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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Am Freiburger Münster gibt es eine schöne Darstellung von Gott, als dem Schöpfer der Welt. Über einer der Eingangtüren ist er dargestellt als eine in sich ruhende Gestalt – nicht wie oft -  als dynamischer Schöpfer, der mit einem Fingerstreich die Welt in Bewegung setzt oder die Ärmel hochkrempelt und den Menschen schafft.

Nein, - hier ist er dargestellt als eine in sich ruhende Gestalt. Eine Gestalt, die sitzt und dabei die Hände in den Schoß gelegt hat. Gott ruht in sich. Gott vollendet sein Werk durch Ruhe, durch schöpferische Ruhe. Er lässt es gut sein, auch wenn diese Welt und sein Werk nicht perfekt sind, schafft er es doch, es als gut, alsgut genug zu sehen – so kommt es mir vor. Er kann aufhören nach dem sechsten Tag – Es gut sein lassen.

Genau das fällt mir so schwer: etwas gut-sein-lassen. Etwas „gut genug sein lassen “ Und vielleicht gehören Sie auch zu der Spezies Mensch, die nie so ganz  mit sich zufrieden ist, die immer noch etwas findet, was man nächstes Mal einen Tick besser machen könnte. Dann verstehen Sie diesen Wunsch, es einfach einmal gut sein lassen zu können, sich selbst gut genug sein lassen zu können. Keine innere Mängelliste zu führen, sondern den Blick auf die Habenseite zu lenken, wertschätzen können, was  trotz allem gut – gut genug ist.   

Noch einmal zurück zu diesem in sich ruhenden Gott ich habe in der Bibel die dazugehörende Stelle heraus gesucht: Ganz am Anfang des Alten Testaments in der Genesis heißt es: „Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte, und er ruhte…. Er legt die Hände in den Schoß und lässt es gut sein. Dieses Bild macht mir Mut, es ihm gleich zu tun. Und es morgen – am Sonntag -  nach einer vollen Woche  einfach gut sein lassen. Alle Geschäftigkeit und allen Stresshinter mir zu lassen. Mich hinsetzen und die Hände einfachin den Schoß legen. Tief durchatmen und aufatmen. Innerlich runterfahren Es gut sein lassen. Und mich gut sein lassen. Das wünsche ich Ihnen sehr und  -  morgen einen gesegneten Sonntag

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„Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Verkosten der Dinge von innen her.“  Das hatIgnatius von Loyola, geschrieben, der Gründer des Jesuitenordens. Er beschreibt damit eine für mich wichtige Einsicht, wenn es um die Frage nach Gott geht: „Nicht das Vielwissen, sättigt die Seele, sondern das Verkosten der Dinge von innen her.“….

Gerade heute an Fronleichnam bekommt dieser Satz für michGewicht. Ein Fest, an dem die katholische Kirche feiert, dass Jesus Christus im heiligen Brotgegenwärtig ist. Dass sein Abendmahl mit den Jüngern keine einmalige Sache war, sondern wir bis auf den heutigen Tag mit ihm und untereinander verbunden sind, wenn wir das Brot teilen, -  es „verkosten“.

„Tut dies zu meinem Gedächtnis“, fordert Jesus beim letzten Abendmahl seine Jünger auf. Teilt dieses Brot untereinander, teilt mich oder das, was ihr von mir erfahren und verstanden habt, und haltet es lebendig. Nicht nur heute sondern alle Tage, nicht nur im geschützten Raum des Abendmahlssaals in Jerusalem sondern draußen in der Welt. Christus in die Welt zu tragen, ihn und das, was ihm wichtig war hochzuhalten und zu leben, darum geht es, wenn heute an vielen Orten Fronleichnamsprozessionen stattfinden.  
Christen verlassen den geschützten Kirchenraum, sie gehen ins Freie, suchen im wahrsten Sinne des Wortes „das Weite“, weil  Jesus ihnen diese innere Weite und dieses in die Welt gehen vorgelebt hat. Sie halten ihn hoch, im Zeichen des Brotes. Und sie verkosten ihn (in diesem Brot).

Was meint dieses verkosten? Es ist mehr als bloße Nahrungsaufnahme. In diesem Brot verkosten Menschen Jesus selbst. Das heißt: Sie bekommen so etwas wie einen Geschmack von Gott.Das bedeutet: sie sollen sinnenhaft erfahren, dass Gott sich ihnen zuwendet und sie zuinnerst berühren möchte. Sie können begreifen, dass der Gott Jesu  ein barmherziger Gott ist, einer der sich allen Menschen zuwendet, vor allem den Armen und Schwachen.  Ein sinnlich erfahrbarer Gott,der sie beauftragt einander die Füße zu waschen – nicht den Kopf, und der sie ermutigt in jedem Menschen, den Bruder oder die Schwester zu sehen.

Es berührt mich sehr, dass Gott mich in diesem kleinen Stück Brot etwasvon seiner Liebe kosten lassen will. Und ichahne, was geschehen könnte, wenn ich mich durch dieses Verkosten von innen her, verwandeln ließe.

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„Mr sieht nur dra na net drenai“ – diese schwäbische Weisheit begleitet mich seit meiner Kindheit. Meine Eltern haben sie benutzt, wenn sie uns oder sich selbst vor einem vorschnellen Urteil über jemand bewahren wollten.

„Mr sieht nur dra na net drenai“,  bedeutet soviel wie: Aufgepasst – wir sehen nur das Äußere eines Menschen, nicht aber das, was in ihm vorgeht, was ihn geprägt hat,  mit welchem Päckle er in seinem Leben unterwegs ist.

Dieser Spruch kommt mir manchmal in den Sinn, wenn ich dabei bin, jemand vorschnell in eine Schublade zu stecken nach dem Motto: „Was ist das denn für ein komischer Kauz?“ oder „Wie kann man sich nur so unmöglich verhalten?“ Dann bringt mich der Spruch dazu, genauer hinzuschauen, wahrzunehmen, wer mir da wie entgegenkommt  Unter Umständen,  nachzufragen, „wer bist Du – und was ist Dir widerfahren, dass du der oder die geworden bist – was hat dein Leben geprägt?

In der Bibel gibt es eine Stelle beider es genau darum geht: Hinschauen, den Menschen sehen: „Ecce homo, -  seht, was für ein Mensch!“(Joh 19,5).

Pontius Pilatus, der römische Statthalter fragt dasdie grölende Menge, als er ihr den gegeißelten Jesus präsentiert. Für die einen ist Jesus einfach nur ein Verbrecher, der bestraft werden muss. Für die anderen ein geschundener Unschuldiger, der gedemütigt vor ihnen steht, seiner Würde beraubt, der sie anrührt.
Aber immer ein Mensch. Ein Mensch, der wahrgenommen und in Liebe angeschaut werden will.„Ecce homo“ bedeutet: Schau ihn an, den Menschen, der dir gegenübersteht. Nimm den wahr, der auch heute am Pranger steht, aber auch deinen Nachbarn, den du zu kennen meinst. Mach Dir die Mühe und schau hin, schau tiefer – net nur drana sondern drenai – wo er es dir gestattet.

Heute Abend beginnt in Leipzig der Katholikentag. Er steht unter diesem dem Motto: „Ecce Homo“. Aus diesem Blickwinkel/Unter diesem Motto könnte man das Christentum als eine Art „Seh-Schule“ begreifen, „als Herausforderung genauer hinzusehen, wer der andere ist und was im anderen ist“ ( Peter Klasvogt in Anzeiger für die Seelsorge 5/ 2016) 

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Wenn Jesus von Gott erzählt hat, dann oft in Geschichten. Mit seinen ganzbesonderen Geschichten hat er denMenschen begreifbarer gemacht, was eigentlich unbegreiflich ist.  Mich berührt dabei besonders, wie Jesus  Gott als einen schildert, der dem Verlorenen nachgeht. Eine dieser Geschichten, möchte ich Ihnen heute Morgen erzählen:

Da ist eine Frau, die zehn Drachmen besitzt und eine davon verliert. Eine Drachme entsprach ungefähr einem Tageslohn.

Na ja, könnte man sagen, halb so schlimm, sie hat ja noch neun. Doch die Frau gibt keine Ruhe, sie zündet ein Licht an, stellt das ganze Haus auf den Kopf und gibt nicht eher auf, bis sie diese eine Münze gefunden hat. Denn ohne sie - so scheint es -  ist ihr Leben aus dem Ruder. Es fehlt ihr etwas Entscheidendes, ein Zehntel ohne das das Ganze nicht mehr stimmt.

Und Jesus erzählt weiter, als diese Frau fündig geworden ist -die Drachmeendlich  gefunden hat, behält sie ihre Freude nicht für sich. Sie ruft Freundinnen und Nachbarinnen zusammen, feiert ein Fest um ihre Freude zu teilen.

Jesus vergleicht diese Frau mit Gott. Ein Gott, der sucht, was verloren gegangen ist, und sich freut, wenn er es wieder findet und seine Freude mit den Menschen teilen möchte.In den Geschichten von Jesus da ist nicht die Rede von einem Gott der über den Wolken thront, und der Welt leidenschaftslos gegenübersteht. Viel mehr von einem Gott, der leidenschaftlich liebt, den es schmerzt, wenn jemand verloren geht. Ein Gott, der nicht müde wird, den Menschenzu suchen. Mich motiviert dieses Bild von Gott, genau hinzuschauen, wo in meinemUmfeld etwas verloren geht, wo jemand rausfällt aus dem Gefüge. Der Mann, der schon seit Monaten ohne Arbeit ist, die alte Frau gegenüber, die nie Besuch bekommt…

Hinzuschauen, wo in unserer Gesellschaft,  jemand übersehen wird. Ich denke an so manche Witwe, die mit einer kargen Rente auskommen muss und nie auf die Idee käme, sich deshalb öffentlich zu beschweren…. Die Geschichte von der verlorenen Drachme lässt mich aber auch über mich selbst nachdenken. Was ist verloren gegangen bei mir? Was fehlt in meinem Leben? Wonach müsste ich mich auf die Suche machen?               

Was muss ich wiederfinden, damit ich ganz und heil werden kann?

 

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 Let it be. Dieser schöne alte Beatles-Song ist mir zu einem Trostlied geworden. Vor allem in Zeiten, in denen mich etwas so bedrückt, dass ich denke es geht nicht mehr weiter.

„When I find myself in times of trouble, Mother Mary comes to me, speaking words of wisdom, let it be“ – „wenn ich schwere Zeiten durchlebe, kommt Mutter Mary und gibt mir den weisen Rat: Lass es sein“.

Paul McCartney hat dieses Lied geschrieben als es bei den Beatles viel Ärger oder eben trouble gab. Da sei ihm  Mutter Mary im Traum erschienen und habe ihm den weisen Rat zugeflüstert: „Let it be“ was soviel bedeutet wie: Lass es sein – nicht im Sinn von lass es bleiben -  sondern : Lass es zu, lass es sein, nimm es wie es ist. Lass es zu, dass Du traurig, wütend, ratlos bist. Lass es das sein, was es ist: traurig, schwer, kaum auszuhalten. Das ist besser als es zu leugnen oder zu überspielen, weil du dich sonst selbst übergehst und das, was wahr und wirklich ist.

Das heißt nicht: die Hände in den Schoß legen und sein Schicksal annehmen, weil man eh nichts tun kann. Darum geht es nicht, nicht in dem Lied und nicht im realen Leben. Vielleicht eher darum: hinschauen, was ist – es wahr-nehmen. Und dann schauen, wo ich etwas geschehen lassen muss, weil ich keine Möglichkeit habe es zu ändern – außer meiner Einstellung dazu.

Schauen, wo  es Hilfe von außen braucht, oder wo eine Nacht darüber schlafen, mir dann vielleicht einen anderen Blick und wieder mehr Gelassenheit schenkt.

Eine Gelassenheit und ein Vertrauen wie es im Lied anklingt:

„And when the night is cloudy, there is still a light that shines on me, shine until tomorrow, let it be“

Selbst wenn die Nacht wolkenverhangen ist, gibt es da ein Licht, das auf mich scheint, das scheint bis zum Morgen –  Lass es sein, lass es gut sein, bis es wieder hell ist innerlich und äußerlich.

Nimm auch wahr, dass es weiter geht, immer wieder weiter geht. Dass es irgendwann wieder heller wird -  lass das wahr und wirklich sein.

Let it be. Lass es sein, lass es gut sein.

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Heute feiern die christlichen Kirchen den Dreifaltigkeitssonntag. Sie bekennen dabei ihren Glauben an den dreifaltigen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.
Schwer zu verstehen? Stimmt.
Auch nach zig Jahren Theologiestudium ringe ich noch immer mit der Frage, wie sich das denken und sagen lässt. Und ich schaffe es nicht, dieses Geheimnis des Glaubens an den drei-einen Gott sprachlich auf den Punkt zu bringen.
Aber wenigstens einen Versuch, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen will ich beisteuern.
Die Idee verdanke ich einem Kollegen, der versucht hat, Kindern im Schülergottesdienst den Drei-einen Gott nahe zu bringen. Etwas von ihm sichtbar und begreifbar zu machen.
Dazu hater drei lange, weiße Kerzen mitgebracht. Drei Kinder haben eine Kerze in die Hand bekommen und durften diese anzünden. Drei Kerzen haben gebrannt. Drei Flammen waren zu sehen. Und dann hat er  die Kinder gebeten die Kerzen aneinander zu halten.
Aus den drei Flammen wurde eine einzige Flamme – ein helles Licht, das sich aus drei Quellen speist. Keine Trennlinie war zu erkennen, niemand konnte mehr sagen, wo die eine Flamme aufhört und die andere beginnt.
Ein schlichter Versuch…und doch sehr einleuchtend. Drei Kerzen und doch eine Flamme. Sie sind drei und doch eins. Ein beeindruckendes Symbol für Vater, Sohn und Geist.

Vor strengen Theologenwird dieser schlichte Versuch mit den Kerzen vielleicht nicht Stand halten.  Mir war er eine Seh-hilfe,  eine bildliche Vorstellung, für das, was mit Dreifaltigkeitgemeint sein könnte. Mit Vater, Sohn und Heiligem Geist. Drei Flammen in einer. Von der eine leuchtende Kraft ausgeht.

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