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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

03FEB2023
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Mit meinem muslimischen Freund unterhielt ich mich neulich bei einem Glas Tee über Gott und die Welt. Das heißt eigentlich mehr über Gott. Und dabei habe ich ihm drei Fragen gestellt.

Erstens: Glaubst du, dass Gott heilig ist? Was er bejaht hat. Zweitens: Bist du heilig? Was er verständlicherweise nicht bejaht hat? Wer könnte das auch? Dann haben wir aber ein Problem, meinte ich. Wir entsprechen Gott nicht. Und damit waren wir bei der dritten Frage: Wie kann der Unterschied, diese Entfremdung zwischen Gott und uns überwunden werden? Seine Antwort, wenn die guten Taten die schlechten Taten überwiegen. Dabei hat er seine Unterarme wie bei einer Balkenwaage bewegt. Mal links mal rechts hoch und runter.

Aber dadurch sind die schlechten Taten ja nicht verschwunden, habe ich eingewandt. Ein Weitspringer kann noch so weit springen. Wenn er nur einige Millimeter übergetreten hat, ist der ganze Sprung ungültig. Unsere Übertretungen haben uns von Gott entfremdet. Und diese Entfremdung können wir nicht von uns aus überwinden. Damit wir wieder in die Nähe Gottes kommen können, ist er in Jesus zu uns gekommen.

Weil unsere Bemühungen, uns vor Gott selbst zu rechtfertigen, unzureichend sind, tritt Jesus auf. Statt uns recht fertig zu machen, will er uns rechtfertigen. Dazu war er bereit, ans Kreuz zu gehen und damit den Weg in die Nähe Gottes zu eröffnen. Wir Christen nennen dieses Angebot Vergebung. Sie ist sogar für einen Mörder nicht ausgeschlossen. So hat der Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt wurde ihn um Gnade gebeten. Und Jesus garantierte ihm, er würde mit ihm ins Paradies kommen. Mein Freund wurde unruhig. Er spürte, dass dies ungerecht war. Ein Mörder ins Paradies, das kann nicht sein. Ja Vergebung ist nicht gerecht. Darum heißt es ja auch Gnade vor Recht. Vergebung ist ungerecht, aber unverzichtbar. Denn ohne sie bleiben wir Gott fern. Darum ist die Vergebung ein einzigartiges Angebot Gottes. Es befreit und jeder kann es in Anspruch nehmen.

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02FEB2023
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Nun haben wir vom Monatskalender dieses Jahres schon wieder das erste Blatt abgerissen und die Probleme sind nicht weniger geworden.

Trotzdem erwartet jeder vierte in Deutschland, dass dieses Jahr für ihn besser verläuft als das vergangene. Das ist die gute Nachricht. Aber natürlich gibt es auch die, die sich Sorgen machen, weil sie eine Verschlechterung ihrer Lebensverhältnisse befürchten. Das kann berechtigt sein oder auch nicht.

Auch ich mache mir Sorgen, wenn ich an meine Kinder und Enkel denke. Welcher Zukunft werden sie entgegengehen? Für mich ging es Jahrzehnte nur aufwärts. Und nach dem üblichen Elternwunsch sollten Kinder es immer besser haben. Aber danach sieht es nicht aus.

Ich mache mir Sorgen. Unsere Sprache verrät uns viel. Ich mache mir Sorgen. Ich bin der Sorgenmacher. Ich bin für meine Sorgen verantwortlich.

Und wenn ich es bin, der sich die Sorgen macht, kann ich es dann auch einfach lassen so wie ich das Rauchen lasse, was ich mal gemacht habe?

Wenn es so einfach wäre. Nun ich kann mir klar machen, Sorgen sind meist auf die Zukunft gerichtet. Und die Zukunft kennen wir nicht. Im Rückblick muss ich immer wieder feststellen, dass viele Sorgen umsonst waren, weil die Befürchtungen gar nicht eingetreten sind. Aber deswegen kann ich das Sorgen nicht lassen. Sie drängen sich einfach zu zahlreich auf.

Nun gibt es einen, der unsere Zukunft schon kennt – Gott. Und in der Bibel werden wir ermuntert: Alle eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch.

Ja, wenn ich es glauben kann, dass Gott über meinem Leben wacht und er meine Zukunft kennt, dann kann ich bei ihm meine Sorgen aussprechen im Gebet. Und indem ich mich ihm anvertraue und ihm meine Sorgen sage, bin ich schon nicht mehr allein damit.

Dabei sollten wir mit den Sorgen nicht Basketball spielen. Wir werfen den Ball oben in den Korb und dann fangen wir ihn unten wieder auf. Darauf beginnt das  Spiel von vorn. Nein, bei Gott dürfen wir die Sorgen nicht nur ablegen, sondern auch lassen, denn er sorgt für uns, für dich. Gottes Fürsorge bedeutet zwar kein rundum Sorglospaket für uns. Aber es bedeutet, je größer das Vertrauen in Gott ist, desto geringer können die Sorgen werden. Wie wäre es, das im zweiten Monat des Jahres mal auszuprobieren?

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01FEB2023
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Ich bin ein Fan der Vesperkirchen. Ich mag einfach alles daran. In früheren Jahren war ich manchmal nur zum Essen da oder ich habe mitgearbeitet. Am liebsten hab ich die Geschirrkisten getragen. Mit dem sauberen Geschirr nach oben und dem benutzten wieder nach unten. Es hat sich so gut angefühlt, am Abend die schweren Arme und Beine zu spüren. Für manche bedeutet Vesperkirche ein paar Stunden Wärme, als Abwechslung zur kalten Wohnung oder der Straße. Und wer meistens allein ist, kann so mal wieder die eigene Stimme hören, weil man am Tisch jemanden zum Reden hat.

Zur Vesperkirche zu gehen, ist manchmal auch eine Herausforderung, denn plötzlich ist man direkt mit Leuten zusammen, mit denen man sonst nie was zu tun hat. Manche Leute kommen zur Vesperkirche, weil es eine geschickte Gelegenheit ist, zeitlich begrenzt mit anzupacken. All das macht die Vesperkirchen so bunt und wertvoll. Und ich bin mir sicher, dass auch Jesus an ihnen seine Freude hat und sie segnet. Denn es ist ein Herzensanliegen von ihm, dass Menschen zusammenkommen, um miteinander zu essen. Er hat schon zu seiner Zeit in Galiläa dafür gesorgt, dass sich Menschen treffen und das Essen miteinander teilen, weil so Gemeinschaft entsteht und sich die Menschen anschließend besser verstehen. Jesus wusste: Liebe geht durch den Magen. Auch die Liebe Gottes. Ihm ging es nie nur ums Geistliche. Er will, dass es den Menschen rundum gut geht. An Leib und Seele.

Auch in den Vesperkirchen geht es um mehr als um gefüllte Mägen. Freiwillige stehen zum Gespräch bereit. Manchmal sorgen Friseure für den neuen Look für jene Gäste, die sich keinen Haarschnitt leisten können. Und ab und zu ist auch noch die Ärztin im Haus und hält Sprechstunde. Jesus war gelegentlich in der Rolle des Gastgebers, doch war er auch einfach nur Gast. Das war jedes Mal ein Besuch mit Nachwirkungen. Für die Gastgeber ist es zum Glücksfall geworden, dass er ausgerechnet zu ihnen gekommen ist. So sagte er beim Verabschieden zum Zolleinnehmer Zachäus: „Heute bist du gerettet worden, zusammen mit allen, die in deinem Haus leben.“ Und das Leben des Zolleinnehmers Zachäus war danach tatsächlich ein anderes. So befreit und voll neuer Möglichkeiten. Das wünsche ich uns in den Vesperkirchen, dass Jesus uns berührt und beglückt.

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31JAN2023
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Neulich habe ich alte Fotos angeschaut. Eines bringt mich noch nach Jahren zum Lachen. Darauf ist ein Holz-Steg zu sehen, der über einen kleinen Meer-Arm führt. An einem Ende ist ein rotes Metallgestänge, das sieht aus wie ein Lampenschirm. Am andern Ende ragt ein gelbes Kreuz in die Luft. Eines Morgens war ich zur falschen Zeit auf der falschen Seite.

Ich war durch die Landschaft gejoggt und habe nicht aufgepasst, wann Flut ist. Und an der Stelle, wo der Steg sein sollte, war nur Wasser. Ich habe meinen Mann angerufen, der im Ferienhaus mit dem Frühstück auf mich gewartet hat: „Ich komme nicht rüber. Der Steg ist weg“ habe ich zu ihm gesagt. „Wie - der Steg ist weg, das kann nicht sein.“ „Da ist überall nur Wasser.“ Auf die roten und gelben Gebilde hüben und drüben habe ich bis dahin nie geachtet. Wenn sie mir aufgefallen wären, dann hätte ich meine Schuhe ausgezogen und wäre mutig drauf losgewatet. Denn der Steg war da, nur eben 40 cm unter Wasser. Seitdem ist dieses Bild für mich zu einem Sinnbild geworden.

Es steht dafür, dass der Weg da ist, auch wenn ich ihn in dem Moment nicht sehe. Vielleicht weil ich nicht aufmerksam genug die Umgebung studiere und ich deshalb solche Hinweise, wie das rote und gelbe Metall-Ding übersehe, oder weil zu vieles gleichzeitig auf mich einstürmt. Mit dem Urlaubsbild verbinde ich seitdem ein Wort aus Psalm 37: „Befiehl dem Herrn deine Wege, er wird’s wohl machen.“ Es kostet mich durchaus Überwindung, drauf loszuwaten, wenn ich den Weg nicht sehe, vor allem, wenn ich vielleicht nasse Füße bekomme. Doch ich bin überzeugt: wer auf die Hinweise achtet, kommt ans Ziel, selbst wenn der Weg dorthin auf den ersten Blick nicht sichtbar ist. Die Hinweise stehen allerdings nicht immer so offensichtlich in der Landschaft, wie damals am Wasser. Manchmal verstecken sie sich im Rat eines Freundes, oder in den Zeilen eines Lieds oder auch in einem Gedanken, der mir plötzlich im Sinn ist, wenn ich mal wirklich zur Ruhe komme. Oder ich muss tatsächlich die Bibel öffnen, um zu begreifen, dass ich bei Gott Halt finde, dass Jesus dieser Weg ist, der mich trägt. Er hält mich aus, mit allem, was ich an Unruhe und Zaghaftigkeit manchmal in mir habe. Dann weiß ich wieder: da ist ein Grund, der sicher ist, der ist da, - wie auch immer die Landschaft um mich herum gerade aussieht.

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30JAN2023
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Ich hatte neulich Urlaub, zwei ganze Wochen lang. Toll! Aber dann bin ich in ein ziemliches Loch gefallen. Ich war niedergeschlagen und viel zu viele Sorgen haben sich eingestellt, und Zeit zum Nachdenken war ja nun reichlich vorhanden. Dann kam auch noch ein Infekt dazu. Nein, das war nicht schön.

Zum Glück ging es nach `ner Zeit wieder aufwärts. Ich hab gedacht, ich erzähle das heute hier, denn vielleicht hilft anderen, was mir geholfen hat.

Ich habe mir, meiner Familie und einem guten Freund unter Tränen eingestanden, dass ich nicht mehr kann. Es hat gutgetan, mich so ehrlich zu machen. Danach habe ich mich in Hörbücher geflüchtet, mit Biographien von Leuten, die unglaubliche Herausforderungen gemeistert haben. Zuletzt war es die Lebensgeschichte eines jungen Mannes aus Guinea auf der Suche nach seinem Bruder. Zu hören, wie andere mit schwierigen Situationen umgegangen sind, hat mir Mut gemacht. Ich konnte mit diesem Blick von außen auch meine Probleme besser von außen angucken. Beim Zuhören habe ich dann praktische Dinge gemacht, wie die Küche geputzt oder für ne Freundin Socken gestrickt. Das waren so kleine Erfolgserlebnisse am Rande. Was mir auch geholfen hat, war, mich mit meinen düsteren Gedanken in Gottes Liebe zu flüchten. Das klingt vielleicht seltsam, doch so hab ich es empfunden. Ich habe gemerkt, dass ich mit meinem Grübeln nicht weiterkomme und habe Gott gebeten, sich zu kümmern. Mir ging’s nicht darum, mich aus der Verantwortung zu stehlen, doch ich war mir sicher: manches, über das ich mir Sorgen mache, kann ich nicht beeinflussen. Und bei allem anderen, komme ich mit Gott zusammen am besten weiter. Ich hab das auch früher schon so erlebt, dass ich mit Gott im Rücken Probleme überwinden kann. Und ich weiß, dass er gerne für mich da ist. So wie für jeden anderen auch. Nach ein paar Tagen ist es mir deutlich besser gegangen. Ich weiß aber auch, dass es schwer sein kann, allein aus so einem Loch herauszukommen. Wenn es durch nichts und niemanden besser wird, dann, darf und muss ich mir Hilfe suchen. Es könnte auch eine Depression sein, die mich so kraft- und mutlos sein lässt. Dann ist es wichtig, dass ich mir jemanden suche, der mich bei den nächsten Schritten unterstützt.  Hausärztin, Seelsorger oder die Telefonseelsorge können gute Ansprechpartner sein. Die wissen weiter. Es gibt Hoffnung und Hilfe.

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