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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ich bin dankbar für jeden einzelnen Moment meines Lebens. Und dabei war mein Leben gar nicht so besonders sonnig. Eher normal. Mit schwierigen Phasen in Schule und Ausbildung. Ein Unfall hat mein ganzes Leben beeinflusst. Freunde haben mich enttäuscht.

Aber irgendwie war es trotzdem gut und wichtig, dass ich diese Erfahrungen gemacht habe. Ich habe dadurch gelernt, mich zu behaupten. Ich bin selbstbewusst und mutig geworden. Ich bin geworden, wie ich heute bin.

Und so komisch es klingt: Ich bin wirklich für jeden Moment meines Lebens dankbar. Auch für die schwierigen. Und für mich heißt das, dass ich auch zukünftig nicht aufgeben will, wenn es mal nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Denn ich bin überzeugt, dass hinter allem ein größerer Sinn steckt.

Als Christin glaube ich nämlich, dass Gott mein Leben in seiner Hand hält. Das heißt nicht, dass er mich als Marionette behandelt, sondern dass er das große Ganze im Blick hat. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen und sammle dadurch Erfahrungen. Mal positive, mal negative. Aber ich bin fest davon überzeugt: Am Ende wird sich alles zu einem Bild zusammenfügen und gut werden.

Das schreibt auch Paulus an die ersten Christen in Korinth: Dort heißt es: Denn was wir erkennen, sind nur Bruchstücke. (…) Wenn aber das Endgültige kommt, vergehen die Bruchstücke. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind. Ich urteilte wie ein Kind und dachte wie ein Kind. Als ich erwachsen geworden war, legte ich alles Kindliche ab.Denn jetzt sehen wir nur ein rätselhaftes Spiegelbild. Aber dann sehen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke. Aber dann werde ich vollständig erkennen. So wie Gott mich schon jetzt vollständig kennt. (1. Kor 13,10-12)

Für mich heißt das: Gott setzt die Einzelteile meines Lebens am Ende meiner Zeit zusammen und vollendet so mein Leben. Und dafür bin ich wirklich dankbar. Gott ist es, der mein Leben in der Hand hält. Und auf dieser Basis kann ich wirklich sagen: „Ja. Ich bin wirklich dankbar für mein Leben. Für jeden Moment.“

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„Komm Herr Jesus, sei unser Gast und bitte nimm nachher den Müll mit raus.“ Dieser Spruch hängt bei Freunden von mir neben der Wohnungstür. Als ich diesen Spruch das erste Mal gelesen habe, habe ich ihn gar nicht sofort verstanden….

 „Komm Herr Jesus, sei unser Gast“ – das kenne ich als Tischgebet, das wir in meiner Familie immer wieder beten, aber das mit dem Müll – das war neu für mich. Und ich habe im ersten Moment wirklich an die Entsorgung des Hausmülls gedacht. Wenn man nicht, wie ich alleine wohnt, gibt es da ja oft Streit: Wer trägt nun den Müll runter? Komisch diese Aufgabe Jesus anzuvertrauen, aber irgendwie auch witzig.

Mein Freund hat gemerkt, dass ich vielleicht einen kleinen Tipp brauche, damit ich draufkomme. Deshalb hat er gesagt: Damit ist nicht der Hausmüll gemeint.

Jetzt hat der Spruch auf einmal viel mehr Sinn gemacht. Klar! Es geht um das, was in meinem Leben nicht gut läuft. Was mir auf der Seele liegt. Was ich gern entsorgen würde. Aber ich weiß nicht recht, wie.

Jesus ist sich nicht zu schade, diesen Müll mitzunehmen. Ganz im Gegenteil: Er freut sich, wenn ich ihm all das sage, was schiefläuft. Wo ich Fehler gemacht habe. Andere Leute verletzt oder beleidigt oder einfach versagt habe.

Und ich habe wirklich schon erlebt: wenn ich all diese Dinge Jesus im Gebet sage, dann geht es mir danach oft viel besser. Ich habe meinen Müll ablegen können. Und alles, was ich ablege wird mir vergeben. Ein Mann namens Johannes wusste auch schon, wie gut das tut. Deshalb hat er an die ersten Christen einen Brief geschrieben. Der ist in der Bibel aufbewahrt. Darin schreibt dieser Johannes: „Wenn wir aber unsere Verfehlungen eingestehen, können wir damit rechnen, dass Gott treu und gerecht ist: Er wird uns dann unsere Verfehlungen vergeben und uns von aller Schuld reinigen.“

Die Mülltonne mit meinen Fehlern und Sorgen wird also von Jesus geleert. Das finde ich toll und wenn ich ab jetzt meine Mülltonne an den Straßenrand stelle, werde ich daran denken, dass Jesus gerne meinen Seelenmüll entsorgt.

Das Wort Entsorgen passt hier sehr gut, finde ich. Denn ich muss mir keine Sorgen mehr darum machen, was war. So kann ich neu anfangen und versuchen, es besser zu machen.

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„Gott sagt ja zu mir. Er liebt mich.“ Das klingt nicht besonders interessant. Das sagen Pastoren und Pastorinnen ja eigentlich immer. Man gewöhnt sich daran. Aber in meinem letzten Urlaub habe ich das Buch „unterwegs mit dir“ von Sharon Garlough Brown gelesen. Da habe ich ganz neu begriffen, was das heißen kann: Gott liebt mich.

In dem Buch geht es um vier Frauen, die eine geistliche Reise unternehmen. Und da ist mir ganz neu bewusst geworden, dass Gott mich einlädt, zu ihm Ja zu sagen. Er liebt mich. Das ist und bleibt so. Aber ich entscheide selber, ob ich Gottes Liebe annehme oder nicht. Gott zwingt mich nicht zu seiner Liebe. Ich muss selber aktiv werden. Ich entscheide frei.

Zusammen mit den Frauen aus dem Buch habe ich verschiedene geistliche Übungen kennengelernt. Übungen, die mir helfen Gott in meinem Alltag besser wahrzunehmen. Die mir helfen Gott näher zu kommen.

Ich gebe zu: Es gibt Tage in meinem Leben, an denen ich mal mehr, mal weniger spüre, dass Gott mich liebt. Aber in Zeiten, in denen Gott mir fern scheint, hilft es mir, mich zu erinnern. Zu erinnern an Momente, in denen ich stark gespürt habe, dass Gott mir nahe ist.

Solch einen Moment habe ich neulich bei einer Wanderung erlebt. Mein Ziel war eine alte Burgfestung. Als ich an eine Weggabelung kam, hatte ich die Wahl zwischen zwei Wegen: Der eine Weg führte über längere Serpentinen zum Ziel, der andere über steile Stufen direkt nach oben. Ich habe mich für den längeren Weg entschieden. Geprägt durch das Buch über die geistliche Reise und entgegen meiner Natur den schnellen und kurzen Weg zu nehmen. Mitten auf diesem Weg bin ich an einem Schild vorbeigekommen, auf dem folgende Zeilen standen: „Geh deinen Weg neu gestärkt.“

Dieser Spruch, und dazu der Ausblick mitten in Gottes Schöpfung - das hat mir gezeigt: ich bin nicht allein. Gott ist mir nahe und begleitet mich auf meinem Weg. Er liebt mich und steht mir bei. Das ist nicht nur eine Zeile aus einem Buch, nicht nur das, was Pastoren und Pastorinnen eben, so sagen, sondern das ist wirklich wahr. Gott liebt und stärkt mich. Darauf vertraue und hoffe ich.

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Ich liebe Hochzeiten und ich habe als Pastor schon so manche Trauungen in der Kirche gefeiert.

Aber das Paar, mit dem ich vor ein paar Wochen gesprochen habe, wollte seine Diamantene Hochzeit feiern. Ich musst erst mal überlegen, wie lange das ist: 60 Jahre! 60 Jahre sind die beiden schon miteinander verheiratet und gemeinsam in ihrem Leben unterwegs.

Als wir dann am Sonntag im Gottesdienst ihre Diamantene Hochzeit gefeiert haben, konnte ich es mir nicht verkneifen, den Jubilar, zu fragen, wie man es denn schaffen kann, solange zusammen zu bleiben. Er lachte nur und meinte, das wäre privat.

Wahrscheinlich ist es wirklich schwer, darauf eine Antwort zu finden? Als meine Frau und ich vor ein paar Jahren Silberhochzeit gefeiert haben, also 25 Jahre, da wollten wir alle unsere Freunde und Gäste am Anfang der Feier begrüßen. Ich hatte mir ein paar Worte dazu überlegt. Als ich dann so in die Gesichter all unserer Freunde und Familienmitglieder schaute, blickte ich in eine ganze Reihe von Gesichtern, deren Ehen im Laufe der Jahre zerbrochen waren. Mir wurde klar, dass sie - genauso wie ich - gewünscht hatten, dass ihre Ehe hält, aber es war anders gekommen. Und da sollte ich stolz sagen: wir beide haben alles richtig gemacht? Nein. Es geht doch gar nicht um Richtig oder Falsch. Ich kann Gott nur danken für die Liebe, der er uns beiden geschenkt hat und vor allem die Kraft, uns immer wieder zu vergeben.

Im Gottesdienst zur Diamantenen Hochzeit habe ich dann das Jubelpaar nach vorne gebeten, zusammen mit ihren Kindern, Enkeln und sogar Urenkeln. Wir alle haben ihnen die Hand aufgelegt – als Zeichen dafür, dass Sie zu einem Segen für viele geworden sind - und dann ich habe ihre Verbindung erneut gesegnet und ihnen noch weitere, gemeinsame Jahre in diesem Segen Gottes gewünscht.

Am Ende wollte der Jubilar, noch etwas sagen. Seiner Frau war das sichtlich peinlich. Aber er fasst sie an der Hand und sagte, dass er Gott danke für diese, seine Frau und für die gemeinsame Zeit, die er ihnen geschenkt war.

Ich schaute in diesem Moment auf seine Hand. Diese Hand, mit der er die Hand seiner Frau hielt, ganz fest. Vielleicht, damit sie jetzt ganz dicht bei ihm stehen blieb, aber sicher auch, weil er zeigen wollte, wie wichtig ihm diese Beziehung ist – auch nach 60 Jahren noch.

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Ich liebe Hochzeiten und ich freue mich immer, wenn ich als Pastor eine feiern darf. Ich frage dann das junge Paar in einem Vorgespräch, welches Wort der Bibel sie sich als Trauspruch ausgesucht haben, als eine Art Lebensmotto für ihre gemeinsame Zeit.

Manche machen sich da richtig viel Gedanken – so wie auch das letzte Paar. Sie haben mich überrascht mit einem Wort aus einem Brief des Johannes. Dort heißt es: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Natürlich habe ich den beiden versprochen, darüber die Hochzeitspredigt zu halten, schließlich dreht sich hier alles um die Liebe. „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

Was aber ist eigentlich „Liebe“? Jemand aus der Bibel sagt dazu einmal: „Und wenn ich alles besitzen würde, wenn ich alles könnte, sogar Wunder tun würde, aber ich hätte keine Liebe, dann wäre alles umsonst.“

Es gibt so viele Bücher, so viele Filme und Geschichten, die davon berichten, wie Menschen alles haben, was man sich nur wünschen kann – aber ohne Liebe in ihrem Leben einfach nur totunglücklich sind. Es geht also um das Wichtigste in meinem Leben, es geht darum, dass ohne Liebe mein ganzes Leben nichts ist.

Liebe ist, wenn mir ein anderer Mensch wichtig ist - nicht egal! Wenn ich mir für ihn Zeit nehme, wenn ich auf ihn zugehe. Liebe ist, wenn es mir wichtig ist, dass wir uns wieder versöhnen. Wenn ich mich nicht freue, wenn es ihm schlecht geht, im Gegenteil, wenn ich mir wünsche, dass es ihm wieder richtig gut geht. Das bedeutet Liebe.

Aber gibt es nicht auch Menschen, die einem das Leben schwer machen? Sollte ich diese Menschen auch lieben? Und wenn ich keine Liebe habe – wo kann ich Liebe kaufen gehen? Ich habe für mich entdeckt, wie es mir hilft, Gott darum zu bitten. Ich sage dann: „Gott, ich schaff das nicht. Ich kann diesen Menschen einfach nicht lieben. Ich habe kein Liebe mehr. Aber du bist doch die Liebe? Hilf mir, dass ich wieder lieben kann.“ Ich bin sicher, dass Gott solche offenen Gebete mag. Und ich staune, wie ein solches Gebet meine Beziehung zu einem Menschen verändern kann.

Ich habe dem jungen Paar mit auf ihren Lebensweg gegeben: Das wichtigste in unserem Leben ist die Liebe. Die Liebe, die uns Menschen hilft, gut miteinander umzugehen. Gott ist die Liebe, darum bittet Gott, dass er euch diese Liebe immer wieder neu schenkt.

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„Die Liebe ist die größte unter ihnen“, platzte es aus ihr heraus, als ich die beiden nach einem Bibelvers gefragt habe. Das junge Paar war zum Hochzeitsgespräch zu mir gekommen und brachte auch gleich einen Vorschlag für ihren Trauspruch mit.

„Aus dem Korintherbrief?“, frage ich und muss schmunzeln, denn über dieses Wort von der Liebe habe ich schon bei einigen Hochzeiten gepredigt. So schnappe ich mir meine Bibel und lese beim Apostel Paulus: „Wenn ich alle Geheimnisse wüsste, einen Glauben hätte, der Berge versetzt, wenn ich all meinen Besitz an die Armen verschenk würde und hätte keine Liebe, dann nützte es mir das gar nichts. Am Ende aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

„Die Liebe ist die größte unter ihnen… haben sie mal überlegt, was mit dem Wort Liebe gemeint ist“, frage ich die beiden, die schon ein paar Jahre zusammenleben und einiges miteinander erlebt haben. Er antwortet: „Liebe ist die Art und Weise, wie wir jeden Tag miteinander umgehen“.

Ich finde die Antwort klasse. „Liebe ist die Art und Weise, wie wir jeden Tag miteinander umgehen…“ Mir fallen sofort Beispiele ein: Wie oft passiert es mir, dass ich jemanden einen „guten Morgen“ wünsche und das gar nicht so meine? Manchmal denke ich sogar im Stillen: „lass mich heute bloß in Ruhe!“ So etwas nennen wir nicht ohne Grund: lieblos.

Es sind nicht die Worte, die ich sage oder die Dinge, die ich tue, es ist die Art und Weise, mit der ich es tue, oder einfacher gesagt: ob ich es mit Liebe tue. Wenn ich zum Beispiel meinen Kollegen, einem Freund oder wen auch immer, die Hand gebe, vielleicht sogar ein wenig lächle und dann: „Guten Morgen“ sage, merke, wie sich alles verändert.

Die Worte sind die gleichen wie jeden Morgen, aber der Andere spürt, dass mir etwas an ihm liegt, dass ich diesen Wunsch ernst meine, freut sich, wundert sich vielleicht auch - aber vor allem verändert es unser Miteinander an diesem Tag. Der Andere spürt, dass ich ihm mit Liebe begegne.

Für den Apostel Paulus ist diese Liebe die Grundlage von allem. Darum sagt er: „Wenn ich alle Geheimnisse wüsste, einen Glauben hätte, der Berge versetzt, wenn ich all meinen Besitz an die Armen verschenk würde und hätte keine Liebe, dann nützte es mir das gar nichts. Am Ende aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Was für ein schönes Motto für eine Hochzeit!

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