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SWR1 3vor8

13JUN2021
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„Wir haben uns committed, dass die Deadline für den Pitch noch vor Quartalsende liegen muss.“ Diesen Satz hab ich gehört in einer Sitzung, und kaum verstanden. Vielleicht wäre es Ihnen auch so gegangen. Trotzdem, vermute ich, solche Sätze fallen in Firmen, Behörden und auch in Kirchen immer öfter.

Die Sprache wird aufgeladen, heute oft mit englisch klingenden Wörtern: Sie klingt nach Marketing, Wissen und Zukunft. Wer sie beherrscht, die Sprache, scheint wichtig und kompetent. Die einen schweben sprachlich in höheren Sphären und die anderen raffen nichts. So bestimmt Sprache, wer drinnen ist und wer draußen. Wer oben ist und wer unten.

Verstehen Sie mich nicht falsch:
Klar Sprache verändert sich, fremde Wörter machen sie lebendig und reicher. Wörter wie Fairness zum Beispiel oder Internet. Ich mag auch nicht verzichten auf schöne, klare Wörter wie Zenit oder flanieren, Pasta oder Grazie, Evangelium finde ich auch schön oder heaven.

Aber ich finde auch bedenkenswert, was Paulus schon beobachtet hat. Sprache kann Menschen zusammenbringen und sie kann ausgrenzen. In der Passage in der Bibel, die heute in den evangelischen Kirchen gelesen wird, meint Paulus: Sprache kann liebevoll sein, aber auch selbstverliebt und narzisstisch.

Ich lese Ihnen mal vor, was Paulus den Christenmenschen in Korinth ans Herz gelegt hat. Bleibt mit Eurer Sprache unbeirrt auf dem Weg der Liebe! …Wer in Geheimsprachen redet, der spricht nicht zu den Menschen, sondern allein, zu ‚seinem‘ Gott. Denn niemand versteht ihn.

Und wie wird Sprache nach Paulus liebevoll? Er hat ein Wort dafür, das ein bisschen erstaunt. „Prophetisch“ soll man sprechen und so ausdrücken, dass man andere achtet, schätzt, ja liebt.

Reden wie ein Prophet, eine Prophetin? Ich verstehe das so, was Paulus mir und Ihnen ans Herz legt: Klar reden, verständlich. Propheten sind ja Boten Gottes für die Menschen. Sie sollen nicht sprachlich abheben in höhere Sphären. Sie sollen normalen Menschen Gott übersetzen, nahebringen und zeigen, wie gutes Leben sein kann. Oder wie Paulus auch gesagt hat:  Wer als Prophet redet ….baut die Gemeinde auf, er ermutigt die Menschen und tröstet sie.

Aufbauen, ermutigen, trösten. Das ist „liebevoll“. Nicht andere mit Sprache klein machen und selbst abheben. Am Boden bleiben. Menschen mit Sprache verbinden. Möglichmachen, dass Menschen am guten Leben teilhaben können. Dann wird Sprache sozial, liebevoll und bringt Gott näher.

 

Bibeltext:   1. Kor. 14, 1-12

141Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe! Strebt nach den Gaben, die der Heilige Geist schenkt –vor allem aber danach, als Prophet zu reden.2Wer in unbekannten Sprachen redet, spricht nicht zu den Menschen, sondern zu Gott. Denn niemand versteht ihn. Was er unter dem Einfluss des Geistes sagt, bleibt vielmehr ein Geheimnis.3Wer dagegen als Prophet redet, spricht zu den Menschen. Er baut die Gemeinde auf, er ermutigt die Menschen und tröstet sie.4Wer in unbekannten Sprachen redet, baut damit nur sich selbst auf. Wer aber als Prophet redet, baut die Gemeinde auf .5Ich wünschte mir, dass ihr alle in unbekannten Sprachen reden könntet. Noch lieber wäre es mir, wenn ihr als Propheten reden könntet. Wer als Prophet redet, ist bedeutender als derjenige, der in unbekannten Sprachen redet –es sei denn, er deutet seine Rede auch. Das hilft dann mit, die Gemeinde aufzubauen.
6Was wäre, Brüder und Schwestern, wenn ich zu euch komme und  in unbekannten Sprachen rede. Was habt ihr davon, wenn ich euch nichts Verständliches vermittle? Das kann eine Vision sein oder eine Erkenntnis, eine  prophetische Botschaft oder eine Lehre.7So ist es ja auch bei den Musikinstrumenten, zum Beispiel bei einer Flöte oder  Leier: Nur wenn sich die Töne unterscheiden, kann man die Melodie der Flöte oder Leier erkennen.8Oder wenn die Trompete kein klares Signal gibt, wer rüstet sich dann zum Kampf?9Genauso wirkt es, wenn ihr in unbekannten Sprachen redet. Wenn ihr keine verständlichen Worte gebraucht, wie soll man das Gesagte verstehen können? Ihr werdet in den Wind reden!10Niemand weiß, wie viele Sprachen es auf der Welt gibt. Und kein Volk ist ohne Sprache.11Wenn ich eine Sprache nicht verstehe, werde ich für den ein Fremder sein, der sie spricht. Und wer sie spricht, ist umgekehrt ein Fremder für mich. Das gilt auch für Euch, ihr strebt nach den Gaben des Heiligen Geistes. Dann strebt nach Gaben, die die Gemeinde aufbauen. Davon könnt ihr nicht genug haben.

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