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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

“Ich feiere jeden Tag Geburtstag“ grinst er mich schelmisch wie ein kleiner Junge an. Sein zufriedenes Lächeln ist echt und lebendig. Wie überhaupt der ganze Mann vor Energie und Vitalität strotzt. Ich frage nach: „Wie, du feierst jeden Tag Geburtstag?“ Nur langsam verstehe ich was er meint. Er erklärt: „Hör mal, es ist nicht selbstverständlich in meinem Alter, dass ich noch lebe!“ Er ist 93 Jahre alt und ich weiß, die meisten seiner Freunde und die Familienmitglieder seiner Generation sind alle schon gestorben.
“Ich feiere jeden Tag Geburtstag.“ Diese Haltung beeindruckt mich. Jeden neuen Tag wendet er sich bewusst dem Leben zu. Ich weiß, dass er Schmerzen hat, dass er in seinem Körper deutlich die Spuren des Alters spürt. Trotzdem empfindet er Dankbarkeit und strahlt Lebensfreude aus.
“Ich feiere jeden Tag Geburtstag“ zeigt auch ein klares Todesbewusstsein. Der Tod macht viele Menschen hilflos. Angesichts des Todes verstummen viele, werden sprachlos. Einen geliebten Menschen für immer zu verlieren ist auch eine der schlimmsten Erfahrungen. Der Tod bildet eine scharfe Trennungslinie zwischen dem Leben und dem, was danach ist. Der Tod kann sehr überraschend kommen. Unfall, Herzinfarkt, Hirnschlag. Plötzlich ist für diesen Menschen alles aus und vorbei. Manchmal kommt der Tod auch schleichend und ist mit viel Schmerzen und Qualen verbunden. Viele verdrängen die Tatsache, dass die einzig wirklich 100% Sicherheit im Leben der Tod ist.
Deshalb: „Carpe diem, carpe hominem.” So fordern alte römische Inschriften auf. „Carpe diem“: nutze, pflücke den Tag. „Carpe hominem”: kümmere Dich um den Menschen, schone, beschütze, pflege den Menschen.
Damit sind sicher nicht nur die anderen, die Mitmenschen gemeint, sonder auch man selbst. „Carpe hominem” könnte man auch übersetzten mit „jeden Tag Geburtstag feiern“. Das heißt nicht jeden Tag erwarten, dass einem die anderen gratulieren und Geschenke bringen. Das heißt nicht unbedingt jeden Tag ausgelassen tanzen, singen und lachen und feiern, dass die Schwarte kracht.
Der Kobold Pumuckel singt in einer Geschichte lauthals:
“Geburtstag ist ein schöner Taaag,
ich jeden Taaag Geburtstaaag maaag!“
Der 93jährige, der jeden Tag Geburtstag feiert hat etwas von Pumuckel. Diese unbeschwerte Leichtigkeit und ansteckende Lebensfreude.
Ich wünsche uns allen heute einen schönen Geburtstag! https://www.kirche-im-swr.de/?m=555
“Hörst Du?“ fragt er mich. Ich lausche angestrengt – und höre nichts. “Hörst Du?“ fragt er noch mal – ich höre immer noch nichts. Was könnte er meinen? “Hörst Du die Stille?“ sagt er schließlich.
Tatsächlich. Es ist verblüffend. Es ist tatsächlich mucksmäuschenstill.
Es gibt wenig Orte, wo man eine solche Stille erleben kann. Wir sind auf dem Land. Ein einsamer Bauernhof. Keine größere Straße, keine Bahnlinie, kein größerer Ort in der Nähe. Der alte Bauer ist stolz darauf, dass der Ort so still ist. Die Stille ist wunderbar. Auf die Stille aufmerksam gemacht, fange ich an, einzelne Geräusche zu hören. Es summt eine Fliege vorbei, weit weg zwitschern Vögel. Im Garten ganz nah kratzen und scharren die Hühner, ich höre sogar das Kauen der Kühe im Stall. Ich fange an, mich auf die Geräusche in der Umgebung richtig zu konzentrieren. Sie kommen mir jetzt vor wie die einzelnen Instrumente eines großen Orchesters. Dieses Lauschen ist gleichzeitig entspannend und, wie soll ich sagen, anstrengend. Bewusst hören ist nicht nur etwas Passives, sondern eine äußerst aktive Tätigkeit.
Es erfordert Konzentration ganz allmählich jedes einzelne der leisen Geräusche zu unterscheiden. Der alte Bauer legt den Finger an den Mund und bedeutet mir, weiter zu schweigen. Wir schauen uns an und es ist ein heiliger Moment. Er lächelt weise. Die Stille ist wie Musik. Ich versuche mich auf die leisesten Geräusche zu konzentrieren, sie wie einzelne Instrumente aus einem Orchester herauszuhören.
Zwischendurch glaube ich Stimmen zu hören. Aber das ist nur meine Phantasie, die aus dem Konzert der leisen Töne versucht, etwas sinnvolles zu machen. Außer mir und dem Bauern sind nur Tiere in der Nähe. Es kommt mir vor, als wären es Stimmen aus der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft. Manche kommen von weit her.
Ich fühle mich, als ob ich an der Symphonie des Universums, am Gedächtnis der Zeit teilnehme.
Verschiedene spirituelle Traditionen legen großen Wert auf das Hören, das bewusste Hören in die Stille hinein. Ausschließlich hören und schweigen ist ein Weg zu sich selbst und zu Gott.
So komme ich unversehens zu einer Meditation, mitten am Tag, einfach so beim Milchholen.
Schweigend und mit einem Lächeln verabschiedet mich der Bauer. Er hat das Glück, täglich die Stille hören zu können.

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“Verbale Umweltverschmutzung“ – eine interessante Wortschöpfung. Offensichtlich kann man mit Wörtern die Umwelt verschmutzten. Schädliche Emissionen wie CO2 sind Klimakiller. Dahergeredeter Müll und Beleidigungen sind Emissionen, welche die menschliche Atmosphäre vergiften. Es gibt ja schon Gesetze, die böse, herabwürdigende Ausdrücke anderen Menschen gegenüber unter Strafe stellen. Bestimmte Berufsgruppen genießen diesen Schutz: Beamtenbeleidigung z.B. Auch rassistische oder sexistische Bemerkungen sind strafbar.
Aber wie verschaffe ich dann meinem Ärger Luft? Manche Leute benehmen sich doch wie die letzten - Naja, Sie wissen schon. Und Grund zu solchen Bemerkungen, finde ich, gibt es viele.
Immer wieder so richtig Schimpfen erleichtert doch ungemein. Allerdings mache ich es inzwischen nur noch für mich im stillen Kämmerlein, dann schimpfe ich wie ein Rohrspatz und leere meinen Kropf.
Anschließend fällt es leichter, auch positiv über jemand zu denken, der meine Galle eigentlich zum Kochen bringt. Zugegeben, das ist nicht leicht. Aber dieses positive Denken ist heilsam. Wenn ich so vor mich hinschimpfe komme ich mir manchmal wie die Karikatur eines Cholerikers vor. Ich muss dann über mich selbst lachen. Ich kann dann auch das Positive sehen, nicht nur das Negative. Ich fange an, gut über jemanden zu reden, anstatt ihn nur zu verdammen. Der positive Blick verändert nicht nur meine Sicht auf die Person, die mich nervt, sondern auch mich selbst. Statt gereizt, unruhig und gestresst werde ich leichter, ruhiger, gelassener und wohlwollender.
In meinem Morgengebet wünsche ich mir für mein Denken und Handeln: „Ich möchte ein Segen sein für meine Mitmenschen und für meine Umwelt“.
Segen sein! Segen heißt auf lateinisch benedictio. Im Französischen und in anderen romanischen Sprachen heißt es: la bénédiction – zu deutsch: das gute Wort.
Segnen heißt also: gute Worte finden. Gut reden über meine Mitmenschen, meine Freunde oder meine Gegner. So einfach kann segnen sein: gute Worte finden.
Statt mich und meine Umwelt mit Boshaftigkeiten und wüsten Worten zu vergiften - benedicere - gute Worte finden!
Natürlich ist es wichtig Dampf abzulassen: Meinem Ärger Luft machen, herauslassen und herausschreien, was ich als schlecht empfinde - aber dabei soll es nicht bleiben. Den Weg zum Segen suchen, zum bene-dicere, gute Worte finden - auch über Menschen, die mich maßlos ärgern!
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Zwei Frauen, beide Mitte 40, beide in führender Position. Die eine ist schon über 15 Jahre da, die andere kam erst vor knapp 2 Jahren. Angefangen hat alles damit, dass vor einem guten Jahr die Neue sich einfach anders verhalten hat als erwartet. Die Dienstältere vermisst Anerkennung und Respekt. Die neue Kollegin grüßt morgens nicht immer, die Tür zu ihrem Büro ist ständig zu, Sitzungen sind nicht so vorbereitet, wie sie das gewohnt ist. Umgekehrt glaubt die Neue, dass die Kollegin Gerüchte über sie in die Welt setzt, dass sie ihr Boshaftigkeit unterstellt. Und so weiter und so fort... Man kann sich vorstellen, wie so etwas eskaliert. Eine knifflige Frage, wer mobbt hier wen, wer hat Schuld? Die Chemie stimmt nicht mehr. Die Geschichte eskaliert und landet nach allen möglichen Zwischenstufen schließlich beim Arbeitsgericht. Eine gütliche Lösung oder Versöhnung ist nicht mehr möglich. Es gibt ein juristisches Urteil. Ob das der Sache oder den Menschen gerecht wird?
Es gibt Arbeitgeber die frühzeitig versuchen Eskalationen zu unterbrechen. Wird der Chef damit konfrontiert, dass zwei Kollegen sich Mobbing vorwerfen, sorgt er dafür, dass die beiden mit einem Unbeteiligten Dritten, einem Mediator ins Gespräch kommen.
Als solcher erstaunt es mich immer wieder, dass es, trotz aller Widrigkeiten, die Hoffnung auf eine gute Lösung gibt. Es sind nicht nur Lippenbekenntnisse. Egal wie festgefahren der Konflikt ist, egal wie tief die Verletzungen sind, Gerüchte jemand diskreditieren, dem anderen Boshaftigkeit unterstellt wird - meistens gibt es bei den Beteiligten die Hoffnung auf eine gute Lösung. Manchmal geht es in meiner Arbeit auch nur darum, diese Hoffnung freizulegen. Sie ist unter Missverständnissen, Lügen und Verletzungen verschüttet. Diese Hoffnung begegnet mir auch in Galgenhumor verpackt: „Heute sind wir einen Schritt weiter - Gestern standen wir am Rand des Abgrunds!“
Versteckte Ironie ist aber ein schlechter Ratgeber. Besser ist es, die Hoffnung auf eine gute Lösung ernst zu nehmen und zu stärken. Sie kann Kräfte freisetzten.
Zum Beispiel, dass sich die Beteiligten überlegen, was denn der andere für positive Seiten hat, was er gut kann, was er womöglich besser kann als ich. Dass auch anerkennende Worte ausgesprochen werden.
Es geht nicht darum, nur freundlich zu tun, zu heucheln oder „gute Mine zum bösen Spiel“ zu machen. Vielmehr es geht darum, das Gift zu verdünnen, zu neutralisieren, ihm etwas Positives gegenüberzustellen.
Mit oder ohne professionelle Hilfe in Sachen Konfliktmanagement: Die Hoffnung auf eine gute Lösung muss genährt werden.

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Wer möchte nicht erfolgreich sein! Erfolgreich Prüfungen bestehen, erfolgreich Karriere machen, erfolgreich verkaufen, erfolgreich führen, ... Erfolgsrezepte jedenfalls verkaufen sich gut. Der Titel eines Bestsellers könnte lauten: „Erfolgreich im Beruf – in zehn Schritten verständlich erklärt“.
Erfolg macht sexy. Wer Erfolg hat, auf den wird geschaut, manchmal auch voller Neid. Im Sport sind es Siege, im kapitalistischen System Geld. Gesellschaftlich-politisch hat Erfolg, wer populär ist. Nicht immer sieht man wie viele Anstrengungen, überdurchschnittliche Leistungen oder großes Engagement vor dem Erfolg notwendig waren.
Erfolg ist nicht nur siegen, Geld verdienen oder populär sein. Ich fühle mich erfolgreich, wenn ich zufrieden mit dem Erreichten bin, wenn mir etwas gelungen ist, was nicht selbstverständlich ist. Wenn ich ein Ziel habe, dies mit Begeisterung verfolge und dann schließlich sagen kann: ich habe das Projekt erfolgreich abgeschlossen.
“Vor den Erfolg haben die Götter die Achtsamkeit gesetzt“ sagt eine tibetische Weisheit.
Nicht Anstrengungen, Leistungen oder Engagement, sondern Achtsamkeit.
Mit Achtsamkeit verbinde ich Behutsamkeit, Fingerspitzengefühl und liebevolle Behandlung.
“Vor den Erfolg haben die Götter die Achtsamkeit gesetzt“. Ich kann achtsam mit mir selber umgehen, meinen Körper fit halten, meine Gesundheit pflegen. Klar, dass Rauchen, Alkohol oder andere Drogen schädlich sind. Körper, Geist und Seele brauchen gesunde Nahrung.
“Vor den Erfolg haben die Götter die Achtsamkeit gesetzt“. Ich kann aufmerksam mich für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen auch wenn das bedeutet, die ein oder andere Bequemlichkeit aufgeben zu müssen. Ich kann aufmerksam sein für Benachteiligte, sozial Schwächere und Menschen, die in einer reinen Leistungsgesellschaft nicht mehr mithalten können.
“Vor den Erfolg haben die Götter die Achtsamkeit gesetzt“. Ich kann global denken und lokal handeln, d.h. mir immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass ich nicht allein auf der Welt bin, dass mein Handeln Konsequenzen hat, dass ich ein Teil dieser Schöpfung bin und dass ich mein Leben letztlich nicht mir selbst zu verdanken habe.
“Vor den Erfolg haben die Götter die Achtsamkeit gesetzt“, sagen die Tibeter.
Liebevolle Zuwendung zu mir selbst, meinen Mitmenschen, meiner Umwelt und dem Leben überhaupt. Christlich ausgedrückt ist das nichts anderes als: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst,“ dann wird dein Leben gelingen.

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“Wenn ich einmal groß bin,...“ hört man Kinder sagen. “Wenn ich einmal groß bin, dann werde ich Flugzeugpilot.“ Die Augen und die Stimme verraten, dass es ein großer Traum ist, eine Menge damit verbunden wird. Die große weite Welt, die Faszination des Fliegens, Freiheit und Abenteuer bis an die körperlichen Grenzen. Lokomotivführer, Rennfahrer, Spitzensportler.
“Wenn ich einmal groß bin, dann werde ich Künstler.“ Schriftsteller, Philosoph, Maler, Musiker, Tänzer oder Schauspieler: In all diesen Berufen spiegelt sich die Kultur unserer Zeit. Oft weisen Künstler auf Schieflagen im System hin. Sie sind wie ein soziales Gewissen. Künstlerische Arbeit kann auch reiner Selbstzweck, einfach nur schön sein.
“Wenn ich einmal groß bin, werde ich Ingenieur. Mit immer raffinierterer Technik die Welt verbessern, mitbauen an einem funktionierenden Kosmos.
“Wenn ich einmal groß bin, werde ich Ärztin.“ Die strahlenden Augen und der begeisterte Tonfall verraten, anderen Menschen helfen, Leid mindern ist eine Berufung. Ähnlich verhält es sich mit anderen heilenden und helfenden Berufen: Feuerwehrmann, Polizistin, Krankenschwester, Erzieherin, um nur ein paar zu nennen.
Kinder träumen oft ihre Zukunft in einer heileren, gerechteren, schöneren Welt, ohne dass sie deswegen langweilig und uninteressant würde. Aus den Traumberufen entwickelt sich dann meistens etwas ganz anderes. Man bekommt nicht die gewünschte Lehrstelle. Die Abi-Note reicht nicht für ein bestimmtes Studium. Der elterliche Betrieb muss weitergeführt werden. Eine körperliche Einschränkung verhindert den Traumberuf. Politische oder wirtschaftliche Zwänge bestimmen die Arbeit, die getan werden muss. Manchmal muss einfach das eigene Überleben oder das der Familie gesichert werden. Flucht oder andere familiäre Schicksale bescheren Tätigkeiten, welche man im Traum nicht geglaubt hätte einmal machen zu müssen. Auch wenn man seinen Traumberuf hat, sind die Rahmenbedingungen oft alles andere als traumhaft. Willkommen in der Realität?
Ich glaube, trotz der ökonomischen Zwänge ist es wichtig sich solche Träume immer wieder in Erinnerung zu rufen. Was kann ich denn trotz allem verwirklichen? Mir hilft dabei eine provokante Aufforderung: “Arbeitet - als würdet Ihr kein Geld brauchen.“ Das heißt für mich: egal welche Tätigkeit, es ist mein ganz persönlicher Beitrag für diese Gesellschaft, für diese Welt. Ich erwarte dafür einen gerechten Lohn, keine Frage, aber wichtig ist auch die Frage, ob ich das mache, was ich am besten kann, ob ich Dinge mache, an denen ich Spaß habe. Und wenn das nicht bei der beruflichen Arbeit geht, so gibt es vielleicht andere Gelegenheiten.
Ich glaube in jedem steckt ein bisschen ein Abenteurer, Ingenieur, Künstler oder Arzt.

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Gehören Sie zu denen, die immer wieder nachts aufwachen, weil sie von Träumen geplagt
werden? Oder gehören Sie zu den Menschen, die glauben nicht zu träumen? Oder können sie
sich an ihre Träume nur nicht erinnern?
Beim Aufwachen kann ich mich sehr gut an meinen letzten Traum erinnern, zumindest an
einzelne Bilder. Oft ist mir klar, welche Botschaft mir mein Unterbewusstes durch die
Traumbilder schickt: bereits Erlebtes mache ich noch einmal durch oder anstehende Konflikte werden angedeutet.
Manchmal träume ich auch in ganz skurrilen Bildern, von abartigen Situationen, unwirklichen
Landschaften und komischen Tieren. Entweder sie beschützen mich, oder sie wollen mir übel.
Solche Träume sind verschlüsselte Botschaften. Ich werde dann zum Spion in eigener Sache: ich möchte den Code knacken, die verschlüsselte Botschaft verstehen.
Ein arabisches Sprichwort sagt: „Einen Traum, den man nicht deutet ist wie ein Vogel, der nicht singt.“
Dass die Deutung von Träumen wichtig ist, das zeigen die Geschichten der Bibel. Oft erscheint im Traum der Engel Gottes. Sogar Gott selbst kann den Träumenden begegnen. Es gibt Großträume, die sich sofort erschließen. Aber es gibt auch verschlüsselte, bilderreiche Träume, die der Betroffene selbst nicht verstehen kann. Deshalb braucht er ein Gegenüber, einen Verbündeten, einen Traumdeuter. Unter den Propheten der Bibel finden wir solche Traumdeuter. Sie besaßen offensichtlich eine erhöhte Sensibilität. Eine geschärfte Wachheit gegenüber Personen und Ereignissen. Propheten sind scharfsinnige Zeitgenossen. Sie ahnen die Konsequenzen menschlichen Tuns. Sie haben ein gutes Gedächtnis, ein gutes Erinnerungsvermögen an das, was bereits geschehen ist. Sie besitzen eine gute Menschenkenntnis. „Einen Traum, den man nicht deutet ist wie ein Vogel, der nicht singt.“ Komme ich mit meiner eigenen Deutung nicht weiter, brauche ich ein Gegenüber. Das kann der Lebenspartner oder sonst jemand sein, dem ich meine Träume anvertrauen kann. Oder: jemand fragen, der sich damit auskennt. Menschen mit erhöhter Sensibilität, mit geschärfter Wachheit gegenüber den Ereignissen unserer Zeit. Scharfsinnige Zeitgenossen mit gutem Erinnerungsvermögen und einer guten Menschenkenntnis. Es gibt diese Traumdeuter auch heute. Sie können sich nicht an ihre Träume erinnern? Spüren Sie nach dem Aufwachen in sich hinein: Welches Gefühl herrscht vor? Welche Bilder fallen Ihnen dazu ein? Kleine Notizen helfen als Gedächtnisstütze. Sie werden sehen, auf diese Weise können Sie sich an den Schatz Ihrer Träume herantasten.
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