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SWR1 3vor8

13MRZ2022
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In der Westpfalz, wo ich lebe, gibt es den Sternenpark Pfälzerwald. Er liegt in einer dünn besiedelten Gegend mit dichten Wäldern. Dort gibt es nur sehr wenig sogenannte Lichtverschmutzung. Das heißt, nur an solch abgelegenen Orten ist es in unserer technisierten Welt überhaupt noch möglich das zu erleben, was im ersten Buch der Bibel einmal von Abraham erzählt wird. Wie Gott Abraham eines Nachts aus seinem Zelt hinausführt und ihn einlädt, den Himmel zu betrachten. Und wie Gott ihm im Angesicht des Sternenhimmels noch einmal zusagt, dass seine Nachkommen so zahlreich sein werden wie die Sterne, die er in der tiefen Dunkelheit der Nacht am Himmel sehen kann (Gen 15, 5-6). Genau an dieser Verheißung Gottes hatte der alt gewordene und kinderlos gebliebene Abraham nämlich gezweifelt.

Das Bild des nächtlichen Sternenhimmels. Der Bibel dient es vordergründig dazu, die riesige Nachkommenschaft Abrahams zu illustrieren. So zahlreich soll sie werden, dass es unmöglich sein wird sie zu zählen. Aber in diesem Bild liegt eigentlich viel mehr. Wer je das Glück hatte, in einen klaren Nachthimmel blicken zu können, der noch nirgendwo von Kunstlicht verschmutzt ist, der wird dieses Bild womöglich lange nicht vergessen. Es kann wirklich überwältigend sein. Wie auch das Gefühl der Winzigkeit der eigenen Existenz, das sich angesichts der Größe und Weite des Universums einstellt. Der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel kann mich zumindest ahnen lassen, wie groß und grenzenlos dieser Gott ist, der sich da in seiner Schöpfung zeigt. Und zugleich empfinde ich mich in diesem Moment doch auch als ein winziger Teil dieses Großen und Ganzen. Eins mit der Schöpfung und ihrem Schöpfer. Die Erfahrung, die die Bibel da in wenigen Worten beschreibt, kann wirklich eine Glaubenserfahrung sein. Mehr noch. Eine stille Form des Gebets.

Und wenn die Bibel dann weiter erzählt, dass Abraham nach dem Blick in den Sternenhimmel Gott glaubte, dann beschreibt das vielleicht auch ganz gut, was Glaube eigentlich meint. Eben nicht das Für-Wahr-Halten auswendig gelernter Katechismussätze. Vielmehr das tiefe, felsenfeste Vertrauen auf einen Gott, der mich will und der mich liebt. Das Bewusstsein, ein zwar winziger, aber gewollter Teil eines großen Ganzen zu sein, das wir Gottes Schöpfung nennen.

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