Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR1 3vor8

11JUL2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

2021 sind bis jetzt mehr Kinder geboren worden als in den Jahren zuvor. Ich finde das schön. Und ich wünsche allen Mamas und Papas, dass sie sich immer wieder freuen können an ihren Kindern. Und dass die Nerven halten, wenn es arg anstrengend wird mit den Kindern.

Vermutlich fragen sich Eltern jetzt auch: Sollen wir unser Kind taufen lassen? Es ist ja wieder möglich. Oder greife ich damit zu stark ein in die Selbstbestimmung meines Kindes?

Ich finde nicht. Klar wird ein Kind durch die Taufe Kirchenmitglied. Aber diese Bindung ist keine Fessel. Sondern eine Verbindung. Und wir leben von und in Verbindungen. Ohne verkümmern wir.

Die Verbindungen, die man mit der Taufe bekommen kann, sind kostbar. Ein Geschenk des Himmels sollen sie sein für Täuflinge und alle Beteiligten.

Heute geht es in den evangelischen Kirchen um dieses Geschenk. Auf den Punkt gebracht wird es in einem menschenfreundlichen Wort von Jesus:

„Tauft Menschen. Ladet sie ein, meine Schülerinnen und Schüler zu werden. Werdet Menschenfreunde, wie ich es auch bin. Und seid gewiss. Ich bin bei Euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“

Ich verstehe, wenn Ihnen diese Worte etwas vollmundig vorkommen. Es ist nicht leicht, ganz davon überzeugt zu sein. Matthäus hat in der Bibel erzählt, das ging auch denen schon so, die diese Worte damals als Erste gehört haben. „Einige hatten Zweifel“, hat er festgehalten.

Man soll sich auf etwas verlassen, was man nicht sehen kann. Auf Gott. Dass ER da ist und einen begleitet. Und das Kind, das man taufen lässt. Dass ER es begleitet in alle Erfahrungen, auch Gefahren, die das Leben bringt.

Zwei Gedanken dazu: Ich finde, es ist auch gut, wenn man von diesem Vertrauen in Gott vielleicht nur ein Stück fassen kann. Ich glaube, kein Mensch vertraut zu 100 %. Dass Gott mich begleitet in allem, auch über den Tod hinaus, das kann auch wackeln oder nur noch glimmen. Aber besser man hält ein Stück Vertrauen fest. Als es aufzugeben.

Und noch etwas: Eine Taufe ist keine Versicherung. Sie macht ein Kind, das getauft wird, nicht unverletzlich.
Das kann man ja an Jesus sehen. Der war selbst verletzlich und er hatte ein offenes Herz für Menschen und deren Verletzbarkeit. Die Taufe soll uns Menschen nicht abhärten, sondern uns herzlich machen. Menschenfreundlicher. Für so einen Lebensweg gilt das Wort von Jesus: „Ich bin immer bei Euch, bis zum Ende der Welt.“ Ich finde, diese Verbindung kann man eingehen. Auch für Kinder.

Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen evangelische Kirche

 

Bibeltext:  Mt. 28,16-20

 

16Die elf Jünger gingen nach Galiläa. Sie stiegen auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte.17Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Aber einige hatten auch Zweifel.

18Jesus kam zu ihnen und sagte: »Gott hat mir alle Macht gegeben, im Himmel und auf der Erde.19Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! 20Und lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe! Seid gewiss:
Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.«

https://www.kirche-im-swr.de/?m=33479