Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ich liebe es, im Frühjahr durch die Buchenwälder am Albtrauf zu wandern. Die Schönheit von Leberblümchen, Märzenbechern und Anemonen – diese Schönheit begeistert mich. Das Grün von sprießenden Buchenblättern – unfassbar schön! Und in diesem Jahr habe ich Gelegenheit gehabt auch den Frühlingsenzian zu sehen – was für eine Farbe! Die ersten Schmetterlinge! Und jede Menge Vögel. Und an vielen Stellen raschelt es bei jedem Schritt links und rechts des Weges, weil die Mäuse wieder unterwegs sind.

Ich liebe es! Ich genieße es. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll, setze mich auf eine Bank oder auf einen Baumstamm, schaue, höre, fühle. Die Schöpfung ist so schön. Und der Sommer kommt ja erst! Die Wiesen werden immer bunter, aus den Vogelnestern ist schon Nachwuchs zu hören…
Und wie so oft denke ich einen von meinen Lieblingsgedanken, nämlich, dass in der Bibel steht, dass Gott das alles in nur 7 Tagen erschaffen habe.

Aber das ist nur der eine Teil des Gedankens. Denn Jesus hat vor vielen hunderten von Jahren gesagt, dass er in den Himmel aufsteigt, um für seine Freunde, die Menschen, dort einen Ort vorzubereiten, an dem sie eines Tages für immer leben sollen.

Und dann denke ich bei mir: Wenn die ganze Pracht, die Fülle des Lebens und die vielen Gestalten, Formen, Gerüche und Geräusche, die ich hier so genieße in nur 7 Tagen entstanden sein sollen - und Jesus ist schon so lange damit beschäftigt, einen neuen Ort für uns vorzubereiten – wie schön muss der dann sein!

Ich freue mich darauf, diese „neue Schöpfung“ eines Tages sehen zu können. Jetzt kann ich die „alte Schöpfung“ noch „live“ genießen. Eines Tages werde ich wohl meine Fotos anschauen und Dokumentationen im Fernsehen, weil ich nicht mehr so gut raus kann.

Schon jetzt – und dann vielleicht noch mehr – freue ich mich darauf, dass das Schönste noch kommt. Noch schöner, noch faszinierender, noch viel beeindruckender als alles, was ich bisher gesehen habe. Ich werde auf einer Bank oder einem Baumstamm sitzen und all das genießen können.

Wenn ich heute dazu komme, einen Spaziergang oder eine Wanderung zu machen, werde ich wohl wieder diesen Lieblingsgedanken denken: Wenn Gott in 7 Tagen diese Schönheit geschaffen hat, wie schön muss dann nach fast 2000 Jahren Vorbereitung seine neue Welt sein. Die eine genieße ich schon jetzt. Auf die andere freue ich mich riesig.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24230

Ich mag ja das Glaubensbekenntnis, aber wenn ich selbst ein Glaubensbekenntnis formulieren sollte, dann könnte ich nicht einfach die alten Worte nehmen. Ich müsste Worte nehmen, die zu mir passen, die etwas vom Leben erzählen und von dem, was ich mit Gott erlebt habe.

Ich glaube an Gott, der mich unendlich liebt und der eines Tages dachte: Der da, der fehlt mir noch auf meiner schönen Erde. Und dann hat er mich gemacht. Und hat mich geliebt von der ersten Sekunde meines Lebens an, ach was, schon viel früher.

Ich glaube an Gott, der alle Menschen liebt lange bevor sie selbst wissen, wer sie sind, und der sie auch dann liebt, wenn sie nicht wissen, wer sie sind. Und der sie mit einer bewussten Entscheidung in diese Welt gesetzt hat. Das haben nicht zwei Menschen getan, das ist weder Biologie noch Chemie, das ist „magic“. So bin ich entstanden, so erlebe ich Gott. Ich bin einer von Millionen von Millionen von Millionen von Menschen. Und ich bin ihm wichtig, weil ich sein eigen Fleisch und Blut, sein Kind bin. Und das ist der Gott und Vater, an den ich glaube.

Ich glaube an Gott, der nicht wegsieht. Ich glaube an Gott, der an meiner Seite war in der dunkelsten Stunde meines Lebens. Der sich nicht zu schade ist, sein Leben aufzugeben, damit ich leben kann. Ich glaube an den Gott, der nicht wegsieht, wenn’s seinen Menschen wehtut, sondern mitten hineingeht in den Schmerz, in die Verlassenheit, in die Einsamkeit, in die Schuld. Ich glaube an den, der nicht wegsieht, sondern mit mir fragt: Mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich glaube an den, der die Menschen kennt, weil er selbst einer wie sie geworden ist und sie versteht und nicht wegsieht, sondern befreit. Ich glaube an den, der mir zeigt, wie auch ich frei leben kann mit klarem Blick. Und das ist der Sohn, Jesus, der Herr, an den ich glaube.

Ich glaube an Gott, der in mir Raum gewinnt und mich zur Entfaltung bringt, der mich verbindet mit Gott selbst und mich begeistert, mir Atem gibt in atemlosen Zeiten, beim Feiern wie beim Trauern, beim Lieben und beim Arbeiten auch.

Ich glaube an den Gott, der mich mit anderen Menschen verbunden hat zu einem gemeinsamen Ziel und mir Leben schenkt und Trost und Energie, Geduld, Lebenskraft und Vergebungsbereitschaft, Liebe und den Mut, selbstlos zu sein ohne mich selbst zu verlieren.

Ich glaube an den, den ich nicht suchen muss, weil er mich gefunden hat und an den, der ein Teil von mir geworden ist, damit ich Teil von ihm werden kann. Ich glaube an den, der mich beseelt und mir von innen heraus zeigt, dass ich nie allein bin. Und das ist der Geist, an den ich glaube.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24229

Stellen Sie sich vor, dass nachher das Telefon bei Ihnen klingelt. Es meldet sich ein Mensch mit einem deutlich hörbaren Akzent und erzählt Ihnen, er sei Jim Yong Kim, der Präsident der Weltbank. Und er habe über einige Umwege etwas von Ihnen gehört und nun wolle er Sie persönlich kennenlernen, weil er gerne mit Ihnen befreundet wäre…

Wenn ich mir das für mich vorstellen will, dann merke ich schnell: Es geht gar nicht! Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Angela Merkel oder Paul McCartney oder auch nur Günter Jauch oder Heino daran interessiert wären, mich persönlich kennenzulernen.

Bei Gott habe ich mich dank unserer christlichen Tradition irgendwie schon daran gewöhnt, dass er sich wohl für mich interessieren muss. Es scheint so selbstverständlich! Dabei darf man doch vermuten, dass der Abstand von mir zu Gott um einiges größer ist als mein Abstand zu Jim Yong Kim oder Angela Merkel.

Unfassbar, eigentlich. Und doch ist es so: Wir haben allen Grund dazu, uns als Gottes Freunde zu sehen. Der Grund dafür liegt bei Gott selbst. Er hat sich entschieden. Jesus sagt: „Ich nenne euch meine Freunde.“ Und er ergänzt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“

Der Grund dafür, dass eine Freundschaft mit Gott überhaupt möglich ist, liegt bei Gott selbst. Und das ist ganz und gar nicht selbstverständlich. Gott will mich als Freund haben! Wenn ich diesen Gedanken weiterdenke, dann übertrage ich das, was ich aus anderen Freundschaften kenne, auf mich und Gott.

Ehrlich zu sein ist mir wichtig in einer Freundschaft. Gemeinsame Überzeugungen. Und der Mut, nicht immer einer Meinung zu sein.
Ich mag Freundschaften, in denen ich auch nach langer Zeit, in denen kein Kontakt möglich war, einfach wieder anknüpfen kann. Und ich mag Freundschaften, in denen ich den anderen unterstützen kann. Ja. Das mag ich wirklich: Jemanden in seinen guten Plänen zu unterstützen, ihm zur Hand zu gehen, den Rücken zu stärken.

Moment mal? Geht das bei Gott auch? Kann ich ihm den Rücken stärken? Kann ich ihn in seinen guten Plänen unterstützen? Ganz bestimmt nicht so wie ich das bei Menschen tue, aber irgendwie – ja, irgendwie schon. Heute ist ein guter Tag, um Gottes Freundschaft mit meiner Freundschaft zu beantworten und etwas Gutes zu tun.

Ach, und wenn nachher das Telefon klingelt und es ist nicht Jim Yong Kim: Seien Sie nicht enttäuscht. Sie haben einen Freund, der noch viel wichtiger ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24228

„Der Mann hat sein Enkelkind wirklich lieb!“ habe ich gedacht. Mir gegenüber, auf einer Bank an einem der Teiche in der Wilhelma saßen Opa und Enkeltochter. Die vielleicht 5 Jahre alte Kleine hatte ihren rosa Rucksack geleert und aß Trauben aus einer kleinen Box. Währenddessen wickelte ihr Großvater sein klassisch eingepacktes ‚Vesperbrot‘ aus mehreren Lagen Butterbrotpapier. Ich konnte nicht genau erkennen, mit was es belegt war, aber ich konnte sehen, dass seine Augen strahlten als er es ausgepackt hatte.

Anscheinend hat seine Enkeltochter ihn noch vor dem ersten Bissen gefragt, ob sie sein Brot haben kann. Hören konnte ich es nicht, aber sehen. Und er? Er hat gezögert, erst sie angeschaut, dann sein Brot und dann wieder sie. Und ich werde den Blick nicht vergessen, mit dem er sein Brot dann an seine Enkeltochter übergeben hat. Da war Wehmut im Blick und gleichzeitig so viel Zuneigung! Er hat ihr nicht nur sein ‚Vesper‘ gegeben, sondern etwas von seinem Herzen.

Es ist ihm wahrhaftig nicht leichtgefallen. Er musste sich geradezu losreißen von seinem liebevoll zubereiteten Brot. Und wenn ich es richtig gesehen habe, dann hat er auch keinen einzigen Bissen davon selbst abbekommen!

Wissen Sie was? Wenn wir selbstlos lieben, dann wird etwas von der Liebe Gottes in uns sichtbar. Gott, so wird es in der Bibel berichtet, hat seinen einzigen Sohn selbstlos selbst losgelassen, damit wir Menschen leben können mit Glaube, mit Liebe und mit Hoffnung. Ja, Jesus hat gesagt, dass niemand größere Liebe hat als der, der sein Leben selbstlos selbst loslässt für seine Freunde. Und das hat Jesus dann am Kreuz getan.

Der Großvater beim Besuch im Zoo hat nicht sein Leben gegeben, aber er hat seine Liebe gezeigt. Das war einfach Liebe, die sich überwunden hat, die selbstlos etwas für jemand anderen getan hat – einfach nur, damit dessen Leben für einen Moment besser ist. „Der Mann hat sein Enkelkind wirklich lieb!“ – er hat es sich was kosten lassen.

Vielleicht ergibt sich heute ja die Gelegenheit für Sie, jemand anderem Ihre Liebe zu zeigen. Das macht nicht immer Spaß und das fällt manches Mal nicht einmal leicht. Machen Sie ruhig ein säuerliches Gesicht, das ändert an der Stärke Ihrer Liebe gar nichts. Denn gerade an den Stellen, an denen wir uns überwinden müssen, an denen wir etwas von uns selbst loslassen, gerade da sind wir ganz nah dran an der Liebe Gottes. Heute ist ein guter Tag dafür, Liebe zu zeigen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24227

Alle wichtigen Wahlen dieses Frühjahrs sind gelaufen. Sieger jubeln, Verlierer lecken ihre Wunden. Parteiprogramme werden für die Bundestagswahl entweder korrigiert oder ganz umgeschrieben. Momentan erhält sogar die „soziale Frage“ neues Gewicht. Dabei betrifft sie nicht allein die Menschen, die in der letzten Zeit zu uns geflohen sind. Sondern die „soziale Frage“ stellt sich auch im Blick auf diejenigen, die trotz Arbeit nicht genügend Geld verdienen, um fürs eigene Auskommen zu sorgen: Alleinerziehende, Teilzeitbeschäftigte, Mindestlohnverdiener brauchen oft zusätzliche Hilfe durch den Staat. Statistiken besagen, dass sogar im wohlhabenden Süden, hier bei uns im Ländle, immer mehr Kinder armutsgefährdet aufwachsen. Unterschiedlichste Gründe schließen viele Menschen vom allgemeinen Wohlstand aus. In manchen Regionen gibt es soziale Probleme auch deshalb, weil sich immer weniger „Normalverdiener“ einen angemessenen, bezahlbaren Wohnraum leisten können. Die „soziale Frage“ ist also noch lange nicht erledigt. Die Politik hat alle Hände voll zu tun, um diese Frage zu lösen.

Damit tut sie übrigens etwas, was auch den Gott der Bibel interessiert. Es mag sein, dass viele den Gott der Bibel eher bei den Mächtigen, Schönen und Reichen vermuten. Dennoch finden sich in der Bibel sehr viele Aussagen darüber, dass Gott das Elend der Menschen nicht egal ist. In der Bibel sind das in der Hauptsache die Propheten, die Gottes Eintreten für die Abgehängten ansprechen. Und sogar die Psalmen greifen die „soziale Frage“ auf. Da heißt es in Psalm 12: „Weil die Elenden Gewalt leiden und die Armen seufzen, will ich jetzt aufstehen, spricht Gott. Ich will Hilfe schaffen dem, der sich danach sehnt“ (Psalm 12,6).

Diesen „sozial-aufmerksamen Gott“ finde ich gut. Er stellt sich klar und eindeutig auf die Seite der „gesellschaftlichen Verlierer“. Gott tritt für die ein, die Hilfe brauchen und sich selbst nicht helfen können. Und genau das erwartet Gott auch von uns. Auch wir sollen uns einsetzen für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Das ist eine von Gottes Grundeigenschaften – die auch uns allen gut anstehen: Sich um die Menschen kümmern, die sich selbst nicht helfen können. Ich bin gespannt, ob mir das heute – wenigstens im ganz Kleinen – einmal gelingen wird.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24246

von Gottes Erbarmen, Güte und Treue.

Woran denke ich nach dem Aufstehen? Wenn ich geduscht habe, beim Frühstück sitze, meinen Tee und mein Müsli genieße? Manchmal denke ich dann gar nichts, weil alles so schnell gehen muss. Aber wenn ich dann in der Bahn sitze und auf dem Weg ins Büro bin, geht mir manchmal Vieles durch den Kopf. Ich hoffe, ohne längere Verzögerung oder Unfall zum Arbeitsplatz zu kommen. Oft gehe ich nach einem erholsamen Wochenende gern wieder zur Arbeit und freue mich auf die Begegnungen mit Menschen. Oder ich befürchte, wieder in die Tretmühle der Vorwoche zu geraten. In solchen Momenten habe ich schon entdeckt: Jetzt bietet sich die Möglichkeit für ein Gebet. Mir tut das einfach immer wieder neu gut, meine Hoffnungen und Wünsche einmal laut oder halblaut auszusprechen. Das geht manchmal sogar auf dem Weg zur Arbeit. Und Gott ist ein guter Zuhörer – auch wenn manche Antwort oder Gebetserfüllung auf sich warten lässt.

Vor kurzem bin ich auf ein sehr schönes, kurzes Gebet, geradezu einen Stoßseufzer gestoßen. Gefunden habe ich ihn im Gebetbuch der Bibel, den Psalmen. Da bittet König David: „Herr, du wirst mir dein Erbarmen nicht entziehen. Deine Güte und Treue werden mich stets bewahren“ (Ps 40,12). Mir gefällt dieses Gebet, weil König David nicht um Erfolg oder Zufriedenheit im Job bittet. Vielmehr bittet er Gott um ein Leben, das von Erbarmen, Güte und Treue geprägt ist. Auch ich wünsche mir oft insgeheim einen barmherzigen Umgang mit mir und meinen Mitmenschen. Ich wünsche mir immer wieder etwas mehr Güte und Treue – im Miteinander am Arbeitsplatz und in meiner Familie.

Was mir an dieser Königsbitte besonders gefällt, ist die vertrauensvolle Stimmung des Stoßseufzers. David spricht sehr zuversichtlich mit Gott. Er vertraut darauf, dass Gott ihn nicht allein lässt – auch nicht in schweren Momenten und Augenblicken. Das Gebet Davids geht übrigens noch weiter. Er bittet: „Ich bin arm und elend; Gott aber vergisst mich nicht. Du bist doch mein Helfer und Erretter. Mein Gott, lass mich nicht länger warten!“

Mir tun solche Worte gerade am Wochen- oder Tagesbeginn richtig gut. um Barmherzigkeit, Güte und Treue zu bitten. Dies Gebet taugt sogar zum „Twittern“. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen von Erbarmen, Treue und Güte geprägten Tag.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24245