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SWR1 3vor8

06MRZ2022
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Wir sind Christen auf Bewährung! Das habe ich neulich gelesen und konnte erst mal nichts damit anfangen. Bei Bewährung denke ich zuerst mal an Strafgefangene. Aber darum ging es natürlich nicht. Gemeint war, dass sich der christliche Glaube auch im Tun eines Menschen ausdrückt. Heißt: Christen müssen sich durch ihr Handeln bewähren.

Aber wie kann das aussehen? Wofür sollte man sich einsetzen? Davon schreibt Paulus in einem Brief in der Bibel, über den heute in den evangelischen Kirchen gepredigt wird. Als Beispiele nennt Paulus den Einsatz für Wahrheit und Gerechtigkeit, und eine Haltung von Liebe und Freundlichkeit. (2. Korinther 6,1ff).

Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe: Diese Begriffe sind also Wegweiser, sie zeigen, woran sich christlicher Glaube orientieren soll.

Mit Schrecken erinnere ich mich noch daran, wie Donald Trump sich selbst vor einer Kirche inszenierte, die Bibel in der Hand. Gleichzeitig ist er berüchtigt für seine Fake-News. Auch der brasilianische Präsident Bolsonaro spricht gerne über seinen Glauben an Jesus. Das hindert ihn ich nicht daran, Teile der Bevölkerung, die ihm nicht passen, mit aggressiven Parolen anzugreifen. Oder Wladimir Putin: Seit Jahren sucht er demonstrativ die Nähe zur Kirche und lässt sich gerne mit Geistlichen fotografieren. Ich will damit nicht sagen, dass all diese Männer gleich schlimm sind. Aber alle bezeichnen sich selbst als Christen. Und ich sehe und höre von diesen Männern kaum Wahrheit und Freundlichkeit. Sie sähen Hass und keine Liebe.  

Ihre Handlungen und Haltung haben nichts Christliches. Bestenfalls haben sie nicht verstanden, worum es beim christlichen Glauben geht. Wahrscheinlich sind es aber auch einfach Heuchler, die das Christentum für eigene Zwecke missbrauchen. Und das zeigt mir ganz deutlich: Es reicht nicht, sich Christ zu nennen. Glaube, woran man glaubt und wie er sich in Wort und Tat ausdrückt – das muss zusammenpassen. Glaube muss sich bewähren.

Er soll zu Wahrheit und Gerechtigkeit, Liebe und Freundlichkeit führen. Perfekt wird das wahrscheinlich niemandem gelingen. Die christliche Bewährung ist also eher ein fortwährendes Üben und Bemühen darum. Das klingt jetzt womöglich anstrengend und mühevoll. Finde ich es manchmal auch. Aber wenn es mir gelingt, freundlich, liebevoll und gerecht zu sein, dann tut mir das gut. Und meine Gegenüber, denke ich, auch. Dann profitieren alle. Die Mühe hat sich gelohnt und mein Glaube hat sich bewährt.

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