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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Sportlich, sportlich…sagen Nachbarn und Kollegen, kaum dass du einmal mit dem Fahrrad ins Geschäft fährst, oder dich überwindest, nach Feierabend noch die Joggingschuhe anzuziehen …
Sportlich. Sportlich…Ein bisschen spöttisch klingt das, aber auch eine Prise Anerkennung steckt darin.

Sportlich und voller Übungsgeist wirken auch einige Sätze aus der Bibel.
Sie stehen im 1. Brief, den der Apostel Paulus an die Leute in Korinth geschrieben hat. Da lesen wir:
Lauft so, dass ihr den Preis gewinnt. Alle, die an einem Wettkampf teilnehmen wollen, nehmen harte Einschränkungen auf sich (1. Kor 9, 24 – 27).

Damit will Paulus der jungen Kirche einschärfen, worauf es ankommt im Glauben oder wie man auch sagen könnte beim Unterwegssein mit Gott. Die Kirche war gerade mal 25 Jahre alt und noch im Aufbau. Paulus wollte den Christinnen und Christen Tipps geben, worauf sie beim christlichen Lebenslauf achten müssen und was ihnen helfen kann, gut ans Ziel zu kommen.

Was im Sport ganz selbstverständlich ist, das ist auch für den Glauben zu empfehlen. Ohne Training geht es nicht. Vertrauen, Beten, Verzeihen wollen geübt sein. Das klappt oft nicht auf Anhieb. Aber man kann es trainieren. Wer das will, kann vielleicht eine Art Übungsplan erstellen und folgende Fragen einbauen:
Welches Ziel möchte ich erreichen? Wie kann ich anfangen, wenn ich beten will? Wann ist die beste Zeit dafür? Wie kann ich mein Vertrauen stärken?

Und dann??
In jedem Augenblick kann ich mir vorstellen: Gott ist da für mich. Ich kann mich an ihn wenden. Mit ganz einfachen Worten, so wie mein Herz spricht. Erfahrene Menschen sagen, dass der Morgen, der Anfang des Tages, sich besonders dafür eignet. Bevor alles andere auf mich einstürmt.

Und einmal ist nicht kein Mal, sondern es ist ein guter Anfang. Der braucht aber eine Fortsetzung. Wenn ich jeden Tag mit einem kurzen Gebet beginne, dann ist das Gebet kein Himmelfahrtskommando beim absoluten Break - down, sondern es wird zu einer Einübung ins Vertrauen auf Gott - und mit der Zeit wird es zur Grundbewegung meines Lebens. So fange ich heute ganz einfach an und bete:
Danke Gott für den neuen Tag. Begleite mich. Sei mit mir auf dem Weg.
Amen
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Richtet nicht über andere. Fällt nicht vorschnell ein Urteil.
Ich weiß, das steht in der Bibel. Aber es gibt Situationen, da bin ich ganz schnell bei der Hand und suche einen Schuldigen oder eine Schuldige. Wenn etwas nicht so läuft, wie ich es erwarte oder wenn etwas schief geht, dann sind es oft zuerst einmal die anderen, denen ich die Fehler in die Schuhe schieben.

So auch neulich, morgens..
Wie es manches Mal so vorkommt. Wir sind spät. Es bleibt nicht viel Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Es muss schnell gehen. Wo ist denn der lösliche Kaffee?
Bestimmt hat Micha ihn mitgenommen. Dazu ist zu sagen, dass Michas Nacht lang und der Schlaf sehr kurz war. Und heute muss er den ganzen Tag auf einen Kurs gehen. Bestimmt hat er ihn mitgenommen, um sich wach zu halten. Kurz darauf klingelt das Telefon. Micha ist dran. Er informiert uns, dass er mit seiner Gruppe gut in Tübingen angekommen ist. Und da frage ich so ganz nebenbei: Micha, hast Du eine Ahnung, wo der lösliche Kaffee geblieben ist. Micha hat keine. Ehrlich.
Später finden wir das Kaffeeglas im Teeregal.

Sorry, möchte ich sagen. Entschuldigung, Micha. Ich hab dir Unrecht getan. Das tut mir leid.
Nicht laut. Nur so für mich. Es hat ja keiner gemerkt. Keiner…
So schnell kann es gehen mit dem Urteilen und so falsch kann ich dabei liegen.

Richtet nicht über andere. Fällt nicht vorschnell ein Urteil.
Die Bibel sagt, es ist nicht in Ordnung, dass du den Fehler zuerst bei den anderen suchst. Denn das heißt ja soviel wie - der andere ist ungeschickter, seine Aufgabe zu erledigen, oder die andere ist egoistischer, wenn der Dienstplan gemacht wird, oder er ist weniger zuverlässig, wenn es darum geht, eine Verabredung einzuhalten. Ich unterstelle dem anderen, dass er mehr Fehler macht als ich und dass Pannen öfter vorkommen als bei mir. Wie passt das zum christlichen Grundsatz, dass ich den anderen genau so lieben und wertschätzen soll wie mich selbst, dass ich ihm Gutes zutraue, weil Gott ihn genauso einmalig und kostbar geschaffen hat, wie mich selbst … Gar nicht passt das. Die Kaffeegeschichte hat mich daran erinnert.
Das hält für eine Weile.
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Da habe ich so viele Blumenvasen, aber wenn ich mit dem Strauß vor dem Schrank stehe, dann finde ich keine die passt.
Diese ist schön, aber rot passt nicht zum Lila der Astern. Vielleicht diese? Nein, die ist zu hoch - oder die - viel zu weit.
So viele Vasen – aber keine passt.
Doch jedes Mal, wenn ich sie durchsehe, erweisen mir die Vasen noch einen anderen Dienst. Sie erinnern mich. Sie helfen mir, bestimmte Menschen nicht zu vergessen, die sie mir geschenkt haben. An besondere Orte zu denken, von denen ich sie mitgebracht habe.

Diese erdfarbene haben wir von einer Töpferei aus Kreta. Sie erinnert an warme Gastfreundschaft. Der Töpfer bot uns Feigen und Aprikosen vom eigenen Garten an, bevor wir auch nur ein Stück kauften.
Und da ein kostbares Stück… Eine Tante hat sie uns geschenkt zu unserer Hochzeit. Über 20 Jahre ist es her. Sie lebt nicht mehr. Ihre Vase erinnert an sie und bewahrt etwas von ihrer herzlichen Art auf.

Manchmal, wenn ich mit einem Strauß vor den Blumenvasen stehe und gar nichts Passendes finde, dann nehme ich mir vor: Nächstens wird gründlich aussortiert. Aber dann denke ich an die Geschichte vom Feigenbaum ( Mk11). Der trägt keine Frucht. Bringt nicht, was man von ihm erwartet. Nur logisch, ihn umzuhauen. Trotzdem sagt der Gärtner: Gib ihm noch ein Jahr…das hat Jesus in einer seiner Geschichten erzählt. Gib ihm noch ein Jahr…

Warte ab, wollte Jesus damit sagen. Hab Geduld, wenn es ein bisschen dauert. Sei nicht gleich fertig mit dem anderen. Auch wenn er nicht das bringt, was du von ihm erwartest – vielleicht kann er dafür etwas anderes, mit dem er dich überrascht.

Jesus erzählt das zunächst, um für Geduld und Nachsicht zu werben. Mich aber regt die Geschichte an, mit einem anderen Blick auf die Sache zu schauen. Noch eine zweite Logik zuzulassen. Und das gilt nicht nur für Dinge, sondern vielleicht noch viel mehr für Menschen.

Zurück zu meinen Blumenvasen. Gib ihm noch ein Jahr… sagt Jesus. Nimm das entgegen, was sie dir schenken. Also nicht unbedingt eine passende Vase für die Blumen, aber eine Erinnerungshilfe an viele schöne Augenblicke, an erholsame Tage, an einen liebevollen Menschen.
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Kopf hoch Arthur, sagt die Lehrerin. Du stehst da wie ein Fragezeichen.
Arthur nimmt den Kopf hoch und die Schultern zurück. So sieht er schon weniger aus wie ein Fragezeichen. Doch an dem Vergleich ist was dran.
Der Mensch ein Fragezeichen.

Manchmal komme ich mir selbst auch so vor. Wer bin ich eigentlich? frage ich mich dann. Bin ich die, die versucht Antworten zu finden auf Fragen, die das Leben stellt? Bin ich nicht auch die, die Fragen stellt und sich Sorgen macht - und manchmal nicht weiter weiß? Bin ich die, die schon müde ist, bevor alle Aufgaben erledigt sind? Oder auch die, die noch so viel vor hat und Lust, etwas ganz Neues zu beginnen?

Der Mensch ein Fragezeichen. Einer der das Leben fragt und zugleich einer der vom Leben gefragt wird. Einer der auch von anderen Menschen gefragt und in Frage gestellt wird.
Wer bist du? Wofür lebst du? Worauf vertraust du? Was hoffst du, Mensch?

Auch an Jesus haben die Leute solche Fragen gestellt.
Wer bist du? Wo wohnst du? Wie lebst du?
Für viele war Jesus so etwas wie ein wandelndes Fragezeichen.
Jesus hat geantwortet mit seinem Leben. Mit dem, was er für andere getan hat, und mit dem, was er von Gott erzählt hat. Seine Antworten laden Menschen ein: Ihr könnt Gott vertrauen. Er sagt ja zu euch und liebt euch – ohne jede Gegenleistung. Auch wenn ihr nicht bringt, was andere oder ihr selbst von euch erwarten.

Nicht immer kann ich mit den Antworten etwas anfangen, die Jesus gegeben hat. Oft habe ich viel mehr Fragen als Antworten. Dann lasse ich mir den Rat gefallen:
Lebe mit deinen Fragen ohne Angst …vielleicht lebst du dann eines Tages langsam in die Antwort hinein.
In die Antwort hinein leben, das möchte ich heute Morgen so übersetzen:
Weitergehen und vertrauen, auch wenn ich nicht immer eine Antwort auf meine Fragen weiß, ich verlass mich darauf, dass ich soviel über meinen Weg erfahre, wie ich wissen muss für den nächsten Schritt.
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Das pack ich nicht allein. Das wird mir einfach zu viel, sagt er.
Zu viel für mich alleine – das kennen Sie vielleicht auch. Wenn die Küche gestrichen werden muss, oder wenn viele Kuchen zu backen sind für einen runden Geburtstag.

Vielleicht kennen Sie aber auch das andere: Das, was du allein nicht schaffst, das schaffen wir zu zweit. Es gibt ein Lied, in dem es so heißt.
Wahrscheinlich könnten Sie jetzt Ihre Beispiele bringen, wie gut das läuft zu zweit oder zu dritt, wo man vorher denkt: das pack ich nicht. Das wird mir einfach zu viel.
Zu zweit - oder vereint, so kann dann der Ausweg heißen.

Dazu gibt es eine Geschichte in der Bibel (Ex4).
Mose bekommt von Gott einen Auftrag. Er soll das unterdrückte Volk Israel in die Freiheit führen. Heraus aus Ägypten, aus der Sklaverei ins gelobte Land.
Das ist nun wirklich ein Ding. Kein Wunder, dass Mose abwehrt. Nicht nur eine Ausrede hat er parat. Die Aufgabe ist mir zu groß. Meine Erfahrung reicht dafür nicht aus und reden kann ich schon gar nicht. So versucht Mose, den Auftrag los zu werden.

Aber Gott lässt sich nicht abwimmeln. Er hält fest an seinem Plan und - er hält fest an seinem Mann, Mose.
Aber beeinflussen lässt sich Gott schon. Er versteht, dass Mose sich überfordert fühlt. Da bleibt er nicht hart, er lässt mit sich reden. Er kennt noch einen, den nimmt er ins Boot. Aaron. Von ihm heißt es: der wird Mose entgegen kommen. Nicht nur auf dem Weg, sondern auch mit seinen Stärken und Begabungen, mit dem was er kann und weiß. Die große Last wird auf zwei Schultern verteilt.
Aaron wird dich unterstützen, verspricht Gott, so dass deine Aufgabe gelingt.

Und dann steht da (Ex 4,12) noch in dieser Geschichte: der wird sich freuen. Also nicht Rivalität, Konkurrenzkampf und Ellenbogen, sondern Freude und Offenheit bestimmen diese Zusammenarbeit. Und - so habe ich neulich im Wirtschaftsteil meiner Zeitung gelesen - genau das ist nötig, wenn es in Zukunft zu nachhaltigen Lösungen kommen soll.

Auf Dauer kann so eine Zusammenarbeit nur gehen, wenn für beide Seiten etwas Gutes herauskommt. Win - win - Situation sagen wir heute dazu. Ich glaube Mose und Aaron sind ein gutes Beispiel dafür. Das möchte Schule machen. Wo es für mich alleine einfach zu viel ist, da möchte ich offen sein. Vielleicht hat Gott schon eine Partnerin oder einen Partner für mich ausgeguckt, die ich nur noch entdecken muss. Zusammen könnten wir dann wahrscheinlich gut schaffen, was für mich alleine zu viel wäre.
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Woher hat er das nur - bei uns in der Familie bekommt sonst keiner einen richtigen Ton raus. Das habe ich eine Mutter stolz über ihren Jüngsten sagen hören. Der singt im Kinderchor das Solo.

Woher hat er das? Das war eine Frage, die Menschen auch bei Jesus immer wieder stellten (Mk 6,2). Vor allem dann, wenn sie Dinge erlebten, auf die sie sich keinen Reim machen konnten. Wenn Jesus, der junge Mann aus der Nachbarschaft, eine Frau heilt, die jahrelang krank war und sich schon selbst aufgegeben hatte. Wenn er so mit einem Mann spricht, dass der wieder Mut bekommt und ein anderes Leben beginnt.

Woher hat er das - der Sohn von Maria und Josef, dem Zimmermann. Seine Eltern einfache Leute. Auf dem Lande wächst er auf. Er lernt das Handwerk des Vaters. Das war damals so üblich. Und dann erleben seine Freunde, seine Nachbarn und seine Geschwister, dass er so anders ist als die anderen, irgendwie besonders.
Was sie von ihm sehen, ist viel mehr als das, was man erwarten kann.
Was sie von ihm hören, klingt ganz anders als das, was sonst daheim in den Familien und auf den Plätzen gesprochen wird.
Das lässt sie fragen: woher hat er das?

Und ohne falsche Bescheidenheit sagt Jesus, woher er das hat.
Er ist sich bewusst: das hat er von seinem Vater im Himmel. Das kommt aus seiner Verbindung zu Gott.
Das verstehe ich so: wir Menschen sind nicht allein festgelegt durch die Familie, in die wir hineingeboren werden. Wir sind nicht nur geprägt von dem Ort, an dem wir aufgewachsen sind.
Da ist noch eine andere Kraft, die mich prägt, die ihre Wirkung in mir entfaltet oder mich persönlich weiterkommen lässt.
Da ist noch ein anderes Wort, Gottes Wort, das mich herausruft aus eingefahrenen Bahnen. Eine Einladung, so zu werden, wie Gott mich gedacht hat.

Bestimmt kennen Sie ein Beispiel, wo ein Mensch sich entfaltet und etwas wird, was mit seinem Herkommen nicht zu erklären ist. Ja, vielleicht entdecken Sie auch bei sich selbst das eine oder andere, das Sie staunen lässt über Gottes Kreativität und sein Wirken in Ihrem ganz normalen Leben.
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