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SWR1 3vor8

09JAN2022
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Das kommt vor - im Leben von jedem Menschen. Manchmal geht einem einfach die Kraft aus. Es gibt Dinge, die verbrauchen auch den letzten Funken Energie, wenn man versucht, sie zu bewältigen. Sich in solchen Zeiten zu irgendetwas aufraffen? Um für etwas zu brennen, reicht es meistens nicht mehr. Meistens nicht mal für ein Fünkchen Begeisterung.

Kennen Sie solche Zeiten? Kraftraubend und ohne einen Funken Zuversicht? Das Ringen um eine Beziehung vielleicht - zwei Menschen, die doch ihr Leben gemeinsam verbringen wollten und zu scheitern drohen. Der Kampf um das Leben eines geliebten Menschen - der selbst mit einer Krankheit fertig werden muss. Wenn Eltern mit ihren heranwachsenden Kindern ringen - und Kinder mit ihren Eltern, dann kostet das Kraft. Kaum ein Funken Energie bleibt übrig.

Auch Streit ist schrecklich und kräfteraubend. In der Familie oder unter guten Freunden. Vielleicht hat man leichtfertig etwas gesagt, das Gegenüber verletzt. Der Versuch, das wieder zu kitten, gelingt oft nicht. Und dann steht man da, ganz geknickt, wie ein Rohr im Wind.

Und - wo ist eigentlich Gott in so schweren Zeiten? Wo finde ich den, wenn die eigenen Kräfte nicht reichen? Was ist nun mit Weihnachten? In allen Gottesdiensten war zu hören: in der Krippe kommt Gott selbst zu den Menschen. Er lässt uns nicht allein - niemals! Gott steht uns bei, und wir können ihm ganz persönlich begegnen - hier in der Krippe. Aber wo passiert das wirklich? Wo finde ich Gott?

Auch heute ist Gottesdienst, und in vielen evangelischen Kirchen ist heute ein Text aus der Bibel zu hören, der dieser Frage nachgeht, wie ich finde. Ein Satz aus dem Propheten Jesaja: „Das geknickte Rohr wird er nicht brechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“

Der glimmende Docht, das geknickte Rohr - klar, dass ich damit gemeint bin. Ich, der Mensch in schweren Zeiten. Aber wer wird das geknickte Rohr nicht brechen? Von wem redet Jesaja? Wer ist das, der den glimmenden Docht, das letzte Fünkchen Hoffnung nicht vollends auslöschen will?

In der Christlichen Tradition ist es Jesus - das Kind in der Krippe! Er raubt niemandem die letzte Kraft. Und er ist ein Fingerzeig, wo mir Gott begegnet - ob nun Weihnachten ist, oder nicht.

Wenn die angesichts von Sorgen und Nöten die Kraft auszugehen droht und da ist einer - ein Mann, eine Frau, eine Fremde oder ein Freund - egal - wenn da jemand ist, der hilft, den Funken zu erhalten, die geknickte Seele wieder aufzurichten - dann begegnet mir da Gott!

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