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SWR1 3vor8

06FEB2022
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Dir vertraue ich blind. Das sag ich nur zu jemandem, auf den ich mich voll verlassen kann. Dem ich auch in heiklen Situationen ohne schlechtes Gefühl vertraue.

Blindes Vertrauen – das hatte offensichtlich auch Petrus. Über ihn wird heute in den evangelischen Kirchen gepredigt. Er war mit seinen Freunden auf einem Schiff unterwegs, es hat gestürmt, der Wind hat ihnen ins Gesicht geblasen, die Wellen haben sich aufgetürmt. Da sieht Petrus in der Ferne Jesus. Er kommt zu ihnen - übers Wasser gelaufen! Und dann sagt Jesus auch noch zu Petrus:

Komm her zu mir! Und der macht das tatsächlich! Petrus steigt aus dem Boot und geht auf dem Wasser auf Jesus zu. (Mt 14,29)

Blindes Vertrauen! Petrus fasst Mut, wagt das Unbekannte und läuft übers Wasser. Eine unglaubliche Geschichte. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn muss man nicht verblendet sein, um das zu glauben? Ich denke nicht. Denn es geht in der Geschichte nicht darum, physikalische Gesetze infrage zu stellen. Sondern ich glaube, es geht um das tiefe Vertrauen zwischen Petrus und Jesus. Ein Vertrauen, mit dem Petrus mehr schafft, als er sich vielleicht selbst zugetraut hat. Auch weil er gespürt hat: Jesus vertraut auch mir; er glaubt an mich.    

So ein Vertrauen fällt nicht einfach vom Himmel. Petrus und Jesus haben sich gekannt, sind gemeinsam herumgereist. Und Petrus nannte Jesus Gottes Sohn. Er war überzeugt und hat erlebt: Mit ihm hab ich Gott an meiner Seite, da kann ich vieles schaffen.

Ich vertraue auch auf Gott, obwohl ich heute nicht mehr mit Jesus herumziehen kann. Aber ich erlebe Gottesnähe anders, zum Beispiel vermittelt durch die Erzählungen der Bibel, durch Erfahrungen, die Menschen vor mir gemacht haben und in Beziehung zu anderen.

Und ich glaube, das ist auch beim Vertrauen zu anderen Menschen wichtig: Dass es eine solide Vertrauensbasis gibt. Sonst wird Vertrauen zu Naivität.

Ich vertraue einem Freund blind, weil er mir schon oft gezeigt, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Und weil er mir was zutraut – mich aber auch warnt, wenn ich zu viel will. Das ist in dem Sinne gar kein blindes Vertrauen, sondern es basiert auf Erfahrungen. Es ist ein realistisches Vertrauen, weil es gute Gründe hat. Und dieses verwurzelte, begründete Vertrauen in Gott und in andere Menschen ermutigt mich und hilft mir dabei vieles zu schaffen ohne unterzugehen.

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