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SWR2 / SWR Kultur

 

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SWR Kultur Lied zum Sonntag

07SEP2025
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Musik 1: Georg Friedrich Händel: Gloria; Emma Kirkby (Sopran) und Royal Academy of Music Baroque, Leitung: Laurence Cummings

 

Gloria in excelsis Deo! – Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Es kommt festlich und virtuos daher, das „Gloria“ von Georg Friedrich Händel für Solosopran und Streichorchester. Händel ist erst 22 Jahre alt, als er dieses Stück um 1707 für einen katholischen Gottesdienst in Rom komponiert. Weil er in Sachsen aufgewachsen ist, nennen seine römischen Fans ihn den liebenswerten Sachsen, „il caro Sassone“. Diese Fans und Auftraggeber, darunter einige Kardinäle, sind natürlich katholisch. Händel bleibt jedoch zeitlebens seiner lutherischen Religion treu, auch als er später in London wirkt, wo alle anglikanisch waren. Als man ihm dort Bibelverse für eine Krönungsmusik vorschreiben will, entgegnet Händel selbstbewusst und typisch lutherisch: „Ich kenne die Bibel gut und kann die passenden Verse selber aussuchen.“

 

Musik 2: – Laudamus te, benedicimus te, adoramus te, glorificamus te. – Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an, wir rühmen dich.

 

Musik verbindet die Konfessionen. Sie ist schon viel weiter, als die Kirchen insgesamt. Gerne denke ich an meinen ersten Orgellehrer zurück. Er hat als evangelischer Kirchenmusiker auch die Katholiken – wie mich - unterrichtet, für die es weit und breit ansonsten keinen Lehrer gab. Einmal pro Woche fuhr er mit seinem VW-Variant – der war gut und geräumig, wenn man als Dirigent auch mal Pauken transportieren muss – über die Dörfer, um jungen Menschen das Orgelspielen beizubringen. Als guter Lutheraner hat er sich an der Bibel orientiert. Und in der Bibel gibt es, so hat er es mir auf der Orgelbank erklärt, keinen Hinweis darauf, dass er bedürftige Katholiken nicht unterstützen dürfe. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar!

 

Musik 3: Gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam. – Wir danken dir, denn groß ist deine Herrlichkeit.

 

Mit dieser Musik will der junge Lutheraner Händel im katholischen Rom eine feste Anstellung erreichen, vielleicht bei einem Kardinal. Hat aber leider nicht geklappt. Mich erinnert diese Musik daran, dass die Kirchen sich noch mehr versöhnen sollten. Die Musik macht es uns vor: In kirchlichen Chören singen viele aus verschiedenen Konfessionen und manche, die eben kulturell interessiert sind. Vieles darf konfessionell verschieden sein, auch musikalisch: die katholische Orchestermesse zum Hochamt und die evangelische Kantate mit Worten aus der Luther-Bibel oder der anglikanische Evensong mit viel Chormusik. Das ist ein großer Reichtum, so reich wie ein Orchester mit seinen vielen Instrumenten. Und Gott selbst macht es uns ja vor: Ein Gott in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist! Warum also nicht ein Christentum in mehreren Konfessionen, die sich gegenseitig achten, in „versöhnter Verschiedenheit“ zusammenwirken und gemeinsam das Abendmahl feiern. An Musik hierfür fehlt es nicht. Händel eignet sich bestens, vom anfänglichen „Gloria“ bis zum kraftvollen „Amen“ am Ende. Da hört man förmlich, wie die irdischen Klänge alle Grenzen sprengen wollen.            

 

Musik 4: Cum Sancto Spiritu in gloria Dei patris, Amen – mit dem Heiligen Geist zur Ehre Gottes, des Vaters, Amen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42887
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SWR Kultur Lied zum Sonntag

13JUL2025
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Musik 1: Instrumente werden gestimmt

 

Wenn alle ihre Instrumente gestimmt haben, kann es losgehen! Auch mit dem Lied zum Sonntag heute: das Vaterunser ist ein Gebet, das schon oft vertont wurde. Bei Arvo Pärt, dem fast 90 Jahre alten Komponisten aus Estland, klingt das Vaterunser ganz schlicht und zugleich sehr eindringlich. Pärts Musik kommt aus der Stille, und sie will uns still werden lassen. Nur noch hören und dabei ruhig atmen. Sogar die Atempausen des Sängers sind mit einkomponiert in diese Musik, damit die gesungenen Worte nicht zu rasch verhallen, sondern in unseren Ohren und vielleicht auch in den Herzen noch etwas nachklingen.                       1‘

 

Musik 2: Arvo Pärt: Vaterunser – mit Andreas Scholl (Altus) und Morphing Chamber Orchestra

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden …

 

Ja. Was der menschenfreundliche Gott will, das soll geschehen: „wie im Himmel, so auf Erden“. Gott will Gerechtigkeit, und er will den Frieden. Das Vaterunser erinnert uns daran, wie weit wir noch davon weg sind. Aber ich kann ja damit anfangen, und das Vaterunser kann mir dabei helfen. Und die Musik von Arvo Pärt, dem es ganz wichtig ist, dass wir nicht unbedacht beten. Pärt spricht vom „sorgfältigen Beten“. Was er damit meint, erfahren wir aus einer Grafic Novel mit vielen Comics. Da sieht man Arvo Pärt in ganz unterschiedlichen Lebenslagen und in einer Sprechblase steht sein schöner Satz: „Nach sorgfältigem Beten ist die Seele wie ein frisch gestimmtes Instrument.“

 

Musik 3: Arvo Pärt: Vaterunser

… unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben …

 

Vielleicht reicht als Gebet ja oft ein Vaterunser. Oder ein einziger Satz daraus. Besonders nahe ist mir die Bitte „Dein Reich komme!“ Dieses Stoßgebet öffnet mi, zwischen allen irdischen Sorgen und Problemen einen Spalt breit eine himmlische Perspektive. Wenn ich so gebetet habe, komme ich in eine andere Stimmung. Am Morgen fühlt sich der beginnende Tag dann irgendwie anders an. Zur Zeit gelingt mir das am besten, wenn ich mit dem Fahrrad zur Arbeit radle. Ich freue mich morgens an der Natur: wie schön sie ist und wie da alles zusammenstimmt. Dafür bin ich dankbar. Und auch meine Seele ist dann „wie ein frisch gestimmtes Instrument“. Ein paar Stunden später geht es der Seele dann vielleicht so wie den Instrumenten im Konzert. Die Saiten sind etwas schlaffer und die Seele etwas müder. Dann wird in einer kleinen Ruhepause auch die Seele „nachgestimmt“, mit einem Stoßgebet aus dem Vaterunser oder mit einer Musik, die in mir nachklingt.

 

Musik 4: Arvo Pärt: Vaterunser

Nachspiel instrumental

Textdichter und Komponist:

T: Bibel/Liturgie

M: Arvo Pärt

Musikquellen:

G0000345 (Musik 1 – Streichquartett stimmt ein)

M0702478 (Musik 2 bis 4)

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42520
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SWR Kultur Lied zum Sonntag

15JUN2025
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Musik 1: Franz Schubert: „Du holde Kunst“; Intro mit Angela Hewitt, Klavier, M0730856

 

Mir ist ein rotes Heft mit leichten Musikstücken für Klavier in die Hände gekommen. Hochformatig, ziemlich abgegriffen. „Klavier-Fibel“ steht darüber. Auf der ersten Seite handschriftlich „Mai 1975“, das Datum meiner ersten Klavierstunde. Genau 50 Jahre ist das nun her. Mein Talent war, sagen wir mal, überschaubar. Leichte Stücke von Franz Schubert konnte ich immerhin spielen. Vor allem aber empfinde ich oft genau das, was Franz Schubert beim heutigen Lied zum Sonntag komponiert hat. Es heißt „Du holde Kunst“ und ist nichts anderes als eine Liebeserklärung an die Musik.

 

Musik 2:Strophe 1 mit Christoph Prégardien (Gesang) und Andreas Frese (Klavier), M0577505

 

Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden,

Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,

Hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunden,

Hast mich in eine bessre Welt entrückt,

In eine bessre Welt entrückt!

 

Franz Schubert hat es wohl erlebt, dass Musik das Leben nicht nur bereichert, sondern uns, wenn wir singen und spielen oder wenn wir auf die Klänge hören, „in eine bessre Welt“ versetzt, ja „entrückt“. Hm, denke ich da, mit meiner Klavier-Fibel in der Hand. Da gab es ja auch anstrengende Stunden am Klavier, wenn die Finger nicht so liefen wie gewollt, und schließlich habe ich eingesehen, dass mein Talent zum Reden über Musik – wie heute beim „Lied zum Sonntag“ – vielleicht größer ist, als mein Ehrgeiz, professionell in die Tasten zu greifen. Und es muss ja auch jemand zuhören, wenn die großen Musiker singen und spielen.

 

Musik 3: Intermezzo mit dem Signum Quartett, M0705993

 

Die Liedzeile mit der „besseren Welt“ beschäftigt mich oft. Und ich erlebe das! Mit Musik erfahre ich mich selbst: wenn ich froh bin oder traurig oder voller Sehnsucht. Beim Chorsingen erlebe ich ganz intensiv die Gemeinschaft vieler, die singen. Und manchmal erlebe ich musikalische Glücksmomente und denke, die sind nicht von Menschen gemacht, sondern von Gott. Hören wir dazu noch die zweite Strophe von Franz Schubert, in der die Musik zum „Schlüssel“ wird. Gemeint ist nicht der Notenschlüssel. Es geht darum, dass Musik sogar den Himmel aufschließt.

 

Musik 4: Strophe 2 mit Christoph Prégardien (Gesang) und Andreas Frese (Klavier) M0577505

 

Oft hat ein Seufzer, deiner Harf entflossen,

Ein süßer, heiliger Akkord von dir

Den Himmel bessrer Zeiten mir erschlossen,

Du holde Kunst, ich danke dir dafür,

Du holde Kunst, ich danke dir!

 

„… du holde Kunst, ich danke dir“ – da kann ich mitgehen, weil die Musik mir schon vieles geschenkt hat seit den ersten Klavierstunden. Sie ist ein Resonanzraum für viele Erlebnisse, für Trauer wie für Freude. Franz Schubert betet im Lied „Du holde Kunst“ sogar zur Musik. Ich bete eher mit Musik, wenn ich eine Kantate von Bach höre oder die Lieder im Gottesdienst mitsinge. Die rote „Klavier-Fibel“, die ich jetzt wieder zur Seite lege, sie hat mein Leben eine Zeitlang begleitet. Und vor allem hat sie mich dauerhaft bereichert. Denn sie hat mir eine Sprache erschlossen, die Sprache der Musik.

 

Musik 5: Angela Hewitt, Klavier - M0730856

Textdichter und Komponist:

T: Franz von Schober

M: Franz Schubert

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42370
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SWR Kultur Lied zum Sonntag

23MRZ2025
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Das Lied zum Sonntag heute ist eine Einladung. Der Abt eines Klosters spricht sie aus. Abt Arnulf von Löwen, der vor 800 Jahren in Belgien gelebt hat, will dem gekreuzigten Jesus besonders nahe sein. Deshalb lädt er mit seinem Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ dazu ein, diesen Leidenden zu betrachten: Schau auf den leidenden Jesus am Kreuz, auf die Dornenkrone, die aus ihm die Karikatur eines Königs macht. Und sieh ihm in sein blutüberströmtes Gesicht. Denn das ist ein stiller Schrei. Jesus fragt, ob du sein Leiden mit ihm teilen willst.

 

O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron.
O Haupt, sonst schön gekrönet
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber frech verhöhnet,
gegrüßet seist du mir.

 

Unser Lied ist nicht nur eine Einladung, sondern auch ein Gruß. Mit dem Gruß „Salve“ beginnt das lateinische Original, und mit den Worten „… gegrüßet seist du mir“ schließt die erste Strophe in der deutschen Übersetzung von Paul Gerhardt. Dieser Gruß will eine Beziehung aufbauen zwischen dem Sterbenden am Kreuz und mir, der ihn anschaut und den sein Leiden nicht kalt lässt. In diesem Jahr spricht mich besonders eine Strophe an, in der es heißt: „Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir“. Vielleicht deshalb, weil gerade diese Strophe auch ein Teil von Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion ist. Sie erklingt dort direkt nach dem Tod Jesu.

 

Wenn ich einmal soll scheiden,

so scheide nicht von mir.

Wenn ich den Tod soll leiden,

so tritt du dann herfür.

Wenn mir am allerbängsten

wird um das Herze sein,

so reiß mich aus den Ängsten

kraft deiner Angst und Pein.

 

In der Fastenzeit sehe ich die Bilder des Gekreuzigten bewusster, zum Beispiel auf dem großen Fastentuch im Freiburger Münster, das zur Zeit vor dem Hochaltar hängt. Und mit Musik erlebe ich solche Bilder der Passion noch intensiver. Obwohl das Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ sehr traurig und melancholisch klingt, ist es für mich am Ende doch ein Lied voller Hoffnung. Es singt davon, dass das Leid nicht das letzte Wort ist! „So reiß mich aus den Ängsten“ – haben wir gerade gehört, und das ist auch meine Bitte an Jesus, der voller Angst am Kreuz hängt. Die Angst, die mich manchmal umtreibt, vor der Zukunft oder davor, überfordert zu sein, oder ob mir bald der Abschied aus dem Berufsleben gut gelingt – diese Angst verschwindet nicht schlagartig, wenn ich auf Jesus schaue. Aber manchmal tröstet es mich, wenn ich dieses Lied höre, das den Schmerz ernstnimmt und zum Mitleiden einlädt. Dann kann ich getrost mitsingen, wenn es heißt: „Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund“.

 

Textdichter und Komponist:

T: Paul Gerhardt, nach Arnulf von Löwen

M: Hans Leo Haßler

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41810
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SWR Kultur Lied zum Sonntag

17NOV2024
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Musik 1: Ouvertüre – Jörg Josef Schwab, Klavier

 

Noch gut zwei Stunden, dann ist es soweit. Dann wird im Freiburger Münster ein Mann seliggesprochen, dessen Wirken mich tief beeindruckt. Er heißt Max Josef Metzger und stammt aus dem südbadischen Schopfheim, wo er 1887 geboren wurde. Er hat genau das Gegenteil von dem getan, was der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal empfohlen haben soll: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“ Max Josef Metzger ist nicht zum Arzt gegangen, sondern zunächst zum Studieren. Und dann ist er katholischer Priester geworden. Er hat seinen Visionen vertraut, die nicht gerade bescheiden waren, das stimmt. Der neue Selige wollte, dass die Kriege aufhören, und dass die Christen nicht mehr in Konfessionen getrennt sind. Er hatte auch viele kreative Ideen, wie man das Singen der gesamten Gemeinde in den Gottesdiensten verbessern könnte. Deshalb hat er Lieder gedichtet und komponiert. Zur heutigen Seligsprechung habe ich versucht, die Botschaft dieses neuen Seligen textlich in ein Lied zu fassen. Die Melodie stammt von Max Josef Metzger selbst.

 

Musik 2: „Seliger Max Josef Metzger” (Strophe 1)

 

Seliger Max Josef Metzger, froh in der Erlösten Schar

bringst du, selig mit den Selgen, deinem Heiland Hymnen dar.

Hör, wie Herz und Mund dich preisen hier im Klang der Erdenzeit:

Deinem Vorbild hilf uns folgen, wachen Herzens und bereit.

 

An Max Josef Metzger imponiert mir, dass er zielstrebig war und keine falschen Kompromisse eingegangen ist. Er hat gespürt, ab wann es kein „Sowohl – als auch“ mehr geben kann, sondern nur noch ein „Entweder – oder“. Dabei hat ihm sein Glaube geholfen. Selbst als die Gestapo ihn ins Gefängnis wirft, komponiert er noch Lieder. Die Melodie, die wir heute von ihm hören, schreibt er kurz bevor er ermordet wird, mit gefesselten Händen. Max Josef Metzger hat sich einen „Künstlernamen“ zugelegt und sich „Bruder Paulus“ genannt. Damit will er an den biblischen Apostel Paulus erinnern,  und deshalb kommt auch im Lied zum Sonntag der spirituelle „Dreiklang“ von Paulus vor: Glaube, Liebe und Hoffnung.

 

Musik 3: Strophe 2

 

Seit dich Jesu Ruf getroffen, stehst du fest zu deinem Ja.

Glaubensfreudig, liebend, hoffend gibst du Antwort: „Ich bin da,

Tag für Tag, damit der Friede, den der Herr verheißen hat,

nicht von Hass und Krieg erstickt wird.“ Dank für deine Lebenstat!

 

Max Josef Metzger war ein musischer Mensch. Vor allem ein Bild geht mir nicht mehr aus dem Kopf: wie er als Todeskandidat in der Gefängniszelle immer noch Lieder komponiert und von der österlichen Hoffnung singt. Besonders aktuell bleibt die Vision des Friedens, für die er gelebt hat. Dafür hat er wirklich alles gegeben.

 

Musik 4: Strophe 4

 

Glaubenszeuge, zwar in Fesseln, doch im Herzen schon befreit,

schreibst du Lieder in der Zelle, bist zum Opfer selbst bereit:

„Wir sind eins mit allen Christen, macht ein Ende eurem Streit!“

rufst du deiner Zeit entgegen, mahnst du aus der Ewigkeit.

 

Textdichter und Komponist:

T: Meinrad Walter (2024)

M: Max Josef Metzger (1944)

 

Musikquellen:

SWR-Produktion im Studio Freiburg am 13.11.24 mit Jörg Josef Schwab (Klavier)

und Eduard Wagner (Gesang); Technik: Roland Schneider

https://www.kirche-im-swr.de/?m=41034
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SWR Kultur Lied zum Sonntag

22SEP2024
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Darf ich vorstellen: eine Grille. Mit ihrem Zirpen hat sie gleich einen großen Auftritt im heutigen Lied zum Sonntag. Aber das kleine Tierchen ist nicht allein auf unserer imaginären Bühne. Da ist noch einer, der ihr zuhört: der heilige Franz von Assisi, der im 13. Jahrhundert gelebt und gewirkt hat. Was mit der Grille und dem heiligen Franziskus passiert sein soll, das steht in einem Gedicht aus der Feder des Konstanzer Kirchenmannes Ignaz Heinrich von Wessenberg, geschrieben vor etwa 200 Jahren. Es beginnt so: „Franziskus einst, der heilge saß vor seiner Zell und Psalmen las. Der Abend durch die Wipfel glüht, als durch der Dämmrung Stille mit hellem Flügelschlag ihr Lied ertönen lässt die Grille.“ Diese kleine Story wird sogar zur Musik, wenn der romantische Komponist Carl Loewe sie als Lied mit Klavierbegleitung vertont.

 

Musik 2: Legende „Der heilige Franziskus” von Ignaz Heinrich von Wessenberg (unter dem Titel „Das Lob Gottes”) und Carl Loewe; mit Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton) und Jörg Demus (Klavier)

 

Franziskus einst, der Heilge saß

vor seiner Zell und Psalmen las.

Der Abend durch die Wipfel glüht,

als durch der Dämmrung Stille 

mit hellem Flügelschlag

ihr Lied ertönen lässt die Grille.

 

Jetzt könnte sich Franz von Assisi gestört fühlen in seinem Psalmengebet, von einer Grille. Aber er hat die Tiere ja hoch geschätzt und sogar den Vögeln gepredigt. Deshalb fühlt er sich im Gedicht von Wessenberg auch gar nicht gestört, sondern inspiriert. Ohne lange zu überlegen, schlägt er sein Gebetbuch zu und betet einfach mit der Grille mit.

 

Musik 3: „Der heilige Franziskus” (Fortsetzung)

 

Gott preist das Grillchen für den Tau,

der es erquickt auf grüner Au.

Der Heilge schlägt den Psalter zu,

denn schöner, wollts ihm scheinen,

ruf’ ihm das fromme Grillchen zu:

Wie groß ist Gott, wie groß ist Gott,

wie groß ist Gott im Kleinen!

 

„Wie groß ist Gott im Kleinen!“ Das ist doch ein schönes Motto für den heutigen Sonntag. Vielleicht höre oder sehe ich Heiliges und Göttliches in manchen kleinen Dingen: in einem Lied, in einem glücklichen Moment. Vielleicht sehe ich etwas Schönes in der Natur: die Wolken oder einen imposanten Baum im Wald beim Spazierengehen. Oder ich höre den Gesang der Vögel mit ganz neuen Ohren. Franz von Assisi macht es uns vor: Er war aufmerksam und konnte über das Kleine staunen. Nicht nur über den wunderbaren Gesang einer Nachtigall, sondern auch über das Zirpen einer Grille.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=40691
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SWR Kultur Lied zum Sonntag

30JUN2024
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Musik 1: Martin Stadtfeld (Klavier) improvisiert über „Geh aus, mein Herz“

Noch hören wir es nicht, das Lied, um das es heute geht. Gleich ändert sich das, und vielleicht kommt ihnen die Melodie bekannt vor?

Musik 2: Fortsetzung von Musik 1 mit Martin Stadtfeld

Haben Sie es erkannt? Das Lied zum Sonntag heißt heute „Geh aus, mein Herz, und suche Freud!“ Der Barockdichter Paul Gerhardt hat es verfasst und ihm die Überschrift „Sommerlied“ gegeben. Dieses Lied lädt uns zu einem Spaziergang ein – hinaus, in die Schöpfung. Es wird bestimmt nicht langweilig, wenn wir gleichsam das „Buch der Natur“ aufblättern. Wer mitgeht, hört und singt vom Gackern der Hühner und dem Summen der Bienen. Ja, man schmeckt fast den Honig und den süßen Fruchtsaft wenn davon gesungen wird. Aber erst mal müssen wir uns auf den Weg machen! Die erste Strophe gibt uns den musikalischen Rückenwind:

Musik 3: Strophe 1 mit Christiane Oelze (Gesang) und Eric Schneider (Klavier)

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben (schönen) Sommerzeit
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

Paul Gerhardts „Sommerlied“ erinnert uns daran, wie bunt und wie lebendig die Schöpfung ist. Die Narzissen und die Tulpen, so heißt es in einer Strophe, würden in einem Schönheitswettbewerb sogar den biblischen König Salomo übertreffen, obwohl der ja so reich war, dass er sich in kostbare Seide kleiden konnte.

Musik 4: Strophe 2 mit „Die LingoBarden”

Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide.

Narzissen und Tulpen waren damals, als dieses Lied nach dem Dreißigjährigen Krieg entstand, ein ganz aktuelles Thema, vor allem in den Niederlanden. Ein Pfund solcher Zwiebeln konnte etwa so viel kosten wie ein kleines Häuschen. Es grassierte der „Tulpenwahn“ mit Tulpenzwiebeln als Spekulationsobjekten. Die Spekulanten staunten nicht mehr über die Schönheit der Natur, sondern über ihren Profit. Doch auf den „Boom“ der Tulpen folgte – wie wohl immer – der „Crash“. Nun waren die Tulpenzwiebeln nichts mehr wert, jedenfalls finanziell.

Musik 5: Fortsetzung von Musik 4

Paul Gerhardt spekuliert nicht, weder mit Geld, noch mit seinen Gedanken. Er liebt die Erde, und er hofft auf den Himmel. Das gefällt mir! Was ich in der Natur erlebe, das bringt mich zum Staunen und führt so auf Spuren zum Himmlischen. Der Gedanke an das Himmlische wiederum verliert sich nicht in spekulativen Höhenflügen, sondern bleibt auf dem Boden der Schöpfung. Ich glaube, darüber denke ich heute noch ein wenig nach: über das Irdische und das Himmlische, und über Paul Gerhardt, der die Erde liebt und auf den Himmel hofft. Am besten mache ich einen sommerlichen Spaziergang unter blauem Himmel, mit dem Lied von Paul Gerhardt im Ohr, oder vielleicht sogar auf den Lippen.

Musik 6: Strophe 8 mit Jay Alexander


Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen.
Ich singe mit, wenn alles singt
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.

 

Musikquellen (SWR-Archiv):

  • Musik 1 und 2: Deutsche Volkslieder mit Martin Stadtfeld (Klavier) – M0696932(AMS)
  • Musik 3: Exklusive Volkslieder (Vol. 3) mit Christiane Oelze (Gesang) und Eric Schneider (Klavier) – M0278450(AMS)
  • Musik 4 und 5: Deutsche. Lieder. Welten mit Die LingoBarden - M0609151(AMS)
  • Musik 6: Jay Alexander - M9174151(ADM)
https://www.kirche-im-swr.de/?m=40167
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SWR Kultur Lied zum Sonntag

05MAI2024
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Musik 1:

Angelus-Glocke der Pfarrkirche St. Jakobus, Stegen-Eschbach

Diese Glocke hat mich heute früh geweckt, um 6 Uhr. Jeden Tag läutet sie drei Mal im Glockenstuhl der Dorfkirche im Schwarzwald, wo ich wohne. Dieses Läuten, das dem Tag einen Rhythmus gibt, heißt auch Ave-Läuten oder „Angelus Domini“, der Engel des Herrn. Dahinter verbirgt sich eine biblische Geschichte aus dem Lukasevangelium, die wir oft auch auf Bildern sehen: Das jüdische Mädchen Miriam liest in ihrem Gebetbuch, und plötzlich überrascht sie ein Engel mit der himmlischen Botschaft: „Ave Maria, gratia plena“ – Sei gegrüßt, Maria, du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir.

Musik 2:

Anton Bruckner: Ave Maria (siebenstimmig)

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum; benedicta tu in mulieribus, – Sei gegrüßt, Maria, du bist voll der Gnade, der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Frauen,

Ganz himmlisch klingt der von Knaben gesungene Engelsgruß „Ave Maria“ beim österreichischen Komponisten Anton Bruckner. Sein „Ave Maria“ ist siebenstimmig. Bisher haben wir die drei hohen Knabenstimmen gehört. Jetzt kommen die vier tiefen Männerstimmen hinzu, mit den Worten: „und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“.

Musik 3:

et benedictus fructus ventris tui, – und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes,

Anton Bruckner hat mit dem Gebet „Ave Maria“ tagtäglich gelebt, im Stift St. Florian ebenso wie in der Hauptstadt Wien. Wenn in Wien ein Ave-Glöcklein zu hören war, dann hat er einfach seinen Unterricht für ein, zwei Minuten zum Beten unterbrochen. Das mache ich selber zwar nicht so. Aber an Bruckners siebenstimmigem Ave Maria gefällt mir, wie er die Personen so eindrucksvoll musikalisch beschreibt. Zuerst der Engel Gabriel, dann die betenden Männerstimmen. Und der Höhepunkt ist dann gar nicht Maria, sondern Jesus. Seinen Namen komponiert Bruckner in A-Dur: drei Mal, in größtmöglicher Steigerung von pianissimo bis fortissimo.

Musik 4:

Jesus, Jesus, Jesus!

Diese Klänge gehen mir durch Mark und Bein. Sie zeigen, wie fasziniert Anton Bruckner von Jesus war. Am stärksten vielleicht immer dann, wenn er seine Musik selbst dirigiert hat – so wie an einem Februarsonntag im Jahr 1881. Was er zuvor frühmorgens gebetet hat, erfahren wir aus seinem Taschenkalender: nämlich Vaterunser, Rosenkranz und Ave Maria. In diesem Notizbüchlein steht aber auch noch die finanzielle Ausgabe von etwa umgerechnet 15 Euro für „drei Torten“, wie es heißt. Die hat er aber nicht selbst verspeist, sondern den Chorknaben spendiert, weil sie sein Ave Maria so schön gesungen haben – sozusagen unter dem Motto „Drei Torten für ein Ave Maria“. So verbindet Anton Bruckner die Gottesliebe mit kleinen Zeichen der Nächstenliebe. Unser heutiges Lied zum Sonntag aus seiner Feder schließt wie jedes Ave Maria mit den Worten „jetzt und in der Stunde unseres Todes“. Ja, Leben und Sterben gehören zusammen, bis zum letzten „Amen“. Daran erinnert mich Anton Bruckners Musik und auch die Glocke meiner Dorfkirche.

Musik 5 a/b:

Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus nunc et in hora mortis nostrae. Amen. – Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. – Glockenläuten aus St. Jakobus, Stegen-Eschbach

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39843
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SWR2 Lied zum Sonntag

31DEZ2023
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Fanny Hensel: „Dezember“ aus „Das Jahr. 12 Charakterstücke für Klavier“ mit Els Biesemans (Ausschnitt)

Diese Musik sagt uns: Vorhang auf! Für das Lied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Die Komponistin Fanny Hensel schreibt über die Noten auch noch „Allegro molto“: Sehr rasch soll gespielt werden bei dieser weihnachtlichen Hausmusik. Fanny Hensel ist die ältere Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy. Beim Komponieren hat sie sich hier vielleicht eine theatralische Szene vorgestellt: Ein himmlischer Engel nähert sich mit wehendem Gewand und mit rauschenden Flügelschlägen. In den Noten ist dieses weihnachtliche Bild sogar zu sehen. Denn Fanny Hensels Mann Wilhelm, der für seine Porträtzeichnungen berühmt war, hat einen solchen Engel ganz oben auf das Notenblatt gemalt, mit den Gesichtszügen seiner Frau. Und bald ist auch eine engelsgleiche Melodie zu hören: in sphärischen Höhen.

 

Fanny Hensel: „Dezember“ mit Liedzitat „Vom Himmel hoch, da komm ich her“

Diese ganz schlichten Klavierklänge passen gut zur Überschrift unseres Liedes. Sie heißt „Ein Kinderlied auf die heilige Weihnacht Christi von Martin Luther“. Luther hat nicht nur den Text verfasst, sondern auch die Melodie komponiert! Und vielleicht hat er dieses Lied ja sogar mit der ganzen Familie bei einem Krippenspiel gesungen. Mit etwas Phantasie stelle ich mir vor, wie die Kinder den Engel bestaunen, der in einem kostbaren Gewand auftritt und dann zu singen beginnt:

„Vom Himmel hoch, da komm ich her“ (Strophen 1 und 2) mit Axel Köhler (Gesang) und der Lautten Compagnei

Vom Himmel hoch, da komm ich her.

Ich bring’ euch gute neue Mär,

der guten Mär bring ich so viel,

davon ich singen und sagen will.

 

Euch ist ein Kindlein heut’ geborn

von einer Jungfrau auserkorn;

ein Kindelein, so zart und fein,

das soll euer Freud und Wonne sein.

Als Kind habe ich noch den Brauch kennengelernt, dass man um die Jahreswende zu Verwandten geht, um ihnen ein gutes Neues Jahr zu wünschen, was meistens mit einer Neujahrsbrezel belohnt wurde. Und genau so, nur ohne Brezel, schließt unser Lied, wenn Martin Luther in der letzten Strophe eine Brücke von Weihnachten zum neuen Jahr schlägt. „Lob und Ehr sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen eingen, seinen einzigartigen Sohn“, so danken wir für Weihnachten. Aber dann wird aus dem einen Engel, den wir schon gehört haben, eine ganze vielstimmige Engelschar: „Des freuet sich der Engel Schar“, so heißt es. Und vor lauter Freude wünschen uns diese Himmelsboten singend ein gutes neues Jahr. Ich bin gespannt, wie es wird, das neue Jahr – mit seinen hellen und dunklen Tagen. Aber hoffentlich mit viel Musik und mit manchem Engel, in welcher Gestalt auch immer. Den Neujahrsgruß des Liedes „Vom Himmel hoch“ will ich noch möglichst lange im Ohr behalten und ihn heute schon auch an Sie weitergeben mit den Klängen des Barockkomponisten Michael Praetorius, dem dazu eine besonders festliche Musik eingefallen ist.

„Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron“ aus Michael Praetorius: „Christmette“ mit Gabrieli Consort und Gabrieli Players (Leitung: Paul Mc Creesh)

 

Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,

der uns schenkt seinen eingen Sohn.

Des freuet sich der Engel Schar

und singet uns solch Neues Jahr!

 

T + M des Liedes: Martin Luther

Klavierstück „Dezember“ aus dem Klavierzyklus „Das Jahr“: Fanny Hensel

Choralbearbeitung für Chor und Orchester: Michael Praetorius

https://www.kirche-im-swr.de/?m=39013
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SWR2 Lied zum Sonntag

16JUL2023
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Musik 1 Johann Sebastian Bach: „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ für Orgel (Beginn) aus dem Dritten Teil der Clavier-Übung“ (BWV 676). Johannes Lang, Orgel.

 

Diese Musik mag ich ganz besonders! Johann Sebastian Bachs quicklebendiges Orgelstück über das Lied „Allein Gott in der Höh sei Ehr“. Das Lied ist genau 500 Jahre alt! Es stammt von Nikolaus Decius, einem lutherischen Prediger und Kirchenmusiker, der zur Zeit der Reformation gelebt hat. Was will er mit seinen Strophen sagen? Bei allem, was wichtig ist und was dich Tag für Tag beschäftigt und manchmal auch bedrängt, bei all dem vergiss nicht, Gott die Ehre zu geben.

                                  

Musik 2 Hans Leo Haßler: „Allein Gott in er Höh sei Ehr“ (Strophe 1) mit dem Peñalosa-Ensemble.

 

Allein Gott in der Höh sei Ehr

und Dank für seine Gnade.

Darum, dass nun und nimmermehr

uns rühren kann kein Schade.

Ein Wohlgefallen Gott an uns hat,

nun ist groß Fried ohn Unterlass,

all Fehd hat nun ein Ende.

 

Johann Sebastian Bach hat sich den Titel dieses Liedes als persönliches Motto ausgewählt. Und zwar in lateinischer Sprache: „Soli Deo Gloria“ – Gott allein gebührt die Ehre! Bach schreibt diesen Spruch immer wieder unter seine Kompositionen. So, als wollte er das auf keinen Fall vergessen: Gott die Ehre zu geben! Die zweite Strophe unseres Liedes fragt danach, wie das geht. Und die Antwort fächert das Thema dreifach auf. Gott die Ehre geben, das heißt: ihn loben, ihn preisen und anbeten:

 

Musik 3 Hans Leo Haßler: „Allein Gott in er Höh sei Ehr“ (Strophe 2) mit dem Peñalosa-Ensemble.

 

Wir loben, preisen, anbeten dich,

für deine Ehr wir danken;

dass du, Gott Vater, ewiglich

regierst ohn‘ alles Wanken.

Ganz ungemessen ist deine Macht,

fort g‘schieht, was dein Will hat bedacht.

Wohl uns des feinen Herren!

 

„Allein Gott in der Höh sei Ehr.“ Aber was ist dann mit den Menschen, die nicht so auf der Höhe sind, denen es schlecht geht, die krank sind und leiden, oder die scheitern? Sind sie denn weniger wert? Ganz bestimmt nicht. Genau dazu hat Johann Sebastian Bach sogar ein kurzes Gedicht verfasst, in dem er Gott und die Menschen, denen er seine Musik schenken will, in den Blick nimmt. Es sind nur zwei Zeilen. Sie heißen: „Dem Höchsten, Gott allein, zu Ehren, / dem Nächsten, draus sich zu belehren.“

Bach spricht hier von der Ehre Gottes. Doch im selben Atemzug vergisst er auch die Menschen nicht, seine „Nächsten“. Heute gibt es weltweit ja viele, die Bach nahe sind, weil er sie nicht nur belehrt, sondern auch bewegt und erfreut. Mich erfreut Musik oft gerade dann, wenn es mir nicht so gut geht. Auch der alte Choral „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ mit seinem festlichen Dreiertakt.

Solche Klänge bringen dann auch in Bewegung, ja sie lösen etwas, wenn ich ganz erstarrt bin. Die paar Minuten, in denen ich dieses Lied im Gottesdienst singe oder in denen ich Bachs Musik höre, schenke ich demjenigen, dem die Ehre gebührt: „Dem Höchsten, Gott allein, zu Ehren“. Mir selber tut es auch gut. Vor allem gibt es mir Kraft für alles andere, was jeden Tag für meine „Nächsten“ wichtig ist.

 

Musik 4 Johann Sebastian Bach: „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ für Orgel (Schluss) aus

dem Dritten Teil der Clavier-Übung“ (BWV 676). Johannes Lang, Orgel.

 

 

 

Text und Melodie: Nicolaus Decius (1517) nach dem lateinischen Gloria der gregorianischen Messe „Lux et origo“ (vgl. GL 114); Chorsatz von Hans Leo Haßler; Orgelchoral von Johann Sebastian Bach aus dem Dritten Teil der „Clavier-Übung“ (BWV 676)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=38050
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