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SWR1 3vor8

03OKT2021
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Was bringt Menschen dazu, ihr Herz und ihren Geldbeutel zu öffnen, um andere zu unterstützen? Schon zur Zeit der ersten Christen hat sich der Apostel Paulus diese Frage gestellt. Er wollte bei der Gemeinde in Korinth Geld locker machen für notleidende Menschen in Jerusalem. Dazu hat er in einem Brief einen schönen Spendenaufruf verfasst. Über den wird heute in vielen evangelischen Kirchen gepredigt. Und mittendrin steht da der Satz: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!“ Damit will Paulus die Leute locken, Geldbeutel und Herz zu öffnen: Fröhlich und gerne etwas abgeben - damit kann man sogar Gott beeindrucken.

Solch einem fröhlichen Geber bin ich gerade erst begegnet. In Gedanken versunken war ich zu Fuß unterwegs nach Hause. Da ruft plötzlich jemand: „Brauchen Sie Äpfel?“ Ein Mann stand an seinen Gartenzaun gelehnt und hat auf ein paar Körbe voll gelbrot leuchtender Äpfel gezeigt. Und obwohl die Äste an unserem Apfelbaum sich in diesem Jahr auch gewaltig biegen, konnte ich es ihm nicht abschlagen, wenigstens ein paar davon einzustecken. Beide waren wir in diesem Moment fröhlich, der Geber und die Beschenkte. Zugegeben - das war auch nicht weiter schwer. Wir hatten beide Äpfel im Überfluss. Der Mann war froh, ein paar loszuwerden und ich war froh, nur ein paar nehmen zu müssen.

Was aber bringt Menschen dazu, ihr Herz und ihren Geldbeutel auch dann zu öffnen, wenn kein Überfluss herrscht? Wenn die Äpfel nicht kiloweise an den Bäumen hängen? Wenn man Geld spenden soll und selbst auch nur gerade so über die Runden kommt? Geben ist ein Risiko, eine echte Herausforderung. Paulus macht auch dazu Mut. Er schreibt: „Gott …wird euch so reich machen, dass ihr jederzeit freigebig sein könnt.“ Er setzt auf Gottvertrauen statt auf Risikoabwägung. Fröhlich und freigiebig wird ein Mensch, wenn er entdeckt, wie reich beschenkt das eigene Leben ist.

Gott wird mein Leben reich beschenken. Davon war auch meine Großmutter überzeugt. Nach dem Essen hat sie oft gesagt: „Morgen gibt es wieder gutes Wetter. Denn ihr habt alle eure Teller leer gegessen!“ Erst später habe ich herausgefunden, dass dieser Spruch aus dem Plattdeutschen kommt. Ursprünglich war damit nämlich gemeint, dass man bei einer Mahlzeit ruhig alles aufessen kann, denn morgen „gevt God wedder“, also, morgen gibt Gott wieder, was wir zum Leben brauchen. Wer in diesem Vertrauen lebt, der kann auch fröhlich geben. Denn morgen gibt Gott wieder, was wir brauchen. Und einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

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