen ist? Hoffentlich nicht mit allen.

In unserer Welt kommen die besonders gut voran, meinen viele, die mit allen Wassern gewaschen sind. „Mit allen Wassern gewaschen sein“, das kommt aus der Seemannssprache. Jemand, der viel herumgekommen ist und alle Tricks kennt, der ist gemeint. Jemand, der raffiniert ist und ein bisschen durchtrieben. Man kann solche Menschen bewundern. Aber vor solchen Leuten wird auch gewarnt. „Sei vorsichtig, der ist mit allen Wassern gewaschen. Der zieht Dich schnell über den Tisch “

Ob junge Eltern das wollen, dass ihr Kind irgendwann mit allen Wassern gewaschen ist? Mir wäre es ehrlich gesagt lieber, mein Kind wäre mit dem Wasser christlichen Geistes übergossen. Beeinflusst von Jesus. Getauft eben.

„Mit dem Wasser christlichen Geistes“ übergossen. So hat der Dichter Wilhelm Wilms[1] beschrieben, was beim Taufen geschieht. Dass die Getauften also nicht raffiniert und durchtrieben nur für ihr eigenes Fortkommen sorgen, sondern dafür, dass es gerecht zugeht und auch die Schwachen zu ihrem Recht kommen. Dass die Täuflinge, wenn sie groß sind, nicht mit den Starken paktieren, um voran zu kommen, sondern barmherzig sich für die Schwachen einsetzen. Dass sie nicht zu den Starken und besonders Gerissenen gehören wollen, sondern bei denen bleiben, die Hilfe brauchen.
Dass sie auf Gott vertrauen, weil er mit seinem Geist bei ihnen ist.

Deshalb finde ich es gut und nötig, die Kinder mit dem Wasser christlichen Geistes zu taufen. Und sie im christlichen Geist zu erziehen. Damit unsere Welt menschlich bleibt. Und sie menschlich leben können.


 

[1] Wilhelm Willms in: Beten durch die Schallmauer. Impulse und Texte herausgegeben von der Bundesleitung der Katholischen Jungen Gemeinde,

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26630