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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Manche Menschen scheinen mit bedrohlichen Situationen zu wachsen.
Diese Menschen zerbrechen nicht, wenn das Schicksal zuschlägt. Sie gehen auch bei anhaltendem Stress nicht in die Knie. Psychologen gingen dieser Sache nach und kamen zu folgendem Ergebnis:
Menschen die daran glauben, dass Krisen überwunden werden können, sind überzeugt, dass sie ihre Lebensumstände beeinflussen können. Sie glauben an eine bessere Zukunft. Sie verharren nach Schicksalsschlägen nicht in der Opferrolle, sondern werden aktiv. Sie machen eine Art Bestandsaufnahme: Wie ist meine derzeitige Situation? Was habe ich noch zu verlieren? Wo stehe ich heute?
Sie suchen nach Handlungsmöglichkeiten: Was kann ich tun? Wer kann mir helfen? Welche Schritte kann ich unternehmen? Was hilft mir?
Schließlich ergreifen sie die Initiative, sie lassen sich nicht lähmen von den Schicksalsschlägen, denn sie wissen, dass ein Verharren in der Opferrolle nur schwächt. Eine gewisse Widerstandsfähigkeit ermöglicht es ihnen mit Risiken und Stress effektiv umzugehen, trotz oder gerade wegen widriger Umstände.
Aber nicht jeder verfügt über die Möglichkeit an Schwierigkeiten zu wachsen, so ein möglicher Einwand, erst recht, wenn man eben nicht von Natur aus über diese Widerstandsfähigkeit verfügt.
Doch diese Widerstandsfähigkeit ist keine Eigenschaft die Menschen zufällig besitzen, sagen die Psychologen. Manche sind von Haus aus begünstigt, andere können es aber lernen. Diese Widerstandsfähigkeit kann sogar in jedem Alter erlernt werden.
Ich bin der Überzeugung, Menschen sind keine Marionetten des Schicksals. Krisen können überwunden werden. Vielleicht haben Sie auch schon erlebt, dass extreme Stresserfahrungen in einem Menschen ungeahnte Stärken hervorrufen können.
Es gibt den Dreischritt: sehen, urteilen, handeln.
Erstens eine nüchterne, realistische Bestandsaufnahme machen.
Zweitens Handlungsmöglichkeiten ausloten und drittens aktiv werden und auf keinen Fall in der Opferrolle bleiben.
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Angst erzeugt Angst. Angst haben und Angst machen. Beides sind „Fallen“ in die einer geraten kann, der Verantwortung für andere Menschen und für eine Sache hat. Dann, wenn ängstliche Personen in Führungsämter kommen, gibt es in der Regel zwei Muster:
Entweder sie verschleppen Entscheidungen aus Angst, oder sie regieren autoritär.
Wer notwendige Entscheidungen verschleppt, hat Angst etwas falsch zu machen oder hat die Angst, jemandem wehzutun oder jemanden zu übergehen, Kollegen, Mitarbeiter oder Vorgesetzte.
Oder ängstliche Personen ergreifen die Flucht nach vorne und sind autoritär. Sie leben oft in der Angst, ihre Autorität und Macht zu verlieren. Dabei merken sie selbst nicht einmal, dass ihre geheime Antriebskraft eben diese Angst ist. Aber die anderen sehen es an den Schweißflecken unter den Achseln oder der aufkommenden Nervosität vor bestimmten Sitzungen oder Präsentationen.
Angst löst in der Regel den Selbsterhaltungstrieb aus. Jeder ist zunächst sich selbst der Nächste und versucht seine eigene Haut zu retten.
Angst als Machtmittel versucht Untergebene gefügig zu machen und sie einzuschüchtern. Das „Schmiermittel Angst“ erzeugt ein emotional schlechtes Klima.
Mit Angst geführte Menschen entfalten nicht ihr kreatives Potential, sie sind wenig motiviert und die Arbeitsleistung sinkt.
Es ist kein Lob für einen Vorgesetzten, wenn es heißt: „Er hat Angst und er macht Angst.“
Wie kann aber ein von Angst beherrschtes Arbeitsklima verbessert werden?
Vertrauen schaffen. Vertrauen schaffen durch offene Kommunikation und eine offene Fehlerkultur. Das heißt, offen ansprechen, was erwartet wird, was man befürchtet und welche Fehler man gemacht hat. Wer arbeitet macht Fehler, wer viel arbeitet macht mehr Fehler, wer gar keine Fehler macht ...na ja, der lernt es nie, dass Menschen keine Maschinen sind.
Wenn ich zu den eigenen Schwächen stehen kann und auch die Schwächen anderer zulassen kann, setzte ich einer Angstkultur etwas entgegen. Wenn ich lobe, was gut ist, und anerkenne, wo ein anderer Außergewöhnliches leistet. Es braucht Mut, Ängsten nicht zu schnell nachzugeben und es braucht Mut risikobehaftete Entscheidungen trotzdem zu treffen.
Es gibt kaum ein schöneres Lob für einen Vorgesetzten, als:
„Er hat keine Angst und er macht keine Angst, er wird weder von Angst regiert noch regiert er mit Angst.“

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Es gibt Menschen denen scheinen Schicksalsschläge nichts auszumachen. Schon nach kurzer Zeit erholen sie sich von Verlusten, Unfällen, Katastrophen und anderen negativen Erlebnissen.
Sie wachsen sogar daran! Wie lässt sich das erklären?
Wie können sich Menschen trotz widriger Umstände positiv entwickeln?
Die Psychologin Emmy Werner hat über 4 Jahrzehnte Menschen begleitet, die unter schwierigsten Bedingungen aufwuchsen. Ein Teil der Kinder entwickelte sich erstaunlich positiv. Sie waren erfolgreich in der Schule, gründeten Familien und waren in das soziale Leben eingebunden. Keiner wurde arbeitslos oder geriet mit dem Gesetz in Konflikt.
Emmy Werner nennt drei Schutzfaktoren, die diese positive Entwicklung begünstigten:
Die Kinder fanden Halt in einer stabilen Vertrauensperson, die ihnen das Gefühl vermittelte etwas Wert zu sein. Diese Vertrauensperson war oft auch außerhalb der Familie. Die Person zeigte ihnen, wie Probleme konstruktiv gelöst werden können. Zweitens wurden diese Kinder früh gefordert, mussten sie etwas leisten. Sie entwickelten Verantwortung für sich und andere. Die Sorge für kleinere Geschwister zum Beispiel konnte eine solche Aufgabe sein. Und drittens reagierten diese Kinder eher ruhig, waren weniger leicht erregbar. Trotzdem lebten sie nicht zurückgezogen, sondern gingen offen auf andere zu und bekamen sogar Respekt von Gleichaltrigen für ihr soziales Engagement.
Es sind also individuelle und soziale Faktoren, die vor einer dauerhaften Traumatisierung schützen. Wenn es einem nicht schon als Kind bereits zur Verfügung steht, kann man es offensichtlich auch später noch entwickeln.
In bedrohlichen Situationen, wenn das Schicksal zuschlägt, hilft es, wenn ich Verantwortung nicht nur für mich, sondern auch für andere übernehme. Wenn ich mit einer Freundin oder einem Freund in Beziehung trete nach dem Motto: „Suche dir einen Freund, und sei anderen ein Freund.“ In schwierigen Situationen nicht zurückgezogen leben, sondern den Kontakt zu Menschen suchen, die ihrerseits, trotzt widriger Umstände ihr Leben gut gemeistert haben. Das geht auch über Generationengrenzen hinweg. Halt finden in einer stabilen Vertrauensperson, die mir das Gefühl vermittelt etwas Wert zu sein, die mir zeigt, wie Probleme gelöst werden können. Großeltern, Paten, Onkel und Tanten. Aber diese Vertrauensperson kann auch außerhalb der Familie sein.
„Suche dir einen Freund, und sei anderen ein Freund.“
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Mit schwierigen oder bedrohlichen Situationen umzugehen ist für Menschen ganz unterschiedlich:
Manche zerbrechen und erholen sich nicht. Andere plagen sich mühsam durchs Leben. Immer wieder schaffen sie es, aber das Leben bleibt für sie eine Last. Und dann gibt es auch die, die trotz harter Rückschläge nicht aufgeben. „Stehaufmännchen“ kann man sagen.
Diese Menschen zerbrechen nicht an Schicksalsschlägen, sie wachsen sogar daran! Warum erholen sie sich relativ schnell auch nach traumatischen Erlebnissen?
Psychologen, Mediziner und Verhaltensforscher stellten fest, dass diese psychische Widerstandsfähigkeit keine Eigenschaft ist, die Menschen zufällig besitzen. Manche haben sie mit in die Wiege bekommen, andere können es lernen. Diese Widerstandsfähigkeit, sagen die Wissenschaftler, kann in jedem Alter erlernt werden.
Menschen, die an Schicksalsschlägen nicht zerbrechen, besitzen die Fähigkeit eine Langzeitperspektive einzunehmen. Sie stellen sich dem gesamten Leben. Zum Beispiel verarbeiten sie den Tod eines geliebten Menschen besser, weil sie akzeptieren, dass das Leben, dass auch ihr eigenes Leben, endlich ist. Eine Langzeitperspektive einnehmen heißt auch, an eine gerechtere Welt zu glauben, sich dafür einzusetzen. Dass auch soziale Ungerechtigkeiten keine schicksalhaften Umstände sind, sondern dass es sich lohnt für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. In der Regel machen sie dann auch die Erfahrung, dass sie von anderen Menschen dafür Unterstützung bekommen.
Diese Fähigkeit, trotz schwieriger oder bedrohlicher Situationen die Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren befähigt auch dazu, für sich selbst realistische Ziele zu entwickeln.
Unter einer Langzeitperspektive sind auch kleine Schritte Erfolgserlebnisse. Zum Beispiel auf dem Weg zum Ausbildungsziel mache ich viele kleinere Zwischenprüfungen. Eine größere Anschaffungen wird möglich, wenn ich regelmäßig kleinere Summen anspare. Eine Fremdsprache lerne ich, wenn jeden Tag ein neues Wort, eine neue Wendung dazukommt. Ein Instrument kann ich spielen, wenn ich immer wieder ein wenig übe.
Ich glaube, es hilft wirklich, wenn ich nicht mit der Erwartung dem Leben begegne, es muss jetzt und sofort alles anders und besser werden. Nur jeden Tag ein bisschen, das genügt.
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Wer seine Macht und seinen Einfluss in den Dienst eines größeren Ganzen stellt, benutzt sie als Dienst an einer guten Sache.
Ganz anders verhält es sich, wenn sich jemand zum Ziel setzt Macht auszuüben. Wer das tut beginnt sich an sie zu binden. Schnell kann es zum „Machtmissbrauch“ kommen.
Was kann ich tun, um dem zu entkommen?
Ich möchte ein paar Fragen selbstkritisch beantworten:
Geht es mir um die Sache oder um Ehre und Karriere? Kann ich sachliche Kritik annehmen oder bin ich gleich persönlich verletzt? Wie schnell bin ich gekränkt? Habe ich mich mit guten, kritischen Beratern umgeben oder kann ich nur Schmeichler in meiner Umgebung dulden? Gefallen mir Machtsymbole und Machtprivilegien? Bin ich scharf auf öffentliche Anerkennung, Titel, Auszeichnungen und Preise?
Und es lohnt sich auch darüber zu meditieren, was mich antreibt: Versuche ich allen alles recht machen zu wollen, um womöglich von allen geliebt zu werden? Versuche ich manchmal die Wahrheit zu meinen Gunsten zu verdrehen? Nutze ich Menschen aus oder benutze sie für meine eigenen ehrgeizigen Ziele? Versuche ich mein eigenes Ich zu stärken indem ich andere unterdrücke?
Wenn ich mich solchen Fragen ehrlich stelle, das verstehe ich unter „kritikfähig sein“.
Weil ich mich als von Gott geliebter Mensch grundsätzlich angenommen weiß, muss ich Kritik nicht als persönliche Kränkung sehen.
Als Christ versuche ich, die mir übertragene Verantwortung nach bestem Wissen und Gewissen wahrzunehmen. Macht ist dann die Freude am Gestalten können. Einer guten Sache dienen gibt mir die Möglichkeit, für mich und für andere etwas Wertvolles zu schaffen.
Mir anvertraute Menschen möchte ich dabei als Partner sehen, Menschen die ich in ihrer Person respektiere.
Jesus ist da eindeutig: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, wer bei euch der Erste sein will, der soll euer Diener sein. (Vgl. Matthäus 20,25-27)
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Menschen bewältigen ganz unterschiedlich ihr Leben, besonders in schwierigen und bedrohlichen Situationen:
Manche geraten völlig aus der Balance. Fangen sie sich nicht mehr. Negatives überschattet ihr Leben.
Andere werden nach einer gewissen Zeit wieder stabiler, entwickeln jedoch irgendwann Krankheiten und leben mit einem unsicheren Gefühl.
Einige scheinen immun zu sein gegen Schicksalsschläge. Schon nach kurzer Zeit erholen sie sich, bleiben körperlich und seelisch gesund. Eine Art Widerstandsfähigkeit ermöglicht es Ihnen mit Risiken und Stress besser umzugehen. Sie zerbrechen nicht an Schicksalsschlägen, wachsen sogar daran! Warum ist das so?
Wissenschaftler haben erforscht, dass es wesentlich auch davon abhängt, ob jemand soziale Kontakte pflegt oder nicht. Zum Beispiel führen verhaltensauffällige Jugendliche als Erwachsene mit 30 oder 40 Jahren dann ein erfolgreiches und gutes Leben, wenn sie sich durch Weiterbildung, durch Heirat, durch gute Freunde oder soziales Engagement von ihrem negativen Umfeld distanziert haben. Der Aufbau sozialer Kontakte stärkt das Selbstwertgefühl und wirkt als Puffer für Schicksalsschläge.
Nicht jeder hat von Haus aus ein soziales Netz, das ihn trägt. Viele fühlen sich allein gelassen und einsam. Sie fühlen sich als Marionetten ihres Schicksals und verlieren ihre psychische Widerstandsfähigkeit.
Die amerikanische Psychologenvereinigung nennt sieben Wege um diese psychische Widerstandsfähigkeit zu erhalten:
Der erste ist der Aufbau sozialer Kontakte.
Dazu kommt der Glaube, dass Krisen überwunden werden können. Als drittes soll man in größeren Zeiträumen denken und die gesamte Lebensspanne betrachten. Viertens sich realistische Ziele setzen, auf jeden Fall die Zukunft nicht aus den Augen verlieren. Fünftens die Opferrolle verlassen, aktiv werden und sechstens an die eigene Kompetenz glauben. Wer schließlich auch noch gelernt hat, für sich selbst zu sorgen, Seelenhygiene zu betreiben, der hat gute Voraussetzungen.
Das alles steht und fällt mit dem Umfeld. In jedem Alter sind wir aufgefordert, soziale Kontakte zu pflegen, um unserer selbst und um des Nächsten willen. Gemeinsam sind wir stark.
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