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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ein Baby in der Futterkrippe – das ist das Bild, das mir zuerst in den Sinn kommt, wenn ich an das neugeborene Jesuskind denke. Aber vor ein paar Wochen ist ein neues Bild dazu gekom­men: Das Bild vom „Jesuskind mit Knoten“. Ich habe es in einer Online-Ka­pel­le entdeckt.[1] Ja, das gibt es tatsächlich: eine virtuelle Kapelle, in die ich durchs Inter­net gelange, in der ich online Gebete an Gott hinterlassen, online sogar Kerzen anzünden kann.

 

Im Mittelpunkt dieser Kapelle steht ein Bild des Jesuskindes auf dem Schoß seiner Mutter. In den Händen hält es ein langes weißes Band mit großen und kleinen, einzelnen und gehäuften Knoten.

 

Zwei Engel stehen rechts und links von ihm mit den Enden des Knotenbandes in der Hand. Sie stehen für die Besucher der Kapelle. Für Menschen, die das vor Gott bringen, was in ihrem Leben ver­knotet ist: Ihre Sorgen im Familienleben, im Beruf, die Ängste und Erlebnisse, die ihre Seele verknoten und ihr Leben schwermachen.

 

Der rechte Engel hält das Ende des verknoteten Bandes in den Händen. Er blickt zu Boden. Es sieht so aus, als ob er sich für das schämt, was im Leben verdreht oder verknotet ist. Ich weiß, wie das ist. In meinem Leben könnte er auch so manchen Knoten finden.

 

Der linke Engel hält das Ende des Bandes mit den schon gelösten Knoten in der Hand. Er schaut mir in die Augen. Als ob er mir sagen will: „Schau, das ist dein Lebensband! Es ist etwas zerknittert. Es waren ja auch viele Knoten darin! Aber Jesus hat es entwirrt. Und er wird immer wieder entwirren, was sich in deinem Leben verknotet.“ Denn Jesus sitzt tatsächlich ruhig auf dem Schoß seiner Mutter, schaut mich freundlich an und löst geduldig Knoten für Knoten in dem Lebensband.

 

Ich finde dieses Bild vom Jesuskind mit den Knoten wunderbar. Denn es zeigt mir, wie Gott durch die Augen des Jesuskindes auf mich schaut. Mit einem liebevollen Blick. Und das, obwohl er alle meine Fehler und Schwächen und Verknotungen kennt.

 

Aber genau dafür ist Gott ja in diesem Kind auf die Welt gekommen: Und um mir zu sagen: ich bin für dich da, egal, wie viele Verwirrungen es in deinem Leben gibt, egal was du falsch gemacht hast, egal was dich traurig macht und was dich bedrückt. Ich kann die Knoten deines Lebens lösen, ich möchte dich trösten, wenn du traurig bist, ich kann dir Wege zeigen, wenn du nicht mehr weiterweißt. Ich steh dir zur Seite – immer!“

 

Ich finde: Das bedeutet Weihnachten! Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

 


 

[1] Die Online-Kapelle der Weitnauer Brüder kann man hier betreten: http://www.heilig-blut.com/virtuelle-kapelle-knotenloeserin.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23291

Alt und unauffällig steht er da – der Josef in unserer Krippe. Die „unwichtigste Figur der Krippenszene“ hat ihn einmal eine Zeitung genannt. Dabei hätte es ohne Josef die Weihnachtsgeschichte nicht gegeben!

Wir wissen wenig von Josef. Bei der Geburt von Jesus ist er dabei. Dann eine kurze Notiz noch, als Jesus 12 Jahre alt war. Danach schweigt sich die Bibel über Josef aus. Vielleicht wird er deshalb meist als alter Mann dargestellt, der bald gestorben ist.

Aber wahrscheinlich war Josef bei der Geburt von Jesus im besten Alter. Er hat sich in seiner Heimatstadt Nazareth mit viel Fleiß eine Existenz aufgebaut, eine gut gehende Werkstatt als Zimmermann und Architekt. Und er hat mit Maria eine Frau gefunden, die er liebt und die ihn liebt. Josefs Zukunft scheint vorgezeichnet: ein ruhiges Leben voll Arbeit und Zufriedenheit liegt vor ihm – im Kreis seiner Familie, die er mit Maria gründen will.

Aber dann das: Maria wird schwanger, aber nicht von ihm! Und sie verlangt von Josef, das Unglaubliche zu glauben: dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen wird! Die ganze wohlgeordnete Zukunft zerplatzt vor Josefs Augen. Gott hat seine Pläne durchkreuzt. Was soll er tun? Die Verlobung sofort lösen, Maria in Spott und Schande stellen, oder doch bei ihr bleiben? Josef ist hin- und hergerissen. Er hat unruhige Nächte. Und in einer dieser Nächte dringt Gottes Stimme zu ihm und Josef hört darauf und beschließt: Er wird sich auf die Situation einlassen. Er wird auf Gott vertrauen und zu Maria stehen.

Und das macht Josef – ohne viel Worte. Er bringt seine Maria sicher nach Bethlehem. Er ist bei der Geburt im Stall dabei. Ich stelle mir vor, er hat das Jesuskind als erster in den Armen gehalten, hat es gewaschen, ihm die Nabelschnur durchtrennt und es liebevoll Maria in den Arm gelegt. So, wie viele Väter das heute machen. Und er hat nach ihrer Rückkehr nach Nazareth treu für seine Familie gesorgt bis zu seinem Tod.

Für mich ist Josef der stille Held der Weihnachtsgeschichte. Nicht wegen irgendwelcher Heldentaten, sondern weil er Gott vertraut und weil er so sehr liebt. Josef hat darauf vertraut, dass Gott es gut mit ihm meint. Und er hat auf sein Herz gehört, auf die Liebe, die er zu Maria empfindet und auf sein Verantwortungsgefühl.

Dieser Josef in der Weihnachtsgeschichte zeigt mir: Gottvertrauen und Menschenliebe – mehr braucht es nicht um vor Gott ein Held zu sein. Und ich denke: Männer wie Josef verdienen es, dass wir sie ein bisschen mehr in den Vordergrund rücken!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23290

Ochse und Esel stehen ganz hinten im Stall! Da gehen sie in unserer Weihnachtskrippe fast unter! Schließlich sind da auch noch Maria und Josef und das Jesuskind in der Krippe. Die Hirten mit ihren Schafen und dem Hütehund. Und die drei Könige sind mit Kamel, Elefant und Zebra auch schon im Anmarsch. Da ist kaum noch etwas zu sehen von Ochse und Esel.

Und dabei sind sie doch die eigentlichen Hauptfiguren der Weihnachts­geschich­te. Mit dem Jesuskind. So sehen es zumindest die ältesten Krippendarstellungen, die wir kennen. Sie zei­gen nur den Ochsen und den Esel neben dem Kind in der Krippe. Von Maria keine Spur – die zieht erst im frühen Mittelalter in die Weihnachtskrippen ein und Josef noch viel später.

Warum war es den Christen der ersten Jahrhunderte so wichtig, dass Ochse und Esel bei Jesu Geburt dabei waren? Sie kommen doch in der Weihnachts­geschichte der Bibel gar nicht vor! Die Antwort ist ganz einfach: Weil gerade diese unscheinbaren, trägen und angeblich dummen Tiere am besten zur Weihnachtsbotschaft passen. Weil sie für die Menschen stehen, denen die Weihnachtsbotschaft etwas bedeutet. Für mich also! Vielleicht auch für Sie? Ich Esel, Sie Ochse! Und das ist nicht als Beleidigung gemeint, im Gegenteil!

Die Christen der ersten Jahrhunderte haben den Ochsen und den Esel aus dem Alten Testament in die Weihnachtsgeschichte hineingedeutet. Denn beide tauchen beim Propheten Jesa­ja auf – lange vor Jesu Geburt. Da heißt es in einem Vers: „Ein Ochse kennt seinen Besitzer und ein Esel die Krippe seines Herrn, aber mein Volk versteht es nicht.“ (Jes 1,3)

Diese scheinbar trägen, dummen Tiere stehen in der Weihnachtskrippe also für die Menschen, die die Weihnachtsbotschaft verstehen. Sie sind die „Klugen“. Sie sind klüger als die Menschen, denen Weihnachten zu süßlich ist. Oder die meinen, das kann ich alles nicht glauben.

Und der Ochse und der Esel, die beiden Arbeitstiere, stehen auch für die Menschen, die sich am Rand fühlen, nicht geachtet, nicht wertgeschätzt. Und gerade sie finden sich in der Weihnachts­krippe auf den besten Plätzen wieder – direkt neben dem Jesuskind, direkt in Gottes Nähe.

Damit ich zu Gott kommen darf, brauche ich nichts Besonderes darstellen, heißt das für mich. Ich brauche nichts Besonderes zu können oder zu machen. Gott ist bei denen, die ihn brauchen. Nicht bloß bei denen, die vornedran stehen und einen guten Eindruck machen.
Ich Esel, Sie Ochse! Gott ist ganz nahe bei uns!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23289

Worauf kommt es an beim Schenken? Und worauf beim Beschenktwerden? Eine schöne Antwort habe ich in einer Geschichte gefunden.

Am Abend vor Heilig Abend will ein Vater seine Geschenke für Weihnachten einpacken. Für die Kinder hat seine Frau das schon erledigt. Aber die Geschenke für seine Frau packt er natürlich selber ein. Schmuck hat er für sie ausgesucht und einen Gutschein für ein Essen zu zweit. Und all das will er jetzt schön verpacken. In Goldpapier – das hat er vor ein paar Tagen extra besorgt.

Aber die Rolle Goldpapier ist weg. Der Vater sucht überall. Haben seine Kinder vielleicht…? Er fragt seinen Sohn, dann geht er zu seiner kleinen Tochter. Und tatsächlich – Maja sitzt in ihrem Zimmer mit einem kleinen Rest Goldpapier neben sich. Neben ihr ein großer Karton, ganz in Gold eingekleidet.

„Du kannst doch nicht einfach nehmen, was Dir gerade passt!“, schimpft der Vater. „Das Papier habe ich für Mamas Geschenk gekauft!“ Erschreckt blickt ihn seine fünfjährige Tochter mit großen Augen an. Ärgerlich geht der Vater aus dem Zimmer.

Am nächsten Tag ist das Wohnzimmer schön geschmückt. Viele, liebevoll verpackte Geschenke liegen unter dem Weihnachtsbaum. Als die Familie zur Bescherung schreiten will, läuft Maja hinaus, holt das große in Goldpapier eingeschlagene Paket und legt es unter den Baum. „Für Papa“ steht mit krakeligen Buchstaben darauf.

Der Vater wird verlegen. Jetzt hat er seine Tochter so ange­schimpft wegen des Papiers und sie hat es doch für ihn genommen! Liebevoll streicht er seiner Tochter über das Haar. „Danke, Maja“. Maja strahlt und legt ihm die große Schachtel in den Schoß. Vorsichtig packt der Vater das Paket aus, öffnet den Karton und sieht… - nichts! Die Schachtel ist leer! Voll Ärger schaut er seine kleine Tochter an: „Weißt du nicht, junge Dame, dass etwas in der Verpackung sein sollte, wenn man ein Geschenk macht?“ Mit Tränen in den Augen schaut ihn seine Tochter an: „Aber, Papa. Die Kiste ist doch nicht leer! Ich hab‘ so viele Küsse hineingegeben, bis sie ganz voll war!“

Worauf kommt es beim Schenken an und worauf beim Beschenktwerden? Nicht auf das, was drin ist in der Verpackung – obwohl das auch schön sein kann. Bei einem Geschenk kommt es auf das an, was der Geber unsichtbar für uns mit hineinlegt – auf seine liebevollen Gedanken und Wünsche. Und die sind viel mehr wert, als alles, was sonst noch darin liegt!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23288

Meine Tochter hat in diesem Jahr das Krippenspiel geschrieben. Gerade wird fleißig daran geübt – schließlich ist es nicht mehr lange hin bis Heilig Abend.

Moderner sollte ihr Stück sein als die herkömmlichen Krippenspiele. Ein bisschen anders. Aber trotzdem natürlich die Weihnachtsgeschichte erzählen.

Die Hauptfiguren sind drei Könige, besser gesagt: zwei Königinnen und ein König. Die drei sind auch wesentlich jünger als die Könige, die man sonst kennt. Und auch nicht so weise und vernünftig. Eher ein bisschen verdaddelt und nicht ganz so gewählt in ihrer Ausdrucksweise – halt ein bisschen wie Teenager.

Die Geschenke, die sie für den neugeborenen König mitbringen wollten, die haben diese Könige einfach mal vergessen. Und auch die Karte, die sie brauchen, um den Weg nach Israel zu finden, liegt noch bei einem von ihnen auf dem Schreibtisch in Babylon. Und dabei brauchen sie doch gerade die Karte so nötig, um auch bei Tag reisen zu können. Denn der helle Weihnachtsstern leuchtet ja nicht immer – nicht bei Tag und nicht bei bedecktem Himmel.

Wegen der vergessenen Karte haben die drei Könige tatsächlich Schwierigkeiten, den richtigen Weg zu finden. Spät kommen sie in Israel an – zu spät? Zuerst suchen sie den neugeborenen König im Königspalast – wo sonst sollte der mächtige Retter zur Welt kommen?

Aber da ist er nicht! Frustriert wollen die Könige schon die Heimreise antreten, als sie ein paar Hirten treffen. Die sind ganz aufgeregt. Sie haben den neuen König gesehen! In einem Stall ist er geboren worden, erzählen sie, in einer Futterkrippe! Die drei Könige wollen das nicht glauben – der Gottessohn gehört doch nicht in einen ärmlichen Stall!

„Ist doch egal,“ sagen die Hirten. „Ihr kommt sowieso zu spät!“. Und sie behalten recht. Als die drei Könige endlich den ärmlichen Stall erreichen, ist der leer. Enttäuscht und erschöpft stehen die drei da. Gerade wollen sie gehen, als Maria und Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm noch einmal zurückkommen – Maria hat ihr Umhängetuch vergessen.

Sie sind doch nicht zu spät gekommen! „Ihr kommt spät, ja! Aber nicht zu spät! Zu Gott kann man nicht zu spät kommen“, sagt Josef ihnen. Und ich finde: Genau das ist die Botschaft der Weihnachtsgeschichte: „Zu Gott kann man nicht zu spät kommen.“ Auch wenn ich in meinem Leben vielleicht mal ganz woanders hin unterwegs bin. Auch wenn ich Gott vielleicht jahrelang aus den Augen verliere. Zu spät bin ich für Gott nie. Er ist für mich da, egal wann ich komme.

Das bedeutet Weihnachten! Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit bis dahin.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23287

Haben Sie Ihre schon aufgestellt? Unsere Weihnachtskrippe steht seit dem 1. Advent. Zuerst nur das Gebäude, der Stall. Und jetzt wird an jedem Tag eine Figur dazugestellt. Als letzte natürlich das Christkind am Heiligen Abend.

Für unsere Kinder ist unsere Krippe so etwas wie ein Adventskalender. Jedes Jahr handeln sie aufs Neue aus, wer anfangen darf mit dem Figurenaufstellen und wer die letzte Figur hinstellen darf. Und dann freuen sie sich gemeinsam über jede neue Figur und über die täglich wachsende Krippenlandschaft.

Wie gut, denke ich jedes Jahr, dass sich die österreichische Kaiserin Maria Theresia damals nicht durchsetzen konnte. Sie hat nämlich im späten 18. Jahrhundert alle Krippen aus den Kirchen ent­fernen lassen. Zu gefühlsduselig, zu wenig vernünftig hat sie diesen Brauch gefunden. Dabei wollen Krippen doch genau das: die Weihnachtsbotschaft verständlich, „begreifbar“ machen.

Natürlich, die Weihnachtskrippen stellen dar, was man in der Bibel über die Geburt Jesu lesen kann. Ob das alles historisch genauso gewesen ist oder ein bisschen anders, das zeigen die Krippen nicht.

Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Eine Weihnachtskrippe erzählt die Weihnachts­ge­schichte. Sie erzählt davon, dass Gott selbst als Mensch auf die Welt gekommen ist. Nicht als mächtiger König, nicht in strahlender Rüstung, sondern als hilfloses kleines Kind.

Als Men­schenkind, das sein Leben auf der Erde gelebt hat. Wie wir hat Gott in Jesus Freude und Sorgen erlebt, Lachen und Weinen, Trauer und Todesängste. Seitdem er auf die Welt gekommen ist, gibt es in unserer Welt keinen einzigen Ort mehr, der gottverlassen ist. Gott selbst ist in unserem Leben dabei – in jedem Lachen und in allen Traurigkeiten, in allem, was uns das Leben manchmal schwermacht, sogar im Tod.

Daran erinnert mich Weihnachten. Das machen Weihnachtskrippen „begreifbar“. Deshalb sind sie so wichtig. Und deshalb dürfen Krippen auch ruhig Alltagsszenen zeigen, die nicht in der Bibel vorkommen, dürfen dort auch andere Tiere rumspringen – wie die Mäuse und Katzen in unserer Krippe. Denn das zeigt: Gott ist mitten in unserer Welt. Deshalb hat die Kaiserin Maria Theresia mit ihrem Verbot den Siegeszug der Weihnachtskrippen auch nicht stoppen können. Im Gegenteil: Als sie die Krippen in den Kirchen verbieten ließ, haben die Menschen einfach angefangen, sich eigene Krippen zu bauen und in ihren Wohnzimmern aufzustellen. Und seitdem gibt es Krippen nicht nur in Kirchen oder Museen, sondern genau da, wo Gott sein will: mitten im Leben!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23286