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SWR2 Lied zum Sonntag

04DEZ2022
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Musik:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,

es kommt der Herr der Herrlichkeit!

Ein König aller Königreich,

ein Heiland aller Welt zugleich,

der Heil und Segen mit sich bringt,

derhalben jauchzt und freudig singt,

Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich an Rat.

  

Dieses Lied ist zum ersten Mal vor knapp 400 Jahren erklungen - am 2. Advent 1623 – nämlich bei der Einweihung einer Kirche im ostpreußischen Königsberg. Ihr Pfarrer Georg Weissel hat es extra für diesen Zweck gedichtet.

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“ Jesus Christus soll in die neue Kirche einziehen, damit aus dem von Menschen errichteten Gebäude ein Gotteshaus wird. In barocker Sprachpracht entfaltet Weissel das Bild eines Königs, der allen seinen Segen bringt und alles wie eine Freudensonne mit seinem Glanz erhellt. So lautet die Aufforderung an die Gläubigen: Lasst Jesus herein! Nicht nur in eure Gotteshäuser, so großartig sie auch sein mögen, sondern in euer Herz, damit dieses zum Tempel Gottes werden kann. 

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, euer Herz zum Tempel zubereit.“ Das Lied wendet sich an jeden Einzelnen. Das ist typisch für die Barockzeit: In deinem ganz persönlichen Leben will Jesus ankommen. Das ist die Botschaft dieses 400 Jahre alten Liedes, das schon über so viele Generationen weitergegeben worden ist.

Wichtig war dafür, dass Johann Freylinghausen es 1704 in sein bekanntes Gesangbuch aufgenommen hat. Von ihm stammt wahrscheinlich auch die schwungvolle Melodie, die Alt und Jung bis heute gerne singen. Freylinghaus hat ein Waisenhaus geleitet, die Franckesche Anstalt in Halle. Dort sind völlig verwahrloste Kinder aufgenommen worden, die bis dahin nur Hunger, Angst und Gewalt erfahren hatten. Nun durften sie Geborgenheit und menschliche Zuwendung erleben und das Gefühl, etwas wert zu sein. Sie bekamen eine Ausbildung. Und die religiöse Erziehung durfte natürlich auch nicht fehlen.

Gerade diesen Kindern galt ja die Zusage, dass Jesus Christus in ihrem Herzen wohnen will. Dass sie seiner Liebe wert sind. Aber wie kann diese Botschaft wirklich ankommen in einem Kinderherz, das schon so viel Negatives erlebt hat? Die Therapie damals war Singen. Beim Singen öffnen wir uns für den Klang, für die Worte und den Sinn. Wenn wir ein Lied immer wieder singen, kann es uns zu einem inneren Erfahrungsraum werden, zur Seelennahrung – gerade auch in dunklen Zeiten.

Deswegen war Freylinghausen das gemeinsame Singen so wichtig. Aus den vernachlässigten Waisenkindern wurden oft gut ausgebildete Sänger, die durch die Straßen zogen, um sich mit ihrem Singen ein paar Groschen zu verdienen. Und so haben sie das wunderbare Lied bekannt gemacht.

 

Musik:

Komm, o mein Heiland, Jesus Christ,

meins Herzens Tür dir offen ist.

Ach zieh mit deiner Gnade ein,

dein Freundlichkeit auch uns erschein.

Dein Heilger Geist uns führ und leit,

den Weg zur ewgen Seligkeit.

Dem Namen dein, o Herr,

sei ewig Preis und Ehr.

 

Komponist:

T: Georg Weissel, M: Halle 1704

 

Musikquellen:  

CD Carus-Verlag -Weihnachtslieder; Orpheus-Vokalensemble, Ltg. Michael Alber

https://www.kirche-im-swr.de/?m=36649