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SWR1 3vor8

28AUG2022
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Eigentlich ist König David ein guter Herrscher. Und doch verliert er das Maß – denkt, er würde über den Dingen stehen. Die Macht ist ihm zu Kopf gestiegen. Davon erzählt eine biblische Geschichte, die heute im Mittelpunkt vieler evangelischer Gottesdienste steht.

Als König David sich in die Frau eines seiner Soldaten verliebt, sorgt er dafür, dass dieser an vorderster Front eingesetzt im Kampf ums Leben kommt. Jetzt hat er freie Bahn, um dessen Witwe in seinen Harem zu holen. Es soll wie ein Tod auf dem Schlachtfeld aussehen, ist aber Mord. König David weiß das natürlich. Aber er ist schließlich der König.

Er will so handeln, er kann es auch, also tut er es. Für ihn ist die Sache damit erledigt. Nicht aber für den Propheten Nathan, dem sie zu Ohren gekommen ist. Raffiniert fordert Nathan unter vier Augen König David auf, Recht zu sprechen. Es geht um folgenden Fall: Ein reicher Mann hat einem armen Mann dessen einziges Schaf weggenommen, um es einem Gast als Braten zu servieren. Der Arme hat sein Schaf geliebt wie ein Kind. Aber der Reiche hat es einfach nicht über sich gebracht, eines von seinen eigenen Tieren zu nehmen.

David fordert sofort die Höchststrafe für den reichen Mann. Du bist dieser Mann, antwortet Nathan kühl. Da knickt David ein. Von ihm selbst ist die Rede gewesen und er erkennt sich auch wieder. Ja, er hat seine Macht missbraucht. Andere sterben daran.

Ich bin nicht in einer Position wie König David. Meine Macht und Möglichkeiten reichen nicht sehr weit. Trotzdem hält auch mir diese Geschichte den Spiegel vor: Will ich manches machen, nur weil ich es kann? Weil es im Bereich meiner Möglichkeiten liegt?

Wie rücksichtslos kann ich werden, wenn es dabei um meine Interessen geht? Für die Bibel ist das Missbrauch meiner Möglichkeiten. Dass andere dabei zu Schaden kommen, macht die Schuld schwer.

Nach der Unterredung mit Nathan bereut David zutiefst. Er kann nichts ungeschehen machen, will aber in Zukunft nicht mehr auf Kosten anderer leben. Er verinnerlicht die moralischen Ansprüche, die an ihn gestellt werden - und die er selbst ja auch teilt. Seine äußere Macht schrumpft dabei, seine innere Gewalt über sich wächst.

Das wünsche ich mir auch für mich und für Sie.

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