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SWR1 3vor8

31JUL2022
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Hunger - ist wahrscheinlich das mächtigste Gefühl der Welt. Bei uns herrscht kein Mangel, und deshalb vergessen wir das leicht. Aber wenn die Grundlage zum Leben fehlt, wenn es keine Nahrung gibt, dann übernimmt der Hunger die Kontrolle, und zwar über alles: über jede unserer Entscheidung, jeden Gedanken und jeden Schritt. Und der Gedanke macht mir Angst: Wer weiß, zu was ich selbst fähig wäre, im Kampf ums tägliche Brot…

Unser täglich Brot gib uns heute – so hat Jesus selbst gebetet, und so hat er es seinen Anhängern sicher nicht zufällig mit auf den Weg gegeben. Wir Christen beten so bis zum heutigen Tag im Vater unser. Es geht Jesus um Nahrung für den Körper, aber auch um Nahrung für die Seele. Denn ja, auch die Seele kann hungern: nach Gerechtigkeit, nach Frieden, Geborgenheit, Glück: Vater, Dein Wille geschehe. Wie im Himmel, so auf Erden – bitten wir im Vater unser.

Ich denke, Jesus wollte verhindern, dass wir Menschen seelisch verhungern. Und das erklärt vielleicht auch die ungeheure Anziehungskraft, die er auf seine Mitmenschen hatte. Manchmal waren es ja tausende, die zusammengekommen sind, um ihm zuzuhören. Ihre Arbeit, ihren Broterwerb haben sie dafür einfach liegen lassen. Sie haben einen leeren Magen riskiert - so groß war der Hunger der Seele nach Liebe und Zuwendung. Nach einem guten Wort, nach Vergebung, nach Gott, der wie ein Vater ist und sich um jeden einzelnen von ihnen sorgt.

5000 sollen es einmal gewesen sein, erzählt die Bibel. Und am Ende eines langen Tages wussten die zwölf Jünger von Jesus nicht, womit sie die vielen Leute versorgen sollten. Da war nur ein Junge mit seinem persönlichem Proviant: zwei Fischen und fünf Leibern Brot. Was konnten sie damit schon anfangen?

Jesus wusste ganz genau, was damit anzufangen war. Auf sein Geheiß hin hat sich die Menschenmenge niedergelassen, die Jünger haben angefangen, Fische und Brot zu verteilen – und alle wurden satt.

Wie das möglich war? Das lässt die Geschichte offen. Das Wunderbare an ihr ist: Wer zu Jesus kommt, der wird satt werden – und zwar am Leib und an der Seele!

Jesus bringt Gott, den Vater, nahe zu den Menschen. Vater, gib du uns unser Brot – damit der Hunger uns nicht beherrscht und uns dazu bringt, anderen ihr Leben wegzunehmen. Und Vater: Dein Wille geschehe: Frieden auf Erden, Gerechtigkeit und Respekt vor allen Menschen. Wenn Du für uns sorgst, dann wird unsere Seele gesund.

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