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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Bloß keine Zeit verschwenden. Zeit ist Geld, Zeit ist kostbar. Eigentlich hat man immer zuwenig davon. Deshalb muss man sparsam mit seiner Zeit umgehen, damit man alles schafft, was man sich vorgenommen hat.
Genau das hat sich auch ein Mann gedacht, von dem die Bibel erzählt. Ein erfolgreicher Mann war das. Sicher hatte er viel gearbeitet und jetzt hatten seine Felder guten Ertrag gebracht. Jetzt hatte er alles, was man zum Leben braucht. Jetzt hätte er das Leben genießen können. Aber dazu konnte er sich die Zeit nicht nehmen. Zuerst musste er dafür sorgen, dass nichts verdirbt. Neue Scheunen bauen, das Erarbeitete investieren, es gut anlegen. Jetzt die Chancen ergreifen, die sich aufgetan haben. Später, wenn alles vergessen ist, was man geleistet hat, dann ist es zu spät. Also wollte der Mann keine Zeit verschwenden. Ich will neue Scheunen bauen, damit ich meine Ernte einlagern kann und nichts verloren geht, sagte sich der Mann. Und dann will ich das Leben genießen, dann mich ausruhen, dann will ich essen und trinken und das Leben genießen. Und das Ende vom Lied? Die Bibel erzählt, noch in derselben Nacht würde er sterben müssen.
Was für eine traurige Geschichte. Ich denke an die vielen, die sich sagen: jetzt habe ich keine Zeit. Aber später, wenn ich im Ruhestand bin, dann wollen wir das Leben genießen. Ich denke an mich selbst: wie oft habe ich meinen Kindern gesagt: jetzt habe ich keine Zeit und sie auf später vertröstet. Später war dann meistens schon wieder was anderes los. Und jetzt sind sie erwachsen. Jetzt will keiner mehr mit mir ins Schwimmbad gehen oder vorgelesen kriegen. Man kann Zeit nicht sparen, so, dass man nachher mehr vom Leben hat. Die Zeit geht vorbei.
Die Geschichte von dem erfolgreichen Mann, der keine Zeit verschwenden wollte, hat Jesus erzählt. Und ich meine, er wollte damit erinnern: Wer Zeit verschwendet hat mehr vom Leben. Wer sich spontan auf die Gelegenheit einlässt, die sich bietet – der hat mehr vom Leben. Das geht nicht immer, natürlich, oft gibt es ja andere, die sich darauf verlassen, dass ich zuverlässig meine Zusagen einhalte. Aber es geht öfter, als man denkt. Sicher: manchmal muss man hinterher sich ein bisschen mehr ins Zeug legen. Aber das fällt einem leichter, wenn man entspannt ist und ausgeruht. Dann weiß man, woher der Stress jetzt kommt und dass es sich lohnt.
Heute ist Samstag. Da kann man ganz viel erledigen. Und wenn man sich beeilt, kann man sogar noch mehr erledigen. Dann wird der Tag heute abend vorbei sein und Sie und ich zu müde, um uns noch irgendwas Nettes vorzunehmen.
Vielleicht sollten wir mit dem Zeit verschwenden anfangen. Nicht irgendwann später. Sondern jetzt.
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Verschwendung ist das Motto der diesjährigen Fastenaktion 7 Wochen ohne, die in dieser Woche begonnen hat. Fasten und Verschwendung, das scheint auf den ersten Blick gar nicht zusammen zu passen.
Andererseits: Fasten heißt ja, wegzulassen, was dem Leben schadet – Kalorien, Süßigkeiten, Alkohol, Zigaretten, Fernsehen… Jeder hat das was anderes im Blick. Und 7 Wochen ohne will jetzt aufmerksam machen: Geiz schadet auch. Wenn ich meine Blumen allzu sparsam gieße und dünge, dann verkümmern sie. Wenn ich für nichts Zeit übrig habe, dann kommt bald gar nichts mehr zustande. Wenn Arbeitgeber mit sozialen Leistungen geizen, dann verkümmert Leben. Aber wenn jemand freundlich zu mir ist aus heiterem Himmel – dann lebe ich auf. Wenn jemand etwas für mich tut und ich hatte nicht mal darum gebeten – dann wird mein Tag heller.
Wo Menschen das scheinbar unvernünftige tun, da wächst das Leben. Da macht das Leben Freude. Die Bibel ist voll von Geschichten über großzügige Menschen und ihre Verschwendung. Denken Sie an den Vater, der seinen Sohn erwartet, der auf Abwege geraten ist. Als er endlich zurück kommt, richtet er ein Fest aus, schenkt ihm ein neues Gewand und einen Ring. Verdient hat der Sohn das nicht, aber ich kann mir vorstellen, wie er sich willkommen fühlt und geliebt. Und wie es ihm dann leichter fällt, ein neues Leben anzufangen.
Oder die Frau, die Jesus zur Erfrischung ein kostbares Körperöl schenkt. Was für eine Verschwendung! schimpfen die Umstehenden – wie unnötig. Mit dem Geld hätte man was Vernünftigeres tun können. Aber Jesus hat das gut getan. „Sie hat gesehen, wie es mir geht und was ich brauche. Sie hat genau das richtige getan. Das wird nicht vergessen werden“, hat er gesagt.
Oder denken sie an den Mann, der auf seinem Weg einen Verletzten liegen sieht. Auch von dem erzählt die Bibel. Zwei waren schon vorbei gegangen, die hatten keine Zeit. Aber deser Dritte nimmt sie sich. Wahrscheinlich hatte auch er eigentlich was anderes vor. Aber er hält an, kümmert sich um den Verletzten, sorgt für ihn, bis andere das übernehmen.
Ob die drei von denen die Bibel erzählt, sich gefragt haben, ob das vernünftig ist, was sie tun? Ob der andere das verdient hat? Ob sie sich das leisten können? Ob es sich für sie lohnen wird? Ob sie sich nachher geärgert haben, weil sie so großzügig waren?
Ich glaube eigentlich nicht. Denn wenn man sieht, wie andere wieder auf die Beine kommen und zu leben anfangen – das tut einem auch selber gut. Finden Sie nicht? Probieren sie es doch mal. Seien sie großzügig. Verschwenden Sie, damit das Leben aufblüht.
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Verschwendung! Heißt in diesem Jahr das Motto der Fastenaktion 7-Wochen ohne. Gestern hat sie angefangen. „Verschwendung“?? Da ist man zunächst irritiert. Fasten, heißt das nicht eher: weniger von allem?? Weniger Kalorien, weniger Süßigkeiten vielleicht, weniger Alkohol, weniger Fernsehen oder weniger am Computer?? Weniger von dem also, was mein Leben so voll stopft, dass ich für nichts mehr wirklich Zeit und zu nichts anderem mehr Lust habe?
Rund 2 Millionen Menschen versuchen jedes Jahr von Aschermittwoch bis Ostern anders zu leben. Anders als normal. Sie versuchen zu lassen, was das Leben behindert und einengt. Sie versuchen zu entdecken, was das Leben gedeihen lässt, dass es reicher, lebendiger, lebenswerter werden kann. Sie versuchen, neue Lebensfreude zu entdecken, indem sie lassen, was einsam macht und das Leben einschränkt.
Das versuchen sie in diesem Jahr mit „Verschwendung!“ genauer mit 7-Wochen-ohne Geiz. Denn das ist ja wahr: Wo Menschen geizig sind, kann das Leben nicht gedeihen. Da bleibt alles ärmlich und sparsam und mickrig. Wo man geizig ist, da kann nichts wachsen, da verkümmert das Leben. Armselig ist es, wo einer nichts geben mag. Oder meint, nichts geben zu können. Dabei muss man nicht bloß ans Geld denken. Damit kann in der Tat nicht jeder großzügig umgehen. Wobei ich manchmal erstaunt bin, wie großzügig die sind, die gar nicht viel haben. Und wie sparsam die Wohlhabenden, die fürchten, dass sie etwas verlieren könnten.
Aber 7 Wochen ohne Geiz denkt nicht bloß ans Geld. Geizen tun viele auch mit der Zeit, die sie angeblich nicht übrig haben; manche sind allzu sparsam mit guten Worten, die einem so wohl tun würden; manche denken, mir wird auch nichts geschenkt und lassen jede Freundlichkeit bleiben.
So aber droht unserer Welt eine soziale Klimakatastrophe – die Eiszeit kalter Berechnung. Was bringt es mir? Was habe ich davon, was kriege ich dafür, was nützt es? Wo so gefragt wird, da verkümmert das Leben. Denn da gibt niemand mehr etwas, damit das Leben gedeihen kann.
Deshalb: Versuchen sie es mal mit Verschwendung! Seien Sie einfach freundlich. Seien sie großzügig. Rufen Sie an, obwohl der andere sich nie meldet. Sie werden sehen, wie gut das tut. Geben Sie Geld für eine gute Sache. Wenn alle fragen: Lohnt sich das überhaupt, dann wird man nie merken, ob etwas daraus wird. Schenken sie Ihre Gesellschaft einem, der Sie braucht. Genießen Sie selber Stunden, von denen sie eigentlich meinen, Sie könnten sich das nicht leisten.
Fangen Sie an zu verschwenden! Sie werden sehen – die Welt wird sich verändern. Leben fängt an zu wachsen.
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Man muss aus sich herausgehen, wenn man es mit sich selber nicht mehr aushalten kann. Manchmal kommt einem das eigene Leben ja irgendwie verstaubt vor und wie erstarrt. Am besten man rührt sich nicht, damit nichts abblättert und abbröckelt. Dann könnte man womöglich sehen, dass da so einiges nicht mehr in Ordnung ist. Deshalb hält man lieber still und tut so, als wäre alles bestens. Wenn das nicht mehr auszuhalten ist, dann muss man aus sich herausgehen.
Für manche reicht es, zwei Stunden durch den Wald zu joggen, oder sich im Fitnessstudio ordentlich abzuarbeiten. Anderen tut ein netter Abend in der Stadt gut, und manche brauchen die tollen Tage in der Fasnet, um mal richtig aus sich heraus zu gehen.
Da kommt was in Bewegung, da fällt von mir ab, was sich verhärtet hat und schon ganz verkrustet ist. Ich komme in Bewegung – in den Beinen, im Kopf, im Herzen, und ich fühle mich anders, neu, lebendig. Man muss manchmal aus sich herausgehen, um wieder zu sich selber zu kommen.
Bloß: manchmal geht man dabei zu weit und verliert das Ziel und den Weg aus den Augen. Oder man verliert die aus den Augen, die einen brauchen. Dann ist das Erschrecken groß und die Enttäuschung auch. Wer zu weit gegangen ist, stürzt dann leicht ab. Man entkommt sich nicht so leicht. Dann muss man umkehren, versuchen, wieder gut zu machen, was passiert ist. Um Verzeihung bitten bei denen, die man verletzt hat. Einen anderen, einen besseren Weg suchen, auf dem man sich nicht wieder verfehlt. Meistens wird es dann wieder gut, Gott sei Dank.
Für solche Erfahrungen steht der Aschermittwoch. Mit seinem Aschenkreuz erinnert aber auch an Jesus Christus. Gottes Sohn, der Mensch geworden ist, damit wir sehen können: wir sind Söhne und Töchter Gottes. Seine geliebten Kinder. Gott selbst ist gewissermaßen aus sich herausgegangen, damit ich begreife: Ich muss nicht weglaufen und alles hinter mir lassen. Wenn ich es mit mir selber nicht mehr aushalten kann, dann kann ich mich an ihn wenden. Ihm kann ich sagen, wie unerträglich mir mein Leben geworden ist. Wie gern ich es anders hätte. Wie dringend ich Bewegung brauche und am liebsten einen neuen Anfang. Und ich bin sicher: er wird Wege finden und mir Wege zeigen. Er hat so vielen gezeigt, wie es anders und besser werden kann. Warum nicht auch mir?
Ich glaube, dass es gut ist, Rat zu suchen und mit anderen darüber zu reden, wenn es nicht bleiben kann, wie es ist. Weglaufen ist keine Lösung. Aber aus sich herausgehen hilft, wenn man ein anderer Mensch werden will. Versuchen Sie es! Gott wird sie dabei begleiten.
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Lebensfreude ist lebenswichtig. Wer keine Freude am Leben hat, der wird irgendwann lebensmüde. Oder er lässt sich auf gefährliche Abenteuer ein. Wer keine Freude am Leben hat, dem liegt nichts am eigenen Leben und der nimmt keine Rücksicht auf das Leben anderer.
Deshalb ist Lebensfreude lebenswichtig. Natürlich sind da, wie auch sonst, die Geschmäcker verschieden. Die einen mögen die lärmende Ausgelassenheit dieser tollen Tage und freuen sich das ganze Jahr darauf. So wie andere sich auf ein paar stille Tage zu zweit beim Wandern freuen oder auf den Besuch der Enkel. Was einem Freude macht, das ist verschieden. Aber für alle gilt: Nur wer Freude am Leben hat lebt gern.
Keine Wunder deshalb, dass Gott den Menschen Freude wünscht. „Siehe, ich verkündige euch große Freude!“ ist die Botschaft des Engels in der Weihnachtsgeschichte. Gott will, dass Menschen keine Angst haben müssen. Niemand soll sich verlassen fühlen von Gott und der Welt. Die Menschen sollen so miteinander umgehen, dass das Leben Freude macht. Deshalb ist Jesus zur Welt gekommen. Deshalb ist Freude, Lebensfreude ein christlicher Wert. Ein paarmal ist in der Bibel sogar von „vollkommener Freude“ (Joh 15, 11) die Rede. Wer sich an Jesus und seinen Geboten orientiert, der wird vollkommene Freude haben.
Aber natürlich: Das Leben ist kein Ponyhof – es gibt vieles, dass einem die Lebensfreude kaputt machen könnte. Lebensfreude muss man manchmal ausdrücklich suchen. „Geh aus mein Herz und Suche Freud“ ermuntert sich selber ein Liederdichter, der schlimme Zeiten erleben musste. Manchmal muss man sich einen kleinen Schubs geben, bewußt rausgehen und die Freude suchen. Beim Fasnetumzug oder beim Wandern oder im Cafe mit Schwarzwälder Kirschtorte und Freundinnen oder auf dem Fußballplatz – je nach Geschmack. Aus sich herausgehen – wie die Narren in der Fasnet – damit man nicht in der eigenen Freudlosigkeit stecken bleibt. Und manchmal gelingt es einem ja auch, einem anderen Freude zu machen. Indem man ihm zeigt, dass man an ihn gedacht hat. Indem man ein paar Stunden gemeinsam verbringt. Indem man nachfragt, sich kümmert, wenn der andere es schwer hat, sich zu freuen. Das ist eine wunderbare Gabe, wenn Menschen das können: anderen Freude machen.Wenn es gelingt freut man sich auch selbst. Und das, glaube ich, das ist die vollkommene Freude, von der die Bibel redet.
Freude bewußt suchen und anderen Freude machen: beides ist lebensnotwendig. Weil Freude lebenswichtig ist.
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Am Rosenmontag ist die Welt voller Prinzessinnen und Clowns, voller Cowboys und Hexen. Große und kleine Narren verkleiden sich. Wer kann und mag, schlüpft in eine andere Rolle. Und dann sieht man die Welt mit anderen Augen. „Mir gefällt das nicht, dass die kleinen Kinder Angst vor mir haben!“ habe ich einen auch noch ziemlich kleinen Cowboy sagen hören. Von außen betrachtet, hatten ihm die Cowboys gefallen. So cool und mutig wollte er auch sein. Und nachher sah alles ganz anders aus. Wahrscheinlich waren sogar ihm selber seine Pistolen zu laut. Im nächsten Jahr wollte er lieber Gärtner sein. Wie das ist, wenn andere Angst vor ihm haben – ohne den Rollentausch in der Fasnet hätte er das nicht erfahren.
Die Prinzessin erlebt, dass man ganz schön friert in dem schönen Kleid und wie mühsam es ist, aufzupassen, dass nichts kaputt geht. Der Clown merkt, wie das ist, wenn jeder sich freut, wenn er einen sieht. Er merkt auch, dass man dauernd über die eigenen Füße stolpert, weil einem die Schuhe zu groß sind, in denen man gehen muss.
Man sieht die Welt mit anderen Augen, wenn man in eine andere Rolle schlüpft, auch im richtigen Leben. Wer das kann, wird nicht mehr ärgerlich über andere den Kopf schütteln: wie kann man nur? Wer die Welt mit den Augen der anderen sieht, der erkennt, dass den anderen was fehlt und was ihnen fehlt.Auf einmal begreift man, warum die wütend werden und immer gleich zuschlagen, die nie eine Chance haben nach oben zu kommen. Man versteht, warum die Mama sauer ist, wenn sie zum 100sten mal beiseite räumen muss, was die anderen einfach liegen gelassen haben. Nur, wenn ich weiß, wie empfindlich der andere an einer bestimmten Stelle ist, kann ich begreifen, warum er so ängstlich reagiert.
In eine andere Rolle schlüpfen und spüren, wie man sich dann fühlt: Im richtigen Leben ist das nicht so einfach wie in der Fasnet. Aber vielleicht kann man versuchen, ein bisschen genauer hinzusehen. Auch im normalen Leben. Nicht bloß sehen, wie cool es wirkt, wenn ich so martialisch auftrete wie John Wayne. Sondern auch begreifen, wie es sich anfühlt, dass andere Angst kriegen, wenn ich komme. Nicht bloß sehen, wie unmöglich der andere ist und wie unmöglich er sich verhält. Sondern sehen, was ihm fehlt. Und was man tun kann, damit es ihm besser geht. Jesus hat das gekonnt. Er hat gesehen, was den Menschen fehlt, nicht bloß, was sie falsch machen. Er hat gesehen, was sie brauchen, damit sie anders werden können. Sein Geist kann dazu helfen, Menschen neu zu sehen. Als Kinder Gottes.
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Die Narren sind los. In vielen Städten und Dörfern sind heute die Umzüge unterwegs. Die Narren stellen die Verhältnisse und die Verhaltensweisen des Alltags auf den Kopf. Zehntausende sind unter dem Motto „S’goht dagegen!“ für ein paar Stunden nicht ganz normal. Man singt auf der Straße. Man lacht mit denen, die man sonst kaum anzusprechen wagt. Man lacht über Dinge, die man sonst lieber beschweigt – und manchmal wird klar: Das ist wirklich zum Lachen und das werden wir ändern.
Die Verhältnisse und die Verhaltensweisen, die wir uns angewöhnt haben auf den Kopf stellen – im Grunde ist das ganz christlich. „Wir sind Narren um Christi Willen“ (1. Kor 4,7) hat der Apostel Paulus über sich und seine Mitarbeiter geschrieben. Wir lassen uns auslachen, weil wir ernst nehmen, was Jesus Christus gesagt und getan hat. Wir könnten es auch anders haben. Wir könnten still sein, darauf hinweisen, dass die Zeiten sich geändert haben. Wir könnten uns aus der Affaire ziehen und sagen: Glauben ist Privatsache und auch nur fürs Privatleben geeignet und da geht er ja dann keinen was an. Aber wir glauben eben nach wie vor, der Himmel ist ganz nah, wenn Menschen so leben, wie Jesus es gezeigt hat. Und wir lassen uns auslachen von denen, die sagen: Wisst ihr denn nicht, wie das zu Ende gegangen ist? Aufgeknüpft haben sie diesen Jesus, zum Gespött ist er geworden. Und wer sich an den hält, der ist das auch: ein Narr.
Von Jesus selber haben die Leute das ja auch gesagt. Sogar seine Familie. Als es denen zu bunt wurde, wollten sie ihn aus dem Verkehr ziehen, erzählt die Bibel. Da standen seine Mutter und seine Brüder eines Tages vor der Tür. „Er ist von Sinnen!“ haben sie gesagt und wollten ihn nach Hause zurückholen. Und verrückte Ideen hat er ja wirklich gehabt. Hört auf mit dem, was die meisten für normal und ganz richtig halten, hat er gesagt. Vergeltet nicht Gleiches mit Gleichem, schon gar nicht Böses mit Bösem. Dabei ist das doch eigentlich normal: Wenn einer mich schlägt, dann schlage ich zurück. Wenn einer mich im Stich lässt, dann kann er auf mich auch nicht mehr rechnen. Ganz normal ist das, ganz alltäglich. Manche sagen auch, das ist vernünftig so – wo kämen wir denn sonst hin.
Aber Jesus hat gesagt: So macht ihr euch gegenseitig das Leben zur Hölle. So tut ihr euch bloß immer mehr weh.
Wenn Sie heute die Pappnase aufsetzen, dann merken Sie vielleicht, wie das Leben leichter wird, wenn man sich zum Narren macht. Genauso ist das mit der närrischen Lebensweise, die man von Jesus lernen kann. Vielleicht versuchen Sie es ja mal, nach den tollen Tagen.
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