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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

In einer englischen Buchhandlung habe ich auf einer Postkarte einen Text entdeckt, der schön, provozierend und tröstlich ist. Er heißt „Death is nothing at all“. Er ist aus dem 19. Jahrhundert und wird Henry Scott Holland zugeschrieben. „Der Tod ist gar nichts“ Dieser Satz wie der ganze Text ist provozierend, weil er die unausweichliche Größe Tod kleinredet, ihr die Schärfe nimmt und das Beängstigende des Todes verschweigt.

Ich finde den Text schön, weil er von einem vollendeten Leben zu sprechen scheint. Nur ein Mensch, der keine Angst vor dem Tod hat und vom Glauben getragen ist, kann so schreiben. Getragen von einem Glauben, der keine Trennung kennt zwischen dieser Welt und der anderen, in der wir alle gehen. Und ich finde den Text tröstlich, weil in ihm eine so tiefe, große und gleichzeitig federleichte Zuversicht zu spüren ist. Die Zuversicht, dass Liebende durch nichts zu trennen sind und sich wiederfinden werden. Wenn er sagt:

Der Tod ist gar nichts. Ich bin nur in den nächsten Raum gegangen. Was wir einander waren, sind wir immer noch.

Verändert nicht den Klang eurer Stimme, tragt keinen erzwungenen Ernst oder Trauer. Lacht, wie wir immer miteinander gelacht haben. Spielt, lächelt, denkt an mich, betet für mich.

Lasst meinen Namen das vertraute Wort sein, das es immer für euch war. Sprecht ihn ohne Mühen aus, ohne die Spur eines Schattens auf ihm.

Warum sollte ich aus dem Sinn sein, nur weil ich aus den Augen bin?

Ich warte auf euch, nur eine kleine Weile, irgendwo ganz nah. Alles ist gut.                           

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Es gibt Ereignisse, die einen Menschen seelisch in die Knie zwingen können. Liebeskummer gehört dazu, Lebenskrisen, Trennungen und Tod. Das ist leider so und ist so schwer wie schmerzlich. Es gibt aber auch Wege, wieder auf die Beine zu kommen. Therapeuten und Seelsorger sprechen von sieben Wegen, die einem helfen können, aus einem Tief herauszukommen. Diese sieben Wege möchte ich beschreiben. Nicht als kleine Instant-Packung zur Überwindung von Schicksalsschlägen, sondern als bewährte Verhaltensweisen dafür, wie sich die Seele erholen kann. Als erstes: durch soziale Kontakte. Eingebunden sein in eine Familie, in ein Netz von Freunden oder in eine Glaubensgemeinschaft. Dabei kommt es auf die Balance an: sich Phasen der Einsamkeit zuzugestehen, wenn es einem schlecht geht, aber nicht in der Einsamkeit stecken bleiben. Zweitens: Krisen, Schicksalsschläge, nicht verdrängen, sich nicht in ihnen verlieren und sie auch nicht als unüberwindliche Probleme ansehen. Man kann wachsen an ihnen, reifen, auch wenn es wehtut, vielleicht sogar weil es wehtut. Die Schmerzen aushalten im Wissen, dass sie weniger werden. Und sich ruhig auch an diesem Wissen festhalten. Drittens: Nicht die Zukunft aus den Augen verlieren. Realistische Ziele für das Leben nach der Krise entwickeln. Schritt für Schritt. Viertens: Die Opferrolle verlassen. Trotz aller Belastungen versuchen, das Lebensheft nach und nach wieder in die Hand zu nehmen. Rausgehen, sich grade machen oder sich wehren – je nach dem, was notwendig ist …

Fünftens: An die eigene Fähigkeit glauben. Was auch geschehen ist, ich kann es überstehen, ich will es verarbeiten und mein Leben dann - sicher verändert - weiterleben. Sechstens: Eine Langzeitperspektive einnehmen. Auch und gerade, wenn es jetzt so düster aussieht: Es gab ein Leben vor der Tragödie und es gibt eines danach. Wo sehe ich mich zum Beispiel in fünf Jahren? Wo möchte ich mich sehen? Siebtens und letzter Schritt aus einer Krise: für sich selbst sorgen, gut mit sich selbst umgehen. Dazu gehört, Wut, Trauer und Tränen zuzulassen. Aber auch der Spaziergang, die Tafel Schokolade, der Kinobesuch oder die Massage. Damit mit dem Leib auch immer wieder die Seele gestreichelt wird.

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Es ist ja schon eigenartig: Gerade bei etwas vom Schönsten, das uns Menschen gegeben ist, haben wir Probleme, es in Worte zu fassen: bei der körperlichen Liebe. Wir verlieren uns irgendwo zwischen medizinischer Wortwahl, derber Gossensprache oder infantilen Verzärtelungen. Viele Menschen reden gar nicht darüber, was der sprachlichen Hilflosigkeit in Sachen Sex auch nicht weiterhilft. Der Blick in andere Sprachen bringt uns auch nicht weiter. Vor allem nicht der nach Amerika, von wo das „four letter word“ als Schimpfwort leider auch in unsere Alltagssprache eingegangen ist. Und To make love klingt mechanisch und grad so, als ob man Liebe machen könnte. Interessanter ist da schon die Beobachtung bei einer Eingeborenensprache auf den Philippinen. Dort heißt es „Gott nahe sein“. Darin klingt der himmlisch schöne Charakter der intimsten menschlichen Begegnung an. Schauen wirzu unseren Nachbarn finden wir coucher, die französische Version des international verbreiteten Ausdrucks miteinander schlafen. Eigenartig, wo es doch im Wachzustand, und nicht nur nachts und auch nicht nur im Bett geschieht. In der Bibel heißt es übrigens beieinander liegen, wenn bei der Liebe der Körper ins Spiel kommt. Liegen und Schlafen. Liegen hat etwas Entspanntes und Existenzielles. Wir liegen, wenn wir ruhen, uns erholen oder uns nahe sind. Bei der Liebe und bei der Zeugung liegen wir, meistens jedenfalls. Frauen liegen größtenteils auch bei der Geburt. Wir liegen, wenn wir krank sind oder beim Sterben.

Das hat was, nur den Rahmen zu beschreiben wenn man über das reden möchte worum es geht beim Sex. Darum ist der Ausdruck miteinander schlafen auch nicht der schlechteste: Weil das, was dabei geschieht, so traumhaft schön sein kann. Und weil sich auch die Länge und die Vertrautheit einer gemeinsam verbrachten Nacht darin ausdrückt. Nicht zu vergessen das Erwachen, wenn der erste Blick des Tages auf den gerade geliebten Menschen fällt. Und so ist es wohl wie bei anderen, unbeschreiblich schönen Dingen des Lebens: dass wir an Sprachgrenzen kommen. Und dass wir das, was wir spüren, besser nur umschreiben oder andeuten. Vielleicht auch, weil die menschliche Sexualität eine eigene Sprache ist, bei der die Seele mit dem Körper spricht …

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Gibt es ein Rezept für glückliche Ehen? Nein, gibt es natürlich nicht. Aber es gibt ein paar Dinge, die dabei helfen können. Eine amerikanische Paartherapeutin* hat die Ehen von Paaren untersucht, die jahrzehntelang glücklich verheiratet waren. Und dabei 9 Faktoren herausgefunden, die zu einer glücklichen Ehe beitragen. Sie hat sie die „Geheimnisse“ einer glücklichen Ehe genannt. Und weil ich sie so gut wie zeitlos finde, möchte ich sie gern weitersagen. Das erste Geheimnis einer glücklichen Ehe lautet also: die Vergangenheit abschließen, sich von früheren Bindungen lösen, inklusive von der eigenen Mutter oder dem Vater. Das ist oft gar nicht so leicht. Geheimnis Nummer zwei: Gemeinsamkeit aufbauen. Das heißt Dinge, Erfahrungen und Zeit miteinander teilen. Und vor allem: miteinander reden! Geheimnis Nummer drei: eine befriedigende sexuelle Beziehung.  Die Kunst, das Knistern am Leben zu erhalten. Sich über die Jahre erotisch attraktiv halten und sich immer wieder auch den Rahmen für erotische Stunden schaffen. Geheimnis Nummer vier: Die Elternrolle annehmen, ohne die Partnerschaft zu vernachlässigen. Wie wahr! Nicht nur Vater und Mutter im Alltagsmanagement, sondern auch Paar, bestenfalls Liebespaar bleiben. Nummer fünf: Die Krisen des Lebens meistern. Klingt gut – ist aber auch ein hartes Brot. Schwierige Zeiten auszuhalten, Veränderungen anzunehmen und immer wieder zu Kompromissen bereit zu sein. Damit zusammenhängend das sechste Geheimnis: Raum für Streit schaffen. Nichts unter den Teppich kehren. Menschlich streiten gehört dazu. Wut raus lassen, aber den Partner nicht verletzten, nicht  seelisch und schon gar nicht körperlich.

Geheimnis Nummer sieben: Gemeinsam lachen und Langeweile vermeiden. Das heißt nicht, einander Witze zu erzählen, sondern sich ab und zuauf die Schippe nehmen, denn was sich liebt, das neckt sich. Das achte Geheimnis: Geborgenheit schenken. Versagen, Enttäuschungen, Schwäche und Krankheiten in der Ehe zulassen. Gemeinsame Ruhepole schaffen, in denen man sich an Leib und Seele erholen kann. Schließlich das neunte Geheimnis einer glücklichen Ehe:  Die Balance finden zwischen Idealisierung und Realität. Das heißt, den Partner so sehen wie er geworden ist, aber auch immer noch so wie damals als man sich in ihn verliebt hat. Zum Beispiel seinen ernsten Blick, den es so früher noch nicht gegeben hat, aber auch seine blauen Augen, die noch immer so wunderschön sind wie damals.

* Judith Wallerstein. „Die 9 Geheimnisse einer glücklichen Ehe“…

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„Wir trauen uns“ – dieser schön doppeldeutige Satz stand auf der Karte, mit der ich zu einer Hochzeit eingeladen wurde. Zwei Menschen trauen sich, einander dieses große Versprechen zu geben: Treue auf Lebenszeit! Bis dass der Tod euch scheidet, wie es so schön schauerlich-feierlich bei der Hochzeit heißt. Oh, ich kann mich noch sehr gut an meine weichen Knie erinnern, als ich selbst dieses Versprechen gegeben habe. Geht das denn? Kann das gut gehen? Das Leben ist eine soo lange Strecke. Unüberschaubar, unvorhersehbar, unplanbar. Lässt sich Liebe, und zwar nicht nur die erotische Liebe, auf einen Menschen beschränken, und das auch noch auf Dauer? Und ist Ehe gar ein Auslaufmodell? Oder vielleicht prinzipiell zum Scheitern verurteilt, wenn man daran denkt wie viele Menschen sich scheiden lassen oder sieht bei wie vielen Ehen es hakt? Ja, man muss sich schon trauen, dieses Wagnis einzugehen. Aber wer nichts wagt, gewinnt auchnichts. Und was gibt es zu gewinnen? Eine Form von Liebe, die mit Zeit zu tun hat. Zeit für Entwicklungen, Zeit für gemeinsame Interessen, Engagements oder Kinder. Eine Ehe ermöglicht Beständigkeit und Verlässlichkeit. Und eine tiefe Verbundenheit, die mehr ist als die Heftigkeit von Affären. Es kann ein Gefühl für die Seele des anderen entstehen, das oft bis über den Tod des Partners hinausreicht.

Man könnte einwenden, dass dies alles auch ohne Trauschein, ohne große Versprechungen zu haben wäre. Stimmt – und wiederum auch nicht. Sicher gab und gibt es Beziehungen, die ohne staatliche Besieglung oder kirchlichen Segen lebenslang glücken. Liebe oder Treue lassen sich weder gesetzlich noch kirchenrechtlich erzwingen. Gott sei Dank. Und darum geht es auch nicht. Sondern darum, dass Paare sich wünschen, ihrer Liebe Dauer und einen Rahmen zu geben. Und sich das vor Zeugen versprechen wollen. Mit einer freien Trauung oder einer kirchlichen Hochzeit. Denn das Wagnis ist Ehe letztlich doch auch Ausdruck einer tiefen menschlichen Hoffnung: auf lebendige Liebe ein Leben lang. Aber dafür gibt es keine Garantie. Und deshalb muss man sich eben trauen.

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Liebe! Wenn ich bei Google das Wort Liebe eingebe, erhalte ich 432 Millionen Einträge in einer halben Sekunde. So schnell so viel... Sexangebote, Onlinedating, Liebessprüche, Liebestests und Fotos. Kleines großes Wort, das die Welt umtreibt und am Leben erhält, von der Zeugung bis übers Grab hinaus: die Liebe...

Sie ist nicht nur der Gefühlrausch zweier Menschen und auch nicht nur die selbstvergessene Hingabe von Gottsuchern – die Liebe ist umfassender, sie ist auch eine Einstellung, eine Haltung.

Liebe als Haltung geht über die Liebe zwischen Menschen hinaus. Sie ist eine Liebe zum Leben überhaupt und zu allem, was das Leben wachsen und sich entwickeln lässt. Sie liebt die Pflanzen und Tiere als Mitgeschöpfe und als Teile des großen Ganzen. Sie liebt die Kinder als unsere Fühler in die Zukunft. Und fördert ihre Entwicklung in eine Welt in der sie gut und gerne leben können.

Die Liebe als Haltung liebt die alten Menschen im Respekt vor ihrem gelebten, sichtbar gereiften Leben mit all seinen Licht- und Schattenseiten. Die Liebe als Haltung liebt den Partner nicht um seinet- oder meinetwillen, sondern wegen der gemeinsamen Geschichte, Gegenwart und Zukunft.  Ist Liebe die Haltung eines Menschen, dann liebt er die Beziehung an sich, das, was gemeinsam ist und was verschieden beim geliebten Menschen. Und das, was sich noch entwickeln kann. Und hat dabei immer auch das Wohl des Anderen im Blick.

Umfassende Liebe kann und will sich nicht auf den Partner oder die Familie beschränken. Sie drängt darüber hinaus und sorgt sich um das Wohl des Nächsten. Der auch weit entfernt leben kann, auf diesem so schrecklichen, schönen, blauen Planeten. Umfassende Liebe kann und will es nicht ertragen, dass es anderen Zeitgenossen schlecht geht. Sie kann nicht anders, als an der Verbesserung der Welt zu arbeiten. Aber nicht in blindem Eifer, sondern in zuversichtlicher Geduld. Wie ein Gärtner, der seine Pflanzen schon wachsen sieht, auch wenn sie noch unter der Erde sind.

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