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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Über 2/3 der Deutschen sind grundsätzlich ganz glücklich.
Stand letzte Woche in der Zeitung. Noch mehr, nämlich über 80 % sagen von sich,
dass sie zumindest immer mal wieder glückliche Momente erleben: Im Urlaub, wenn sie mal wieder verliebt sind oder wenn sie Zeit mit Freunden verbringen. „Urlaub, verliebt sein, Freunde.“ Das klingt so, als hätte man in dieser Umfrage nur jüngere und mittel alte, vielleicht noch die jungen Alten gefragt.
Und alte Menschen, gehören die nicht mehr zu den Glücklichen?
Ich hoffe doch. Und ich weiß es, dass auch Menschen, die pflegebedürftig sind, deren Leben mühsam geworden ist, Glücksmomente haben: Ich habe es oft erlebt, wie glücklich z.B Singen machen kann.
Beim Gottesdienst im Pflegeheim hat es mich immer wieder erschüttert und zugleich sehr bewegt. Zu sehen wie belastete und geplagte Menschen, der Kopf macht oft nicht mehr mit, beim Singen auf einmal ganz anders da sind. Ein altes Volkslied, oder noch mehr bei Liedern aus dem Gesangbuch. Vor 70 80 Jahren haben sie es gelernt und plötzlich kommt es wieder: “Befiehl Du Deine Wege“ von Paul Gerhardt zB und auf einmal singen sie. Auch die die sonst nie was sagen. Manchmal falsch, schräg, zahnlos, und doch auch mit Text. Und ich habe viele von den alten Menschen dabei weinen sehen. Ganz tiefe Gefühle gespürt beim Singen. Oft ist bestimmt Trauer dabei, Wehmut, aber auch ganz viel Glück. Mit dem Singen wird Gutes wieder wach, was sonst zugedeckt ist. Ich bin ganz sicher: Singen können ist für alte Menschen ein Glück. Ein Glück, dass sie die alten Lieder damals auswendig gelernt haben.
Und oft gesungen.
„Befiehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt, der altertreusten Pflege, des der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da Dein Fuß gehen kann.“
Ist ja nicht einfach der Text. Aber er ist so tief verankert, dass er wieder zurückkommen kann aus der Erinnerung. Und trösten und glücklich machen. Gut, wenn wir Jüngeren diese alten Lieder anstimmen können und helfen zu glücklichen Momenten.
Und wer wird mit uns singen, wenn wir alt sind? Und was? Damit wir getröstet werden und Glück spüren? Yesterday? Oder Sailing? Oder „God ist watching us, from a distance.“ Oder vielleicht doch besser: Ich steh an Deiner Krippen hier, o Jesu, Du mein Leben.“ Ich hoffe, unsere Jungen werden die Lieder noch kennen, damit sie auch mit uns singen und wir glücklich sein können.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=777
Was kann man tun, wenn man angelogen wird? Wenn man genau weiß, was meine Tochter, mein Mann mir erzählt, das stimmt nicht. Im ersten Moment reagieren wir vermutlich alle ähnlich. Sind verärgert. Zornig, enttäuscht. Man zieht sich zurück, von dem er einen angelogen hat. Geht auf Distanz, äußerlich, oder wenn das nicht geht, wie bei einem engen Familienangehörigen, dann auf jeden Fall innerlich. Angelogen werden macht Beziehungen schwierig. Aber wenn mir an dem anderen immer noch was liegt?
Kann ich was tun, dass der andere mich nicht mehr anlügt? Vielleicht, ich hoffe es jedenfalls.
Ich hoffe, es hilft, wenn man sich klar macht, was lügen ist, warum wir lügen? Denn wir lügen ja alle. Und damit meine nicht nur „wir flunkern.“
Ein Wissenschaftler, der seit Jahren untersucht, warum wir lügen, hat gesagt: Beim Lügen wenden wir uns bewusst von der Wirklichkeit ab. Wollen oder können Ihr nicht ins Gesicht sehen. Darum schönen wir, was wirklich ist, wir vertuschen oder verstecken es. Lügen ist eine Art und Weise, mit der Wirklichkeit umzugehen. Sie zu umgehen. Wenn ich zB. versagt habe und kann es nicht zugeben. Weil ich Angst habe vor Ärger. Oder ich denke, die anderen werden mich nicht mehr mögen. Darum kann ein Kind behaupten: ‚Ich hab eine drei geschrieben’ obwohl es eine 5 hat. Und darum kann ein Partner dem anderen vormachen: „Ich liebe Dich noch.“
Wenn wir lügen, machen wir uns vor, alles oK, alles läuft, auch wenn es gar nicht mehr gut geht. Ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man das begreift, wenn man belogen wird: Der Lügner hat vielleicht zuerst Probleme mit sich und seiner Wirklichkeit. Dass er mich anlügt, das ist die Folge davon. Beim Lügen beschönigen und vertuschen wir die Wirklichkeit vor den anderen, oft vor allem aber vor uns selber. Machen uns ein angenehmeres Bild von uns. Weil uns die Wahrheit über uns nicht gefällt oder weh tut.
Kann man einem anderen helfen, aus solchen Lügen wieder raus zu kommen? Ich glaube nämlich, die Bibel hat recht, dass lügen auf Dauer nicht leben hilft. Sondern Beziehungen zerstört. Wahrheit hilft leben, meint die Bibel.
Ich hoffe, es hilft, wenn ich dem anderen zeige, dass ich mit ihm zusammen auch eine Wirklichkeit aushalten will, die nicht so schön ist. Dass ich bereit bin, seine Angst vor einer unangenehmen Wirklichkeit zu teilen. Vielleicht können wir uns dann zusammen der Wirklichkeit zuwenden – und versuchen, sie besser hinzukriegen. https://www.kirche-im-swr.de/?m=2492
„So ein Quatsch. Was soll das für einen Sinn haben? Fasten. Freiwillig verzichten.“
Hab ich vor kurzem einen Mann sagen hören. Was soll fasten für einen Sinn haben? – Im Internet ist mir eine verblüffend geniale Antwort begegnet. Auf der Seite www.reli-ding.de wird behauptet: Der Sinn des Fastens ist, auf den zu Hunger hören. Auf den Hunger hören? Was soll mir Hunger sagen?
Normalerweise habe ich keinen Hunger, so weit lasse ich es in der Regel nicht kommen. Ich esse eher aus Gewohnheit. Deshalb kann ich kaum merken, worauf ich wirklich Hunger habe. Was ich wirklich zum Leben brauche. Beim Fasten, spätestens morgen also, da meldet sich Hunger. Und dann spürt man deutlich, dass man essen muss und was man wirklich braucht. Auf einmal wird jeder Bissen kostbar. Ich spüre, Nahrungsmittel sind in Wahrheit Lebens-Mittel. Und gleichzeitig spüre ich, was die wirklich wichtigen Lebens-Mittel sind. Und das betrifft nicht nur essen oder trinken, sondern auch das was wir sonst noch so alles in uns hineinstopfen. Nachrichten, Fernsehbilder, Computerflimmern. Freiwillig verzichten zeigt mir, was davon Kram und was wirklich wertvoll ist.
Noch etwas lässt der Hunger spüren. Den eigenen Willen. Ob man durchhält, was man sich vornimmt. Beim Fasten kann ich meinen Willen spüren. Ob ich mich frei machen kann von fleischlichen, alkoholischen oder sonstigen Gewohnheiten. Und ich merke dabei auch sehr genau, wovon ich vielleicht schon abhängig bin. Freiwillig verzichten kann den Willen stärken. Wenn man auf etwas verzichtet, was einem einerseits schwer genug fällt, aber einen auch nicht überfordert.
Auf den Hunger hören:
Was drittes ist mir eingefallen bei diesem Slogan. Und das führt über den eigenen Hunger hinaus. Es wäre gut, wenn der wieder entdeckte eigene Hunger mir auch den Hunger fremder Menschen nahe bringen würde. Dass ich sehe und begreife, wie Menschen dran sind, die nicht freiwillig hungern, sondern gezwungen. Wenn man nur für sich selbst fastet, das geht am Sinn des Fastens letztlich vorbei. Daran erinnert die Bibel:
“Denkt ihr, mir einen Gefallen zu tun, wenn ihr nur euch selbst quält und nichts esst und trinkt? ..Nein, sagt Gott - ein Fasten, das mir gefällt, sieht anders aus: Löst die Fesseln der Menschen, die ihr zu Unrecht gefangen haltet. .Gebt den Hungrigen zu essen. .Helft, wo ihr könnt, verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!“ (Jes 58,5f)https://www.kirche-im-swr.de/?m=775
. „Schau dem Kater ins Gesicht.“ --
Ich vermute, es gibt nicht wenige, die sich den Blick in den Spiegel heute lieber schenken würden. Die Spuren der letzten Tage und Nächte sind nicht zu übersehen, der Kopf gibt laut „Alarm.“ Und je nüchterner man wird, umso mehr spürt man den „Moralischen“, der signalisiert, das war zu viel. Und vielleicht spürt man sogar ein bisschen Ekel vor sich selber. Ist versucht, die Augen vor sich zu zu machen. Und hofft, dass es bald vorbei gehen wird.
„Schau dem Kater ins Gesicht, trau Dich“, ermutigt die evangelische Gesellschaft in Stuttgart, mit einer Aktion die heute startet. Sie regt an, nicht von sich weg zuschauen. Gerade dann nicht, wenn der „Moralische“ sich meldet. Könnte es sein, dass hinter den alkoholischen und anderen Grenzübertritten der dollen Tage mehr steckt als Übermut? Ist mein Rauch- Trink- oder auch Sexualverhalten schon riskant? Für mich, für die Menschen, mit denen ich lebe, für meine Beziehung?
Besteht vielleicht sogar Suchtverdacht? Alles noch im grünen Bereich, oder schrillen schon Alarmglocken, die ich nicht überhören sollte? „Schau dem Kater ins Gesicht.“ Auch wenn er vielleicht nicht schön aussieht und besorgt und unruhig macht.
Damit man mit dieser Selbstprüfung und dem vielleicht unangenehmen Gesicht, das man da sieht, nicht allein bleibt, sind Mitarbeitende der Suchtberatung in Stuttgart öffentlich unterwegs.
Heute, am Aschermittwoch kann man sich am Alcomaten seinen Restalkohol messen lassen. In der S- Bahn Station Stadtmitte in Stuttgart. Und man kann reden mit den Mitarbeitenden, auch die nächsten Tage. Die evangelische Suchtberatung bietet einen so genannten „Frühlings-Check“ an. Im vertraulichen Gespräch mit den Beratenden kann man herausfinden, ob man selbst suchtgefährdet ist. Und was gut wäre, zu tun.
Wenn Sie nicht aus Stuttgart sind, und Ihnen Ihr Kater auch nicht mehr geheuer ist, Beratung von Diakonie und Caritas gibt es im ganzen Land.
„Schau dem Kater ins Gesicht.“
Bei diesem Blick ins eigene Gesicht und auf das eigene Leben kann man Dinge sehen, die einen erschrecken. Und man würde am liebsten wieder wegschauen. Und allein hinschauen überfordert. Sich helfen lassen von anderen ist da keine Schwäche, sondern Stärke.
Und noch etwas: Auch wenn das Bild, das Sie im Spiegel sehen, Sie erschrickt:
Es bleibt ein Ebenbild Gottes. Ein Mensch, den Gott liebt.
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Ob der liebe Gott sich heute mitfreut beim närrischen Treiben? Ob er wohl manchmal herzlich mitlacht und sich freut, bei dem was auf den Straßen und Hallen in Karlsruhe und Rottweil, in Mainz und in Rio abgeht? Oder treibt es ihm manchmal mehr die Tränen in die Augen?
„Falsche Frage, Herr Pfarrer“ sagen Sie vielleicht, „der liebe Gott kann gar nicht lachen. Gott ist ernst. Er liebt weder Witze, noch Karikaturen, Gott versteht keinen Spaß.“ –
„Ich glaube aber doch, dass Gott lachen kann. Wer das Leben liebt, der kann auch lachen. Und wenn ich eins ganz bestimmt glaube, dann dass Gott das Leben liebt. Seine Farben, seine Buntheit. Von hell bis ganz dunkel. Ich glaube, dass Gott heute mit Menschen im Krankenhaus mit leidet. Und ich glaub auch, dass Gott sich freut, wenn andere Menschen auf der ganzen Welt am Leben Spaß haben. Und dass er mitlacht, wenn ausgelassen gelacht und gefeiert wird.
Lachen ist ein tolles Lebenszeichen. Wenn wir lachen, dann verscheuchen wir die Angst, die uns das Leben immer wieder macht.
Woher ich weiß, dass Gott lacht? Aus der Bibel.
Gott liebt das Lachen, weil er das Leben liebt.
„Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden“ heißt es in einem Psalm. „Dann wird unser Mund voll Lachen und unsre Zunge voll Rühmen sein.“
Lachen befreit von der Last der Welt, und wenn man lachen kann, spürt man, dass man ein freier Mensch ist. Gott liebt es, wenn Menschen frei sind und frei werden. Von Angst und Kummer, von Druck und allem Bösen.
Hanns Dieter Hüsch hat das sehr schön gesagt:
“Was macht dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich
Ich sing und tanze her und hin vom Kindbett bis zur Leich.--
Was macht dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsal hält.
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt wohl über alle Welt.“

Ich wünsche Ihnen heute, egal ob Sie Karneval feiern oder Fastnet, einen Tag, an dem Sie ordentlich aus freiem Herzen lachen können. Und auch wenn Sie nicht fassenacht-verrückt sind, das soll es ja auch geben, dann wünsch ich Ihnen dasselbe: Dass Sie heute zu lachen haben. Hoffentlich nicht nur einmal. Alla dann und glückselige Fastnacht.
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Sie ist närrisch, haben manche gedacht. Aber das hat ihr überhaupt nichts ausgemacht. Und vielen Menschen hat es sehr gut getan, dass sie so närrisch war. Man kann nicht immer normal sein in dieser Welt. Manchmal muss man sich frei machen von dem, was „man“ tut.
Sie hat sich manchmal auch verkleidet. Nicht als Prinzessin oder Königin. Das war sie ja schon von Haus aus. Umgekehrt: Sie hat ihre herrschaftlichen Kleider ausgezogen, sich angezogen wie die ganz einfachen Leute. Und ist herunter von ihrer Burg. Runter in die Stadt, mitten hinein ins normale, schmutzige Leben, zu ihren armen Untertanen.
Und genau das fanden viele - vor allem bei Hof - „närrisch.“ Ihr hat es aber Freude gemacht, eine „Närrin“ Christi zu sein.
Sie, das war Elisabeth von Thüringen: Königstochter und Landesmutter von Thüringen. Vor 800 Jahren hat sie gelebt. Sie hat sich Freiheiten rausgenommen und versucht, die Welt besser zu machen, das Leben für ihre Untertanen erträglicher. Sie hat für die Notleidenden ein Krankenhaus gegründet und selber zugepackt, Kranke eigenhändig gepflegt. „Närrisch und verrückt“ fand das die Hofgesellschaft. Sie hat das adlige Vermögen mit vollen Händen ausgegeben, damit die Menschen nicht mehr so hungern müssen. „Närrisch und verrückt“ – aber ihr hat es Freude gemacht. „Ich will, dass die Menschen im Elend wieder froh werden und was zu lachen haben“ hat Elisabeth gesagt.
Aber dann hat die Hofgesellschaft ernst gemacht. Man wollte ihr die christlichen „Narreteien“ austreiben. „Das Vermögen des Hofes wird nicht mehr für die Armen eingesetzt!“
Sie hat trotzdem weitergemacht. Eines Tages – wird erzählt – hat man sie erwischt. Wieder auf dem Weg hinunter von der Burg in die Stadt, einen großen Korb mit Brot unter dem Mantel. Ein Wächter hält sie auf. Dieser Bauch kommt ihm verdächtig dick vor. Elisabeth öffnet ihren Mantel. Und im Korb sind auf einmal Rosen. Beschämt muss der Wächter das Genick einziehen. Gott hat sie in Schutz genommen, ihr recht gegeben. So haben die Menschen das Rosenwunder seither verstanden. Auch wenn es vielen „närrisch“ vorkommt, dass sie die einfachen Leute liebt und nicht auf sie runterschaut.
Elisabeth ist eine erstaunliche Närrin Christi gewesen. Eine Rose in Person. Leidenschaftlich frei und voller Liebe. Christen sind so frei, auch Verrücktes zu machen, was närrisch aussieht, damit die Welt wieder in Ordnung kommt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=772
Wir Deutschen verreisen wieder mehr, habe ich gelesen, seit die Wirtschaftslage wieder besser ist: In den Schnee über Fasching. Ein Kurztrip in die Sonne oder richtig weit in ferne Welten.
Ich finde „verreisen“ immer noch aufregend. Selbst wenn es nicht weit geht: Einpacken, Wohnung abschließen, die Weite suchen, das macht kribbelig. Und wenn ich da bleibe und jemand Liebes fährt weg, ist mir immer auch mulmig. In jedem „komm gut wieder“ liegt auch Ungewissheit.
Für Erich Kästner ist „verreisen“ ein Symbol für das Leben an sich.
In seinem Gedicht „Eisenbahngleichnis“ schreibt er:
„Wir sitzen alle im gleichen Zug und reisen quer durch die Zeit. Wir sehen hinaus. Wir sahen genug. Wir fahren alle im gleichen Zug. Und keiner weiß, wie weit.“
Das ganze Leben eine Reise.
In der Bibel gibt es ein Gebet, in dem ich dieses Lebensgefühl auch wieder finde. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum,“ heißt es da. Da steckt auch beides drin. „Weiter Raum“: Da kann ich mich ausbreiten, frei bewegen, neues entdecken.
Aber manchmal überfordert mich Weite auch. Wenn ich kein Ziel mehr sehe, an dem ich mich orientieren kann. Wenn der Weg schwer wird, zu weit.
Gott sei Dank kommt im Psalm etwas dazu, was es bei Kästner in seinem Gedicht von der Lebensreise nicht gibt. Im Psalm gibt es ein „Du“. Bei Kästner ist jeder im Leben auf sich gestellt. Im Psalm gibt es ein Gegenüber. „Du“ hast mich in die Weite des Lebens gestellt. Ich bin nicht ins Leben gefallen, Gott eröffnet mir das Leben und stellt mich auf meine Lebensreise. Und er geht mit. Davon ist der Psalmbeter überzeugt. Darum kann sich der Mensch, der den Psalm betet, dem Leben anvertrauen, auch wenn es weit und ungewiss ist:
Ich aber, HERR, hoffe auf dich, sagt er, und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.“(Psalm 31,9.15)
Diese Worte kann ich mitnehmen. Überall hin. Und sie können einen erinnern, dass Gott mit mir geht und mein Gegenüber bleibt, wo mich das Leben auch hinführt. Sogar wenn ein Mensch aus dem Zug des Lebens aussteigen muss, hört die Beziehung Gottes zu ihm nicht auf. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Auf Dich hoffe ich, Herr.“ Ich finde, das sind gute Worte für die Lebensreise. Und genauso fürs verreisen. Für den, der fährt, und für den der da bleibt oder zurück bleiben muss, auch.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=771