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10APR2022
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Musik 1: Klavier Intro

Am 10. April 1944, heute vor 78 Jahren, ist diese Musik entstanden, mitsamt dem Text aus drei Strophen. Ein Amateur-Komponist – Max Josef Metzger heißt er – hat dieses Lied unter schrecklichen Umständen verfasst. Er ist damals in einem Gefängnis bei Berlin inhaftiert. Weil ein Nazi-Gericht ihn wegen Hochverrats zum Tod verurteilt hat, sucht er Trost bei Jesus Christus. Für ihn ist dieser nämlich der eigentliche Herr über Leben und Tod. Vieles ist Max Josef Metzger schon genommen worden, vor allem seine Freiheit, jedenfalls die äußere. Seinen Osterglauben aber will er sich nicht rauben lassen. Deshalb betet und singt er: „Christ, der HERR, ist auferstanden, leibverklärt in Herrlichkeit“.

Musik 2:

  1. Christ der HERR ist auferstanden!
    Leibverklärt in Herrlichkeit.
    Kündet laut in allen Landen
    Freiheit! Friede! Freudenzeit!
    Singt Triumph! Denn überwunden
    Ist der Feind! Der HERR gebeut!
    Heiland aller Sünden Wunden,
    bracht‘ Er die Erlösung heut‘.

Eine Woche nachdem er dieses freudige und lebensbejahende Lied geschaffen hat, wird der 57jährige Max Josef Metzger vom NS-Regime hingerichtet. Wer war dieser Widerstandskämpfer aus religiöser Überzeugung, der auch gedichtet und komponiert hat? Metzger war eine im musikalischen Sinn geradezu „polyphone“ Existenz: Priester und Pazifist; ein Visionär, der sich mit der Spaltung der christlichen Konfessionen ebenso wenig abfinden konnte wie mit dem Krieg zwischen Völkern. Er ist fest davon überzeugt, dass politische Machthaber niemals schrankenlos herrschen dürfen, als ob sie Gott wären. Auch sie müssen sich vor einer höheren Macht verantworten. Max Joseph Metzgers König ist Christus, der auf einem Esel in die Stadt Jerusalem reitet, der dem Leiden nicht aus dem Weg geht, und der von Gott an Ostern gerettet wird. Von ihm hat er gelernt, aufrichtig zu leben.  

Musik 3:

  1. Christ der HERR ist auferstanden,
    jubelt, die ihr todgeweiht!
    Der des Teufels Kampf bestanden,
    uns aus Höllenfron befreit.
    Nimmer in dem Leib, dem neuen,
    Leben mehr im Grab verwest.
    Heil’gen Lebens froh, ihr Freien,
    hebt das Haupt: ihr seid erlöst!

Max Josef Metzger ging selbstbewusst, mit „erhobenem Haupt“ in den gewaltsamen Tod. Sein Lied, das er in der Osterzeit des finsteren Jahres 1944 geschrieben hat, es führt uns in das helle Zentrum des christlichen Glaubens: „Christ, der Herr ist auferstanden“. Die „Heilige Woche“, die heute beginnt, ist der Weg dorthin: von Palmsonntag bis Ostern. Max Josef Metzger hat die Glaubwürdigkeit, die der Kirche heute oft fehlt, ganz kompromisslos gelebt. Ein Grund mehr für seine Seligsprechung, hoffentlich bald! Weil er mit Jesus gelebt hat, konnte er sogar mit österlichen Gedanken sterben. Sein geradezu hymnisches Lied mag uns einstimmen in diese besondere Woche, deren „Ouvertüre“ heute der Palmsonntag ist.

Musik 4:

  1. Christ der HERR ist auferstanden!
    Erstling Seiner Heil’gen Schar.
    Heil und Leben alle fanden
    An des Herren Kreuzaltar.
    Die mit Ihm ihr war’t gestorben,
    Auferstanden seid ihr heut‘.
    Was im Tod Er euch erworben,
    Euer ist’s: die Herrlichkeit!

---------------------------------

Christ, der Herr, ist auferstanden
Komponist: T + M: Max Josef Metzger, komponiert am 10.04.1944
Eigenproduktion SWR, Studio Freiburg, mit Eduard Wagner (Tenor) und Jörg Josef Schwab (Klavier) am 4. April 2022

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30JAN2022
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Musik 1       
Felix Mendelssohn Bartholdy: Ausschnitt aus der Ouvertüre zum Oratorium „Elias“ 

Eine turbulente Musik! Felix Mendelssohn Bartholdy lässt uns hören, wie innerlich aufgewühlt der biblische Prophet Elias ist. Elias geht es so, wie es vielen heute geht. Er ist oft „mütend“ – das ist eine Mischung aus müde und wütend. Er ist kraftlos und gleichzeitig will er das Gute durchsetzen und verzweifelt an seiner übergroßen Aufgabe. Wenn etwas schiefgeht, sucht er die Schuld gern bei den anderen. Und am liebsten wäre es ihm, wenn Gott aus dem Himmel herabkäme, um ihm zu helfen, möglichst laut und spektakulär:

Musik 2       
Elias: „Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab!“
 

Der Prophet Elias ist mir sympathisch, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt und sich mutig mit den Mächtigen anlegt. Er stellt alle zur Rede, vor allem seinen Gott. Aber er ist auch verbittert und enttäuscht. Er isoliert sich und führt lange Monologe. Weil Gott sich nicht zeigt, verliert er alle Kraft und überhaupt die Lust am Leben. „O, dass meine Seele stürbe“, singt er verzweifelt. Doch dann hört er in Mendelssohns Elias-Oratorium – nach zwei beruhigenden tiefen Klängen der Streichinstrumente – eine sanfte Stimme von oben, wie ein Engel: „Sei stille dem Herrn.“ 

Musik 3       
Elias: „O, dass meine Seele stürbe, dass meine Seele stürbe“; und Alt-Solo:

„Sei stille dem Herrn und warte auf ihn;

der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“

„Sei stille dem Herrn“. Unser Lied zum heutigen Sonntag ist ja gar nicht so still, sondern ganz bewegt. Aber es atmet die innere Ruhe, die mir manchmal fehlt, wenn ich „mütend“ bin wie Elias, oder wenn es mir schwerfällt, meine widersprüchlichen Gedanken zu sortieren. Manchmal gelingt es mir dann, aus der Musik Kraft zu schöpfen, sodass sich irgendwie der Knoten löst und sich eine neue Perspektive eröffnet. Die Musik sagt dann mehr, als was mir selber gerade einfällt. Sie nimmt mich mit auf ihrem Weg, Takt für Takt, so wie das von Mendelssohn komponierte Gebet „Sei stille dem Herrn“. Am schönsten darin klingt für mich die Pause kurz vor dem Schluss. Da passiert nichts Spektakuläres. Eigentlich hören wir nichts. Und doch ist in diesem stillen Moment alles gesagt. Das wünsche ich mir und uns an diesem Sonntag: Keine Stille, die leer ist oder langweilig. Sondern diese Momente, wenn Musik uns tief anspricht, wenn sie vielleicht sogar zu einem Gebet wird und wenn eine Pause mehr sagt als viele Worte.

Musik 4:      
„… der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Sei stille dem Herrn“ (Schluss)

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21NOV2021
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Musik 1        Intro zum Lied „O Herr, wenn du kommst“ 

 

Am Freiburger Münster fasziniert mich vieles. Der vielleicht schönste Turm auf Erden und die Glasfenster ganz besonders. Aber auch die Eingangshalle unter dem Turm mit ihren bunten Figuren. Hier sind viele Szenen dargestellt, wie Gott zu den Menschen kommt. Auch unser Lied zum Sonntag heute erzählt davon: „O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu“. Die Pädagogin Helga Poppe hat das Lied im Jahr 1975 gedichtet und komponiert.

 

Musik 2        Strophe 1

O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu,

denn heute schon baust du dein Reich unter uns,

und darum erheben wir froh unser Haupt.

O Herr, wir warten auf dich; o Herr, wir warten auf dich.

 

„O Herr, wir warten auf dich.“ Das sagen auch die Figuren am Freiburger Münster. Zum Beispiel die jungen Frauen aus einem Gleichnis, das Jesus erzählt hat. Fünf Frauengestalten an der linken Wand der Portalhalle schauen erwartungsvoll zu Christus, der ihnen mit einer einladenden Geste den Weg zeigt. Warum heißt es von diesen orientalischen Frauen, dass sie klug seien? Weil das Warten sie nicht entmutig hat, dürfen sie als Brautjungfern den Bräutigam zur Hochzeit geleiten. Damit es ein eindrucksvoller nächtlicher Hochzeitszug wird, brauchen sie Lampen und Öl. Genau davon handelt die zweite Strophe unseres Liedes, in der es heißt: „… drum brennt unser Licht und wir bleiben wach“.

 

Musik 3        Strophe 2 und 3

 

O Herr, wenn du kommst, wird es Nacht um uns sein,

drum brennt unser Licht und wir bleiben wach.

Und wenn du dann heimkommst, so sind wir bereit.

O Herr, wir warten auf dich; o Herr, wir warten auf dich.

 

O Herr, wenn du kommst, jauchzt die Schöpfung dir zu,

denn deine Erlösung wird alles befrein.

Das Lied wird von all deiner Klarheit durchstrahlt.

O Herr, wir warten auf dich; o Herr, wir warten auf dich.

 

Auch wenn es in der Musik so schön klingt – ich mag das Warten leider gar nicht. Ich bin ungeduldig. Wenn ich einen Artikel für eine Zeitschrift geschrieben habe, dann will ich das am nächsten Tag schon fertig gedruckt in der Hand halten. Aber so schnell geht es eben nicht. Auch unser Lied drängt fast schon ungeduldig nach vorn, vom ersten Ton an. Und am Ende kommen dann ganz neue Harmonien ins Spiel. Die letzte Zeile klingt höher, als es die Tonart eigentlich will. Das ist ein schönes Warten, wenn das Ziel schon in den Blick kommt. Diesen Schluss der Melodie mag ich besonders. Denn im Warten spüre ich zwar noch meine Ungeduld. Aber ich spüre auch schon, wie das Ziel näherrückt. Manchmal gelingt es mir sogar, das Warten auszukosten. Am besten geht das mit Musik! Die letzte Strophe unseres Liedes ist voller Vorfreude auf ein „Fest ohne Ende“, das für uns bereitsteht.

 

Musik 4        Strophe 4

O Herr, wenn du kommst, hält uns nichts mehr zurück.

Wir laufen voll Freude den Weg auf dich zu.

Dein Fest ohne Ende steht für uns bereit.

O Herr, wir warten auf dich.

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29AUG2021
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Musik 

Bei solchen Klängen kann ich ausruhen, im Sommer die Seele baumeln lassen. Musik im Sechsachteltakt, sanft bewegt, aber zugleich in sich ruhend. Diese Musik stammt von Louis Lewandowski. Er hat um die Mitte des 19. Jahrhunderts in der jüdischen Gemeinde Berlin gewirkt. Dort hat er Chöre geleitet und komponiert. Im Mittelpunkt steht hier der vielen vertraute 23. Psalm: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, auf grasigen Auen lässt er mich ruhn, an stille Wasser leitet er mich.“

Musik 

„Der Herr ist mein Hirte“. Mir gefällt, wie mein Leben sich in diesem Psalm gleichsam spiegelt: mit seinen Höhen und Tiefen. Da kann ich innerlich mitgehen auf der „Psalm-Wanderung“ von Louis Lewandowski. Das Hauptthema heißt Vertrauen. Das Vertrauen soll mein Leben so „tragen“, wie der gute Hirte eines seiner Schäfchen trägt und schützt. Aber der Psalm ist mehr als ein idyllisches Bild. Er nennt auch die dunklen Stunden mit dem Wort „Todesschatten“. Und hier wechselt die Musik von Dur nach Moll. Der Chor singt: „Auch wenn ich wandle im Tal des Todesschattens, fürcht‘ ich kein Leid, kein Leid, denn du bist bei mir.“

Musik 

Wenn ich diesen Psalm höre, kommen mir die jüdischen Sängerinnen und Sänger in den Sinn, die ihn zuerst gesungen haben und bis heute singen: in Synagogen, in Schulen und zu Hause. In guten und in schrecklichen Tagen. Im nationalsozialistischen Rassenwahn wurden Millionen von ihnen ermordet, vielleicht mit Psalmen im Herzen und vielleicht auch auf den Lippen. Haben die Psalmen ihnen geholfen? Das weiß ich nicht. Aber ich hoffe es!

Musik 

Mich inspirieren die Psalmen immer wieder. Vor allem dann, wenn ich sprachlos bin. Sprachlos vor Freude, aber auch manchmal sprachlos vor Ärger, wenn mal alles drunter und drüber geht. Psalm 23 sagt mir dann, dass es noch eine wichtigere Perspektive gibt. Wichtiger als das, was ich gerade erlebe. Am Schluss stehen die hoffenden Worte: „Ja, nur Glück und Heil folgen mir nach all‘ meine Lebenstage, und ich kehr‘ zurück in das Haus des Ewigen für die Dauer der Zeiten.“

Musik 

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CD Louis Lewandowski: Eighteen Liturgical Psalms. Hungarian Radio Choir. Leitung: Andor Izsák. Label Deutsche Grammophon 2020. LC 0173.

Musik 1         Louis Lewandowski, Psalm 23 – Orgelvorspiel
Musik 2         Vorspiel und Vers 1 + 2 aus Psalm 23
Musik 3         Vers 4
Musik 4         Orgelvorspiel (Ausschnitt)
Musik 5         Vers 6 (Schluss der Komposition)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33823
06JUN2021
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Musik


Das Lied zum Sonntag heute ist schon etwa 350 Jahre alt. Der Verfasser heißt Joachim Neander. Er ist mit nur 30 Jahren im Mai 1680 gestorben. Doch unsterblich ist bis heute sein Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“.

Musik  

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,
meine geliebete Seele, das ist mein Begehren.
Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf,
lasset den Lobgesang hören.

Joachim Neander will in und mit der Schöpfung singen. Er hat seine Gemeinde gern in Gottes freier Natur versammelt, manchmal auch in einer Berghöhle. Das Echo, das sich hier in dieser Höhle beim Singen einstellt, hat Neander sogar in sein Lied mit eingebaut. Später ging dieses Echo in den Gesangbüchern leider wieder verloren. Aber gleich hören wir es am Cembalo, sogar als Doppel-Echo! Vielleicht will Joachim Neander uns damit sagen, dass Mensch und Natur so eng zusammengehören wie die Musik und ihr Echo.

Musik 

Als Jugendlicher habe ich in unserem dörflichen Kirchenchor dieses Lied gern gesungen, in Form einer Lied-Kantate des Frankfurter Organisten Helmut Walcha. Wenn der katholische und der evangelische Chor im Kanon gesungen haben, dann hat das sogar eine ökumenische Bedeutung bekommen: Wir singen das Gleiche, aber doch zeitlich gestaffelt. Helmut Walcha komponiert den Kanon kunstvoll bei den Liedworten „Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet“.

Musik

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet.

Joachim Neander empfiehlt den Sängerinnen und Sängern seines Liedes, wo sie es singen können – nämlich: „im Grünen, auf Reisen und zu Hause“. Die Familie des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer hat „Lobe den Herren“ als festliche Hausmusik gesungen. Und zwar in der Vertonung, die wir gerade gehört haben. Wenige Wochen, bevor die Gestapo ihn verhaftet hat, hat Bonhoeffer am Klavier den Familienchor zum 75. Geburtstag seines Vaters geleitet. Der Vater hat ihm noch einen Dankesbrief ins Gefängnis geschickt. Er schreibt: „Bei all der Unruhe, die wir jetzt haben, ist uns die Kantate über ‚Lobe den Herren‘, die Du für meinen 75sten Geburtstag mit den Enkeln und Geschwistern einstudiert hast, eine schöne Erinnerung, und die wollen wir festhalten.“

Musik

Das schon 350 Jahre alte Lied „Lobe den Herren“ begleitet mich schon lange auf meinem Lebensweg. Immer wieder nehme ich mir Zeit, darüber nachzudenken. Vom ersten Impuls „Lobe den Herren“ bis zum allerletzten Wort im Lied, dem feierlichen „Amen“. Die letzte Strophe gefällt mir am besten in Johann Sebastian Bachs Vertonung: ein krönender Abschluss mit Trompeten und Pauken.

Musik

Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen.
Alles, was Odem hat, lob ihn mit Abrahams Samen.
Er ist dein Licht; Seele, vergiss es ja nicht.
Lobende, schließe mit Amen!

--------

Musikangaben:

„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“
(Evang. Gesangbuch Nr. 316/317, kath. Gotteslob Nr. 392)
Text: Joachim Neander (1680), Melodie Halle 1741 nach Stralsund 1665

Musik 1+3+5: Improvisationen von Jörg Josef Schwab, Cembalo, über das Lied „Lobe den Herren“ auf der Begleit-CD zum Buch Meinrad Walter: „Geh aus, mein Herz. Lieder der Schöpfung“.

Musik 2: „Lobe den Herren“ (Strophe 1) aus der CD „Aus meines Herzens Grunde“ mit Andreas Weller (Tenor) und Kay Johannsen (Orgel).

Musik 4: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Kantate für zwei- bis vierstimmigen Chor, Bläser und Orgel von Helmut Walcha. Chor der Himmelfahrtskirche, München. Leitung: Heinz Schnauffer.

Musik 6: J. S. Bach: Kantate „Lobe den Herren“ (BWV 137), Schlusschoral. Leitung: Ton Koopman.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33297
14FEB2021
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(Evang. Gesangbuch Nr. 432, Kath. Gotteslob Nr. 468)

 

Musik 1        Improvisation zum Lied von Jörg Josef Schwab, E-Piano

CD zum Buch „Geh aus, mein Herz. Lieder der Schöpfung“ (2021)

 

Schwungvoll kommt es daher, unser Lied zum Sonntag heute. Jörg Josef Schwab, Münsterorganist in Freiburg, improvisiert darüber auf dem E-Piano. Mich fasziniert es, wenn Musiker nicht nur das spielen, was in den Noten steht, sondern wenn sie frei zu einem Lied improvisieren. Da freuen sich meine Ohren, weil es frisch klingt, spontan und aus dem Moment geboren. Wenn ich höre, was die Finger des Pianisten hier beim Lied „Gott gab uns Atem“ so alles machen, erlebe ich das Lied ganz neu. Und ich bin einfach dankbar, dass es diese Musik gibt!

 

Gott gab uns Atem, damit wir leben.

Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

Gott hat uns diese Erde gegeben,

dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

 

Den Liedtext hat der Pädagoge und Liedermacher Eckhart Bücken verfasst. Der Komponist unseres Liedes heißt Fritz Baltruweit. Und so klingt es, wenn Fritz Baltruweit und seine Musiker dieses bekannte neue geistliche Lied singen und spielen, auf einer Schallplatte, die vor fast 40 Jahren herauskam.

 

Musik 2        Studiogruppe Fritz Baltruweit: Strophe 2 des Liedes „Gott gab uns Atem“
aus der LP „Es sind doch deine Kinder“ (1983)

 

Gott gab uns Ohren, damit wir hören,

Er gab uns Worte, dass wir verstehn.

Gott will nicht diese Erde zerstören,

Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

 

So mag das vielleicht auch geklungen haben, als das Lied „Gott gab uns Atem“ zum ersten Mal öffentlich zu hören war. Die Uraufführung war im Sommer 1982 auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog, bei einem Radiogottesdienst. Da wäre ich als Liederforscher gern mit dabei gewesen. A propos „Uraufführung“. Unser Lied „Gott gab uns Atem“ erzählt mir, dass mein erster Atemzug auch eine Art „Uraufführung“ war. Die ersten Schritte jedes Kindes sind es, vielleicht sogar die ersten Worte jedes neuen Tages. Auch den heutigen Tag will ich so angehen, wie eine Uraufführung, und mit diesem Lied „neu ins Leben gehn“.

 

Musik 3        Strudiogruppe Fritz Baltruweit: Strophe 3 des Liedes aus der
CD „Gott gab uns Atem. Lieder aus 5 Jahrzehnten“ (2013)

 

Gott gab uns Hände, damit wir handeln,

Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

Gott will mit uns die Erde verwandeln,

Wir können neu ins Leben gehn.

 

Ich bin gespannt, welche „Uraufführungen“ dieser Tag für mich bereithält. Zum Beispiel, wenn ich etwas, was mir längst vertraut ist, ganz neu verstehe: ein Gedicht, eine Musik oder sogar einen Menschen. Oder wenn ich, schlicht und ergreifend, eines der Rezepte ausprobiere aus dem Kochbuch, das ich neulich geschenkt bekommen habe. (Musik Impro beginnt)

Auch das Improvisieren will ich dabei nicht vergessen und im richtigen Moment das Rechte entscheiden, auch mal eine Planung wieder durchstreichen. Ich will nicht konzeptlos handeln, sondern wie Musiker, wenn sie improvisieren: planvoll und zugleich spontan. Das hoffnungsstarke Lied „Gott gab uns Atem“ macht mich zuversichtlich, dass es heute gelingt. Und das wünsche ich allen, die diese Klänge jetzt hören.

 

Musik 1        Improvisation zum Lied von Jörg Josef Schwab, E-Piano (2021)

 

Quellen:

Musik 1+4: Improvisation von Jörg Josef Schwab, E-Piano, über das Lied „Gott gab uns Atem“ auf der Begleit-CD zum Buch Meinrad Walter: „Geh aus, mein Herz. Lieder der Schöpfung“. Verlag am Eschbach 2021. ISBN 978-3-86917-842-4 (der Verlag hat keinen Label-Code).

Musik 2: LP Fritz Baltruweit Studiogruppe: „Es sind doch deine Kinder“ 1983, daraus „Gott gab uns Atem“. tvd-Verlag Düsseldorf. LC 05648.

Musik 3: CD Fritz Baltruweit Studiogruppe: „Gott gab uns Atem. Lieder aus 5 Jahrzehnten“ (2013), daraus das gleichnamige Lied. tvd-Verlag Düsseldorf. LC 05648.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32596
20DEZ2020
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(Evang. Gesangbuch Nr. 8, Kath. Gotteslob Nr. 236)

 

 

Musik 1        Intro zum Lied–Les Escapades Gambenconsort

 

„Es kommt ein Schiff geladen.“ Wenn ich diese Klänge höre, erinnere ich mich daran, wie wir als Kinder an einem kleinen Fluss gespielt haben. Selbstgebastelte Schiffe aus Papier oder Holz wurden zu Wasser gelassen. Manche Schiffchen sind im Gebüsch gestrandet oder untergegangen. Andere haben Fahrt aufgenommen, bis man sie nicht mehr sehen konnte. Vielleicht sind sie irgendwo angekommen und jemand hat sich darüber gefreut.

 

Musik 2      

Strophe 1 mit Miriam Feuersinger und Les Escapades

Es kommt ein Schiff, geladen

bis an sein höchsten Bord,

trägt Gottes Sohn voll Gnaden,

des Vaters ewigs Wort.

 

Es waren wohl Ordensschwestern, die dieses Lied zum ersten Mal gesungen haben, vor etwa 600 Jahren. Das Lied drückt aus, wie sehr sie sich im Advent gefreut haben. Sie lebten in Straßburg, in einem Frauenkloster, das schon längst nicht mehr existiert. Dieses Kloster hieß sogar ganz ähnlich wie das Flüsschen aus meiner Kindheit. Das Flüsschen heißt Unditz und das Kloster „St. Nikolaus in undis“. „In undis“ ist lateinisch und bedeutet „in den Wellen“. Jenes Kloster war vom Wasser umgeben, nämlich von Seitenarmen des Rheins. In alter Sprache haben die Nonnen von Jesus gesungen, der sich den Menschen nähert – wie ein Schiff, das auf dem Rhein den Hafen ansteuert:

Das Schiff kommt uns geladen,

Gottvater hat‘s gesandt;

es bringt am großen Gestade       

Jesus, unsern Heiland.

 

Musik 3        Das Schiff kommt uns geladen … mit Regina Kabis und Spielleyt

 

Wer hat unser Lied zum vierten Adventssonntag verfasst? Das bleibt bis heute ein Geheimnis. Vielleicht gehen die Strophen auf Johannes Tauler zurück. Er war ein Mystiker und hat seine letzten Lebensjahre im Gartenhaus jenes Kosters der Dominikanerinnen in Straßburg verbracht. Er hat viel gepredigt und bestimmt auch gesungen. Ganz besonders gelungen ist die Musik seines Liedes. Jede Strophe beginnt im Dreiertakt und wechselt dann in den Vierertakt. Die Zahl drei steht für das Himmlische, für die göttliche Dreifaltigkeit –

 

Musik 4        instrumental (Spielleyt): Es kommt ein Schiff … (Dreiertakt)

 

Die Zahl vier steht für die irdische Welt mit den vier Himmelsrichtungen.

 

Musik 5        Fortsetzung instrumental (Spielleyt): … trägt Gottes Sohn … (Vierertakt)

 

Advent heißt: Hoffen darauf, dass Himmel und Erde sich an Weihnachten begegnen, weil das himmlische Kind zur Welt kommt. Diese Hoffnung erlebe ich, wenn ich Adventslieder singe, was in diesen Tagen ja nur eingeschränkt möglich ist. Aber ich spüre auch Hoffnung, wenn ich über ein Lied nachdenke und mich zum Beispiel frage, was etwa der Anker bedeutet im adventlichen Symbol des Schiffes. Einen Anker brauche ich, wenn alles im Leben stürmisch ist wie auf hoher See. Dann bringt mich oft die Musik zur Ruhe. Und sie sagt mehr über Advent und Weihnachten, als Worte das könnten.

 

Musik 6       

Daniel Schreiber und „Les Escapades“

Der Anker haft‘ auf Erden,

da ist das Schiff am Land;

das Wort tut Fleisch uns werden,

der Sohn ist uns gesandt.

 

 

Quellen:

  • SWR-Archiv:

M0412424     daraus 2‘12‘‘ (freistehend 1‘06‘‘)

„Dass sich wunder alle Welt“ – Lieder zum Advent. Miriam Feuersinger (Sopran), Daniel Schreiber (Tenor), Gambenconsort Les Escapades.

 

M0290922     daraus 1‘56‘‘ (freistehend 0’36)

Weihnacht der Spielleyt. Regina Kabis (Gesang), Albrecht Haaf u. a. (Freiburger Spielleyt).

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32259
08NOV2020
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Das Lied zum Sonntag ist heute ein Psalm. Diese Gebete der Bibel sind etwa zweieinhalbtausend Jahre alt. Immer wieder werden sie vertont und in alle Sprachen übersetzt. Der große jüdische Humanist Moses Mendelssohn rät seinen Zeitgenossen um 1790: „Wähle dir jeden Tag einen Psalm.“ Sein Enkel Felix Mendelssohn Bartholdy hat Jahrzehnte später viele Psalmen in Musik gesetzt. Auch diese Verse des Vertrauens aus Psalm 91: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

 

Musik 1:      

Beginn der Version a cappella (Bernius)

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

dass sie dich auf den Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. 

Moses Mendelssohn rät uns: „Wähle dir einen Psalm, wie er jetzt mit deinem Gefühlszustande übereintrifft“. Für heute habe ich Psalm 91 gewählt, ein Vertrauenslied. Felix Mendelssohn hat diese Worte direkt nach einem schockierenden Ereignis vertont. Im Juli 1844 war der preußische König Friedrich Wilhelm IV. nur knapp einem Attentat entronnen. Mendelssohn schreibt dem König, dass er davon gehört hat und dass ihm gleich diese Psalmworte in den Sinn gekommen sind: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten.“ Er schreibt sogar, dass er diese Worte jetzt einfach „in Musik setzen musste“. Aber nicht nur Könige kennen die Erfahrung, einer Not entronnen zu sein. In der Bibel erleben die Propheten wie zum Beispiel Elias immer wieder Gefahr und Rettung. Mendelssohn hat deshalb die achtstimmige Psalmvertonung, unser heutiges Lied zum Sonntag, als tröstende Musik in sein Oratorium „Elias“ eingebaut. Elias hört vom Himmel die Zusage der Engel: „… dass sie dich auf den Händen tragen“.

 

Musik 2 aus Mendelssohns Oratorium „Elias“ (Rilling)

… dass sie dich auf den Händen tragen …“
 

Auf schwierigen Wegen wünsche ich mir, dass ich nicht allein bin, sondern begleitet werde. Beruflich hat für mich als Hochschullehrer für Kirchenmusik gerade ein neues Semester begonnen, in dem auch Psalmvertonungen ein Thema sind. Bislang aber ist noch kaum absehbar, wie Vorlesungen und Seminare in Corona-Zeiten gelingen können. Vielen geht es in diesen Wochen so in ihrem Beruf. Uns allen, wie leicht oder wie schwer wir davon betroffen sind, wünscht dieser Psalm wie ein Tagesmotto, dass Engel uns „behüten auf allen Wegen“.

 

Musik 3        Schluss der Version a cappella (Bernius)

                  „… dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

 

 

Quellen: 

Denn er hat seinen Engeln befohlen. Psalm für achtstimmigen gemischten Chor a cappella – aus: Jauchzet dem Herrn, alle Welt: Geistliche Chormusik - Sacred Choral Music

Mendelssohn Bartholdy, Felix; Unbekannt – Kammerchor Stuttgart; Bernius, Frieder (Dirigent)

 

Nr. 7: Denn er hat seinen Engeln befohlen. Doppelquartett aus: Elias Ein Oratorium nach Worten des Alten Testaments für Soli, Chor und Orchester, op. 70

Mendelssohn Bartholdy, Felix; Bach-Collegium Stuttgart; Rilling, Helmuth (Dirigient)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31996
24MAI2020
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Das Lied zum Sonntag heißt heute „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“. Noch bevor gesungen wird, schlägt der Pianist kraftvolle Akkorde an: 

Musik 1       

Ludwig van Beethoven: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ mit Stephan Genz (Barition) und Roger Vignoles (Klavier) – vier Akkordschläge des Klaviers; alle Klangbeispiele aus dieser Aufnahme 

Da kann man sich förmlich den Komponisten Ludwig van Beethoven am Klavier vorstellen. Ein Wort hebt Beethoven ganz besonders hervor. Beim Wort „Ehre“ verlangsamen Sänger und Pianist das Tempo, ja sie kommen absichtlich aus dem Takt, so als wollten sie plötzlich innehalten und sich vor der göttlichen Majestät verneigen:

Musik 2

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre,

Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort.

 

Den Liedtext hat Christian Fürchtegott Gellert verfasst. Er war ein berühmter Dichter und Philosoph der Aufklärungszeit. Ich stelle mir vor, wie Gellert die Bibel zur Hand nimmt und den Psalm 19 aufschlägt. Dort heißt es, dass alle Geschöpfe dem die Ehre geben, der sie erschaffen hat: Sogar „die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“. Alles auf der ganzen Welt ist da, weil Gott es gewollt hat. Zu jedem Tier und zu jedem Menschen sagt er: Du sollst da sein! Es ist gut, dass es dich gibt. Und wer sollte da seinen Schöpfer nicht rühmen? 

Musik 3

Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere;

Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort! 

Die beiden Lied-Autoren Gellert und Beethoven waren äußerst begabt. Beide hatten aber auch mit Schicksalsschlägen zu kämpfen. Gellert wollte Prediger werden und ist an seiner Schüchternheit gescheitert. Beethoven hat furchtbar darunter gelitten, dass er immer weniger hören konnte. Doch beide haben sich nicht entmutigen lassen, was mir imponiert: Gellert ist ein großer Gelehrter geworden. Er hat nicht auf der Kanzel gewirkt, sondern am Rednerpult. Beethoven hat auch nach dem Verlust seines Gehörs weiter komponiert und seiner Musik anvertraut, wie fasziniert er von Gottes Schöpfung ist. Wer, wenn nicht Gott, so fragt unser Lied, ordnet die Sterne am Himmel und lässt die Sonne jeden Tag neu aufgehen?       

Musik 4

Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne?

Wer führt die Sonn‘ aus ihrem Zelt? 

Aber ist die Natur wirklich immer so schön und der Schöpfer nur zu loben – angesichts von Krankheiten und Naturkatastrophen? In einem Brief schreibt Beethoven wörtlich: „Ich liege im Streit mit meinem Schöpfer.“ Er beklagt sich bei Gott, „dass oft die schönste Blüte vernichtet und zerknickt wird“. Auch mir fehlen kluge Antworten, warum das so ist. Am meisten aber spricht mich an, dass unser Lied am Ende zum Vertrauen aufruft. Die Botschaft heißt: „Mir, ruft der Herr, mir sollst du vertraun“. Ohne Vertrauen kann ich nicht leben. Und wenn es einmal brüchig wird, dann können sogar der Blick zum Himmel und dieses optimistische Lied mir zu Herzen gehen und mir neue Kraft geben. 

Musik 5                

Durch wen ist alles? O gib ihm die Ehre!

Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun.

 

-------

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757 („Geistliche Oden und Lieder“)

Musik: Ludwig van Beethoven 1803 („Die Ehre Gottes aus der Natur“, op. 48,6)

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26APR2020
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Musik 1 – Johann Sebastian Bach: Leipziger Orgelchoral „Schmücke dich, o liebe Seele“  

Das Lied zum Sonntag heißt heute „Schmücke dich, o liebe Seele“. Es stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Viele Komponisten haben diesen Choral vertont. Johann Sebastian Bach hat ein Orgelstück und eine Kantate dazu komponiert. Bachs Orgelklänge wirken auf mich in sich ruhend, erwartungsvoll und tröstlich. Auch der Romantiker Felix Mendelssohn Bartholdy war begeistert von diesem Lied und von Bachs Orgelstück. Er hat dazu gesagt: „Wenn mir im Leben alles genommen würde, dann könnte allein dieser Choral es mir wiederbringen“.

Schmücke dich, o liebe Seele,
Lass die dunkle Sündenhöhle,

Komm ans helle Licht gegangen,

Fange herrlich an zu prangen!

Denn der Herr von Heil und Gnaden

Will dich jetzt zu Gaste laden.

Der den Himmel kann verwalten,

Will jetzt Herberg in dir halten. 

Das Lied erzählt von einer Begegnung, von einem Besuch. Jemand geht zum Abendmahl und empfängt im Gottesdienst die Kommunion. Der Liederdichter –er heißt Johann Frank – greift zur Sprache der Liebenden mit immer neuen Bildern: Jesus klopft an mein Herz und wartet, bis es sich öffnet. Da heißt es: „Ermuntre dich, dein Heiland klopft; ach, öffne, öffne bald die Herzenspforten“. 

Musik 2 – Johann Sebastian Bach: Arie „Ermuntre dich“  

Das Lied „Schmücke dich, o liebe Seele“ ist voller Erwartung. Ein Lied, das meine Sehnsucht ausdrückt, dass ich berührt werden möchte, dass ich anderen begegnen will. Das Lied verschweigt aber auch das Dunkle und Traurige nicht. Der Versuch, jemandem zu begegnen kann auch scheitern. Während der Corona-Krise müssen viele zu Hause bleiben, das kann richtig weh tun. Ich vermeide es schon seit Wochen, meine 90jährige Mutter zu besuchen. Selbst an Ostern war das leider so. Und am heutigen Sonntag fällt in vielen katholischen Kirchen die längst geplante Erstkommunion aus. Statt Freude immer noch Warten! Oder doch vielleicht schon etwas Vorfreude?

Musik 3 – Johann Sebastian Bach: Leipziger Orgelchoral „Schmücke dich, o liebe Seele“ 

Wenn ich das Lied „Schmücke dich, o liebe Seele“ höre oder singe, wird mir bewusst, wie wichtig Begegnungen sind. Meine Vorlesung an der Musikhochschule will ich endlich wieder „live“ halten und nicht für die Studierenden ins Internet stellen müssen, weil wir uns ja noch nicht wieder im Hörsaal treffen dürfen. Manchmal ist meine Ungeduld stärker als die Vorfreude. Aber das Lied hilft mir, das Warten auszuhalten und es in manchen Momenten vielleicht sogar ein bisschen zu genießen. Am Ende spricht der Liederdichter von der intensivsten Begegnung, die es geben kann. Das ist die Berührung von Erde und Himmel. Die letzten Worte sind ein Wunsch. Er heißt:

… dass ich auch, wie jetzt auf Erden
Mög ein Gast im Himmel werden.

Auf für diese Hoffnung hat Johann Sebastian Bach ausdrucksstarke Töne gefunden! 

Musik 4 – Johann Sebastian Bach: letzte Takte des Schlusschorals der Kantate „Schmücke dich, o liebe

 

Quellen: SWR-Archiv: J. S. Bach. Orgelchoral „Schmücke dich, o liebe Seele“ (BWV 654). Ewald Kooiman, Orgel .M0470673(AMS); SWR-Archiv: J. S. Bach: Kantate „Schmücke dich, o liebe Seele“. Bachstiftung St. Gallen unter Leitung von Rudolf Lutz M0392265(AMS)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30788