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SWR1 3vor8

12SEP2021
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Er ist schon eine Zumutung, dieser Text, der heute in den Katholischen Kirchen zu hören ist. Wenn es da heißt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten.“ So steht es im Markusevangelium.
Jesus sagt das zu seinen Jüngern, eigenartigerweise im Zusammenhang mit der Frage, für wen ihn denn die Leute halten würden. Und als Petrus sagt, er halte ihn für den Messias, verbietet Jesus seinen Jüngern strengstens, das weiter zu sagen und spricht von seinen bevorstehenden Leiden und von den Leiden, die seine Jünger wegen ihm erwarten.

Schwierig! Ich sehe zwei Möglichkeiten, das alles zu verstehen.

Die erste: Markus hat diese Passage wie auch sein ganzes Evangelium rund 40 Jahre nach dem Tod Jesu geschrieben. Die ersten Christen waren unter Druck und haben sich wohl auch gefragt, wie ein Messias zu einem so schrecklichen Tod am Kreuz kommen konnte. Und warum sie so angefeindet wurden, wo sie doch nach einer so unvergleichlich guten Lehre lebten. Für sie schreibt der Evangelist Markus diese Worte. Als Trost in schweren Zeiten, als Zuspruch, der die Zumutungen erklärt, die dieser Glaube auch mit sich bringt.
Die andere Möglichkeit, diesen Text zu verstehen ist eine eher allgemein menschliche, die natürlich auch für die ersten Christen stimmt:

Zur Nächstenliebe gehört, sich zurücknehmen zu können. Das meint keine Selbstaufgabe und schon gar keinen Masochismus. Aber die Fähigkeit, von sich absehen zu können, über sich hinausgehen können, loslassen zu können. Das ist wahrlich nicht leicht und tut oft auch weh. Dazu braucht es Mut, Stärke und die Fähigkeit, sich etwas – im Wortsinne - zu-mut-en zu können.

Aber wohl nur so lässt sich dieses Paradox verwirklichen: Dass ich gewinne, wenn ich verliere. Dass ich etwas bekomme, viel bekomme, vielleicht das Beste das es gibt, wenn ich fähig bin herzugeben. Wenn ich es schaffe, Dinge nicht zu erzwingen und Menschen nicht festhalten zu wollen. Dann kann ich glücklich sein oder werden - und frei. Oder anders ausgedrückt: lieben…

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