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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Drei Weltrekorde hat er letzte Woche eingestellt - der Extremsportler Felix Baumgartner mit seinem Sprung aus 39 km Höhe: den höchsten bemannten Ballonflug, den höchsten Fallschirmsprung und als erster Mensch ist er im freien Fall schneller gewesen als der Schall. Beeindruckend! Damit hat sich Baumgartner seinen Platz im Guinnessbuch der Rekorde gesichert.
Aber so außergewöhnlich seine Leistung ist, Spitzenreiter im Guinnessbuch ist er nicht.
Denn die meisten Rekorde dort hält kein Mensch, sondern ein Buch, ein uraltes und doch hochaktuelles Buch, das viele von uns zu Hause im Regal stehen haben: die Bibel.
Die Bibel ist das Buch, an dem am längsten geschrieben wurde. Über 1600 Jahre haben 40 Autoren an dieser Bibliothek mit 66 Büchern geschrieben.
Die Bibel ist das Buch, das am meisten kritisiert wurde. Immer wieder wurde sogar versucht, sie zu verbieten. Aber ohne Erfolg: denn noch heute ist sie sowohl das am meisten geschmuggelte als auch das am meisten zitierte Buch auf der Welt.
Und dann ist die Bibel auch das meistverkaufte Buch auf der Welt. Seit 200 Jahren, seit der Erstauflage des Guinnessbuches, wurde sie über 2,5 Billionen mal verkauft - das ist eine Zahl mit 12 Nullen! Und ein Verkaufsrenner ist die Bibel bis heute: Jährlich bringen die 137 Bibelgesellschaften dieser Welt mehr als eine halbe Milliarde biblische Schriften unter die Menschen.
Eine von diesen Gesellschaften ist die Deutsche Bibelgesellschaft, die morgen ihr 200jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Stuttgarter Stiftskirche feiert. Ihr Ziel: auf spannende Weise die Bibel immer wieder neu ins Gespräch zu bringen. Zum Beispiel mit neuen Übersetzungen in unsere heutige Sprache. Damit die Leser merken: Das sind Lebenserfahrungen, die in diesem Buch aufgeschrieben sind, die könnte ich auch machen - so oder so ähnlich.!
Denn das finde ich das Beeindruckendste an der Bibel: dass wir in diesem uralten Buch Menschen begegnen, die so empfinden wie wir. Die Freude und Leid erleben, Hoffnung und Enttäuschungen, Vertrauen und Zweifel. Die nach der Herkunft von Unrecht, Leid und Tod fragen und nach den eigenen Grenzen. Und die von Gott Antworten bekommen auf ihre Fragen und Sehnsüchte.
Für mich macht das die Bibel einzigartig und viel beeindruckender als alle ihre Rekorde: dass sie meine Fragen kennt und Antworten, die mir weiterhelfen.
Ich finde, es lohnt sich, dieses uralte und doch so moderne Buch mal wieder aus dem Regal zu holen und zu schauen, was die Bibel zu sagen hat!

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„Ausgebrannt" - so beschreibt man inzwischen Menschen, die nicht mehr können, die an „Burn out" erkranken. In meinem Bekanntenkreis werden es immer mehr.
Hinter dem Gefühl, ausgebrannt zu sein, steckt meist eine tiefe Sehnsucht nach Anerkennung, die nicht gestillt werden kann. Das erfährt man bald, wenn man mit diesen Menschen spricht. Da gibt es Ansprüche vom Arbeitgeber, von den Kollegen oder von der Familie. Und dann gibt es die Ansprüche, die der Mensch an sich selbst stellt. Es gibt den Wunsch, den Ansprüchen zu genügen und Anerkennung zu erhalten. Und die Erfahrung: ich schaffe es nicht, ich kann nicht genügen. Und irgendwann ist man dann ausgebrannt.
Sehnsucht nach Anerkennung - ich glaube dieses Gefühl steckt wie eine menschliche Ursehnsucht in jedem von uns. Pädagogen bestätigen das und sagen: Kindererziehung ist nur dann erfolgreich, wenn sie auf diese Sehnsucht nach Anerkennung gut eingeht. Erziehung gelingt, wenn ein Kind die Erfahrung macht: ich kann ganz viel und Mama und Papa finden mich gut, auch wenn ich mal etwas nicht schaffe! Erziehung ist auf dem falschen Weg, wenn ein Kind häufig erfährt: du bist nicht gut genug, du genügst nicht unseren Ansprüchen.
Denn diese Erfahrungen aus der Kindheit haben Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter.
Menschen, die als Kind die Botschaft mitbekommen haben: „Du bist recht so wie du bist", können als Erwachsene gelassener mit den Ansprüchen umgehen, die an sie herangetragen werden. Und Menschen, die aus der Kindheit das Gefühl mitbringen, nicht zu genügen, stehen viel mehr in der Gefahr, an Burn out zu erkranken.
Ein Schutz davor ist es, einen gelassenen und zufriedenen Blick auf sich selbst zu bekommen. Das zu schaffen, ist für die Menschen, die dafür im Elternhaus nicht gut ausgerüstet wurden, schwerer, aber auch möglich. Ein liebevoller Partner kann da Hilfe sein, gute Freunde, auch psychologische Begleitung.
Und der Glaube an Gott. Mir hilft es, dass ich weiß: neben meiner Familie und meinen Freunden, ist da noch jemand, der mich so akzeptiert wie ich bin. Ich glaube daran, dass Gott zu mir steht. Dadurch kann ich gelassener durchs Leben gehen. Denn ich weiß: Gottes Ja hat Bestand, auch wenn mir immer mal wieder etwas nicht gelingt im Beruf, mit den Kindern oder in der Partnerschaft.
Meine Erfahrung ist: wenn ich dieses Ja Gottes tief in meinem Herzen wirken lassen, dann schützt mich das vor meinem eigenen Perfektionismus und es bewahrt mich davor, allen Ansprüchen gerecht werden zu wollen, denen ich begegne.

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Ganz schön alt, sagt meine Tochter, wenn ich Geburtstag habe - aber so schrecklich alt, komme ich mir eigentlich noch gar nicht vor.
Aber immerhin: mehr als die Hälfte des Lebens liegt schon hinter mir. Was das Leben in der restlichen Hälfte mit mir wohl noch so alles vor hat?
Vor einiger Zeit habe ich das Foto einer unvollendete Skulptur gesehen, die ein Bildhauer in Göttingen aus einem Kalksteinblock meißelt. Nicht irgendwo in einem Atelier, sondern mitten im Park der Universitätsstadt. Alle Spaziergänger und Jogger können Tag für Tag dem Fortschritt seiner Arbeit zusehen. Eine laufende Frau soll die Skulptur darstellen - bisher ist die Frau nur bis zur Hüfte aus dem Steinquader „befreit". Wann auch der Rest freigelegt wird, ist ungewiss - denn an dem Künstler allein hängt es nicht - auch die Besucher des Parks bestimmen darüber mit. Jeder, der vorüberkommt kann dem Bildhauer eine kleine Spende geben und dieser wandelt das Geld dann in Schaffenszeit um. Wenn die Skulptur eines Tages fertig ist, haben tausende von Menschen am Entstehen beigetragen.
Vielleicht ist die Skulptur inzwischen längst fertig - aber das fände ich eigentlich schade. Denn das Bild der laufenden Frau, die der Bildhauer noch aus dem Steinblock herausmeißeln muss, hat mich sehr beeindruckt.
Irgendwie fühle ich mich mit meinen 46 Jahren selbst wie diese laufende Frau, die bisher erst zu einem Teil sichtbar ist. Ich muss an einen Satz aus der Bibel denken, eine Zeile aus einem Psalmgebet: „Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war." Ich verstehe das so: Wie mit dem Auge eines Künstlers hat Gott mich schon gesehen, als ich noch nicht da war. Als ich geboren wurde, hat er mich hervor geholt aus seinen Gedanken und mir Gestalt verliehen. Und er gestaltet mich seitdem fortwährend - eine Läuferin, die ihren Lebensweg geht. Jetzt, mit 46 bin ich noch lange nicht fertig. Gott ist noch immer an der Arbeit, scheint mir. Und nicht nur er - jeder, der mir begegnet, formt mich: wenn mich jemand liebt, wenn mich jemand verletzt, wenn ich jemanden bewundere - das alles hinterlässt Spuren an meiner Lebensskulptur, gestaltet sie mit.
Ein schöner Gedanke: Meine Lebensskulptur ist noch nicht vollendet, Ihre auch nicht!
Gott ist immer noch an der Arbeit. Und wer weiß, was noch alles Unentdecktes und Spannendes zum Vorschein kommen wird!

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Welche Farbe hat eigentlich Ihr Glaube?
Liebe ist rot, Hoffnung ist grün, Trauer ist schwarz. Und aus der Werbung wissen wir: Schokolade ist lila. Aber welche Farbe hat eigentlich der Glaube, Ihr ganz persönlicher Glaube?
Vielleicht klingt die Frage für Sie absurd. Aber Farben haben für den Glauben immer eine wichtige Rolle gespielt. Und das wahrscheinlich gerade deshalb, weil Glaube mehr ist als unser Verstand fassen kann. Und dieses „Mehr" wurde zu allen Zeiten nicht nur in Worten beschrieben, sondern auch und gerade in Symbolen: in Zeichen, in Melodien und eben auch in Farben.
Welche Farbe kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Gott denken? Rot - die Farbe der Leidenschaften, die Farbe der Liebe und der Aggression? Gelb - die Farbe des Sonnenlichts, der Erkenntnis und Erleuchtung? Weiß - die Farbe der Reinheit, der Unschuld und Freude? Oder Blau - die Farbe der Sehnsucht, der Geborgenheit und Hoffnung? Oder eine ganz andere Farbe?
Im Mittelalter, als die meisten Menschen noch Analphabeten waren und der Buchdruck noch nicht erfunden war, da waren es die Bilder, die den Menschen in den Kirchen etwas vom christlichen Glauben erzählten. Die alten Kirchen mit ihren Gemälden und bunten Glasfenstern bieten dafür eindrucksvolle Beispiele. Und nicht nur die Motive, sondern auch die Farben haben damals zu den Menschen gesprochen. Und in ihnen etwas zum Klingen gebracht.
Wie bei mir. Für mich ist der Glaube „blau" - ein strahlendes, tiefes Saphirblau. Blau wie ein Bergsee, in dem sich ein Gebirge spiegelt; blau wie das Meer in einem südlichen Land. Beruhigend und eine tiefe, zufriedene Stille ausstrahlend, die sich in mein Herz senkt.
Vielleicht hat Ihr Glaube für Sie eine ganze andere Farbe, vielleicht ist Ihre Farbe des Glaubens nicht blau, sondern leidenschaftlich rot, beruhigend grün oder bunt wie ein Regenbogen.
Aber welche Farbe auch immer der Glaube hat; wichtig ist, dass ich weiß: Mein Glaube an Gott, bringt Farbe in mein Leben. Meine Hoffnung auf ein Leben mit Gott, vertreibt das Grau des Alltags und macht mein Leben hell.
Gott sei Dank, ist der Glaube kein farbloses Einerlei, kein Grau in Grau.
Er ist leuchtend, warm, nach außen strahlend und voll Farbigkeit!
Welche Farbe hat für Sie Ihr Glaube?

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„Mit Gott ist es wie mit einem Navigationsgerät", hat mir eine Frau gesagt: „Wenn ich nicht weiß, ob ich nach rechts oder links steuern soll, dann bekomme ich von ihm den richtigen Weg gesagt."
Irgendwie bewundere ich die Glaubensstärke dieser Frau, die jede Entscheidung - und sei es noch die Kleinste - Gott vorträgt und von ihm eine Weisung erwartet.
Aber auf der anderen Seite stört mich der Vergleich von Gott mit einem Navigationsgerät.
In einem Navi gibt man ja das Ziel seiner Fahrt ein und wird dann freundlich, aber konsequent ans Ziel geleitet. Jede notwendige Abbiegung wird genau angesagt; manchmal helfen Navigationsgeräte einem sogar, Staus und Gefahrenstellen zu umfahren.
So ist das Leben mit Gott aber nicht, finde ich. Ich glaube schon, dass Gott mir in meinem Leben zur Seite steht; aber ich glaube auch, dass er mir für meine Lebenswege viel Freiheit lässt und mir nicht jede Abbiegung vorgibt, die ich zu gehen habe. Mit einem Gott, der jeden meiner Wege genau registriert, der auf einer von ihm angelegten großen Straßenkarte ständig im Blick hat, wo ich mich gerade befinde, und der an jeder möglichen Kreuzung kurz mal durchgibt, wo ich lang zu gehen habe, kann ich nichts anfangen.
Aber in einem bin ich einig mit dem Bild von Gott als Navigationsgerät. Denn Navigationsgeräte haben eine bewundernswerte Geduld mit uns Menschen und unserem Fehlverhalten. Wenn ich einmal eine Abfahrt verpasse, dann bietet mir das Navi wieder und wieder die Möglichkeit, auf den richtigen Weg zurückzukehren. Die Geduld eines Navigationsgeräts scheint unbegrenzt zu sein. Auch wenn ich falsch fahre, auch wenn ich sämtliche Hinweise des Navigationsgeräts ignoriere - immer wieder meldet sich die freundliche Stimme zurück und gibt neue Wegweisung. Ein Navigationsgerät ist offenbar nie beleidigt. Von sich aus kündigt es seine Hilfe niemals auf.
Mit Gott ist es da nicht anders. Wahrscheinlich bleibt Gott bei manchen falschen Wegen, die ich einschlage, nicht ganz so gleichmütig wie die Stimme im Navi. Gott ist ja auch kein Computer. Ich glaube schon, dass er sich ärgert, wenn ich falsch laufe und dass er traurig oder wütend ist, wenn ich Wege gehe, vor denen er mich bewahren wollte. Aber: Gott lässt sich davon nicht abbringen, mein Leben weiter zu begleiten. Selbst wenn ich mich völlig verirrt habe und ganz weit abgekommen bin von ihm - Gott bietet immer wieder seine Hilfe an, damit ich auf den Weg zurückkomme, den er mit mir gehen möchte.
Der Apostel Paulus hat das so zusammengefasst: „... sind wir untreu, so bleibt Gott doch treu"

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14033