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SWR1 3vor8

18JUL2021
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Bei Gott auftanken – geht das? Ich versuche es gerade immer wieder zwischendurch.

In meinem Terminkalender klebt auf der letzten Seite ein goldfarbener Aufkleber. Darauf ein QR-Code und der Satz: „Ich brauche Segen.“

Der Aufkleber gehört zur gleichnamigen ökumenischen Aktion[1], die Menschen stärken und ermutigen soll. Und das ganz unkompliziert zwischendurch. Einfach mit dem Handy den QR-Code scannen und schon öffnet sich der Link zu einer Internetseite, auf der man ein Segenswort lesen oder sich vorlesen lassen kann. Das klingt dann zum Beispiel so: „Gott stärke dir den Rücken.“ Oder „Hab keine Angst! Denn Gott ist mit dir bei allem, was du unternimmst!“ Weil viele Menschen mitgemacht und Segens-Aufkleber verteilt haben, gibt es sie mittlerweile an einigen Orten: nicht nur vor Kirchen, sondern auch in geparkten Autos oder in Schaufenstern.

Ich nutze diesen Segens-Code immer wieder. Morgens nach dem Aufstehen oder wenn es ein Tag ist, an dem ich müde und platt bin und nicht so richtig in die Gänge komme. Und manchmal krame ich den Segensaufkleber auch gerade dann raus, wenn ich vor lauter Arbeit nicht mehr weiß, wo ich zuerst anfangen soll.

In solchen Momenten tut mir ein Segenswort richtig gut. Für einen kurzen Moment ist dann nichts anderes wichtig. Alles, was mich sonst so beschäftigt, rutscht ein wenig zur Seite, und es kann sein, dass ich einen Draht nach oben bekomme. Das Segenswort erinnert mich daran, dass Gott da ist. Dass er mich liebevoll ansieht und das Gute in mir stärkt. Und diese Verbindung zwischen Himmel und Erde kann mir helfen, wieder zu mir und auch zu Gott Kontakt aufzunehmen und anzupacken, was gerade ansteht. Der Segen ist dann wie eine Tankstelle, an der ich Kraft tanken und durchschnaufen kann.

Gott als Tankstelle – so verstehe ich auch das Evangelium, das heute in katholischen Gottesdiensten zu hören ist. Da sagt Jesus zu seinen Jüngerinnen und Jüngern, mit denen er unterwegs ist: „Kommt mit an einen einsamen Ort (…) und ruht ein wenig aus.“
(Mk 6, 31)

Einige Zeit vorher hat er sie immer zu zweit losgeschickt, um seine Botschaft zu verbreiten. Das war sicher kein Spaziergang und auch immer wieder richtig anstrengend. Nun kommen sie zurück. Wollen ihm erzählen, was sie getan und erlebt haben. Und auch, wenn noch jede Menge zu tun ist, drückt Jesus erst einmal auf die Bremse. Er nimmt sie mit an einen ruhigen Ort und gönnt ihnen eine Pause. Zeit, um durchzuschnaufen. Und Zeit, um sich durch Gespräche und gute Worte gegenseitig zu stärken.

Auch ich brauche immer wieder solche Tankstopps bei Gott. Der kleine goldene Segensaufkleber in meinem Kalender hilft mir dabei.

 

[1] Weitere Infos zur Initiative: www.segen.jetzt

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33540