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SWR1 3vor8

16MAI2021
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Mein verordnetes Homeoffice ist eine recht einsame Schreibtischarbeit. Manchmal komme ich nicht recht voran. Alles staut sich in meinem Kopf und widersetzt sich störrisch meiner Mühe. Wenn ich so feststecke, dann unterbreche ich. Ich gehe raus vor die Tür, auch wenn´s regnet. Bewegung! Und tatsächlich, kaum gehe ich ein paar Schritte, kommen auch die Gedanken wieder in Fluss. Der Stau löst sich.

Einen Stau auflösen – in der Bibel ist das die Wirkung vom Geist Gottes! Die Geistkraft fließt - wie ein Strom, der das Land fruchtbar macht.
Jesus selbst hat diesen Vergleich gezogen, als er an einem großen Erntedankfest teilgenommen hat. In einer feierlichen Prozession wurde Quellwasser in den Tempel heraufgetragen und am Altar ausgeschüttet. Die Menschen haben so Gott für die Ernte gedankt und um Wasser gebeten, um Regen von oben und um Quellwasser aus der Tiefe.

Als er das sah, hat Jesus gerufen: Wen dürstet, der komme zu mir und trinke. Wer an mich glaubt (…), von dem werden Ströme lebendigen Wassers fließen. (Joh 7,37f.)

Was für ein seltsames, sinnliches und gar nicht wirklich vorstellbares Bild von einem, aus dem „Ströme lebendigen Wassers“ fließen! Dieses Bild von Jesus wird heute in den evangelischen Gottesdiensten betrachtet. Wen dürstet, der komme zu mir und trinke. Ja, ich habe Durst.

Jeden Sonntag lese ich laut den Psalm, das Evangelium und den Predigttext, egal ob ich zum Gottesdienst gehe oder nicht. Für mich ist das wichtig. Ich brauche das. Lebendiges Wasser! Es ist nicht viel, ein kleines Rinnsal, aber es nährt zuverlässig mein karges Land.

Immer löst es etwas in mir aus. Mal bin ich überrascht und getröstet, mal auch befremdet und überfordert. Heute zugegeben eher Letzteres. Wie soll das gehen?

„Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke.“ Alle Welt dürstet. Es brennt an allen Ecken und Enden. Die Erde ist erschöpft. Meine Gedanken erstarren wieder.

Wie gut da dieses seltsame Bild heute! Jesus verspricht einen unerschöpflichen Fluss des Geistes Gottes, der von ihm ausgeht. Menschen tragen ihn weiter und vermehren ihn sogar. Ein unendlicher Flow. Unverfügbar. Er löst das Starre, setzt in Bewegung, bringt in Beziehung und auf ganz neue Gedanken. Das spüre ich und darauf hoffe ich.

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