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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Pfingsten, steht morgen und übermorgen auf dem Kalender.
Pfingsten? - „da war doch was?!" - Ich meine jetzt nicht die große Grillparty letztes Jahr oder den tollen Fahrradausflug. Das war auch an Pfingsten, aber ich frage nach dem Ursprung dieser Feiertage. „Da war doch was?!" - richtig, da war doch was, damals, in Jerusalem.
Pfingsten - vom Wort her heißt es ganz einfach „50 Tage nach Ostern" Ok, aber das hilft noch nicht viel weiter. Da muss doch noch mehr dahinter stecken. Und richtig, es gibt ein Ereignis, das sich mit Pfingsten verbindet, und das ist der Empfang des Heiligen Geistes. Auf Anhieb auch keine erhellende Antwort. Denn, was heißt das, Empfang des Heiligen Geistes, und was ist das, der Heilige Geist. Diese sehr abstrakte Aussage kann nur mit Bildern und Vergleichen erklärt werden, übrigens auch schon in der Bibel: von „Windstoß" und „Feuerzungen" wird da berichtet.
Noch besser lässt sich das aber an den Auswirkungen ablesen, die dieser „Empfang des Heiligen Geistes" hatte.
Wie war das damals? Die Jünger, also die Männer, die zu Lebzeiten Jesu mit ihm unterwegs waren, die Jünger hatten Angst bekommen. Nachdem Jesus gefangen genommen, gefoltert und gekreuzigt wurde, hatten sie Angst um ihr Leben. Warum sollte es ihnen jetzt nicht auch so ergehen? Also hatten sie sich zurückgezogen, versteckt. Erst mal abwarten, bis sich die Lage beruhigt hat.

Und in diese Situation hinein kam der Heilige Geist, die Kraft Gottes, und erfüllte sie mit neuem Mut. Sie gingen raus in die Öffentlichkeit und redeten wieder von Jesus. Aus ängstlichen und furchtsamen Jüngern wurden mutige und streitbare Zeugen Jesu. Welch eine Veränderung! Auswirkung des Heiligen Geistes.

Diese Veränderung, diese Neubelebung, kann sich auch in unserer Zeit ereignen. Der Heilige Geist wirkt auch heute noch, in dieser Weise und mit diesen Auswirkungen.
Wenn ich mal wieder mutlos bin, angesichts dessen, was sich ereignet oder gerade auch nicht ereignet, dann bitte ich um die erneute Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Und, das habe ich so erlebt, daraufhin ändert sich die Lage: ich bekomme z.B. eine neue Sicht der Dinge und erkenne Aspekte, die ich vorher nicht sah; oder ich gehe mit neuem Schwung an die Aufgaben, die anliegen, und kann auch länger durchhalten. So wird die Kraft Gottes für mich erlebbar. Mein Pfingsten.
Feiern Sie morgen doch auch mal so Pfingsten.

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„Da war doch was!?" - Ein bisschen mulmiges Gefühl kommt dann doch auf, so abends und allein im Haus. Hab ich nun was gehört oder nicht? Abwarten, weiterhören.
Manchmal bin ich mir ganz sicher, dass ich was gehört habe, und dann gehe ich nachschauen. Sicher ist sicher!
Eine Begebenheit in der Bibel finde ich interessant und spannend dazu. Ein junger Mann lebt bei einem alten Priester. Er macht dort quasi seine Ausbildung. Samuel, so heißt der junge Mann, lernt bei Eli, dem Priester, was so alles zu tun und zu bedenken ist beim Dienst für Gott. Eines Nachts wird Samuel wach, weil er was gehört hat. „Da war doch was!?" - Ja, ganz deutlich hat er seinen Namen gehört. Das kann nur Eli sein, der ihn da rief. Also, aufstehn und nichts wie rüber zu ihm, nachfragen was er will.
Doch der ist sehr erstaunt, dass der Junge zu ihm kommt. „Nein, ich hab Dich nicht gerufen." - Verwirrt geht Samuel wieder schlafen. "Soll ich mich so getäuscht haben?" Er liegt noch eine ganze Weile wach, schläft dann aber doch wieder ein.
Und, „Da war doch was!?" - Das gleiche Spiel. Diesmal ganz deutlich. Da ruft einer seinen Namen. Also wieder, nichts wir raus und rüber zu Eli. Aber der, so behauptet er zumindest, er habe ihn nicht gerufen. Er schickt ihn wieder zurück ins Bett. Das Ganze wiederholt sich dann ein drittes Mal.
Da dämmert es Eli. Das hat er auch schon mal erlebt. Es ist Gott, der da ruft. Deswegen, so jetzt der Ratschlag an Samuel, sollte er nun darauf achten und reagieren. „Rede Herr, dein Knecht hört", so soll er beim nächsten Mal antworten.
Und dann spricht Gott mit ihm, in der Stille der Nacht, und offenbart ihm seine Gedanken und beauftragt ihn mit einer Botschaft an Eli.
Zugegeben, so akustisch hörbar habe ich die Stimme Gottes noch nicht gehört. Aber dass Gott mich meint, mir was klarmachen will, Impulse gibt und auch Aufträge, das habe ich schon erlebt. Eine Idee z.B. kommt auf, die das Problem erhellt; ein Gedanke lässt mich nicht los, etwas zu sagen oder jemanden anzurufen. Das war und ist für mich „Reden Gottes". So „spricht" er, auch heutzutage noch.
„Da war doch was!?" - Ja, gehen Sie doch einfach mal darauf ein. Mal sehn, was sich ereignet.

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„Da war doch was?!" - Trotz Grübeln komme ich einfach nicht drauf. Meine Frau sagt: „das liegt am Alter", aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter.
„Da war doch was?!" - Es fällt mir partout nicht mehr ein. Hoffentlich war es nichts Wichtiges.
Ich nehme an Sie kennen das. Ärgern nützt jetzt auch nichts. Vielleicht oder hoffentlich fällt's mir noch rechtzeitig ein.
Manchmal ist es überhaupt gut, sich zu erinnern. Wertvolle Erfahrungen gehen sonst verloren. Da kommen wir in Situationen und wissen nicht mehr weiter. Wie war das noch mal? Da gab's doch eine Lösung, einen Ausweg.
Und da sind es, oftmals die Älteren, die sich erinnern und weiterhelfen können. Mancher Betrieb kann sich glücklich schätzen, wenn er noch solche Mitarbeiter hat, die sich erinnern können. Und auch im Bereich der Familie sind Erinnerungen wichtig und wertvoll. Bis hin zu größeren Gemeinschaften und Völkern können Erinnerungen helfen.
Beim Volk Israel im AT gab es Situationen, da erinnerte sich kaum einer mehr daran, was mal war. Entweder es ging gut und alles lief glatt, dann dachte keiner mehr an die Weisungen Gottes, die das Leben bisher ausmachten. Oder, die Stimmung war am Boden, nichts ging mehr. Woher kommt Hilfe? Keiner dachte da mehr an Gott.
„Da war doch was!?" - erinnern sich glücklicherweise einige noch. In ähnlichen Situationen hat Gott doch eingegriffen, war die Hinwendung zu ihm die Hilfe. Manchmal ist es auch Gott selbst, der sein Volk daran erinnert. Oftmals tut er das durch Propheten, die in seinem Namen auftreten.
„Kehrt um" sagt z.B. der Prophet Micha. „Hört auf, andere zu unterdrücken. Sorgt für Gerechtigkeit, gerade auch gegenüber Fremden und sozial Benachteiligten. Nutzt ihre Lage nicht aus. Zahlt gerechten Lohn und beutet die Arbeiter nicht aus. Denn das ist es, was Euch kaputt macht und an den Rand des Ruins treibt."
Klingt doch sehr aktuell. In den Phasen der Geschichte, in denen das Volk Israel auf solche Erinnerungen einging, wurde es besser und lief es gut.
„Da war doch was?!" - Ja, sagt Micha, und ich zitiere: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr bei dir sucht, nämlich: das Gebotene tun, Gemeinschaftssinn lieben, und aufmerksam mitgehen mit dem Gott, der dir deinen Weg bahnt." (Micha 6,8)

Daran gilt es sich zu erinnern, eventuell auch mit Hilfe von Menschen, die das wieder zur Sprache bringen.

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„Mann, war die hoch, mindestens vier Stockwerke. Und das mitten auf der Ostsee." Mit der Fähre fuhren wir nach Schweden und ich stand oben an der Brüstung und sah in die dunkle, schwarze See. Nee, da möchte ich jetzt nicht hineinfallen. Natürlich kann ich schwimmen, aber wohin sollte man schwimmen, hier, mitten auf der Ostsee?
Vielleicht darf man sich ja gar nicht ausmalen, was passiert, wenn eine solch riesige Fähre untergeht. Aber eins ist mir ganz klar: selbst der beste Schwimmer hat keine Chance, wenn ihn nicht ein Rettungsboot aufnimmt.
So über die Reling gelehnt musste ich unweigerlich an meinen Freund denken, der auch gerade in Seenot ist. Nein, nicht auf der Ostsee, aber das Wasser steht ihm trotzdem bis zum Hals. Bei unserem letzten Treffen habe ich lange überlegt, was ich ihm sagen könnte. Er kam mir zuvor und meinte nur: "Mit Beten habe ich es schon versucht, aber das kann ich nicht."
Ganz spontan hab ich ihm geantwortet, dass mir auch oft die Worte fehlen. Er schaute mich nur groß an. Aber ganz im Ernst: Wer kann schon beten? Natürlich bin ich Pastor und kenne einige Gebete auswendig. Aber ich glaube, beim Beten gar nicht darum, für jede noch so schlimme Situation ein Gebet oder einen frommen Spruch parat zu haben.
Ich habe meinen Freund dann von dieser Fährfahrt erzählt, von meinen Überlegungen, was ich täte, wenn das Schiff unterginge. Wir waren uns einig, dass man mit Schwimmen, mitten auf der Ostsee, nicht weit kommt.
"Mit dem Beten ist es genau so", habe ich zu meinem Freund gesagt. "Was nützt es jemandem, wenn er alle möglichen Gebete kennt, wenn er sozusagen ein super Schwimmer wäre. Käme er damit ans Ufer? Und wo liegt überhaupt das nächste Ufer?
Ist es nicht mit dem Beten genau so? Wenn meine Lebensfähre untergeht, hoffe ich, mich solange über Wasser halten zu können, bis das Rettungsboot kommt und mich rauszieht.
"Aber woher weiß ich denn, dass das Rettungsboot auch kommt", meinte mein Freund. "Genau das bedeutet Glauben: Ich rechne fest mit dem Rettungsboot, weil Gott mir versprochen hat: Ich rette dich, wenn du in Seenot bist."

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Haben sie sich schon einmal hingesetzt und gesagt: Ich gehe keinen Schritt mehr weiter? Ich kenne das Gefühl, wenn gar nichts mehr geht. Dabei sollte es eigentlich nur eine kleine Wanderung werden und der Gipfel war ja auch gar nicht so weit entfernt. Genug zu trinken haben wir trotzdem mitgenommen, man kann ja nie wissen. Vier Stunden Aufstieg stand im Wanderführer.
Anfangs lief alles bestens, nur die Sonne war etwas heiß, aber wir hatten ja genug zu trinken. Aber dann wurde es richtig hart: Wir sahen den Gipfel schon, aber auf dem nächsten Kamm angekommen, lag noch ein Tal vor uns und so mussten wir zunächst erst wieder absteigen um drüben wieder aufzusteigen.
Beim ersten Mal dachte ich, das schaffst du schon, beim zweiten Mal auch noch. Aber beim dritten Mal war die Luft raus. Der Gipfel war zum Greifen nah, aber vor uns lag ein tiefes Tal und das war zu viel für mich. Richtig sauer war ich. Nein, das pack ich nicht. Und so habe ich mich hingesetzt und die anderen sind ohne mich weitergezogen.
An dieses Erlebnis muss ich denken, wenn ich mir mal wieder ganz sicher war und dann erleben muss, dass der Gipfel doch viel weiter ist. Dann wünsche ich mir manchmal jemanden, der mich auf seine Schultern nimmt und auf den Berg hoch trägt - so wie Papa und Mama früher. Könnte Gott heute nicht diese Rolle übernehmen? Könnte Gott mich nicht an mein Ziel bringt, egal wie?
Vielleicht könnte Gott das, aber er will es nicht, denn wir sind keine kleinen Kinder mehr. Kleine Kinder kann ich schnell auf die Schulter nehmen - mit Erwachsenen muss ich anders umgehen. Daher ist Gott oftmals eher wie ein guter Freund, der sich neben mich setzt, wenn ich am Boden zerstört bin. Der mich einlädt, doch erst einmal Pause zu machen. Und der mir dann neue Perspektiven aufzeigt, um mit dieser Situation umzugehen.
Von solche „Bergerlebnisse" werden wir nicht verschont. Aber ich weiß heute, dass ich nicht alles alleine lösen und schaffen muss. Und so setzte ich mich heute ganz bewusst hin und rede mit Gott. Ich erwarte nicht mehr, dass er mich auf jeden Gipfel trägt. Aber ich spüre, wie mir seine Gegenwart hilft, wieder aufzubrechen um meine und seine Ziele zu erreichen.

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Was schenkt man einer 17jährigen zum Geburtstag? Natürlich kann man immer ein neues Handy schenken, aber wenn es das nicht sein soll? Der 17. Geburtstag meiner Tochter steht an und ich will ihr etwas Sinnvolles schenken. Meine Frau sagte nur lapidar: „Ich schenke ihr was zum Anziehen". Aber mir wollte nichts einfallen, was ich ihr zum Geburtstag schenken könnte.
Also habe ich ihr zugehört. Doch, ganz im Ernst, ich habe mir viel Mühe gegeben, zu hören was sie sich wünscht und auch bewusst gefragt, was ihr denn so einfällt. Eines Mittags hat sie endlich einen Wunsch geäußert, der auch mir gut gefiel. „Ja, das passt", habe ich gedacht und auch gleich überlegt, wie ich das Geschenk besorgen könnte.
Jetzt war alles gut und der Geburtstag konnte kommen. Bis zu dem Tag, an dem meine Tochter einen ganz anderen Herzenswunsch äußerte. Ich war ganz von den Socken, und als ich vorsichtig nachfragte, was denn aus dem ersten Wunsch geworden sei, war der schon fast vergessen. Mit einem solchen Geschenk, das wurde mir schlagartig klar, hätte ich keine Begeisterung beim Geburtstag ausgelöst.
Manchmal denke ich, Gott muss es mit uns genau so ergehen. Wie oft erzählen mir Leute, sie haben Gott um etwas gebeten, aber es ist nichts passiert.
Vielleicht geht es Gott so mit uns, wie es mir mit meiner Tochter geht? Vielleicht versucht Gott auch uns genau zuzuhören. Versucht, herauszufinden, was wir denn brauchen oder uns wünschen. Aber jede Woche, so zumindest bei meiner Tochter, kommt dann ein neuer Wunsch auf.
Vielleicht denkt Gott auch manchmal: Jetzt warte ich mal ab, ob er bei diesem Wunsch bleibt? Ich glaube wirklich, dass Gott eine Person ist, die mir zuhört und die auf mich eingeht. Bei manchen Dingen, die ich mir wünsche oder für ganz wichtig halte, wird er vermutlich manchmal grinsen - so wie ich bei völlig unrealistischen Wünschen meiner Tochter.
Manchmal wird er wohl auch denken: Nein, auch wenn du davon überzeugt bist, ich werde dir diesen Wunsch sicher nicht erfüllen, denn der täte dir nicht gut. Gott hört alle unsere Gebete, aber er erfüllt nicht alle unsere Wünsche.
Leider sind viele meiner Bitten wie die Wünsche meiner Tochter: heute ganz wichtig und morgen vergessen. Vielleicht wartet Gott nur eine Weile, ob mir die Dinge auch Morgen noch wichtig sind?
Seitdem ich selber Vater bin, weiß ich aber auch, dass Eltern manchmal weiter blicken als ihre Kinder. Darum gestehe ich Gott zu, dass er anders handelt, als ich es erwarte. Aber sollte ich deshalb aufhören, ihm meine Bitten zu sagen? Nein. Und ich finde es auch gar nicht so schlimm, wenn Gott manchmal ganz anders handelt oder über meine Wünsche lächelt. Denn so wie ich meine Tochter sehr lieb habe, liebt er mich doch auch.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10811

Beten kommt von Betteln. Doch ganz im Ernst. Beten kommt von Betteln. So habe ich es letzten Sonntag gelernt. In der Kirche ging es um das Thema Gebet. Am Anfang des Gottesdienstes habe ich die Kinder gefragt, wie sie es schaffen, beim Spaziergang ein Eis von ihren Eltern zu bekommen.
„Och, da muss man nur lang genug betteln", sagte ein Junge. Klar, wenn ich etwas will, dann muss ich dran bleiben und wer ein Eis will, der sagt es seinen Eltern nicht nur einmal, sondern so lange, bis sie klein beigeben.
Das war eine klasse Zusammenfassung der folgenden Predigt, denn im Lukasevangelium sagt Jesus selbst, dass Beten viel mit Betteln zu tun hat. So erzählt er von einem Mann, der mitten in der Nacht seinen Nachbarn aus dem Bett wirft: „Ich habe überraschend Besuch bekommen", ruft er seinem Nachbarn durch die geschlossene Tür zu, „und habe nichts mehr zu Essen im Haus. Kannst du mir nicht etwas Brot leihen?"
Jesus ist davon überzeugt, dass der so aus dem Bett Gerissene gibt, was er hat - alleine schon, um wieder seine Ruhe zu haben. Und so, sagt Jesus, sollen wir zu Gott beten.
Ich finde das schon einen echten Hammer. Aber hat Jesus nicht Recht? Jedes Kind wird ihm Recht geben: Wenn ich von meinen Eltern ein Eis möchte, dann muss ich dran bleiben, dann darf ich nicht so schnell locker lassen. Nur so bekommt man sein Eis. Und wissen Sie auch, warum Kinder so hartnäckig sind? Weil sie gar nicht darüber nachdenken, ob ihre Eltern genug Geld dabei haben. Sie sind einfach davon überzeugt: Meine Mutter, mein Vater können mir ein Eis kaufen, es lohnt sich also, dran zu bleiben.
Und so sagt Jesus, sollen wir auch beten. Gott reagiert auf unsere Gebete - wenn wir dran bleiben. Entweder wir bekommen, für was wir gebetet haben, oder es geht uns, wie meinen Kindern: Als sie mich das letzte Mal angebettelt haben, hatte ich zwar genügend Geld dabei, aber die Zeit drängte und ich musste heim.
Meine Kinder ließen nicht locker - was ich ihnen auch gar nicht verübelt habe. Unter anderen Umständen hätten sie ihr Eis auch bekommen. Jetzt aber fing ich an, sie zu überreden. Ich erzählte, dass wir neues Eis im Gefrierschrank haben und dazu noch heiße Himbeeren machen könnten. Es dauerte nicht lange und sie fanden das auch eine gute Idee.
Ob Gott nicht auch oft eine bessere Idee für mein Leben hat? Mir ist jedenfalls klar geworden, dass ich bei Gott betteln darf, mit anderen Worten: dran bleiben darf. Ich falle ihm damit nicht auf den Wecker. Vielmehr zeige ich ihm damit, dass ich überzeugt bin, dass er handeln kann. Aber manchmal hat er noch eine ganz andere Idee. Und ich bin offen, ja gespannt, ob die nicht besser ist als meine.

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