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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Gott gebe euch Frieden“. Mit dieser Bitte endet eigentlich jeder Gottesdienst. Eine wichtige Bitte, finde ich, mit der die Gottesdienstbesucher in die neue Woche, in den Alltag entlassen werden.
Mit dem Frieden ist es ja so ähnlich wie mit der Gesundheit: Man hält ihn für selbstverständlich, aber wenn er nicht mehr da ist, weiß man wie kostbar er war. Friede ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts, könnte man sagen.
Dass in Deutschland seit über 60 Jahre Frieden herrscht, ist ein entscheidender Grund, warum es uns so gut geht. Friede ermöglicht Wohlstand, Kultur und Bildung. Und Frieden ist nicht nur im Großen wichtig sondern auch im Kleinen: an meinem Arbeitsplatz, in meinem Freundeskreis, in meiner Nachbarschaft, in meiner Familie. Streit mit Kollegen, Streit ums Erbe, Streit darum, wer das Laub an der Grundstücksgrenze wegräumen muss, das stresst und kann sogar krank machen.
Die Bitte um Frieden am Ende jedes Gottesdienstes meint aber noch mehr. Manchmal sagt die Pfarrerin oder der Pfarrer deshalb: „Gott gebe euch seinen Frieden“. Der Friede Gottes, hebräisch „Schalom“, meint nämlich mehr als die Abwesenheit von Krieg und Streit - obwohl das ja schon eine Menge ist. „Schalom“ das meint: Leben satt. Ein erfülltes, zufriedenes, glückliches Leben, dem es an nichts fehlt. Friede gehört dazu, aber noch mehr: Leben im Überfluss, könnte man sagen, Leben ohne Mangel. Christen glauben, dass dieser umfassende Friede dann da ist, wenn Jesus Christus wiederkommen wird. „Christus ist unser Friede“ (Epheser 2,14), schreibt der Apostel Paulus in einem seiner Briefe.
Das hört sich utopisch an. Eine illusorische Hoffnung? Ich glaube nicht, dass das nur eine fromme Illusion ist. Wer Jesus Christus kennen lernt, traut ihm das zu. Ich jedenfalls tue das. Denn von dem Frieden, den er schenkt, gibt er schon hier und jetzt einen Vorgeschmack. Der Liederdichter Paul Gerhard, der im dreißigjährigen Krieg gelebt und viel Leid erfahren hat, dichtete in einem Lied, das an Jesus gerichtet ist: „Du füllst des Lebens Mangel aus“. Es gibt eine Menge Unfrieden und Mangel auch in meinem Leben. Aber wenn ich Jesus begegne – also, wenn ich z.B. bete, wenn ich in der Bibel lese oder im Gottesdienst bin - dann erfüllt mich seine Nähe manchmal mit einer großen Zufriedenheit, Ruhe und Freude. Das ist dann so ein Vorgeschmack auf den Frieden, den Schalom, den Gott gibt.

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„Wo immer du hingehst – habe allzeit Gott vor Augen; und wo immer du dich niederlässt – verlass diesen Ort nicht gleich wieder“.
Das hat ein Mönch gesagt. Er hieß Antonius und lebte vor langer Zeit in Ägypten, einsam in der Wüste. Er starb im Jahr 356 nach Christus und wurde 105 Jahre alt. Viele Menschen sind damals zu ihm gekommen, weil sie von ihm einen guten Rat für ihr Leben haben wollten.
„Wo immer du dich niederlässt – verlass diesen Ort nicht gleich wieder“, sagt Antonius. - Warum findet er das Bleiben an einem Ort so wichtig? Vielleicht, weil Menschen Heimat brauchen. Und Heimat braucht Zeit. Nach einem Umzug braucht es Zeit, bis alles an seinem Ort ist, bis die letzten Bilder und Lampen hängen und die letzten Kisten ausgeräumt sind. Und es braucht erst recht Zeit, bis man neue Kontakte geknüpft, neue Freundschaften geschlossen hat und sich zu Hause fühlt.
Ich denke, dass Antonius es auch noch aus einem anderen Grund wichtig findet, nicht gleich wieder aufzubrechen: Wer dauernd weiter zieht, der hat immer schon das im Blick, was kommt, der lässt sich gar nicht richtig ein auf das Hier und Jetzt, der lebt immer schon in der Zukunft, der ist nie wirklich in der Gegenwart. Das Bleiben an einem Ort, in einer Beziehung in einem Beruf schützt vor einem rastlosen und heimatlosen Leben.
Aber das Bleiben ist ganz schön schwierig, besonders für uns Menschen am Anfang des 21. Jahrhunderts. Es wird uns nicht leicht gemacht. Manch einer würde gerne länger an einem Ort wohnen bleiben, aber die Firma versetzt ihn von einer Stadt in die nächste. Manch einer würde gern sein Leben lang im gleichen Betrieb arbeiten, aber wie denn, wenn er nur immer befristete Arbeitsverträge bekommt? Manch einer würde gern mit seinem Partner ein Leben lang zusammenbleiben, aber was ist, wenn der Partner nicht bleiben will?
Ich denke, weil das Bleiben vielen Manchen heute oft schwer gemacht wird, ist der erste Ratschlag, den Antonius gibt, umso wichtiger: „Wo immer du hingehst – habe allzeit Gott vor Augen“. Das bedeutet: Gott ist da und geht mit mir, auch wenn ich Vieles aufgeben muss und sich manches verändert. Wenn ich nicht bleiben kann, bleibt Gott doch bei mir. Wenn mir das heimisch werden schwer gemacht wird, ist Gott so etwas wie eine Heimat für mich. Gott war von Anfang an einer der mit geht mit den Menschen. Das hat als erster der Nomade Abraham erfahren. In der Bibel wird er der „Vater des Glaubens“ genannt. Gott lädt auch uns moderne Nomaden ein, dieselbe Erfahrung zu machen.
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Wie kann ich den Weg im Leben finden, der zu mir passt? Was hilft mir, so zu werden, dass ich zufrieden mit mir sein kann? Ein Vorbild vielleicht?
Er ist schlank, sportlich, gesund, gut gelaunt, freundlich, warmherzig, hilfsbereit, erfolgreich im Beruf, er führt eine Traum-Ehe und hat reizende Kinder. – Kennen Sie den? Ich nicht. Ich glaube, es gibt ihn auch gar nicht. Trotzdem geistern solche oder ähnliche Bilder vom idealen Mann oder der idealen Frau durch die Köpfe vieler Menschen. Mir geht es jedenfalls manchmal so. Aber ich glaube, dass es nicht sehr hilfreich ist, wenn ich mich an solchen Idealbildern orientiere.
Einen Weg zu finden, der zu mir passt, das kann ich vor allem von Menschen lernen, die auf den ersten Blick weit weg von so einem Idealbild sind, aber trotzdem ihren eigenen Weg durchs Leben gefunden haben.
Einer dieser Menschen ist der Sänger Thomas Quasthoff. Er hat eine wunderbare Stimme und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. Kunstlieder und Opern sind eigentlich seine Welt, aber gerade sorgt er mit einer Jazz-Platte für Aufsehen. Nur ganz wenige Sänger haben eine so weite stilistische Bandbreite.
Wenn man Thomas Quasthoff hört, ahnt man nicht, dass dieser Mann mit der großen Stimme nur 1,32 m klein ist und keine Arme, sondern nur Hände hat. Das Medikament Contergan hat seine körperliche Entwicklung im Mutterleib behindert. Wegen seiner Behinderung wurde er trotz seines großen Talents nicht zum Musikstudium zugelassen. Doch er hat sich davon nicht entmutigen lassen. Heute ist er selbst Professor für Gesang an der Berliner Musikhochschule.
„Wie kann ein Mensch mit so einer Biografie zu so einem berühmten Künstler werden?“, wurde der heute 47-Jährige einmal gefragt. Er hat geantwortet: „Ich glaube, ich war Zeit meines Lebens immer in der wunderbaren Situation, Freunde, Eltern, einen Bruder, jetzt meine Frau, also Menschen um mich zu haben, denen ich wichtig war und bin, die mich zum großen Teil auch sehr bedingungslos lieben“.
Um den eigenen Weg zu gehen, braucht es also vor allem eins: Liebe. Wenn andere mich annehmen wie ich bin, kann ich mich auch selbst annehmen, auch mit allem, was nicht ideal an mir ist; ich kann mich auf meine Stärken und Begabungen konzentrieren.
Nun hat aber nicht jeder das Glück, solche Menschen um sich zu haben. Haben Sie jemanden, der Sie bedingungslos liebt? Ich kenne jemanden, der das auf jeden Fall tut: Gott.

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Wissen Sie, was ein „will to please“ ist? Meine Frau und ich wissen das neuerdings, weil wir uns nach einem Hund umschauen. „Will to please“ ist Züchtersprache und heißt auf deutsch „Wille zu gefallen“. Einen „will to please“ hat ein Hund dann, wenn es sein höchstes Ziel ist, keinen Streit anzufangen. Solche Hunde lieben die Harmonie. Deshalb sind Hunde mit einem ausgeprägten „Willen zu gefallen“ gute Familienhunde. Sie ordnen sich unter, auch kleinen Kindern gegenüber. Genau so einen Hund suchen wir.
Ich glaube, diese Eigenschaft ist nicht nur bei Hunden gefragt, sondern auch bei Menschen. Jemand der alles tut, nur um keinen Konflikt zu verursachen, mit dem kann man prima auskommen. Wer seine eigenen Interessen immer hinten anstellt und als größtes Ziel hat, den anderen zu gefallen, mit dem bekommt man in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein oder in der Kirchengemeinde keine Probleme.
Nur, welche eigene Meinung so ein Mensch hat, erfährt man leider nur bei absoluter Windstille. Sobald ein bisschen Gegenwind auf kommt, hält er sich raus. Und das ist doch schade. Vielleicht käme es manchmal gerade auf seine Meinung oder sogar seinen Einspruch und Widerspruch an.
Man könnte vermuten, dass der „will to please“ eine besonders christliche Eigenschaft ist. Die eigenen Interessen zu Gunsten der anderen zurückstellen. Den Frieden zwischen den Menschen an die erste Stelle setzen. Das hört sich doch nach Nächstenliebe und Demut an.
Ich habe mir deshalb mal im Lukasevangelium angeschaut, wie Jesus sich denn so verhalten hat. Und das Ergebnis ist erstaunlich: Von „will to please“ keine Spur. Es geht damit los, dass der 12-jährige Jesus seinen Eltern abhaut. Als Erwachsener predigt er in einer Synagoge und bringt seine Zuhörer so zur Weißglut, dass sie ihn umbringen wollen. Wenig später bitten ihn Menschen, die er geheilt hat, doch bei ihnen zu bleiben, aber er geht einfach. – Zehn Konflikte in den ersten sieben Kapiteln, ich habe dann aufgehört zu zählen.
Harmonie scheint für Jesus kein besonders erstrebenswertes Ziel gewesen zu sein. Ihm ging es vor allem darum die Menschen voranzubringen. Ihnen zu zeigen, wenn sie auf dem falschen Weg waren. Unrecht anzusprechen und seine Gesprächspartner manchmal schonungslos mit der Wahrheit über sich selbst zu konfrontieren. Jesus ging es nicht darum zu gefallen, sondern um eine Sache, von der er überzeugt war: das Reich Gottes.
Von ihm können sich alle Menschen mit einem „will zu please“ und da schließe ich mich ausdrücklich ein, eine dicke Scheibe abschneiden. Die Hunde allerdings sollen ruhig so harmoniebedürftig bleiben wie sei sind.
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Wie ist Gott? Die Bibel hat für Gott eine Menge Bilder: Vater, Mutter, Richter, König, Hirte, Freund … die Bibel ist voll mit Bildern für Gott. Offenbar kommt der Glaube ohne solche Gottesbilder nicht aus. Um zu beschreiben, wie Gott ist, brauchen wir Vergleiche: Gott ist wie ein Fels, wie ein Henne, die sich um ihre Küken kümmert oder – auch das steht in der Bibel – wie ein Liebhaber oder ein Kriegsmann. Keins dieser Bilder beschreibt Gott umfassend und ausreichend, jedes zeigt aber einen richtigen Gesichtspunkt. Die verschiedenen Bilder sind dabei mehr oder weniger wichtig. So würde ich z.B. sagen, dass das Bild von Gott als Vater oder Mutter sehr zentral ist, während das Bild von Gott als Kriegsheld eher am Rand steht.
Ich denke, das Problem mit den Gottesbildern ist aber, dass sich dabei auch ganz leicht falsche Vorstellungen von Gott einschleichen können. Beispielsweise wird Gott in der Bibel auch als Lehrer bezeichnet (Hiob 36,22). Welche Vorstellung von Gott dieses Bild in einem Menschen hervorruft, hängt ganz davon ab, welche Erfahrungen er mit seinen eigenen Lehrerinnen und Lehrern gemacht hat. Gott als Lehrer bedeute für den einen: Gott ist streng und ungerecht; für den anderen: Gott kann ich auf der Nase herumtanzen; und für den nächsten: bei Gott kann ich was fürs Leben lernen.
Die Erfahrungen, die jemand gemacht hat, bestimmen also seine Vorstellungen von Gott. Wie bei meinem Sohn. Der sagte neulich zu mir: „Wenn Gott viele Besuche gemacht hat, ist er im Himmel und macht ein Mittagschläfchen“. „Oha“, dachte ich, „da sind Gott und der Papa ein Bisschen durcheinander geraten“. Offensichtlich hat mein Sohn gehört, dass wir Gott beim Beten oft „Vater“ nennen. Deshalb meint er nun, Gott sei so ähnlich wie sein eigener Vater, der als Pfarrer die Leute besucht und sich ab und zu ein Mittagsschläfchen gönnt.
Dass mein Sohn bei Gott, dem Vater, an seinen schlafenden Papa auf dem Wohnzimmersofa denkt, finde ich ziemlich lustig, es ist aber eigentlich falsch: „Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht“, steht im 121. Psalm. Gott ist immer erreichbar und immer für uns da.
In unsere Bilder von Gott können sich leicht Missverständnisse einschleichen. Deshalb, ist es gut, sie von Zeit zu Zeit zu überprüfen, denke ich. Aber wie? „Kein Mensch hat jemals Gott gesehen“, steht im Johannesevangelium. Doch der Satz geht weiter: „sein einziger Sohn, der den Vater genau kennt, hat uns gezeigt, wer Gott ist“ (Johannes 1,18, Übersetzung: Hoffnung für alle). Wer also wissen will, wie Gott ist, der muss sich an Jesus wenden: So wie er mit den Menschen umgegangen ist, was er über Gott, erzählt hat, so ist Gott.
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Ich kann mich nur verändern, wenn ich mich annehme, wie ich bin! Das klingt verrückt, widersinnig. Aber ich glaube, das stimmt. Erst wenn ich mir keine Illusionen mehr über mich mache, kann ich wirkliche Schritte der Veränderung gehen.
Ich lerne das an der Geschichte von Petrus. Petrus war ein Jünger von Jesus. Er hat nach dem Tod und der Auferstehung Jesu als einer der ersten weiter erzählt, dass Jesus lebt. Und er hat viele andere Menschen dazu eingeladen, an Jesus zu glauben. Den religiösen Führern damals in Jerusalem hat das gar nicht gefallen. Sie ließen Petrus verhaften und wollten ihm verbieten, von dem, was er mit Jesus erlebt hatte zu erzählen. Aber Petrus hat sich nicht einschüchtern lassen, sondern mutig weitergemacht.
Das finde ich erstaunlich. Denn der gleiche Petrus war wenige Wochen vorher noch ganz anders drauf. In der Nacht als Jesus verhaftet wurde, hatte er solche Angst, auch im Gefängnis zu landen, dass er drei Mal felsenfest behauptet hat: „Diesen Jesus kenne ich nicht, mit dem habe ich nichts zu tun“.
Was ist mit Petrus passiert? Was hat Petrus vom Feigling zum mutigen Prediger gemacht? Ich glaube: Petrus hat gelernt, sich so anzunehmen wie er war, deshalb hat er sich so verändert.
Bevor er so furchtbar versagt hatte und Jesus dreimal verleugnet hat, hielt Petrus sich nämlich für den Größten: „Kann ja sein, dass die hier alle abhauen“, sagte er zu Jesus und zeigte auf die anderen Jünger, „aber auf mich kannst du dich 100-prozentig verlassen, ich bin bereit, mit dir zu Sterben.“ Tja, und dann musste Petrus erkennen, dass er sich in sich selbst sehr getäuscht hatte. Er konnte nichts von dem einlösen, was er Jesus versprochen hatte. Er war gar nicht der, für den er sich hielt: der starke und mutige Anführer. Das war bitter für Petrus, das Bild, das er von sich selber hatte, war total im Eimer. Aber genau an diesem Tiefpunkt hat Petrus begonnen, sich zu verändern.
So verstehe ich es auch, was der amerikanische Psychologe Carl Rogers gesagt hat: „Das merkwürdige Paradox ist, dass ich mich [dann] verändern kann, wenn ich mich so akzeptiere wie ich bin“. Das heißt: Solange ich meine Fehler und die Schattenseiten meiner Persönlichkeit von mir wegschiebe, und sage: „die gehören gar nicht zu mir, eigentlich bin ich doch ganz anders“, tut sich gar nichts. Aber wenn ich bejahe, dass das alles auch zu mir gehört, wenn ich mich nüchtern so sehe wie ich eben bin und mir keine Illusionen über mich mache, dann kann ich mich verändern – wie Petrus.
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Pfingsten. Das dritte große christliche Fest nach Weihnachten und Ostern. Aber anders als Weihnachten und Ostern bleibt Pfingsten merkwürdig blass. Es fehlt das Bild im Kopf. Bei Weihnachten denke ich sofort an das Kind in der Krippe – Jesus, Gottes Sohn, wird geboren. Bei Ostern denke ich an Jesus wie er am Kreuz stirbt und an das leere Grab am Ostermorgen. Aber Pfingsten?
Und doch würden Christen weder Weihnachten noch Ostern feiern, wenn es Pfingsten nicht gäbe. Dann wäre das, was in der Krippe und am Kreuz geschehen ist, längst in Vergessenheit geraten. Wir Christen glauben: An Pfingsten hat Gott seinen Heiligen Geist in die Welt gesandt, den kann man zwar nicht sehen und deshalb bleiben auch die Bilder aus. Aber er bewirkt eine ganze Menge.
Die Bibel erzählt davon folgendermaßen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“, hatte Jesus seinen Anhängern, seinen Jüngern, zum Abschied gesagt, bevor er in die unsichtbare Welt Gottes zurückkehrte (Apostelgeschichte 1,8). Zehn Tage später war es dann soweit. Die Jünger und Jüngerinnen Jesu waren gerade alle beieinander, als der Heilige Geist kam. Lukas beschreibt das in seiner Apostelgeschichte so: Es kam plötzlich ein lautes Brausen und ein heftiger Wind und kleine Feuerflammen setzten sich den Frauen und Männern auf den Kopf. Das klingt ziemlich seltsam, aber das ist auch gar nicht die Hauptsache. Was der Heilige Geist macht, kommt dann: Vorher nämlich trafen sich die Jünger und Jüngerinnen für sich alleine und beteten miteinander. Sie blieben für sich. Aber plötzlich, im wahrsten Sinne des Wortes be-geistert, haben sie angefangen von Jesus Christus weiterzuerzählen, und zwar auf der Stelle. Sie gingen aus dem Haus und fingen damit an auf den Straßen von Jerusalem
Besonders Petrus. Er war eigentlich Fischer und kein Redner, aber er hielt eine ziemlich lange Ansprache. Er konnte gar nicht anders, als das weiter zu erzählen, was er mit Jesus erlebt hatte. Die Menschen hörten Petrus zu und waren sehr beeindruckt. Lukas schreibt: Als sie hörten, was Petrus sagte „ging’s ihnen durchs Herz“ (Apostelgeschichte 3,37). Über 3000 Menschen haben an diesem Tag angefangen, an Jesus zu glauben. Seither hat sich der Glaube an Jesus Christus über die ganze Welt verbreitet. Und wir feiern Weihnachten, Ostern - und eben auch Pfingsten.
Das ist die Kraft des Heiligen Geistes. Er macht beides: Er bringt Menschen dazu, von Jesu Christus weiter zu erzählen. Und: er sorgt dafür, dass das diese Botschaft nicht zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr rausgeht. Durch Gottes Heiligen Geist erreicht sie auch das Herz - seit beinahe 2000 Jahren.
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