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SWR1 3vor8

17JUL2022
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Wie kann ein Neuanfang gelingen? Umziehen, den Job wechseln, mal was ganz Anderes ausprobieren. Neuanfänge gehören zum Leben einfach dazu. Auch in den evangelischen Kirchen wird heute über einen Neubeginn gepredigt.

Gott fordert Abraham dazu auf, seine Heimat und seine Verwandten zurückzulassen und in einem fremden Land ganz neu anzufangen. Das kommt für Abraham ziemlich unvermittelt. Aber Gott verspricht ihm dafür auch einiges: Ich will dich zum Stammvater eines großen Volkes machen. Ich will dich segnen und deinen Namen groß machen. (1. Mose 12,1f).

Und Abraham lässt sich darauf ein. Er bricht auf. Ob er Zweifel hatte? Angst? Ob er in der Nacht vor seinem Aufbruch schlecht geschlafen hat? Die Bibel erzählt nichts davon. Aber mich würde es wundern, wenn es nicht so gewesen wäre. Ich zumindest überlege meisten ziemlich lang und zweifle bevor ich etwas Neues beginne. Tu ich das Richtige? Welche Risiken habe ich vielleicht nicht bedacht?

Was braucht es also, um den Schritt ins Neue wirklich zu wagen?
Ich glaube, es benötigt es jemanden, der mir den Neuanfang zutraut. Denn dadurch gewinne ich Selbstvertrauen, und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten wird gestärkt. Abraham erlebt das. Gott ist überzeugt: Der kann das! 

Und dazu kommt bei Abraham jede Menge Gottvertrauen. Er hat drauf vertraut, dass Gott ihn unterstützt und seine Versprechen hält.

Was ich daran auffällig finde: Obwohl Abraham derjenige ist, auf den Neues zukommt, nimmt Gott die aktive Rolle ein. Er beginnt das Gespräch und sagt: Ich zeig dir ein Land. Ich schenke dir ein großes Volk. Ich mache dich berühmt.

Gott führt Abraham. Und Abraham ist bereit, sich führen zu lassen. Ein bisschen auch ins Ungewisse. Denn obwohl Gott ihm ja schon einiges versprochen hat, konnte Abraham wohl kaum genau abschätzen, was da alles auf ihn zukommt. 

Und ich glaube, dass für einen gelingenden Neuanfang diese Mischung wichtig ist: Selber losgehen im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und im Wissen, dass ich unterstützt werde. Und gleichzeitig zu sehen und zu akzeptieren, dass man nicht alles selbst in der Hand hat oder vorausplanen kann, dass es auch Führung oder Fügung bedarf.  

Dann kann ich den Schritt ins Neue mutig wagen - nicht blauäugig, naiv und ohne Plan, aber ereignis- und ergebnisoffen.       

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