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SWR1 3vor8

27JUN2021
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Es ist eine der besten Geschichten in der Bibel. Weil sie erzählt, Menschen können sich versöhnen. Auch wenn sie einander ganz schlimme Dinge angetan haben.

Geschwister können einander schlimme Dinge antun, die sie nicht für möglich gehalten hätten. Zum Guten muss ich manchmal über meinen Schatten springen. Aber Menschen sind Geschwister und können auch so leben.

Wie Josef und seine Brüder in der Geschichte, die heute in den evangelischen Kirchen im Mittelpunkt steht. Eigentlich müsste man diese Geschichte viel öfter erzählen. In Familien, bei Beerdigungen z.B., wenn alte Wunden wieder weh tun und Geschwister sich nicht in die Augen sehen können. Damit man daran denkt, wie gut es tut kann, wenn man die Verletzungen und Wunden spürt und drüber redet, wofür man sich entschuldigen müsste. Und wenn man einander verzeiht. Und manches einfach gut sein lässt.

Aber vielleicht erzähle ich die Geschichte aus der Bibel mal selbst. Wir steigen ein nach der Beerdigung des Vaters. Josef und seine Brüder waren alle erwachsen. Josef sogar mächtig. Minister am Hof in Ägypten. Und darum haben seine Brüder vor ihm gezittert. Er könnte jetzt seine Wut an ihnen auslassen. Grund dazu hätte er. Was haben sie ihm nicht angetan, damals als Jugendlicher. Erst eine Falle gestellt, ihn dann halbtot geschlagen. Und zuletzt als Sklaven verkauft.

Und jetzt hat das Leben sie wieder zusammengebracht. Ihr Vater hätte sich sicher gefreut. Aber der ist gestorben und so standen die 11 Brüder Josef ohne ihn gegenüber. Zum Glück haben sie getan, was sie zur Versöhnung beitragen konnten. Sie haben sich erinnert, was sie getan haben. Haben es nicht verdrängt oder drumherum geredet.

Sie haben auch nicht versucht, Josef die Schuld in die Schuhe zu schieben, obwohl er auch nicht ganz unschuldig war, damals. Josef war so was von arrogant. Wer was Besonderes sein will, muss der nicht damit rechnen, dass ihm die anderen eins draufgeben? Wegen der Gerechtigkeit?

Die biblische Geschichte ist da ganz klar. Josef war nicht schuld. Schuld sind die Täter, nicht die Opfer. Als Täter bitte ich um Verzeihung für das, was ich getan habe.

Und die Versöhnung ist geglückt: Josef hat geheult, steht in der Bibel und dann gesagt: „Habt keine Angst. Steh ich etwa an Gottes Stelle? Ihr gedachtet es mit mir böse zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“

Könnte es so nicht immer sein zwischen Geschwistern? In Familien und unter uns Menschen. Dass Schlimmes versöhnt wird und wir wie Geschwister leben. Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen evangelische Kirche

 

Bibeltext:  1. Mose 50,15-21

 

Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben.

 16Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: 17So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als man ihm solches sagte.

18Und seine Brüder gingen selbst hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. 19Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? 

20Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk.21So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

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